Tendenz zu längeren oder aber sehr kurzen Laufzeiten / Die Produktinnovationen sind oft zu komplex
kpa. FRANKFURT, 7. Februar. Die Umsätze mit Optionsscheinen in Deutschland sinken, gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt. Diese gegenläufigen Entwicklungen prägen im Anlagejahr 2002 den größten Optionsscheinmarkt der Welt nach dem, gemessen an der Anzahl der angebotenen Scheine, zurückliegendem Rekordjahr. Der Wettbewerb unter den Emittenten wird sich weiter verstärken, sind sich Beobachter einig. Zudem droht die Emissionsflut immer neuer Optionsscheine die Anleger zu überfordern. Wurden Ende 2000 noch rund 20 000 Optionsscheine angeboten, waren es zuletzt mehr als 30 000.
Nach Ansicht von Horst Schnabel, Vorstandssprecher der Euwax Broker AG, sollte sich die Zahl der an der Euwax , dem Derivatesegment der Stuttgarter Börse, gehandelten Optionsscheine und Zertifikate in diesem Jahr auf 40 000 erhöhen. Dabei waren im Jahr 2001 knapp 10 Prozent der an der Euwax gelisteten Produkte Zertifikate. Hingegen rechnen andere Optionsscheinexperten wie Dirk Heß von der Citibank im Jahr 2002 mit einem leichten Rückgang der Zahl der Optionsscheine auf rund 25 000 Papiere. Im vergangenen Jahr seien viele Scheine angesichts der kräftigen Kursverluste an den Aktienmärkten und der sich anschließenden Erholung durch die notwendig gewordenen Anpassungen von Basispreisen und Laufzeiten begeben worden. Dies sollte in diesem Jahr in diesem Ausmaß nicht mehr nötig werden.
Zu beobachten ist jedoch nicht nur eine immer breiter werdende Angebotspalette, sondern darüber hinaus auch eine Zunahme der Anzahl der Emittenten. Die skontroführende Maklergesellschaft Euwax Broker AG erwartet für das Jahr 2002, daß sich die Zahl der an der Euwax zugelassenen Emissionshäuser von derzeit 29 auf bis zu 34 erhöhen werde. Im vergangenen Jahr sind acht neue Emittenten hinzugekommen. Esther Benamou von der Société Générale verweist in diesem Zusammenhang auf den weit entwickelten deutschen Optionsscheinmarkt. Für viele Institute sei es daher eine geschäftspolitische Entscheidung, hier Optionsscheine zu emittieren. Zudem sei die Emission nur mit relativ geringen Kosten verbunden und leicht durchzuführen. Es gebe kaum Eintrittsbarrieren, um auf dem Markt präsent zu sein.
Allerdings ist es schwierig, auf dem Markt eine bedeutende Rolle zu spielen. Im vergangenen Jahr erreichte nach Angaben der Stuttgarter Börse der Marktführer Citibank einen Anteil von rund 54 Prozent im Optionsscheinhandel, gefolgt von BNP Paribas mit 7,6 Prozent, Goldman Sachs mit 6,8 Prozent und Société Générale mit 6,4 Prozent sowie Deutscher Bank mit einem Anteil von 5,7 Prozent und UBS Warburg mit 4,2 Prozent. Damit verfügen diese sechs Emittenten über einen Marktanteil von nahezu 85 Prozent. 24 Emittenten teilen die restlichen 20 Prozent unter sich auf. Dabei sollte der verstärkte Wettbewerb den Anlegern nicht nur durch eine größere Auswahl, sondern auch durch faire Preise zugute kommen, meint die Expertin der Société Générale.
Fortsetzung auf Seite 30.
Derzeit ist bei den Banken eine Tendenz zur Emission von Optionsscheinen mit längeren Laufzeiten zu beobachten. So bietet beispielsweise J.P. Morgan bis zum 20. Dezember 2006 laufende Scheine auf den Dax und den Euro-Stoxx-50 an. Derartige Papiere verfügen über den Vorteil, daß Veränderungen des zugrundeliegenden Wertes sich weniger stark auf den Optionsscheinkurs auswirken als auf Titel mit kürzeren Laufzeiten. "Langlaufende Scheine widersprechen aber eigentlich dem Wesen dieses Investments", kritisiert Heß. Optionsscheine sind spekulative Papiere mit einem dem Risiko entsprechenden Hebel.
