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GPC Biotech
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HV-Bericht GPC Biotech AG

 
01.07.01 10:22
Die erste ordentliche Hauptversammlung der GPC Biotech fand am 5. Juni 2001 im Künstlerhaus München statt. Für GSC Research war Mathias Goeritz vor Ort und verfasste diesen Bericht.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Steinmetz stellte zunächst den Aufsichtsrat vor. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Schühsler mit weiteren Mandaten bei Medigene und weiteren Gesellschaften. Herr Prof. Dr. Drews ist Aufsichtsrat u.a. bei Morphosys, und Herr Dr. Colpan ist geschäftsführender Gesellschafter der Qiagen N.V. und Aufsichtsrat bei Ingenium und Omnitron. Die Herren Dr. Evnin und Dr. Karabelnik waren wegen Krankheit nicht anwesend.

Der Vorstand wird geleitet von Prof. Dr. Seizinger, der die präklinische Entwicklung verantwortet. Als Finanzvorstand zeichnet Dr. Scherer verantwortlich, Vorstand für die Geschäftsentwicklung ist Dr. Maier, von Beruf Chemiker, und Forschungsvorstand schließlich ist der Biochemiker Dr. Meier-Ewert.


Bericht des Vorstands

Der Vorstandsvorsitzende Herr Prof. Dr. Seizinger ging zunächst auf die strategische Positionierung der Gesellschaft im Bereich Genomics ein. Er verwies auf eine breite integrierte Genomics- und Proteomics-Technologieplattform, die "keine Parallelen in der europäischen Biotech-Industrie hat". Aktuell laufen 9 interne Programme zur Medikamentenentwicklung. 7 Pharma- und 8 Biotech-Allianzen wurden in den USA und in Europa geschlossen.

Verglichen mit 40 erteilten und über 120 beantragten Patenten zur Zeit des Börsengangs verfügt GPC heute über 55 erteilte und mehr als 160 beantragte Patente. Das Unternehmen beschäftigt 152 Mitarbeiter, davon 61 in den USA. 118 Personen sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. 50 Prozent der Mitarbeiter haben promoviert, 45 Prozent besitzen ein Diplom. Mit einem Finanzpolster von über 200 Mio. DM weist die Gesellschaft eine starke finanzielle Position auf.

Nach den Worten von Prof. Dr. Seizinger lag bislang das Hauptaugenmerk auf der Weiterentwicklung der Technologieplattform, von Anfang an sei es jedoch Ziel gewesen, durch Allianzen und internen Zuwachs an Know-how Medikamente zu entwickeln.

Der Weg eines Medikaments läuft über die 3 bis 4-jährige Target-Entdeckungsphase, über die 4-jährige Medikamenten-Entdeckung bis hin zur 7-jährigen Medikamentenentwicklung. Bei der Target-Entdeckungsphase werden zunächst im Rahmen der Identifizierung von Targets (Zielgene) die Angriffsflächen der Medikamentenentwicklung herausgesucht, dann validiert und per HTS (Hochdurchsatzscreening) herausgefiltert.

Im 20. Jahrhundert konzentrierte sich die Pharmaindustrie auf insgesamt 500 Targets. Es werden zukünftig durch die Biotechnologie etwa 5 bis 10.000 erwartet. Im Rahmen der Medikamentenentdeckung werden aus den Zielgenen die Leitsubstanzen identifiziert und optimiert. Dann geht es über den Bereich der präklinischen Entwicklung der Medikamente in den klinischen Entwicklungsbereich.

Am Ende dieser Phase, die aber noch eine 80-prozentige Versagerquote aufweist, steht die Zulassung und Vermarktung. Von den durchschnittlichen Kosten einer Medikamentenentwicklung in Höhe von 880 Mio. USD inklusive der Fehlschläge können nach Erhebungen der Boston Consulting Group durch die Anwendung der Biotechnologie 140 Mio. USD eingespart werden. Der Abschluss der Medikamentenentwicklung kann ein Jahr früher als bisher (15 Jahre) erwartet werden.

