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05.08.05 12:02
Nr. 89 | Freitag, 5. August 2005
Arcor
Verkauft Vodafone die Festnetz-Tochter doch schneller als erwartet?
▲ Erst kürzlich war Vodafone-Chef Arun Sarin sichtlich bemüht, Spekulationen über einen angeblich kurz bevorstehenden
Verkauf der deutschen Festnetz-Tochter Arcor den Wind aus den Segeln zu nehmen. Vodafone werde Arcor
nicht unmittelbar verkaufen, ließ Sarin verlauten, die Briten hätten keine Eile. Doch nach unseren Informationen sind die
Verkaufsgerüchte keineswegs so abwegig, wie Sarin öffentlich glauben machen will. Vielmehr könnte der Deal durchaus
schon bald unter Dach und Fach sein. Wie zu hören ist, soll die Private Equity-Gesellschaft Apax bei Arcor bereits ganz
nah dran sein. Sogar ein Kaufpreis wird bereits kolportiert. Demnach könnte Arcor für 1,5 Mrd. Euro plus Übernahme
der Schulden über den Tresen gehen. Die jüngsten Versteckspiele der Briten in Sachen Arcor mögen denn auch mit den
Nachwehen der von SPD-Chef Franz Müntefering entfachten Heuschrecken-Debatte zusammenhängen.
Als größter Mobilfunkanbieter in Deutschland neben der Telekom-Tochter T-Mobile hat Vodafone ein hohes Interesse
daran, hierzulande sein Image als vertrauenswürdiges Unternehmen nicht zu gefährden. Offensichtlich fürchten die
Briten bei einem Verkauf von Arcor an eine Private Equity-Gesellschaft politischen Gegenwind aus Berlin. Allerdings
scheinen diese Sorgen mittlerweile ausgeräumt zu sein. Tatsächlich würde ein Verkauf an Apax dem Festnetzkonzern
interessante Expansionschancen eröffnen, die unter dem Dach von Vodafone schlicht nicht möglich wären. Denn die
voll auf den Mobilfunk ausgerichteten Briten denken gar nicht daran, zusätzliche Mittel in den Festnetzausbau zu investieren.

Apax hingegen besitzt mit Tropolys, einem Verbund von Stadtnetzbetreibern, und Versatel bereits zwei Unternehmen
mit starker Festnetz- und DSL-Expertise. Strategisch würde bei einer Fusion von Arcor mit Versatel und Tropolys
auf einen Streich ein schlagkräftiger Festnetzkonkurrent für die Telekom entstehen. Der Aufbau eines zweiten, in
Deutschland beheimateten Festnetzriesen dürfte auch auf das Wohlwollen der Politik in Berlin stoßen.
Konflikt um Regionalprinzip
BayernLB-Chef Schmidt erwartet mehr Zurückhaltung von Gerlach
▲ Rolf Gerlach hat auf seiner Pressekonferenz in der vergangenen Woche kein Blatt vor den Mund genommen und
sogar mit einer Einschränkung des Haftungsverbundes gedroht. Die westfälisch-lippischen Sparkassen würden es nicht
widerstandslos hinnehmen, dass die zur BayernLB gehörende Direktbank DKB in ihrem Revier wildere, so der Präsident
des WLSGV. Werner Schmidts Konter hat nicht lange auf sich warten lassen. Im Telefonat mit Platow mahnt der
BayernLB-Lenker jetzt mehr Zurückhaltung an. Immerhin sei die von Gerlach beaufsichtigte WestLB mit ihrer ImmoBankdirekt
ebenfalls bundesweit im Internetbanking aktiv. Die Immobilienbank bietet standardisierte Immobilienfinanzierungen
an und kam im 1. Quartal im Privatkundenbereich auf ein Neugeschäft von 167 Mio. Euro. Für Schmidt,
der gerade das beste Halbjahresergebnis in der Geschichte der BayernLB erzielte, kommt es vor allem darauf an, angesichts
der Direktbank-Konkurrenz (DiBa etc.) die Kundengelder überhaupt in der Sparkassenorganisation zu halten
Für das weitere Ergebniswachstum der BayernLB spielt die DKB mit ihrem Kartengeschäft eine entscheidende Rolle.
Anders als etwa WestLB oder LBBW wollen die Bayern nicht durch Zukäufe wachsen. Vielmehr konzentriert
Schmidt sich auf den Ausbau des bestehenden Geschäfts. Eine Ausnahme bildet allenfalls die MKB. Über ihre ungarische
Tochter will die BayernLB das Osteuropa-Geschäft deutlich ausbauen. Wenn Preis und Strategie stimmen, schließt
Schmidt in Osteuropa weitere Zukäufe nicht aus. Im Fokus der Wachstumsanstrengungen steht indes Bayern.
Die Übernahme der HypoVereinsbank durch den italienischen UniCredit ist laut Schmidt eine große Chance für
die BayernLB und die bayerischen Sparkassen. Für viele Kunden spiele es durchaus eine Rolle, ob sie mit einer bayerischen
oder einer italienisch dominierten Bank zusammen arbeiteten. Großes Wachstumspotenzial insbesondere im Cross
Selling biete darüber hinaus die gemeinsame Marktbearbeitung mit den bayerischen Sparkassen. Die Marktbearbeitung
sowohl auf Kunden- wie auch auf Produktseite werde in Zukunft noch stärker abgestimmt, so Schmidt.
Kein Thema mehr ist der zuletzt von Wirtschaftsminister Otto Wiesheu ins Gespräch gebrachte Ausstieg des Freistaats
aus der BayernLB (Anteil 50%, Rest Sparkassenverband). Laut Schmidt ist es völlig klar, dass das Land ein verlässlicher
Partner der Bank ist und bleibt. Schmidt will auch seine vorzeitige Vertragsverlängerung im Frühjahr nicht in
diesen Zusammenhang gestellt sehen. Vielmehr sei er seit August 2004 von der Kapitalseite zur Vertragsverlängerung
gedrängt worden. Angesichts anderer Optionen musste er sich aber zunächst mit seiner Familie abstimmen.