Neben dem Trend zur Emission von Optionsscheinen mit langen Laufzeiten erwartet der Experte der Citibank auch eine Zunahme der Indexoptionsscheine mit Laufzeiten von einem bis zu zwei Monaten. Diese Papiere verfügten über ein großes Risiko, aber auch entsprechend hohe Hebelwirkungen und Renditechancen, die von einigen Anlegern wie beispielsweise Daytradern genutzt würden.
Auch die Tendenz zu Innovationen und sogenannten exotischen Optionsscheinen wird den Optionsscheinmarkt künftig weiter prägen. Die gestiegene Anzahl von Nischenprodukten wie Long-Short-Optionsscheinen, die auf das Verhältnis zweier Basiswerte abzielen, oder Korridor-Optionsscheinen, die beispielsweise auf die Schwankungsbreite eines bestimmten Indes setzen, verdeutlichen dies. Experten kritisieren derartige Produkte oft als zu komplex und erklärungsbedürftig. Allerdings bieten sie den Vorteil, daß sich die Anleger ihren Bedürfnissen entsprechend positionieren können, auch wenn sie beispielsweise keine genauen Vorstellung über bestimmte Kursziele haben.
Die mehr als 18 Monate dauernde Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten und die Ereignisse des vergangenen Jahres haben auch auf dem Optionsscheinmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Die Flucht in den sicheren Hafen hat dazu geführt, daß die Anleger weniger in riskante Papiere als vielmehr in Optionsscheine auf Indizes und Standardwerte investierten. Dabei ist das Interesse an Optionsscheinen insgesamt zurückgegangen. Der im Jahr 2001 an der Euwax getätigte Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr um rund 35 Prozent gefallen (siehe F.A.Z. vom 23. Januar). Hier wurden im Monatsdurchschnitt immerhin fast 85 Prozent des börslichen Optionscheinhandels in Deutschland durchgeführt. Dabei laufen allerdings nach Ansicht von Experten nur rund 45 Prozent des Optionsscheinhandels über die verschiedenen Börsen. Der überwiegende Teil wird außerbörslich über Direktbanken oder direkt beim Emittenten abgewickelt. Bei einer nachhaltigen Kurserholung an den Aktienmärkten könnte in diesem Jahr durchaus mit einer Umsatzsteigerung von 20 bis 30 Prozent bei Optionsscheinen gerechnet werden, glaubt Heß.
2001 war das Jahr der Indizes. Nach Angaben der Stuttgarter Börse haben Optionsscheine auf Indizes im vergangenen Jahr einen Anteil von 57 Prozent an den an der Euwax gehandelten Optionsscheinen erreicht. Allein 40 Prozent des Umsatzes entfielen auf Dax-Optionsscheine. "Indexprodukte waren zwar schon immer sehr gefragt, aber diese Tendenz hat sich verstärkt", sagt Heß. Daneben standen vor allem Standardwerte wie Siemens, SAP, Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler im Mittelpunkt des Anlegerinteresses.
Darüber hinaus sei 2001 auch das Jahr der Daytrader gewesen, also der Anleger, die in der Regel mehrmals am Tag aktiv werden, sagt Benamou. Dies zeige sich vor allem in der Zunahme der gehandelten Put-Optionsscheine, die von traditionellen Anlegern meist gemieden würden. Das Interesse an Calls (Kaufoptionsscheinen) ist in der Regel ungleich höher als an Puts (Verkaufsoptionsscheinen). Und auch wenn der Anteil der Put-Optionsscheine im vergangenen Jahr gestiegen ist, gilt dieser Grundsatz ebenfalls für die zurückliegenden Monate. Während im Jahr 2000 Puts noch durchschnittlich einen Anteil von 10 Prozent erreicht hätten, habe dieser im Jahr 2001 rund 30 Prozent betragen, erläutert Benamou weiter. Durch die Angst vor weiteren Kursverlusten sei der Anteil in der Spitze im September bis auf 50 Prozent gestiegen. Während bei Aktienoptionsscheinen Calls überwiegen, halten sich bei Indexprodukten Puts und Calls nach den Worten von Heß in der Regel die Waage. Im Herbst des vergangenen Jahres stieg der Anteil der Puts hier allerdings zeitweise bis auf 60 Prozent.