Wie Prof. Dr. Seizinger weiter berichtete, verfolgte die GPC Biotech von Anfang an eine duale Geschäftsstrategie zwischen Solidität und Risiko, in deren Zentrum die eigene integrierte Genomics-, Proteomics- und Medikamententwicklungsplattform steht. Durch pharmazeutische Allianzen (Aventis, Bayer Boehringer Ingelheim, Altana, DuPont), in deren Rahmen die eigene Technologieplattform eingesetzt wird, können kontinuierlich und mittelfristig Umsätze realisiert und Technologien validiert werden.

Auf das "Wertschöpfungspotenzial den meisten Einfluss" haben jedoch die internen Entwicklungsprogramme für Medikamente. Die eigene Wirkstoff-Pipeline wird in drei Schlüsselbereichen ausgebaut, um hier langfristig Umsätze zu realisieren. Die Entwicklung wird dabei beschleunigt durch strategische Biotech-Allianzen (Morphosys, Evotec, Maxim, Karo Bio, Atugen, Cell Genesys, Genetica, GEHE Alliance) und Akquisitionen.

Die Kommerzialisierungsstrategie der Gesellschaft sieht zunächst die Vermarktung der Genomics- und Proteomics-Plattform übe pharmazeutische Allianzen vor. In der „nächsten Phase“ werden entwickelte Produktkandidaten auslizensiert, der Bereich Onkologie sei dabei „besonders attraktiv“. Schließlich sollen Produktverkäufe zur Wertschaffung beitragen.

Diese Strategie gleicht denjenigen von bereits erfolgreich am Markt tätigen Unternehmen wie z.B. Millennium, HGS, Tularik und Curagen. Alle diese Unternehmen weisen einen negativen Cash Flow auf durch das permanente Reinvestieren der Gelder.

Pharmazeutische Allianzen

Ein wichtiger Meilenstein in der allgemeinen Medikamentenentwicklung war bisher die Anfang des 20. Jahrhunderts durch chemische Prozesse ermöglichte systematische und rationale Verbesserung der Fähigkeiten von chemischen Strukturen. Zwischen 1970 und 1990 folgte dann nach der chemischen Revolution die Revolution in der Molekularbiologie. Jetzt konnten molekulare Angriffspunkte (Targets) isoliert werden, und man vermochte neue Formen biologischer Therapien zu entwickeln wie z.B. Protein-Therapeutika.

Dies erfolgte hauptsächlich in den USA, und Prof. Dr. Seizinger meinte, von daher sei es "kein Zufall, dass die USA weltführend in Pharma" sind. Die Ende des 20. Jahrhunderts einsetzende Genomics-Revolution läuft noch und ist gekennzeichnet durch die Entschlüsselung des gesamten humanen Genoms und die Automatisierung und Industrialisierung der Biologie und Medikamentenentdeckung insbesondere durch die Parallelisierung von Entwicklungen.

Zu erwarten sind Einblicke in fundamentale genetische Mechanismen der wichtigsten Krankheiten wie z.B. Krebs oder Nervenkrankheiten. Auf diesen Erkenntnissen basierend kommt es zur Entwicklung einer neuen Generation von Medikamenten, die an der Ursache der Krankheit gezielt angreifen und die sich daher durch höhere Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen auszeichnen.

Dabei spielt die Entschlüsselung des menschlichen Genoms eine "wesentliche Rolle". Es gibt ungefähr 3,2 Milliarden Basenpaare in einem Gen, davon sind über 50 Prozent parasitische Wiederholungssequenzen. Bei 99 Prozent sei die Funktion "unklar", und nur 1,2 Prozent der Sequenz kodieren die Proteine. Der Mensch hat 30 bis 40.000 dieser Protein kodierenden Sequenzen, ursprünglich hatte man über 100.000 erwartet. Pflanzen haben ungefähr 26.000, Würmer 18.000, Fliegen 13.000 und Bäckerhefe auch noch 6.000.