Deutlich besser als erwartet hat die BayernLB das erste Halbjahr abgeschlossen. Das operative Ergebnis landete bei
596 Mio. Euro, ein Plus von über 46%. Der Überschuss, der im Vorjahr noch negativ war, kletterte auf 334 Mio. Euro.
Zwar sind Zinsen und Provisionen leicht gesunken. Auf der anderen Seite konnte aber auch die Risikovorsorge deutlich
von 280 auf nur noch 11 Mio. Euro gesenkt werden. Hier spiegelt sich am deutlichsten wider, dass die Landesbank ihre
Umbauphase inzwischen erfolgreich abgeschlossen hat. Ein Jahr früher als geplant hat Schmidt damit auch sein Eigenkapitalrendite-
Ziel erreicht. Per 30.6. lag der RoE bei 15,7 (Vj.: 9,5) % vor Steuern. Auch für das Gesamtjahr sind mindestens
15% geplant. Beim operativen Ergebnis ist mindestens 1 Mrd. Euro drin, der Überschuss dürfte bei mehr als 500
Mio. Euro landen. Angesichts der konservativen Kalkulation in München halten wir noch höhere Werte für denkbar.
Hoppenstedt-Nachfolge spätestens Anfang September klar: Als Mitglied der 3-köpfigen Findungskommission
für den im September 2006 ausscheidenden DSGV-Präsidenten Dietrich Hoppenstedt erwartet Schmidt, dass spätestens
Anfang des 3. Quartals der Nachfolgekandidat benannt wird, wenn die Frage nicht ohnehin schon geklärt ist, so
Schmidt augenzwinkernd mit Blick auf den baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Heinrich Haasis.
Leitzinsen
In Großbritannien sind die Zinserhöhungen jetzt zu Ende gegangen
▲ Die Bank of England (BoE) war im November 2003 und damit gut ein halbes Jahr vor der amerikanischen Fed die
erste Notenbank, die die Zinszügel wieder straffte. Der Basiszins, der zuvor von 6 auf 3,5% gesunken war, kletterte in 5
Schritten bis auf 4,75%. Mit der gestrigen Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte zollten die Notenbanker dem schwächeren
Wachstum und insbesondere den lahmenden Verbraucherausgaben im Königreich Rechnung.
Unerwartet kam der Zinsschritt also nicht. Die vorangegangene Entscheidung des insgesamt 9 Mitglieder umfassenden
geldpolitischen Ausschusses der BoE war nur knapp zu Gunsten unveränderter
Zinsen ausgefallen. Die britische Wirtschaft wuchs im 2. Quartal nur noch aufs Jahr
hochgerechnet mit 1,7% und damit so gering wie seit 12 Jahren nicht mehr. Analysten
gehen davon aus, dass die BoE in der kommenden Woche ihre Wachstumsprognose
nach unten revidiert. Die monatlichen Umfragen im britischen Einzelhandel zeigten im
Juni und Juli die schwächsten Ergebnisse seit Beginn der Erhebungen 1983.
Auch vom Immobilienmarkt gibt es Entwarnung. Die deutlichen Zinserhöhungen
zeigen Wirkung. Der starke Preisanstieg am überhitzten Häusermarkt ist zum Stillstand
gekommen. Gleichwohl ist jetzt keine Serie von weiteren Zinsrückgängen zu erwarten.
Wahrscheinlich ist eine zweite Rücknahme um ebenfalls 0,25 Prozentpunkte im November
oder Anfang 2006. Die EZB ließ am Donnerstag in einer Telefonkonferenz die Leitzinsen erwartungsgemäß
unverändert. Weil die sonst übliche Pressekonferenz ausfiel, konzentrieren sich die Geldmarktbeobachter auf den Monatsbericht,
der am 11.8. veröffentlicht wird. Angesichts einer sich zunehmend stabilisierenden europäischen Wirtschaft
wäre dies die erste Gelegenheit für die EZB, die Märkte wieder auf künftige Zinserhöhungen vorzubereiten.
Linde
Trotz guter Zahlen hebt Reitzle seine Jahresprognose noch nicht an
▲ Die Analystenerwartungen übertroffen hat Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit seinem Zahlenkranz zum 1. Halbjahr.
Der Konzernumsatz erhöhte sich um 8,3% auf 4,46 Mrd. Euro und das operative Ergebnis (EBITA) verbesserte sich
sogar um 20,4% auf 372 Mio. Euro. Obwohl der prozentuale Gewinnanstieg damit deutlich über dem entsprechenden
Wert für das Gesamtjahr 2004 (14,9%) lag, ließ sich Reitzle nicht dazu verleiten, seine Jahresprognose für 2005 nach
oben zu revidieren. Der Linde-Chef erwartet vielmehr weiterhin, dass 2005 Umsatz und operatives Ergebnis abermals
über Vorjahr liegen werden, der Ergebnisanstieg aber etwas verhaltener ausfallen werde als 2004. Offensichtlich will
Reitzle sein Pulver noch nicht zu früh verschießen. Braucht er auch gar nicht. Denn die Börse honorierte die guten
Halbzeitergebnisse am Donnerstag auch so mit einer vorderen Platzierung auf der DAX-Gewinnerliste.
M&A-Fieber ausgebrochen
AdidasSalomon und Puma an der Spitze eines Branchenmegatrends
▲ Adidas verkauft Salomon, Puma leitet eine neue Investitionsoffensive ein, Adidas kauft für 3 Mrd. Dollar Reebok.
Branchenanalysten hatten sich das Jahr ohne Megasportereignis anders vorgestellt. Da wurde über die Nachhaltigkeit
des Aufschwungs in den USA gerätselt, über das Ende des Zwischentiefs in Europa philosophiert und über die Länge
und Dynamik des Aufschwungs in Asien spekuliert. Alles Peanuts. Puma und mit aller Kraft jetzt auch Adidas öffnen
neue Kapitel in der Sportartikelbranche. Titel: Schluss mit der Konsolidierung und Optimierung in abgesteckten Feldern,
jetzt heißt es Angriff! Die bisherigen Branchen-Analysen wurden so in wenigen Wochen Schnee von gestern.
