Investoren setzen auf die Agenda 2010


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Nassie:

Investoren setzen auf die Agenda 2010

 
21.05.03 10:45
Experten: Maßnahmen können nur erster Schritt sein - Dax-Aufschwung aber nur bei tief greifenden Reformen
von Daniel Eckert

Berlin -  Für viele gestandene Sozialdemokraten dürften die in der Agenda 2010 vorgeschlagenen Schritte zum Umbau des Sozialstaats wie ein Schreckensszenario anmuten. Von einer Kürzung des Arbeitslosengeldes, einer Privatisierung des Krankengeldes, einer Lockerung des Kündigungsschutzes und ähnlichen Grausamkeiten ist die Rede. Entsprechend verbissen ist der Widerstand, der auch Gerhard Schröders Agenda 2010 aus den eigenen Reihen entgegengebracht wird. Anfang der Woche musste der Kanzler sogar mit seinem Rücktritt drohen, um die Reformen gegen den Protest der Parteilinken und Gewerkschaften durchzudrücken.


Die deutsche Volkswirtschaft und damit auch der Aktienmarkt hat eine Reformoffensive derweil bitter nötig. "Es muss etwas geschehen, um den Standort Deutschland vor dem Abstieg zu bewahren", sagt Gerhard Schwarz, Leiter Portfolio-Strategie bei der Hypo-Vereinsbank.


Der starke Kursrückschlag zum Wochenbeginn gemahnte viele Anleger daran, dass von einem stabilen Aufschwung nicht die Rede sein kann. Noch immer notieren viele Dax-Werte drei Viertel unter ihrem Höchststand. Und auch im Vergleich mit anderen Börsen sieht die Bilanz mager aus. Während der Dow Jones nur gut zehn Prozent unter seinem Stand vom Mai 2002 notiert, hat der Dax im Jahresvergleich fast 40 Prozent verloren. Damit steht er auch deutlich schlechter da als die anderen europäischen Indizes: Der französische CAC 40 büßte rund 30, der FTSE 100 nur etwas mehr als 20 Prozent ein.


Die Hoffnungen der Anleger richten sich jetzt darauf, dass die Agenda 2010 Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt aufbricht, die Lohnnebenkosten verringert und der deutschen Ökonomie ihre Dynamik zurückgibt. Wunder sollten Investoren von dem Reformprogramm indes nicht erwarten.


"Kurzfristig können die Neuerungen sogar einen gegenteiligen Effekt haben", betont Dirk Schumacher von der Investmentbank Goldman Sachs. Durch die vereinfachte Möglichkeit zur Kündigung könne zum Beispiel die Arbeitslosigkeit hochschnellen. Das werde vorübergehend einen weiteren Nachfrageausfall und eine stärkere Belastung der Staatskassen mit sich bringen. Im Aufschwung würden Unternehmen dann aber umso schneller wieder einstellen. Übereinstimmend warnen alle Experten vor einer weiteren Gefahr im Zusammenhang mit der Reformdiskussion: "In Deutschland darf nicht jeden Tag eine neue Steuer-Sau durchs Dorf getrieben werden", sagt Robert Halver, Stratege bei der Bank Vontobel, "das ist tödlich für das Vertrauen der Konsumenten und Investoren."


Auch in anderer Hinsicht sind sich die Strategen einig. Sollte die Agenda 2010 in den Parteigremien oder im Bundestag scheitern, wäre dies ein Menetekel für die Zukunft des Landes. Doch selbst wenn Schröder sein Projekt ohne Abstriche durch die Gremien drücken kann, bedeutet dies noch keinen Durchbruch beim Reformprozess. "Die Agenda ist allenfalls ein erster Schritt in die richtige Richtung", betont Schwarz.


"Einen autonomen Aufschwung wird es am deutschen Aktienmarkt nur dann geben, wenn sich die Politik zu groß angelegten Reformen durchringen kann", so Halver. Bis dahin wird der deutsche Aktienmarkt wohl am Tropf der anderen Weltbörsen hängen und meist ein wenig schlechter abschneiden als diese. Weiterhin skeptisch äußern sich vor allem angelsächsische Marktbeobachter. Sarasin-Stratege Roger Nightingale glaubt nicht, dass Deutschland schon reif ist für wirkungsvolle Reformen. Erst müsse die stärkste Volkswirtschaft Europas durch ein Purgatorium von 15 Prozent Arbeitslosigkeit und drei Prozent Deflation gehen. Der einzige Markt, in dem bis dahin richtig Geld zu verdienen sein dürfte, ist der Rentenmarkt. Denn nach Nightingales Einschätzung sinkt der Leitzins auf null Prozent.


Verglichen mit diesem Horrorszenario mögen sich Schröders Reformpläne sogar in den Ohren von SPD-Linken und Gewerkschaftlern gar nicht mehr so schrecklich anhören.