Nur etwa 100 der 1.278 Proteinfamilien sind für Wirbeltiere spezifisch. Im Ergebnis stellte der von Prof. Dr. Seizinger zitierte Nobelpreisträger David Baltimore fest, dass die unterschiedliche Komplexität der Arten nicht durch die Anzahl der Gene erklärbar ist, sondern dass der Schlüssel zur Unterscheidung von normalen und krankheitsspezifischen Funktionen in der komplexen Wechselwirkung der Gene und Proteine liegt.

Prof. Dr. Seizinger führte aus, dass dieses Zusammenwirken aufgeklärt werden muss, um medikamentös verwertbare Angriffspunkte (drugable targets) zu finden. Dies sei natürlich "sehr viel komplizierter", als anfangs gedacht. Dabei unabdingbar ist die Verwendung neuer Hochdurchsatz-Technologien (HTS), also die industrielle Biologie.

Die Technologieplattform der GPC Biotech ist keine eigene Technologie, sondern ein Zusammenwirken der unterschiedlichen Technologien Genomics(DNA-Ebene) und Proteomics(Molekül-Ebene). Die Verwendung dieser Technologien im Rahmen der Medikamentenentwicklung erfolgt im Fall der Genomics und Proteomics bei der Identifizierung und Validierung von Targets im Rahmen der Entdeckung von Targets.

"In den letzten 8 Monaten" kamen bei GPC die so genannten Reverse Genomics hinzu, die bei der Optimierung von Leitsubstanzen und für die Auswahl geeigneter Medikamentenwirkstoffe bei der präklinischen Entwicklung verwendet werden. Hierdurch gelingt eine Kosten- und Zeitreduzierung. Die Auswahl geeigneter Wirkstoffe erfolgt im Rahmen der Kooperation mit Bayer AG bei der Suche nach neuen Antibiotika.

Das Problem der zunehmenden Resistenzen gegenüber Antibiotika liegt darin begründet, dass die Entwicklung sich im 20. Jahrhundert auf 12 Targets konzentrierte. Es gibt bis zu 50 antibakterielle Wirkstoffe mit unbekannten molekularen Wirkmechanismen.

Durch die Anwendung der Reverse Genomics-Technologien werden nur die Antibiotika-Kandidaten ausgewählt, die einen neuartigen Wirkmechanismus aufweisen und damit das Resistenzproblem umgehen. Dadurch wird das Entwicklungsrisiko reduziert und eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit gesichert. Prof. Dr. Seizinger gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Positionierung der Genomics im späten Stadium der Medikamentenentwicklung einen "sehr sehr großen Einfluss auf die Medikamentenentwicklung haben wird".

Die Zahlungen von Pharma-Partnern erfolgen durch Vorabzahlungen für den gewährten Zugang zu den Technologien, durch FTE-Payments - hier bezahlt das Pharmaunternehmen die forschenden Mitarbeiter mit etwa einer halben Mio. USD pro Mitarbeiter - und durch Meilensteinzahlungen für Ziele, die GPC selbst erreicht oder die durch den Pharmapartner später in der Entwicklung erreicht werden. Schließlich bekommt das Biotechunternehmen „in einigen Allianzen auch zweistellige“ prozentuale Beteiligungen an den Umsatzerlösen aus den Produktverkäufen(Royalties).

Im laufenden Jahr wurden zwei neue Allianzen mit der Altana-Tochter Byk Gulden und mit Boehringer Ingelheim geschlossen. Mit beiden bestehen bereits Allianzen, die neu geschlossenen sind jedoch jeweils signifikant größer mit einem Wert von bis zu 30 bzw. 100 Mio. USD. Da die Allianz mit Boehringer Ingelheim über die kanadische Tochter zu Stande gekommen ist, kann dies als Validierung der transatlantischen Präsenz gesehen werden.