Puma teilte die Entwicklung von der Fastpleite zum Nischenstar mit der Ende Juli verkündeten neuen Attacke gegen
die Branchenriesen in Phasen ein. Das machte den Paradigmenwechsel transparenter, zumal er unter dem Begriff Lifestyle
auch klarer daherkam. Die Historie des großen Bruders mit den drei Streifen lief derweil ganz ähnlich, wenn auch
im Zahlenwerk weniger spektakulär. Doch wer die Entwicklung in Herzogenaurach in den vergangenen Jahren aufmerksam
verfolgte, spürte, dass hier eine neue (Sportartikel-)Geschichte geschrieben wurde. Entsprechend titelten wir trotz
der Dementis von Herbert Hainer in der Platow Börse vom 4.5.: „Adidas-Chef wird mit Übernahme überraschen.“
Dass es nun Reebok, die Nummer 3 der Branche, treffen würde, hätten auch wir freilich nicht vermutet, zumal der
US-Konzern eine ebenso harte Restrukturierung hinter sich hat und diese mit dem Verkauf von Ralph Lauren Footwear
im Mai (zeitgleich mit dem Verkauf von Salomon an Amer!) im Grunde erst abgeschlossen hatte. Zudem trat Reebok-
Chef Paul Fireman seither an die Spitze derer in der Branche, die eine weitere Konsolidierung forderten und den
eigenen Konzern dabei ausdrücklich als Jäger nannte. Freilich war auch hier der Übergang von der eigenen Genesung
zum Angriff fließend: Im Januar stieg Reebok via Zukauf ins Hockey-Geschäft ein, bot damit Nike-Tochter Bauer die
Stirn. Nun geschieht das also mit den 3 Streifen am Ärmel. Primus Nike bekommt also noch ernst zu nehmendere Konkurrenz
und wird kontern – mit Zukäufen. Als Opfer kommen nach den jüngsten Erfahrungen wohl vor allem Unternehmen
in Betracht, die ankündigten, selbst zukaufen zu wollen. Dazu zählt seit vergangener Woche auch Puma.
Pharma
FMC-Gesamtjahresausblick ist noch mit Vorsicht zu genießen
▲ Zwar hat der Dialysespezialist FMC nach einem guten Semesterergebnis seinen Jahresausblick für den Gewinnanstieg
leicht von gut 10% auf 12 bis 15% erhöht, doch darin sind einige Belastungen des zweiten Halbjahres erst gar nicht
enthalten. Vor allem die Auswirkungen aus dem Zukauf der amerikanischen Renal Care hat Vormann Ben Lipps unter
den Tisch fallen lassen. Wenn alles glatt geht, soll die Akquisition im 4. Quartal abgeschlossen sein. Daneben wurden
außerdem Aufwendungen für den geplanten Rechtsformwechsel zur KGaA und die Umwandlung der Vorzüge in Stämme
nicht berücksichtigt. Am 30.8. stimmen die Aktionäre auf einer ao-HV in Frankfurt über die beiden Punkte ab.
Weiterhin gibt es einige Unsicherheiten über den genauen Genehmigungszeitpunkt für die Renal-Übernahme. Verzögerungen
sind durchaus denkbar. Eventuell sind auch einige Verkaufsauflagen der Kartellbehörde zu erwarten. Genaueres
wird sich wohl erst nach Genehmigung des DaVita-Gambro-Deals abschätzen lassen. Die FMC-Konkurrenten
befinden sich ebenfalls noch auf der FTC-Warteliste. Mit Renal würde FMC in den USA zumindest wieder zur Nummer
1 aufsteigen. Positiv für die FMC-Mutter Fresenius war die Konkretisierung der Jahresprognose. Auch die Mutter
konnte damit ihren Ausblick für den Jahresüberschuss von +15 bis 20% auf +20 bis 25% anheben.
KarstadtQuelle
Beteiligungsgesellschaften retten Middelhoffs Sanierungs-Story
▲ KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff ist mit seinen Sanierungsbemühungen ein gutes Stück vorangekommen.
Obwohl fast niemand damit gerechnet habe und dazu noch in äußerst kurzer Zeit, so Middelhoff auf der Halbjahres-PK
in Essen, habe das Unternehmen die Modekette Sinn Leffers, den Sportschuh-Verkäufer Runners Point und 75 als zu
umsatzschwach identifizierte kleinere Warenhäuser verkauft. Der Deal soll erst am frühen Morgen vor der Halbzeit-PK
perfekt gewesen sein. Zu den Verkaufspreisen wollte sich Middelhoff nicht äußern. Nur soviel: Bei den Immobilien, die
an die britische Immobiliengruppe Dawnay Day und den Sanierer Hilco gehen, wurde mit knapp 500 Mio. Euro der
Buchwert übertroffen. Mit dem Verkaufspreis für die an Hannover Finanz verkaufte Runners Point war der ansonsten
zufriedene Middelhoff dagegen nicht glücklich. Auch bei Sinn Leffers halfen Middelhoff mit der Deutschen Industrie-
Holding, HMD Partners und Curzon/Ixis Beteiligungsgesellschaften aus der Klemme.
Das größte Problem von KarstadtQuelle, der kaum gebremste Umsatzverfall, ist dagegen noch nicht gelöst. Im 2.
Quartal gingen die Erlöse mit 7,4% auf 2,8 Mrd. Euro stärker zurück als vom Markt befürchtet. Die größte Baustelle ist
laut Middelhoff weiterhin der inländische Versandhandel. Die Warenhäuser, Thomas Cook, die Dienstleistungen und
Immobilien liegen dagegen über Plan. Obwohl das bereinigte EBITA von 8 Mio. auf 49 Mio. Euro kletterte, machten
die Essener im Quartal immer noch 154 Mio. Euro Verlust. Neben der Restrukturierung des Universalversands steht für
Middelhoff jetzt der Verkauf der Karstadt Hypothekenbank und der verbrieften Ratenkredite oben auf der Agenda.
BASF nach einem fulminanten 2. Quartal
Wie lange können die Ludwigshafener das Tempo aufrecht erhalten?
▲ Nach der Vorlage des hervorragenden Q2-Berichts, der wieder einmal die Erwartungen getoppt hatte, scheiden sich
beim Blick in die BASF-Zukunft die Geister. Während die einen auch weiterhin mit einer guten Entwicklung rechnen,
sehen die anderen bereits erste dunkle Wolken am Himmel aufziehen und prognostizieren einen Peak bei den BASFErgebnissen.
Im 2. Quartal gelang es jedoch noch einmal, die Skeptiker Lügen zu strafen. Wie es allerdings im nächsten
Jahr weitergehen wird, ließ BASF-Kapitän Jürgen Hambrecht auf einer Telefonkonferenz bewusst noch offen.