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Bronco:

Machen wir doch einfach mal ein gaaaanz

 
21.05.03 11:22
primitives Rollenspiel:

Wir haben ein Unternehmen, das zwei Produkte A und B fertigt. Derzeit haben wir auch Kapital zur Verfügung und stehen nun vor der Entscheidung, in welches Produkt wir investieren sollen:

Produkt A: Der Ladenhüter läuft einfach scheiße. Der Staat bietet uns an, 50% der Investitionen zu übernehmen, die Gewinne will er uns steuerfrei überlassen und für jeden Arbeitnehmer, den wir dafür zusätzlich beschäftigen, zahlt er uns noch Zuschuß zu unserem Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen.- Nur ein Problem bleibt. Produkt A verkauft sich jetzt schon nicht - was sollen wir mit noch mehr von dem Schrott ? Die Investition ist auch dann in den Sand gesetzt, wenn wir nur 50% davon zahlen müssen, und die Arbeiter sind auch bei verminderten Lohnkosten ein Draufzahlgeschäft, wenn sie keine Umsätze generieren.

Produkt B: Auch dieses Produkt läuft nicht gut, was im Wesentlichen daran liegt, daß zwar Bedarf da wäre, unseren potentiellen Kunden aber die Kohle fehlt, es zu kaufen. Der Staat hat das Problem erkannt und gibt nun unseren Kunden massive finanzielle Erleichterung, um ihren notwendigen Bedarf zu decken. Im Ergebnis wird die Nachfrage höher sein als unsere derzeitigen Kapazitäten abdecken können. Um da voll dabei zu sein, müßten wir investieren. Allerdings kriegen wir als Unternehmen dafür keine zusätzliche Kohle vom Staat und müssen im Gegenteil von dem zusätzlichen Gewinn, den wir einfahren werden, einen etwas größeren Teil abgeben als von dem geringen bisherigen - es handelt sich aber real um zusätzlichen Gewinn.

Und nun die Frage: Wird unser Unternehmen eher in Produkt A oder in Produkt B investieren ? - Was folgern wir daraus für eine vernünftige Wirtschaftspolitik ?
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dishwasher:

Produkt B in China oder sonstwo produzieren

 
21.05.03 11:31
Fertigung in D schließen. kleine Investition, riesen Einsparung, fette Gewinne (teuer in D verkaufen)
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Bronco:

Das übliche Schreckgespenst:

 
21.05.03 11:48
Das Gros der Arbeitsplätze wird in D vom Mittelstand geschaffen, nicht von der Großindustrie. Die paar Mittelständler, die im Ausland produzieren, um damit den deutschen Markt zu bedienen, die kannste an zwei Händen abzählen und das wird im wesentlichen auch so bleiben: Damit sind nämlich i.d.R. erhebliche Kosten verbunden:
- Logistik der zu importierenden Produkte
- eigene Rechtsabteilung für ausländisches Recht
- zusätzlicher Verwaltungsaufwand für weitere entfernte Standorte
- Devisenkursrisiko
- politisches Auslandsrisiko
- Streiks, Qualifizierung der Arbeitskräfte etc.
- Erschwernisse bei der Finanzierung (versuch mal von der Bank Kohle zu kriegen, um in einem typischen Billiglohnland der 3. Welt eine Investition zu tätigen)

Wieviel Prozent Deines Portfolios hast Du selbst denn in den typischen Billiglohnländern angelegt ?
So schnell haut das Kapital hier nicht ab. Dafür hat es sich viel zu gut mit all den Sicherheiten und Komforts eingerichtet (Rechtssicherheit, sozialer Frieden, Infrastruktur, verbindliche Normen für Produktqualitäten, nachvollziehbare Qualifikation der Arbeitskräfte, funktionierende Finanz- und Kapitalmärkte, Geldwertstabilität, etc.)
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cap blaubär:

iss aber dann auchn schneeballsystem

 
21.05.03 11:48
irgendwann gibt der vom sozialstaat verfettete brdist aus angst um rente und stütze dann keinen müden€ für dein produkt b also vaseline drüber und einführen in den firmenvorstand,da sind wir auch etwa hier nix arbeitsplätze=hier nix kohle iss zwar schlau von ricke programme für die tällekomm in indien schreiben zu lassen aber......

blaubärgrüsse  
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dishwasher:

Bronco

 
21.05.03 11:58
ich mache solche Verlagerungsprojekte hauptberuflich. Mein erstes Projekt 1993 -120 Arbeitsplätze von München nach Slowenien. Ohne ein bissl Kohle geht natürlich garnix. Der Hauptgrund meiner Kunden ist übrigens eine sonst drohende Pleite wg. zu hohen Lohnkosten in D abzuwenden. Das  ist keine abgedroschene Floskel, sondern seit vielen Jahren bittere Realität. Das geht nur nicht in die Politik und Pädagogenhirne rein.  
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Bronco:

Dazu ein paar Fragen:

 
21.05.03 12:30
1.) Wieviele dieser Verlagerungsprojekte werden getätigt, um im Ausland produzierte Ware nach D einzuführen - oder liegt der Hauptabsatz dieser ausgelagerten Unternehmen nicht ebenfalls im Ausland ?