Interne Entwicklungsprogramme für Medikamente

Die eigene Medikamentenentwicklung erfolgt grundsätzlich durch GPC, wird aber durch Biotech-Allianzen wie z.B. mit Morphosys sowie durch Akquisitionen beschleunigt. Die drei Schlüsselbereiche sind Krebs, Immunologie und Infektionskrankheiten. In den Jahren 2000 bis 2008 wird am Weltmarkt mit einem Marktwachstum von 5 auf 30 Mrd. USD bei den Krebsmedikamenten, von 6 auf 16 Mrd. USD bei den Immunologie-Medikamenten und von 26 auf 69 Mrd. USD bei den Infektionskrankheiten gerechnet.

Im Krebsbereich laufen bei GPC 4 Programme. Bei der Krebsbehandlung geht die Tendenz zur Kombination verschiedener Medikamente anstatt der Verwendung einzelner Präparate. Ansatzpunkte sind das Hemmen der Zellteilung (so genannte Zellzyklus-Inhibitoren), das Hemmen der Blut- und Sauerstoffversorgung der Krebszelle (so genannte Angiogenese-Inhibitoren), um den Krebszellen "den Hahn abzudrehen" sowie die Auslösung des programmierten Zelltodes der Tumorzelle (so genannte Apoptose).

Alle Zellen haben "Selbstmordprogramme", die sich bei Fehlentwicklungen auslösen. In Tumorzellen sind diese Programme jedoch ausgeschaltet. Auf diesem Gebiet arbeitet die Kooperation mit der Pharmatochter von Altana.

Der Eingriff bei den Autoimmunkrankheiten wie z.B. der Multiplen Sklerose und der Rheumatiden Arthritis sowie der Transplantationsabstoßung erfolgt nicht durch ein Lahmlegen des Immunsystems, sondern durch die Hemmung des den Angriff auslösenden Stoffs. Auf diesem Gebiet wird voraussichtlich ein Programm in 2002 zur klinischen Studie angemeldet.

Bei den Infektionskrankheiten sollen die Medikamente das Resistenzprogramm adressieren. GPC hat mehr als 20 neue Angriffspunkte entdeckt gegenüber den 12 bisher verwendeten.

Zum Schluss seines Berichts teilte Prof. Dr. Seizinger mit, die Kompetenzen bei der internen Medikamentenentwicklung seien bei der GPC Biotech ausgebaut worden insbesondere durch die Gewinnung von Dr. Marcel Rozencweig als Senior VP für die Medikamentenentwicklung. Kompetenzen im Beratergremium konzentrieren sich auf interne Entwicklungen und auf Einlizensierungen von Wirkstoffen.

Anschließend ging der Finanzvorstand Herr Dr. Scherer auf die Zahlen des Berichtsjahres ein. Er führte aus, dass die Bilanzierung nach US-GAAP wegen der „größeren Transparenz“ und Vergleichbarkeit mit Konkurrenzunternehmen erfolgt. Nach 4,3 Mio. Euro Umsatz in 1999 wurde der Umsatz in 2000 durch einen „sehr erfolgreichen Geschäftsverlauf“ auf 10,9 Mio. Euro gesteigert. Durch die erstmalige Konsolidierung der Mitotix in 2000 seien die beiden Jahre allerdings nur eingeschränkt vergleichbar, da die Akquisition nach US-GAAP als Aufwand zu verbuchen ist, der durch die Bezahlung mit Aktien jedoch nicht cashwirksam wurde.

Die auf die Mitotix bezogenen Aufwendungen, die „nichts mit dem operativen Geschäftsverlauf bei GPC zu tun“ haben, belaufen sich auf 19,7 Mio. Euro (Erwerb von unfertigen F&E-Projekten: 16 Mio. Euro, Abschreibung auf immaterielle Vermögenswerte: 3,7 Mio. Euro). Das EBIT von minus 38,1 Mio. Euro nach minus 3,2 Mio. Euro in 1999 kommt daneben zustande durch Verwaltungskosten, die von 1,5 auf 7,5 Mio. Euro angestiegen sind (Mitarbeiterzahl von 60 auf 150 gestiegen), sowie durch eine von 5,3 auf 21,6 Mio. Euro vervielfachten Aufwand für F&E.