Die Kritiker merken jedoch an, dass die hohen Preise bei einigen chemischen Produkten, die von den hohen Ölpreisen
getrieben wurden, inzwischen die Nachfrage bremsen und zu Ausweichreaktionen führen. Daneben steigt auf absehbare
Zeit die weltweite Kapazität. Dies sollte dann auch die Angebotssituation zunehmend entschärfen. Die neuen
Kapazitäten haben im laufenden Jahr bereits die Spot-Preise in der Petrochemie unter Druck gebracht. Weitere neue
Anlagen werden vor allem in China (u.a. Joint Venture Shell/CNOOC) und im Mittleren Osten erwartet. Mit dem Anlaufen
der eigenen neuen Verbundanlage in Nanjing ist Hambrecht sehr zufrieden. Die Anlaufkosten waren geringer als
erwartet und in den kommenden 2 Quartalen seien keine weiteren Kosten mehr zu erwarten. Vor diesem Hintergrund
erscheint es durchaus möglich, dass die Anlage 2005 eventuell sogar schon einen kleinen Gewinn beisteuert.
Bisher war es für die BASF möglich, die höheren Rohstoffpreise (z.B. Naphta) in großem Umfang an die Kunden
weiterzugeben. Befürchtet wird nun aber, dass im nächsten Jahr die Preisüberwälzungsmöglichkeiten eher begrenzt sein
könnten. Die Kritiker beäugen deshalb derzeit besonders die Entwicklung der zyklischen Chemiesparte. Der Vergleich
mit dem Vorjahr wird zunehmend eine Herausforderung. Lag das EBIT-Wachstum im 4. Quartal noch bei +254%, ging
es in Q1 auf +70% und nun in Q2 auf +22% zurück. Das bärenstarke 3. Quartal 2004 droht nun zu einer weiteren hohen
Hürde zu werden, zumal Hambrecht mit einer leichten saisonalen Abschwächung im laufenden Vierteljahr rechnet.
Positiv bemerkbar wird sich in Q3 der „erfreuliche Buchgewinn“ aus dem Basell-Verkauf machen. Verantwortlich
dürfte dafür auch die 2004 überraschend vorgenommene Abschreibung (rd. 500 Mio. Euro) auf den damaligen Basell-
Buchwert sein. Wie schon im März (11.3.) vermutet, gab es somit Bewertungsluft nach oben, die 2005 helfen kann, die
Ziele zu erreichen. Größter Wermutstropfen im aktuellen Quartalsbericht ist die Entwicklung der Feinchemie. Die
EBIT-Marge lag nur noch bei 1,7%. Ertragsprobleme gibt es hauptsächlich beim Lysin (für die Tierernährung).
CFO Kurt Bock rechnet jedoch inzwischen mit dem Erreichen der Talsohle. Restrukturierungen (u.a. auch im Bereich
Vitamin C) laufen. Die Maßnahmen wurden getroffen, jetzt gehe es um die Umsetzung, so Hambrecht. Auch der
Start der hoch gelobten Citral-Anlage sei noch nicht vollständig umgesetzt. 2006 erwarten die Ludwigshafener dann
aber Fortschritte bei der Feinchemie. Etwas belastet wurde auch das Pflanzenschutzgeschäft. In Südamerika kam es zu
einem Rückgang der Soja-Produktion (Dürre). Um die Ausgangsposition für die neue Saison (August/September) zu
verbessern, haben die Ludwigshafener nicht eingesetzte Fungizide im Wert von etwa 50 Mio. Dollar zurückgekauft.
Nicht locker lässt Hambrecht bei der Restrukturierung des Standbeins in der Nafta-Zone. Nachdem das Einsparziel von
250 Mio. Dollar ein Jahr früher als geplant erreicht wurde, sind weitere Einsparpotenziale aufgedeckt, die in Zukunft
umgesetzt werden sollen. Daneben fordert der BASF-Lenker im Konzern Produktivitätssteigerungen von 3% p.a.
Heiß umkämpftes Konsumentenkredit-Geschäft
norisbank mit neuem Vertriebskonzept gegen Sparkassen und Private
▲ Seit gestern ist die zur DZ Bank gehörende norisbank auch in Hamburg mit einem ihrer neuen easyCredit-Shops
vertreten. Nach Nürnberg und Düsseldorf sollen bis Jahresende noch 4 weitere Standorte folgen. Alles, darauf legt norisbank-
Chef Theophil Graband großen Wert, in Absprache mit den Volksbanken vor Ort. Diese gilt es auf keinen Fall
zu verärgern. Immerhin, so Graband auf der Halbzeit-PK in Frankfurt, bietet die Zusammenarbeit mit den Primärinstituten
trotz verlangsamter Steigerungsraten doch erhebliches Wachstumspotenzial. Nach 60% Plus 2004 und 38% im 1.
Halbjahr 2005 (auf 908 Mio. Euro) wird das von den knapp 850 Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Zusammenarbeit
zugesagt haben, beigesteuerte Neugeschäft im laufenden Jahr voraussichtlich noch um über 20% wachsen.
Mit dem easyCredit-Shop nimmt Graband eine von der Konkurrenz offenbar bisher wenig umkämpfte Kundengruppe
von 10 bis 13 Mio. Menschen ins Visier, die laut einer GfK-Studie lieber einen Shop als eine Bankfiliale besuchen.
Eine Entscheidung über die Fortführung des Pilotprojekts fällt im 1. Quartal 2006. Was steckt hinter dem neuen Konzept?
Immer mehr Sparkassen, denen es Graband übrigens abspricht, dass sie so gut Kredite verkaufen könnten wie die
norisbank, aber auch klassische Filialbanken und Ausländer wie die RBS oder Citibank entdecken das Konsumentenkredit-
Geschäft und machen den Nürnbergern das Leben mit Kampfkonditionen schwer.
Graband, der sich auf keinen Fall auf einen Preiskampf einlassen will und dies per 30.6. auch mit einer erneut um
11% auf 1,6 Mrd. Euro gesunkenen Einlagensumme belegt, muss mit neuen Produkten wie dem easyCredit mit Sicherheitsgurt
(verlängertes Rückgaberecht) und neuen Vertriebskonzepten kontern. Ziel ist es, im Ratenkreditgeschäft bald
die CC-Bank zu überholen und sich so den 2. Platz hinter dem Marktführer Citibank zu sichern. Für die Genossen würde
sich ein Erfolg Grabands ebenfalls lohnen: Das Ergebnis (per 30.6.: +15,8% auf 34 Mio. Euro) soll im Gesamtjahr
um gut 10% steigen. Noch wichtiger aber ist die Gewinnung neuer Kunden für den Verbund.
