Investmentgesellschaften langen kräftig zu


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Investmentgesellschaften langen kräftig zu

 
11.02.02 07:19
Viele Fondsgesellschaften haben trotz sinkender Renditen und rückläufiger Mittelzuflüsse ihre Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren drastisch erhöht.
Von Thomas Hammer

(SZ vom 09.02.02) - Wenn es der Automobilbranche schlecht geht, freuen sich die Kunden. Je geringer die Kaufbereitschaft der Autofahrer, desto eher sind Händler bereit, mit Rabatten dem Verkaufserfolg auf die Sprünge zu helfen.
Gebühren drastische erhöht
Auch in anderen Branchen zeigen sich ähnliche Verhaltensweisen – wer in der Krise kauft, hat bessere Chancen auf Schnäppchen als in Boomphasen. Damit liegt eigentlich der Schluss nahe, dass Fondssparer in der aktuellen Börsenbaisse auf Gebührennachlässe hoffen können. Schließlich sind nicht nur die Renditen zurückgegangen, sondern auch die Mittelzuflüsse.
Konnten die Mitglieder im Bundesverband der deutschen Investmentgesellschaften (BVI) im Jahr 2000 bei Aktienfonds noch neues Anlegerkapital in Höhe von 65,8 Milliarden Euro einsammeln, waren es 2001 nur noch 8,3 Milliarden.

Doch in der Fondsbranche scheinen eigene Gesetze zu gelten. Trotz sinkender Renditen und rückläufiger Mittelzuflüsse wollen die meisten Fondsverwalter von Gebührensenkungen nichts wissen.
Im Gegenteil: In den letzten Monaten wurden die Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren der Investmentfonds so drastisch erhöht wie noch selten zuvor.
Unter der verschachtelten Verklausulierung „Vereinheitlichung und Anpassung der Verwaltungsvergütung an internationale Marktstandards“ servierte beispielsweise die Dresdner-Bank-Tochter DIT im letzten Herbst bei einigen Fonds deftige Gebührenerhöhungen.

Teure Zusatzinformationen

Pro Jahr müssen die Anleger der DIT-Regionen- und Branchenfonds künftig 1,25 Prozent und für die Schwellenländer-Aktienfonds sogar 1,75 Prozent als Verwaltungsgebühr berappen.
Nach Angaben des Fachmagazins Der Fonds entspricht dies beispielsweise beim DIT-Technologiefonds einer Gebührenerhöhung von 100 Prozent.
Betroffen sind auch andere Fondsklassiker wie der UniFonds (Union Investment) mit einer Gebührenerhöhung von 82 Prozent, sowie Investa, Provesta und Eurovesta von der Deutsche-Bank-Tochter DWS mit einer Erhöhung von 50 Prozent.
Die Sparkassenfonds AriDeka und DekaSpezial verteuerten sich um 39 Prozent, der DekaFonds sogar um 54 Prozent.

Auch Activest, die Investmentgesellschaft der Hypovereinsbank, drehte kräftig an der Gebührenschraube.
Keine günstigen Ausgabeaufschläge mehr
Zwar bleiben die Verwaltungshonorare unverändert, doch seit Oktober ist Schluss mit den einstmals günstigen Ausgabeaufschlägen, die für die Activest-Aktienfonds bislang zwischen 2,5 und 4 Prozent lagen. Nun werden einheitlich 5 Prozent verlangt.
Ein cleverer Schachzug: Weil bei den Wertentwicklungs-Vergleichen der Ausgabeaufschlag nicht berücksichtigt wird, wirkt sich die Erhöhung nicht negativ auf die Fondsentwicklung aus - allerdings nur optisch.

Begründet wird der teils drastische Gebührenanstieg mit dem Verweis auf die Praxis der Kapitalanlagegesellschaften aus dem angelsächsischen Raum. „Zahlreiche Fonds ausländischer Wettbewerber werden noch erheblich teurer angeboten“, rechtfertigt der DIT sein Vorgehen.

In der Tat zählen die Produkte amerikanischen und britischen Ursprungs schon lange zu den teuersten ihrer Gattung. Ausgabeaufschläge bis sechs Prozent und jährliche Verwaltungsgebühren bis zwei Prozent sind keine Seltenheit. Außerdem seien die Kosten für Aktienanalyse und Fondsverwaltung gestiegen, so der DIT.
Einen Teil der Schuld an den gestiegenen Gebühren schiebt die Dresdner-Bank-Tochter dem Anleger selbst in die Schuhe. „Nicht unbeträchtliche Kosten resultieren aus den Wünschen der Investoren nach zeitnahen und detaillierten Informationen“, argumentiert ein DIT-Sprecher.

Rentenfonds gefragt
Konkurrent DWS dreht bei den Depotkosten an der Gebührenschraube. Die Mindestgebühr wurde zum 1. Januar 2002 von 5,04 auf 8 Euro pro Fonds und Jahr erhöht. Zwar bleibt der prozentuale Gebührensatz unverändert bei 0,29 Prozent des Fondsguthabens.
Dennoch: Für diejenigen, die weniger als 2750 Euro in einen DWS-Fonds investiert haben, steigen die Depotkosten um fast 60 Prozent. Trotz gestiegener Kosten für den Kunden ist das Kalkül der Fondsanbieter, dass die Anleger in der Börsenbaisse eher in andere Investmentfonds als in Bank- oder Bausparprodukte wechseln, offenbar aufgegangen. „Rentenfonds waren im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1994 beim Mittelaufkommen wieder im Plus“, sagt Horst Zirener, Sprecher des BVI-Vorstands.

Auch das Umschichten von Aktien- in sichere Geldmarktfonds lag im letzten Jahr im Trend – schließlich konnte diese Fondsgattung Neuinvestments in Höhe von 17,7 Milliarden Euro verbuchen. Unterm Strich konnten die Publikumsfonds der BVI-Mitglieder 38,4 Milliarden Euro neu hinzugewinnen.

Während bei aktiv gemanagten Aktienfonds eher steigende Gebühren zu verzeichnen sind, bieten Indexfonds jedoch eine interessante Alternative für kostenbewusste Anleger. Diese Fonds verzichten auf teure Fondsmanager und bilden exakt einen Aktienindex wie beispielsweise den Dax oder den Euro Stoxx 50 ab.
Vom minimalen Verwaltungsaufwand profitiert der Anleger in Form niedriger Nebenkosten. So verlangt die HypoVereinsbank-Tochter Indexchange für ihre Indexfonds keinen Ausgabeaufschlag und jährliche Verwaltungsgebühren von 0,5 Prozent.
Allerdings führen diese Fonds bislang noch ein Nischendasein: Mit einem gesamten Anlagevolumen von knapp 13 Milliarden Euro halten sie innerhalb der Aktienfonds einen Marktanteil von lediglich 7,5 Prozent.

sueddeutsche.de
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