Cashwirksamer Aufwand waren 24 Mio. Euro im Rahmen des sonstigen betrieblichen Aufwands für Gehälter und Materialien. Nicht cashwirksame Aufwendungen waren neben den durch die Mitotix bedingten 19,7 Mio. Euro die Aufwendungen aus der Einlizensierung von Medikamentenkandidaten von DuPond mit 1,2 Mio. Euro gegen Aktien sowie 2,1 Mio. Euro Aufwand für Aktienoptionen.

„Wesentlicher Maßstab für die finanzielle Performance des Unternehmens“ ist laut Dr. Scherer das EBITDA vor akquisitionsbedingten Aufwendungen und Aktienoptionen von minus 13 Mio. Euro nach minus 2,5 Mio. Euro in 1999. Der Jahresfehlbetrag von 35,3 Mio. Euro umfasst einen akquisitionsbedingten und einen einmaligen Aufwand von insgesamt 22,6 Mio. Euro, in 1999 gab es diesen Aufwand nicht, und der Jahresfehlbetrag betrug 3,3 Mio. Euro.

Die Quartalsentwicklung der Gewinn- und Verlustrechnung stellt sich folgendermaßen dar (in Mio. Euro):

______________________Q1/00___Q2/00___Q3/00___Q4/00___Q1/01
Umsätze________________1,0______6,0______2,2_____1,7______2,8
F&E Aufwand____________1,8______7,3______5,7_____6,8______7,2
Verwaltungsaufwand______0,5______2,6______1,9_____2,3______2,4
Erwerb von unfertigen
F&E Projekten__________15,7______0,3_______0_______0_______0
Abschreibung auf immat.
Vermögensgegenstände___0________1,2_____1,2______1,4______1,2
EBIT__________________- 17______- 5,3____- 6,6_____- 9,2____- 8,1 Fehlbetrag_____________- 17,2_____- 4,9____- 5,4_____- 7,8____- 6,9

Bis 2003 werden etwa 1,2 Mio. Euro pro Quartal an Abschreibungen aus dem Kauf der Mitotix anfallen.

Der Bestand an liquiden Mitteln und Wertpapieren beträgt zum 31.12.2000 108,7 Mio. Euro und zum 31. März 2001 ca. 111 Mio. Euro. Daneben weist die Bilanz auf der Aktivseite insbesondere 18,3 Mio. Euro an immateriellen Vermögenswerten inklusive Goodwill auf. Auf der Passivseite dominiert mit 125,5 Mio. Euro (93,8 Prozent) das Eigenkapital neben kurzfristigen (6,2 Mio. Euro) und langfristigen (2,1 Mio. Euro) Verbindlichkeiten.

Die „extrem gesunde Struktur“ der Bilanz erlaube eine „aggressive Investition“ auch in Zukunft. Bei einem Net Cash Burn (Mittelabfluss aus operativer Geschäftstätigkeit zuzüglich Investitionen in Anlagevermögen) von 19,9 Mio. Euro in 2000 sei man wegen der 108,7 Mio. Euro (zum 31.12.2000) an liquiden Mitteln auf „mehrere Jahre“ hinaus finanziert.

In 2001 und 2002 sollen weitere Meilensteine in den bestehenden Allianzen („davon können Sie ausgehen“) erreicht werden, und es sollen neue Allianzen („Wir gehen davon aus“) mit Pharmaunternehmen geschlossen werden. „Besonderes Augenmerk“ gilt dem Ausbau der Kommerzialisierung von Reverse Genomics.

Im Bereich der internen Entwicklungsprogramme für Medikamente wird die klinische Entwicklung vorbereitet („haben Infrastruktur“), und möglicherweise („Sie können davon ausgehen“) werden Medikamente mit Schwerpunkt Onkologie in klinischer Entwicklungsphase durch Einlizensierung oder Akquisition erworben, konkrete Projekte bestünden jedoch nicht.