Wird Aareal Bank auf das Deutschland-Geschäft zurückgestutzt?
Die jüngste Personalrochade im Vorstand der Aareal Bank sorgt intern offensichtlich für erhebliche Irritationen.
Wie zu hören ist, soll in dem Wiesbadener Institut die Sorge grassieren, dass Vorstandschef Wolf Schumacher die Aareal
Bank künftig verstärkt auf das Inlandsgeschäft fokussiert. Ausgelöst wurden die Spekulationen über einen möglichen
Strategiewechsel im Auslandsgeschäft durch den Abgang von Vorstandsmitglied Ralph Hill, der in Investorenkreisen als
Garant für die internationale Expansion der Aareal Bank galt. Nachfolger von Hill soll der bisherige AHBR-Vorstand
Norbert Kickum werden, der ebenso wie Schumacher sein Handwerk im HypoVereinsbank-Konzern gelernt hat.
Überhaupt soll Schumacher, der zuletzt Vorstandschef der genossenschaftlichen DG Hyp war, bei der Auswahl seiner
Mitarbeiter bevorzugt auf ehemaliges HVB-Personal vertrauen. Wie zu hören ist, soll auch der Stuhl von Aareal-
Vorstand Christof M. Schörnig wackeln. Als Nachfolger soll ebenfalls ein HypoVereinsbanker im Gespräch sein.
WER MACHT WAS IN EUROPA? Seit der Osterweiterung am 1.5. vergangenen Jahres ist die Europäische Union auf insgesamt 25 Mitgliedsstaaten
angewachsen. Wer in den Regierungen, Parlamenten, Behörden und Verbänden der alten und neuen EU-Mitgliedsländer sowie in Brüssel die
Fäden zieht, ist akribisch und übersichtlich gegliedert im neuen „Oeckl –
Taschenbuch des öffentlichen Lebens Europa 2005/2006“ (91,50 Euro,
Best.-Nr. 0890105) auf 1 200 Seiten aufgelistet. Der neue Europa-Oeckl
umfasst insgesamt 9 300 Einträge mit den Kommunikationsdaten von
18 000 Entscheidern aus allen relevanten Bereichen des öffentlichen
Lebens in Europa. Der Wegweiser durch den europäischen Verwaltungs- und
Verbände-Dschungel erscheint mittlerweile im 10. Jahrgang. Bestellen Sie
beim Platow Buch Service unter Fax: 01805/495051 oder info@platow.de.
NB: „Vergessen ist Gnade und Gefahr zugleich.“
/Theodor Heuss
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
DAS PLATOWTEAM
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05.08.05 12:03
UNTERNEHMEN PERSONEN
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FINANZWELT
Ausgabe Nr. 90 · Freitag, 5. August 2005
Sehr geehrte Damen und Herren,
an der guten Performance der Börse in diesem Jahr haben die deutschen Versicherer nur unterdurchschnittlich teilgenommen.
Nach dem allenfalls als mäßig einzustufenden Zwischenbericht der Münchener Rück wird der Sektor
aber nun verstärkt in den Fokus rücken. Am kommenden Mittwoch berichtet AMB Generali, am Donnerstag die
Hannover Rück und am Freitag Branchenkrösus Allianz. Im Ausland läuft es für Versicherungsaktionäre besser.
■ Versicherer an der Börse: Aktionäre machen meist lange Gesichter
Versicherungsaktien gehören nach wie vor zu den Nachzüglern an der deutschen Börse. Die Größten – Allianz (+7% in 2005)
und Münchener Rück (+5%) hinken nicht nur dem Branchenindex DAX-Versicherungen (+9%), sondern noch wesentlich
mehr dem DAX (+15%) hinterher. Ausnahmen bilden die beiden Kölner Häuser AXA und Gerling. Beide finden sich allerdings in
Sondersituationen. Bei der AXA beispielsweise gibt es Spekulationen, dass ein Squeeze Out vorbereitet wird.
Die AXA-Konzern-Aktie zählt nicht zu den Indexwerten. Für die wenigen Anteile des deutschen
Ablegers der französischen AXA-Gruppe zahlen Anleger inzwischen mehr als 68 Euro. Zu Jahresbeginn
waren es erst 30 Euro. Solche Zuwächse fi ndet man unter deutschen Aktien ansonsten höchst selten.
Die Zahlen des laufenden Geschäfts sind nicht so gut, dass die Kölner AXA sich an der Börse mehr als
verdoppeln müsste. Im Gegenteil: Die frühere stolze Colonia-Gruppe ist gerade unter die belgische Zwischen-

Holding untergeordnet worden. Die leitet die Geschäfte in Nordeuropa. Deutschland-Chef Claus-
Michael Dill soll bereits zum Rücktritt gedrängt worden sein. Die Maßnahmen von AXA-Group-Chef
Henri de Castries aus Paris werden von Analysten und Anlegern positiv beurteilt. Mit 25% Plus in sieben
Monaten und einem guten Start in den August führt AXA die Europa-Liga der Versicherer an – vor Fortis
und Aegon (beide +18%) sowie vor ING (+13%). Spekulationen gehen dahin, dass de Castries in Köln
den Squeeze Out vorbereitet. Die Beteiligungsquote liegt bereits weit über 90%. Da fällt es nicht ins
Gewicht, wenn für die wenigen „letzten“ Aktien sehr hohe Preise bewilligt werden.
Enttäuscht reagierten die Märkte auf den Zwischenbericht der Münchener Rück. Mit einer grundlegenden
Änderung der Börsentendenz für den Rückversicherer ist kaum zu rechnen. Denn für die ab
September anstehende Vertrags-Erneuerungsrunde der Branche rechnen Experten mit rückläufi gen
Preisen: Der Rabatt-Trend, der sich derzeit im wichtigen Erstversicherungsgeschäft mit Autos zeigt,
dürfte auch auf das Rückversicherungsgeschäft durchschlagen.