Traditionelle Investoren hätten sich dagegen im vergangenen Jahr angesichts der ungewissen Börsentendenzen mit ihren Optionsschein-Investments zurückgehalten, meint Benamou. Dies wiederum hatte zur Folge, daß sich die durchschnittlichen Laufzeiten der einzelnen Scheine tendenziell verringert haben. Bei Optionsscheinen auf Aktien waren Heß zufolge vor allem Laufzeiten bis zu einem halben Jahr zu beobachten - nach zuvor noch bis zu einem Jahr. Bei Indexoptionsscheinen habe sich dagegen an der durchschnittlichen Laufzeit bis zu einem Vierteljahr kaum etwas verändert.
Deutliche Auswirkungen hatten die kräftigen Kurseinbrüche des vergangenen Jahres auch auf den Dax-Volatilitätsindex (V-Dax). Dieser Index gibt als Volatilitätsmaßstab des Deutschen Aktienindex Dax die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite, die so genannte implizite Volatilität, an. Nach den Terroranschlägen im September stieg der V-Dax von Werten um die 30 Punkte sprunghaft auf bis zu 50 Punkte an. Für die Investoren bedeutete dies entsprechend verteuerte Optionsscheine, da die Volatilitätskomponente stärker ins Gewicht fiel.
Bei einer sich nachhaltig abzeichnenden konjunkturellen Erholung und infolgedessen wieder steigenden Aktienkursen sollten sich auch die traditionellen Anleger wieder verstärkt den Optionsscheinen zu wenden und entsprechend langfristig investieren, ist Benamou sicher. Die Société Générale rechnet mit einer derartigen Verbesserung der Situation vom dritten Quartal dieses Jahres an.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2002, Nr. 33 / Seite 29
kpa. FRANKFURT, 7. Februar. Die Umsätze mit Optionsscheinen in Deutschland sinken, gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt. Diese gegenläufigen Entwicklungen prägen im Anlagejahr 2002 den größten Optionsscheinmarkt der Welt nach dem, gemessen an der Anzahl der angebotenen Scheine, zurückliegendem Rekordjahr. Der Wettbewerb unter den Emittenten wird sich weiter verstärken, sind sich Beobachter einig. Zudem droht die Emissionsflut immer neuer Optionsscheine die Anleger zu überfordern. Wurden Ende 2000 noch rund 20 000 Optionsscheine angeboten, waren es zuletzt mehr als 30 000.
Nach Ansicht von Horst Schnabel, Vorstandssprecher der Euwax Broker AG, sollte sich die Zahl der an der Euwax , dem Derivatesegment der Stuttgarter Börse, gehandelten Optionsscheine und Zertifikate in diesem Jahr auf 40 000 erhöhen. Dabei waren im Jahr 2001 knapp 10 Prozent der an der Euwax gelisteten Produkte Zertifikate. Hingegen rechnen andere Optionsscheinexperten wie Dirk Heß von der Citibank im Jahr 2002 mit einem leichten Rückgang der Zahl der Optionsscheine auf rund 25 000 Papiere. Im vergangenen Jahr seien viele Scheine angesichts der kräftigen Kursverluste an den Aktienmärkten und der sich anschließenden Erholung durch die notwendig gewordenen Anpassungen von Basispreisen und Laufzeiten begeben worden. Dies sollte in diesem Jahr in diesem Ausmaß nicht mehr nötig werden.