Allgemeine Diskussion

Herr Schmitt von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) erkundigte sich nach den Hintergründen zu Berichten im Herbst 2000, dass eine Investorengruppe 2 Millionen Aktien verkaufen wollte. Der Finanzvorstand Dr. Scherer führte hierzu aus, dabei habe es sich um ehemalige VentureCapital-Anteilseigner der übernommenen Mitotix gehandelt, die nach der Übernahme Aktien von GPC im Depot hatten.

Da sie im Gegensatz zur großen Beteiligung an Mitotix nun nur noch in geringem Maße an der GPC beteiligt waren und zudem eher auf den US-Markt konzentriert investierten, suchten sie eine Möglichkeit zum Desinvestment. Im Herbst sei dies gescheitert, aber "unserer Kenntnis nach" ist dies jetzt nach Ablauf der Haltefrist "größtenteils" abgewickelt. „Die meisten“ Altaktionäre der Mitotix halten jedoch ihre Anteile.

Dann sprach Herr Schmitt die "kurzen" Halteverpflichtungen der Altaktionäre beim Börsengang an. Hierauf erwiderte Herr Dr. Scherer, die 12-monatige Haltefrist sei am 31.5.2001 ausgelaufen, im Übrigen habe man "sehr schlechte Erfahrungen" mit Haltefristen, da zu jedem Auslaufzeitpunkt ein starker Druck auf dem Kurs der Aktie liege.

Auf Mitarbeiteraktien angesprochen, verwies der Finanzvorstand darauf, dass es bei GPC keine Namensaktien gibt und dass man daher keinen Überblick hat. Aktienverkäufe der Vorstände nach Ablauf der Haltefristen im Herbst 2000 gab es nicht, es gab jedoch Umplatzierungen hin zu den Familienmitgliedern.

Im Hinblick auf den Geschäftsbericht fragte Herr Schmitt nach einigen Wertpapieren, worauf Herr Dr. Scherer versicherte, der angesprochene DEAM Fund GBTF1 sei ein spezieller Investmentfond der Deutsche Asset Management, der ausschließlich in Geldmarktpapiere und gesicherte Anleihen investiert.

Als Nächstes erkundigte sich Herr Schmitt nach den grundsätzlichen Abläufen einer Medikamentenentwicklung und Patentsicherung. Der Vorstandsvorsitzende Herr Prof. Dr. Seizinger meinte, es vergingen 6 bis 7 Jahre von der Entdeckung eines Targets bis zum Medikament. GPC sei erst 1997 gegründet, deshalb stammten eine Reihe der 160 Patentanmeldungen und 54 Patente aus der Übernahme der bereits 1992 gegründeten Mitotix.

Auf die Frage nach der Höhe der üblicherweise bei Auslizensierungen an GPC zu zahlenden Umsatzbeteiligungen sprach der Vorstand Dr. Maier von normalerweise bis zu 5 Prozent, teilweise werden 10 Prozent gezahlt. Der Vorstandsvorsitzende ergänzte, dass im Rahmen des Vertrags mit der Altana ein bis zu zweistelliger Umsatzbetrag gezahlt wird. Im Bereich Reverse Genomics profitiert GPC von der Kooperation mit Bayer durch Lizenzzahlungen, Meilensteinzahlungen und Royalties.

Danach sprach Herr Leiphold von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die 32 Mio. Euro teure Übernahme der Mitotix an und erbat eine Angabe zur Höhe der Goodwill-Abschreibungen. Der Finanzvorstand bezifferte diese auf 1 bis 1,4 Mio. Euro pro Quartal, abhängig vom USD-Wechselkurs.