Insgesamt gesehen entwickeln sich deutsche Versicherungsaktien schon seit den Höchstständen im
Jahr 2000 ungünstiger als der Gesamtmarkt. Diese Vernachlässigung hat sich auch nach den Tiefständen
von 2003 nicht erledigt. Hannover Rück und Nürnberger Beteiligung machen da keine Ausnahme. Die
Nürnberger liegen im Vergleich zum Jahresanfang sogar leicht „unter Wasser“. Allein AMB Generali
sorgt unter den Werten des DAX-Prime-Insurance-Index für Anschub. Diese Aktie war Ende Juli 16%
mehr wert als Ende Dezember. Und das Niveau hat sie auch Anfang August gehalten.
Auffällig ist auch die Entwicklung der AGF: Der französische Ableger der Allianz-Gruppe setzt seinen
kräftigen Aufschwung fort. Der hat 2003 bei weniger als 30 Euro eingesetzt. Inzwischen werden fast
70 Euro für AGF bezahlt. Allein für 2005 stehen schon 28% Plus zu Buche; viermal so viel wie für Mutter
Allianz. Das könnte daran liegen, dass Versicherungsaktien derzeit in Frankreich generell positiver als
hier gesehen werden. Interessant ist, dass der italienische Allianz-Ableger RAS gleichzeitig nur um 2%
höher steht und die deutsche Allianz-Leben gleichzeitig auf 12% Zuwachs kommt. Generali-Tochter
AMB (+16%) fi ndet ebenfalls mehr Aufmerksamkeit als die italienische Mutter (+8%).
Den größten Wertgewinn unter den Euro-Versicherern verzeichnet freilich die österreichische Uniqa
(+39%). Sie setzt ihren Höhenfl ug – wie der gesamte österreichische Aktienmarkt – fort und erreichte
jüngst neue absolute Rekordkurse. Die Uniqa hat vor zwei Jahren die Mannheimer übernommen,
die durch Fehlspekulationen mit Aktien in arge Existenznöte geraten war. Von Rekordkursen wie in
Österreich sind deutsche Versicherer, selbst AXA-Köln, weit entfernt. Sie notieren 2005 noch auf dem
Niveau, das sie 1996 schon erreicht hatten. Auch der aktuelle 2005er-Kursgewinn des Gerling-Konzerns
(65%) täuscht über die wahren Verhältnisse hinweg. Die Erholung vollzieht sich auf denkbar niedrigem
Niveau. Das gilt auch für die geschäftliche Erholung. Haupteigner Rolf Gerling sucht dringend einen
Käufer, um seine Bankschulden ablösen zu können.
Czerwenskyintern
Seite 2 · Ausgabe Nr. 90 · www.czerwensky.de
■ Korruption und Geldwäsche: US-Datenbank jetzt auch in Deutschland im Einsatz
Die WorldCompliance Inc., US-Anbieter von Programmen zur Identifizierung von Personen und Unternehmen, die im
Zusammenhang mit Geldwäsche, Korruption und Terrorismus stehen, setzt ihre Datenbank jetzt auch in Deutschland ein. MPC
Capital, in Hamburg ansässiger Anbieter geschlossener Fonds und im MDAX notiert, hat die Datenbank implementiert.
Die Datenbank enthält Informationen über 600 000 international der Korruption, der Geldwäsche
oder des Terrorismus verdächtiger Personen inklusive Details über deren soziale und geschäftliche
Netzwerke. Auch Anschrift, Geburtsdatum sowie Passfoto sind jeweils einsehbar. Die Datenbank bietet
zudem die Verknüpfung mit mehr als 850 000 externen Quellenverweisen. Sie wird von Banken, Versicherungen,
Investmenthäusern, Kanzleien und Regierungen in rund 100 Staaten genutzt – und nun auch
in Deutschland. Deutscher Partner von WorldCompliance ist die Tonbeller AG mit Sitz in Bensheim.
„Die mutmaßlichen Korruptionsvorfälle bei VW, Infi neon und der ARD sowie die Deutschland berührenden
Finanztransaktionen im Zusammenhang mit dem 11. September belegen, dass sich auch der
Finanzplatz Deutschand stärker gegen Geldwäsche, Korruption sowie mit terroristischen Aktivitäten
in Verbindung stehenden Transaktionen wappnen muss“, sagt Dirk Mohrmann, President von World-
Compliance. Auf www.worldcompliance.com fi nden sich Angaben zu den Lebensläufen des früheren
Staatssekretärs Ludwig-Holger Pfahls und des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber. Wie wir hören,
testen diverse Banken (u.a. Landesbanken) und Versicherungen derzeit einzelne Tool-Lösungen.
■ Coperion: Manfred Eiden folgt dem zu IWKA ziehenden Wolfgang-Dietrich Hein
Nur wenige Tage hat es gedauert, bis die Maschinen- und Anlagenbaugruppe Coperion aus Stuttgart Ersatz für ihren zu IWKA
wechselnden CEO Wolfgang-Dietrich Hein gefunden hat, der in Karlsruhe dem auf Druck von Großaktionär Guy Wyser-Pratte
zurückgetretenen Hans Fahr folgen soll. Neuer Coperion-Chef wird Manfred Eiden, seit 1976 bei der finnischen Kone-Gruppe.
Eiden war von 2001 bis 2004 bei dem weltweit tätigen Hersteller von Aufzügen, Rolltreppen, Container-
und Handling-Anlagen als Geschäftsführer (President) tätig. Als Empfehlung bringt Eiden mit,
dass sich während seiner Amtszeit als President der Aktienkurs von Kone fast verdoppelt hat. Umsatz
und Ergebnis haben sich sogar mehr als verdoppelt, freilich auch durch Zukäufe.
Bei Coperion wird seine Aufgabe sein, die Marktstellung in den Kernarbeitsbereichen auszubauen.
Coperion macht mit seinem umfangreichen Produkt- und Serviceprogramm für die Industrie an, beispielsweise
für die Kunststoff-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie, etwa 400 Mill. Euro Umsatz.
■ Linde: Reitzle hält Kurs – Großaktionäre halten (noch) still
Der frühere „Automann“ Wolfgang Reitzle fährt mit seinem Kurs bei Linde weiter gut. Zurückhaltend prognostizieren und
dann positiv überraschen. Immer wieder hat er auf das schwierige Umfeld verwiesen. Zur Jahresmitte übertrifft er nun
durchweg die Erwartungen, hohe Auftragseingänge deuten darauf hin, dass auch die zweite Jahreshälfte für Linde gut
verläuft. Dennoch: Reitzle bleibt sich treu, „Umsatz und operatives Ergebnis werden über dem Vorjahresniveau liegen“.