Zu beobachten ist jedoch nicht nur eine immer breiter werdende Angebotspalette, sondern darüber hinaus auch eine Zunahme der Anzahl der Emittenten. Die skontroführende Maklergesellschaft Euwax Broker AG erwartet für das Jahr 2002, daß sich die Zahl der an der Euwax zugelassenen Emissionshäuser von derzeit 29 auf bis zu 34 erhöhen werde. Im vergangenen Jahr sind acht neue Emittenten hinzugekommen. Esther Benamou von der Société Générale verweist in diesem Zusammenhang auf den weit entwickelten deutschen Optionsscheinmarkt. Für viele Institute sei es daher eine geschäftspolitische Entscheidung, hier Optionsscheine zu emittieren. Zudem sei die Emission nur mit relativ geringen Kosten verbunden und leicht durchzuführen. Es gebe kaum Eintrittsbarrieren, um auf dem Markt präsent zu sein.
Allerdings ist es schwierig, auf dem Markt eine bedeutende Rolle zu spielen. Im vergangenen Jahr erreichte nach Angaben der Stuttgarter Börse der Marktführer Citibank einen Anteil von rund 54 Prozent im Optionsscheinhandel, gefolgt von BNP Paribas mit 7,6 Prozent, Goldman Sachs mit 6,8 Prozent und Société Générale mit 6,4 Prozent sowie Deutscher Bank mit einem Anteil von 5,7 Prozent und UBS Warburg mit 4,2 Prozent. Damit verfügen diese sechs Emittenten über einen Marktanteil von nahezu 85 Prozent. 24 Emittenten teilen die restlichen 20 Prozent unter sich auf. Dabei sollte der verstärkte Wettbewerb den Anlegern nicht nur durch eine größere Auswahl, sondern auch durch faire Preise zugute kommen, meint die Expertin der Société Générale.
Fortsetzung auf Seite 30.
Derzeit ist bei den Banken eine Tendenz zur Emission von Optionsscheinen mit längeren Laufzeiten zu beobachten. So bietet beispielsweise J.P. Morgan bis zum 20. Dezember 2006 laufende Scheine auf den Dax und den Euro-Stoxx-50 an. Derartige Papiere verfügen über den Vorteil, daß Veränderungen des zugrundeliegenden Wertes sich weniger stark auf den Optionsscheinkurs auswirken als auf Titel mit kürzeren Laufzeiten. "Langlaufende Scheine widersprechen aber eigentlich dem Wesen dieses Investments", kritisiert Heß. Optionsscheine sind spekulative Papiere mit einem dem Risiko entsprechenden Hebel.
Neben dem Trend zur Emission von Optionsscheinen mit langen Laufzeiten erwartet der Experte der Citibank auch eine Zunahme der Indexoptionsscheine mit Laufzeiten von einem bis zu zwei Monaten. Diese Papiere verfügten über ein großes Risiko, aber auch entsprechend hohe Hebelwirkungen und Renditechancen, die von einigen Anlegern wie beispielsweise Daytradern genutzt würden.
Auch die Tendenz zu Innovationen und sogenannten exotischen Optionsscheinen wird den Optionsscheinmarkt künftig weiter prägen. Die gestiegene Anzahl von Nischenprodukten wie Long-Short-Optionsscheinen, die auf das Verhältnis zweier Basiswerte abzielen, oder Korridor-Optionsscheinen, die beispielsweise auf die Schwankungsbreite eines bestimmten Indes setzen, verdeutlichen dies. Experten kritisieren derartige Produkte oft als zu komplex und erklärungsbedürftig. Allerdings bieten sie den Vorteil, daß sich die Anleger ihren Bedürfnissen entsprechend positionieren können, auch wenn sie beispielsweise keine genauen Vorstellung über bestimmte Kursziele haben.
Die mehr als 18 Monate dauernde Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten und die Ereignisse des vergangenen Jahres haben auch auf dem Optionsscheinmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Die Flucht in den sicheren Hafen hat dazu geführt, daß die Anleger weniger in riskante Papiere als vielmehr in Optionsscheine auf Indizes und Standardwerte investierten. Dabei ist das Interesse an Optionsscheinen insgesamt zurückgegangen. Der im Jahr 2001 an der Euwax getätigte Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr um rund 35 Prozent gefallen (siehe F.A.Z. vom 23. Januar). Hier wurden im Monatsdurchschnitt immerhin fast 85 Prozent des börslichen Optionscheinhandels in Deutschland durchgeführt. Dabei laufen allerdings nach Ansicht von Experten nur rund 45 Prozent des Optionsscheinhandels über die verschiedenen Börsen. Der überwiegende Teil wird außerbörslich über Direktbanken oder direkt beim Emittenten abgewickelt. Bei einer nachhaltigen Kurserholung an den Aktienmärkten könnte in diesem Jahr durchaus mit einer Umsatzsteigerung von 20 bis 30 Prozent bei Optionsscheinen gerechnet werden, glaubt Heß.