2.) Wieviel ist denn "ein bissl" Kohle ? - Für die meisten mittelständischen Unternehmen, die ich kenne, und das sind einige - durchaus mit bis zu 400 Mitarbeitern - ist ein solcher Schritt seeehr teuer und wird in der Regel getätigt, weil sich im jeweiligen Ausland ein Markt auftut, nicht, um nach Deutschland zu liefern.

3.) Wieviele der mittelständischen Unternehmen, die diesen Schritt getätigt haben und die überwiegende Menge der ausländischen Produktion nach Deutschland verkauft haben, existieren denn nach 5 Jahren noch ? - Ein paar besonders Schlaue, die sich guut (und vor allem teuer) beraten ließen, kenne ich auch - sie habens bitter bereut, weil die Lohnkosten eben doch nur ein kleiner Teil des ganzen Projekts sind.

4.) Wieviele der mittelständischen Unternehmen, die diesen Schritt nach 2002 getätigt haben, haben denn dafür Kohle von der Bank bekommen (ohne Hypotheken auf Immobilien in D) und zu welchen Konditionen ?
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dishwasher:

muttu beim Bundesamt für Statistik nachfragen

 
21.05.03 12:48
wennste wissen willst wieviele....

ich kann Dir nur die Anworten zu den mir bekannten Fällen geben

1. meistens über 50% Umsatz im deutschsprachigen Raum

2. meistens wird Handarbeit verlagert (wenn keine automatisierung möglich ist)
Spezifisches Equipment wird hier abgebaut und dort wieder aufgestellt- Compi, Möbel und so nen kram wird nicht gerechnet. Die meisten Firmen erreichen den ROI nach wenigen Monaten. Kosten entstehen i.d.R. nur durch das Personaltraining und höheren Ausschuß in der Anlaufphase.

3. Ich kenne nicht eine Firma die den Schritt irgendwie bereut oder sogar rückgängig gemacht hat

4. nicht notwendig, s.o.

Ich vermute mal dass Du der Sache etwas argwönisch gegenüberstehst. Ich weiß ja nicht welche Erfahrungen Du selbst gemacht hast. Was man so von den Leuten hört kannst Du vergessen, die Jammern immer. Frag den CFO, der weiß bescheid.
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Bronco:

Ich stehe der Sache tatsächlich etwas

 
21.05.03 14:18
argwönisch gegenüber, da ich an den genannten Stellen tatsächlich selbst Erfahrungen gemacht, bzw. in betroffene Unternehmen hineinschauen konnte. Einen Punkt kann ich bestätigen: in der Regel wird bloße Handarbeit ausgelagert, für die keine oder nur geringe Qualifikation erforderlich ist (Billiglohnarbeit).
Wenn Du sagst "meistens über 50% Umsatz im deutschsprachigen Raum", gehe ich davon aus, daß da zu einem nicht unwesentlichen Teil Österreich mit dabei ist (namentlich, wenn sich Dein Erfahrungsbereich auf ehem. Ostblockstaaten bezieht) - dort siehts mit der Inlandsnachfrage keineswegs so dramatisch aus wie bei uns, die spezifischen Kosten für Löhne, Steuern etc. sind in Österreich höher als in D, die Arbeitslosigkeit dennoch deutlich niedriger und mit dem Stabilitätspakt gibts auch keine Probleme.
Aus meinem eigenen Erfahrungsbereich kenne ich einige Firmen, die die Produktion von Halbzeug ausgelagert und dann erhebliche Qualitätsprobleme hatten. Das Ende vom Lied war eine reumütige Rückkehr, was die Produkte für den eigenen Markt betraf, während der ausländische Standort danach lediglich für den dortigen Markt weiterproduzierte.
Letzter Punkt Kapitalbeschaffung: Sofern Deine Kunden hier jeweils mit eigener Kohle tätig werden konnten, lagen die da natürlich auf der Schokoladenseite. Ich habe mal versucht, Investoren oder Kreditgeber für ein Projekt in der 3. Welt zu beschaffen. Seitdem kann mich keine noch so apokalyptische Meldung über abwanderndes Kapital in ein Land dieser Hemisphäre mehr schocken. Bis das passiert müssen aus Schröders Reförmchen echte Reformen nach FDP-Manier werden, damit wir in Punkto Streiks, Straßenkämpfe, Sabotage, Entführungen, Mord, Putsch, Währungskollaps ... mit den Billiglohnparadiesen mithalten können - dann allerdings müssen die Löhne bei uns auch auf das entsprechende Niveau sinken, um die Folgen solcher Reformen wieder aufzufangen.
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