Linde steigerte bereits in den ersten sechs Monaten um Desinvestitionen bereinigt den Umsatz um immerhin
8,3% auf 4,46 Mrd. Euro. Die eigentliche Überraschung ist, dass auch unbereinigt ein Plus steht,
so dass die Wiesbadener die entfallenden Erlöse der Kältetechnik mit deutlich über 300 Mill. Euro voll
kompensieren konnten. Dabei verdiente Linde operativ (EBITA) mit 372 Mill. Euro auch deutlich mehr
als im Vorjahr (bereinigt 309 Mill. Euro). Zur positiven Entwicklung haben alle Segmente beigetragen.
Knapp 6% mehr Aufträge holte Linde im zweiten Quartal herein. In den Büchern standen damit per
30. Juni Orders über 2,2 Mrd. Euro. Und: Im Segment Erdgasverfl üssigungsanlagen rechnet sich Linde
gute Chancen für neue Aufträge aus. Im Mittleren Osten und in Norwegen soll in den kommenden Monaten
über interessante Projekte entschieden werden.
An der Börse kommt Reitzle nach wie vor gut an. Die Aktie klettert seit seinem Amtsantritt fast ohne
Unterbrechung auf mittlerweile 60 Euro – ein neues Jahreshoch. Den Großaktionären Allianz, Deutsche
Bank und Commerzbank (zusammen über 30%) wird das gefallen. Bei MAN oder DaimlerChrysler
jüngst haben deutsche Finanzinstitute gezeigt, dass sie ganz schnell bei der Sache sein können. Werden
sie schwach und machen Kasse, steht Reitzle vor neuen Herausforderungen. Dann stellt sich die Frage
nach der weiteren Strategie: Hochzeit mit BOC? Oder greifen dann Finanzinvestoren nach Linde?
Czerwenskyintern
Ausgabe Nr. 90 · www.czerwensky.de · Seite 3
■ BayernLB: Schmidt hat fremde Landesbanken-Reviere im Blick
BayernLB-Chef Werner Schmidt ist angesichts der Halbjahreszahlen optimistisch: Die BayernLB strebt für das Gesamtjahr
ein Betriebsergebnis von über 1 (2004: 0,987) Mrd. Euro sowie einen Nettogewinn von mehr als 500 (98) Mill. Euro an. Die
Transformation des Geschäftsmodells vor dem Hintergrund der weggefallenen Staatsgarantien bezeichnete er „als gelungen“.
Die BayernLB hat ihr operatives Ergebnis im ersten Halbjahr dank einer gesunkenen Risikovorsorge
steigern können. In den ersten sechs Monaten stieg das operative Ergebnis um 46,4% auf 596 (407) Mill.
Euro. Der Nachsteuergewinn lag bei 334 Mill. Euro, verglichen mit einem anteiligen Vorjahresergebnis
von 49 Mill. Euro. Damals hatte die BayernLB die Rückzahlung unerlaubter Beihilfen von 320 Mill.
Euro sowie Restrukturierungsaufwendungen von 38 Mill. Euro verbucht. Die Eigenkapitalrendite vor
Steuern betrug zum 30. Juni 15,7 (9,5) % und lag damit über der selbst auferlegten Messelatte von 15%.
Die Landesbanken werden, so Schmidt, nach dem Wegfall der Staatsgarantien zukünftig weiterhin
unterschiedliche Strategien verfolgen: „Die Landschaft der Landesbanken wird heterogener. Es wird je
nach Region und Geschäftsmodell unterschiedliche Zukunftswege geben.“ Die Landesbanken würden
voraussichtlich auch stärker überregional agieren. Bei der BayernLB habe es jedenfalls nach dem 19. Juli
keinen „Big bang“ gegeben. Der Übergangspozess werde auch weiterhin „evolutionär verlaufen“.
■ norisbank: Graband legt wieder einmal eine Schippe drauf
Deutlich zu vernehmen war die Kritik vieler Primärbanken-Vorstände an der BVR-Spitze vor ziemlich genau zwei Jahren, als
die HypoVereinsbank (HVB) die norisbank an die DZ Bank veräußerte. Das Spezialinstitut schaffe keinen zusätzlichen Nutzen
für den Finanzverbund, vielmehr mache sie den Geno-Banken Konkurrenz bei den Kleinkrediten, lauteten damals die vorschnellen
Urteile. Heute ist das Schnee von vorgestern, denn norisbank-Chef Theophil Graband hat es auch im ersten Halbjahr 2005
wieder einmal geschafft, beim Neugeschäft eine Schippe draufzulegen.
Die drei Hauptakteure des damaligen norisbank-Coups – BVR-Präsident Dr. Christopher Pleister,
DZ-Bank-Chef Dr. Ulrich Brixner und DZ-Bank-Vorstand Heinz Hilgert – haben im Nachhinein betrachtet
ein geschicktes Händchen bewiesen. Die betriebswirtschaftlichen Kennziffern des Ratenkreditspezialisten
aus Nürnberg sähen sicherlich nicht so positiv aus, wäre die norisbank heute noch eine
HVB-Tochtergesellschaft, denn das rasante Wachstum beim Standardprodukt „easyCredit“ ist vor allem
auf die enge Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken zurückzuführen. „Uns konnte
nichts Besseres passieren, als dass uns damals die DZ Bank kaufte“, formulierte es Graband bei der Halbjahres-
Pk. Das easyCredit-Neugeschäft stieg im ersten Halbjahr 2005 um 38% auf 907,9 Mill. Euro. Der
Rohertrag legte um 27,7% auf 175,9 Mill. Euro zu, das Betriebsergebnis wuchs um 15,8% auf 33,7 Mill.
Euro. Bei den Geno-Provisionen betrug das Plus sogar 180% (43,4 Mill. Euro). Per 30. Juni hatten sich 825
(768) Geno-Banken vertraglich für die Zusammenarbeit mit der norisbank entschieden; 711 (477) verkauften
aktiv. Da mittlerweile 25 weitere Institute mit der norisbank kooperieren, könnte die Schallmauer
von 1000 genossenschaftlichen Partnerbanken in absehbarer Zeit durchbrochen werden. Bedenken Sie:
Dies wäre eine beachtliche Durchdringung, denn der BVR rechnet langfristig mit 800 bis 1000 Volks- und
Raiffeisenbanken, die in ihren relevanten Märkten agieren. Der norisbank-Lenker sieht im Geno-Lager
auf jeden Fall „noch erhebliches Wachstumspotenzial“.