2001 war das Jahr der Indizes. Nach Angaben der Stuttgarter Börse haben Optionsscheine auf Indizes im vergangenen Jahr einen Anteil von 57 Prozent an den an der Euwax gehandelten Optionsscheinen erreicht. Allein 40 Prozent des Umsatzes entfielen auf Dax-Optionsscheine. "Indexprodukte waren zwar schon immer sehr gefragt, aber diese Tendenz hat sich verstärkt", sagt Heß. Daneben standen vor allem Standardwerte wie Siemens, SAP, Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler im Mittelpunkt des Anlegerinteresses.
Darüber hinaus sei 2001 auch das Jahr der Daytrader gewesen, also der Anleger, die in der Regel mehrmals am Tag aktiv werden, sagt Benamou. Dies zeige sich vor allem in der Zunahme der gehandelten Put-Optionsscheine, die von traditionellen Anlegern meist gemieden würden. Das Interesse an Calls (Kaufoptionsscheinen) ist in der Regel ungleich höher als an Puts (Verkaufsoptionsscheinen). Und auch wenn der Anteil der Put-Optionsscheine im vergangenen Jahr gestiegen ist, gilt dieser Grundsatz ebenfalls für die zurückliegenden Monate. Während im Jahr 2000 Puts noch durchschnittlich einen Anteil von 10 Prozent erreicht hätten, habe dieser im Jahr 2001 rund 30 Prozent betragen, erläutert Benamou weiter. Durch die Angst vor weiteren Kursverlusten sei der Anteil in der Spitze im September bis auf 50 Prozent gestiegen. Während bei Aktienoptionsscheinen Calls überwiegen, halten sich bei Indexprodukten Puts und Calls nach den Worten von Heß in der Regel die Waage. Im Herbst des vergangenen Jahres stieg der Anteil der Puts hier allerdings zeitweise bis auf 60 Prozent.
Traditionelle Investoren hätten sich dagegen im vergangenen Jahr angesichts der ungewissen Börsentendenzen mit ihren Optionsschein-Investments zurückgehalten, meint Benamou. Dies wiederum hatte zur Folge, daß sich die durchschnittlichen Laufzeiten der einzelnen Scheine tendenziell verringert haben. Bei Optionsscheinen auf Aktien waren Heß zufolge vor allem Laufzeiten bis zu einem halben Jahr zu beobachten - nach zuvor noch bis zu einem Jahr. Bei Indexoptionsscheinen habe sich dagegen an der durchschnittlichen Laufzeit bis zu einem Vierteljahr kaum etwas verändert.
Deutliche Auswirkungen hatten die kräftigen Kurseinbrüche des vergangenen Jahres auch auf den Dax-Volatilitätsindex (V-Dax). Dieser Index gibt als Volatilitätsmaßstab des Deutschen Aktienindex Dax die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite, die so genannte implizite Volatilität, an. Nach den Terroranschlägen im September stieg der V-Dax von Werten um die 30 Punkte sprunghaft auf bis zu 50 Punkte an. Für die Investoren bedeutete dies entsprechend verteuerte Optionsscheine, da die Volatilitätskomponente stärker ins Gewicht fiel.
Bei einer sich nachhaltig abzeichnenden konjunkturellen Erholung und infolgedessen wieder steigenden Aktienkursen sollten sich auch die traditionellen Anleger wieder verstärkt den Optionsscheinen zu wenden und entsprechend langfristig investieren, ist Benamou sicher. Die Société Générale rechnet mit einer derartigen Verbesserung der Situation vom dritten Quartal dieses Jahres an.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2002, Nr. 33 / Seite 29