Allerdings gelte es wachsam zu sein, denn die Konsumentenkredite werden nach Ansicht Grabands
in der Finanzdienstleistungsbranche mittlerweile als „Allheilmittel“ gesehen. Neue ausländische Anbieter
drängten auf den Markt. Dies erhöhe den Preisdruck und führe teilweise zu Kundenabwanderungen.
Auch die Neukundenzuführung in den Verbund werde schwieriger. Einen Schub für das Neugeschäft
erhofft sich Graband auch durch die sieben easyCredit-Fachgeschäfte (drei sind bereits eröffnet). Die
Pilotphase soll im ersten Quartal 2006 abgeschlossen sein. Dann werde man über eine mögliche weitere
Expansion entscheiden.
■ Pharmastandort Deutschland: Branche beklagt Vertrauensschwund
Die forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland haben 2004 zum ersten Mal seit fast zehn Jahren reale Rückgänge
bei Umsatz und Beschäftigung verzeichnet und haben so auf dem Pharma-Weltmarkt Anteile eingebüßt. Cornelia
Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), macht dafür die regulatorischen
Maßnahmen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes verantwortlich, die vorrangig innovative Arzneimittel treffen.
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Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet, nachdem sich die regulatorischen Eingriffe in den
Arzneimittelmarkt schon 2003 negativ auf die Branche niedergeschlagen hatten: „Insbesondere die
auf 16% angehobenen Zwangsrabatte haben die Ertragslage der VFA-Mitgliedsunternehmen erodieren
lassen”, beklagt Yzer. Durch die Wiedereinführung von Festbeträgen auf patentgeschützte Produkte
werde der für die Branche essenzielle Patentschutz ausgehöhlt. Für Investitionen und Aufwendungen in
F&E sei kein Erhöhungsspielraum mehr vorhanden gewesen – sie hätten 2004 faktisch stagniert.
Dennoch: Mit 35 Arzneimitteln brachte die Branche eine Rekordanzahl an Innovationen auf den
Markt, was ihr Innovationspotenzial unterstreicht. In der Regel sei pro neuem Wirkstoff ein Vorlauf
von zwölf Jahren nötig, der durchschnittlich 800 Mill. Dollar verschlinge, erläuterte Yzer. Unter den 35
Neueinführungen des vergangenen Jahres befänden sich allein sechs neue Präparate gegen Krebserkrankungen.
Fünf der Neueinführungen ermöglichten neue und bessere Therapien gegen die in Deutschland
häufi gste Todesursache, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Zukunft erwartet die Mehrheit der
VFA-Mitgliedsunternehmen zumindest eine Normalisierung der Situation am Standort Deutschland.
Ein knappes Drittel kann sich sogar vorstellen, die F&E-Aufwendungen wieder zu erhöhen. „Ob die
Unternehmen diese Mittel aber in Deutschland einsetzen werden, wird wesentlich davon abhängen, wie
die Politik die Weichen am Pharmastandort Deutschland stellt”, prognostiziert die Verbandschefi n.
■ Krankenversicherung: Mehrheit der Deutschen gibt Unions-Modell einen Korb
Lässt sich Politik gegen die Mehrheit des Volks machen? Jedenfalls müssen sich die Deutschen mit dem Gedanken anfreunden,
künftig von einer Unions-geführten Regierung bzw. einer Kanzlerin Angela Merkel regiert zu werden. Die wiederum würde der
Bundesrepublik gerne eine Kopfpauschale in Sachen Krankenversicherung überstülpen. Das empfänden nur 30% als gerecht.
Dies gilt für von Experten als realistisch eingeschätzte Monatsbeiträge von etwa 170 Euro, mehr als
die vor längerem von der Union genannten 109 Euro (in ihrem Wahlprogramm haben CDU/CSU keine
Summe genannt). Das hat die Bertelsmann-Stiftung in ihrem halbjährlichen Gesundheitsmonitor herausgefunden.
Mit sinkender Prämienhöhe steigt die Zustimmung, heißt es dort. Eine Bürgerversicherung,
in die auch Selbstständige, Beamte und Besserverdiener einzahlen und die der SPD vorschwebt,
hielten zwei Drittel für gerecht.
Stiftungsvorstand Brigitte Mohn vermutet dahinter in erster Linie die Sorge, dass die Qualität der
medizinischen Versorgung ohne fi nanzielle Einbeziehung von Selbstständigen, Beamten und Besserverdienenden
auf Dauer nicht gewährleistet werden könne.
Fachleute sähen ohnehin am liebsten eine Kombination beider Modelle. Beide Konzepte – Bürgerversicherung
und Kopfpauschale – schlössen sich nicht grundsätzlich aus, meint die Stiftung. Wer weiß,
ergibt sich als Konsequenz aus dem Wahlergebnis eine Große Koalition, stiege die Wahrscheinlichkeit,
dass es kein „entweder oder“ geben muss – Gleiches gilt für viele andere Bereiche.
■ Namen: Commerzbanker Mück heuert bei Unaxis an
+++ Das von dem Wiener Industriellen Mirko Kovats kontrollierte Technologieunternehmen Unaxis
hat Rainer Mück, zuletzt Direktor für den Bereich Steuern bei der Commerzbank, als Vorstand für den
Bereich Finanzen gewonnen. Mück, der auch bereits in Diensten von PricewaterhouseCoopers und General
Electric stand, soll sein Amt im Laufe des vierten Quartals antreten. Der vorherige CFO Kaspar
Kelterborn war Ende Juni nach dem Einstieg von Kovats zurückgetreten.
+++ Der neue Chef der Aareal Bank, Wolf Schumacher, räumt weiter bei der Wiesbadener Immobilienbank
auf. Der im Vorstand für das internationale Geschäft zuständige Ralph Hill muss gehen.
+++ Die Deutsche EuroShop hat Olaf G. Borkers in ihren Vorstand berufen, wo er ab 1. Oktober
schwerpunktmäßig den Bereich Finanzen verantworten wird. Für diesen Bereich war Borkers seit Juni
1999 bei der TAG Tegernsee Immobilien- und Beteiligungs-AG zuständig.
„Jeder Versicherungsschein hat zwei Seiten: Auf der Vorderseite
wird man versichert, auf der Rückseite verunsichert.“
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