Auf die durchschnittliche Fluktuationsrate unter den Mitarbeitern angesprochen, schätzte der Vorstandsvorsitzende diese auf 3 Prozent. Auf Vorstandsebene und beim Management der Mitotix habe es keine Abgänge gegeben. Hervorgehoben wird, dass durch die internationale Positionierung wichtigen Mitarbeitern auch eine internationale Karriereperspektive geboten werden kann.

Dann bat Herr Leipold um eine Aufschlüsselung der sonstigen Rückstellungen in Höhe von fast 3 Mio. Euro. Dr. Scherer führte diese insbesondere auf Rückstellungen für zukünftige Meilensteinzahlungen an Partner zurück, der Rest bestehe aus offenen Rechnungen, die "überwiegend" im ersten Quartal 2001 beglichen wurden.

Als nächsten Punkt sprach Herr Leipold die Zusammensetzung des Aufsichtsrats an. und er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der stellvertretende Aufsichtsrat Herr Schühsler mit 11 weiteren Mandaten den Rahmen des gesetzlich Erlaubten voll ausschöpft. In seiner Antwort hob der Vorstandsvorsitzende dessen "breites strategisches Bild" hervor, das sich aus dem Einblick in viele Unternehmen ergibt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende führte zu der Neuwahl des Aufsichtsrats aus, dass bisher "unvermeidlich" viele dem VentureCapital nahe stehende Aufsichtsräte Mandate hielten. Der nun zu wählende Aufsichtsrat sei "ganz anders", denn bis auf Dr. Schühsler treten 3 der 4 „VentureCapital-nahen“ Aufsichtsräte zurück.

Herr Strenger, Mitglied einer Regierungskommission zum Thema Corporate Gouvernance, mahnte eine kommerzielle Ausrichtung des Unternehmens an. Nur einer der 6 Aufsichtsräte sei Kaufmann. Der Vorstandsvorsitzende verwies darauf, dass alle Aufsichtsräte über Erfahrungen bei der Medikamentenvermarktung verfügen.

Auf den Code of Best Practise angesprochen, meinte der Vorstandsvorsitzende, dass dessen Anforderungen zu 66 Prozent erfüllt werden. Der Finanzvorstand ergänzte, dass die GPC Biotech damit "am obersten Ende des Neuen Markts" liegt.

Bezüglich der Tagesordnung kritisierte Herr Strenger, die 10-jährige Laufzeit der zu beschließenden Optionen gehe "viel zu weit", 5 Jahre seien genug, denn die lange Laufzeit stelle einen "Riesenoptionswert" da. Der Vorstandsvorsitzende begründete dies mit der Praxis in den USA und dem bisherigen Optionsplan, der einen viel zu hohen Stückpreis habe, der auch nicht heruntergesetzt wird. Der Finanzvorstand ergänzte, dass "kontinuierlich" Optionen herausgegeben werden, die 10-jährige Laufzeit sei "nicht unüblich".

Bei den Wandelschuldverschreibungen für die Aufsichtsräte vermisste Herr Strenger eine Hürde. Der Finanzvorstand verwies auf die mit 5.000 Euro niedrige Aufsichtsratsvergütung, die "weit" unter der bei vergleichbaren US-Unternehmen liege. Der Vorstandsvorsitzende ergänzte, nicht einmal mit den Wandelschuldverschreibungen werde der Standard erreicht.

Danach erkundigte sich der Aktionär Herr Moezer nach dem Streubesitz und nach den Gründen für die Wahl der Herren Dr. Schühsler und Dr. Stoiber in den Aufsichtsrat. Der Vorstandsvorsitzende erklärte hierzu, Dr. Stoiber habe „sehr erfolgreich“ bei Hoffmann La Roche große Allianzen vermittelt. Der Streubesitz liege „technisch“ durch das Auslaufen der Haltefristen bei 100 Prozent.


Abstimmungen

Ohne eine nennenswerte Anzahl an Gegenstimmen wurden die Herren Colpan, Drews, Lytton, Preuss, Schühsler und Stoiber in den Aufsichtsrat gewählt. Die Vergütung für die Aufsichtsratsmitglieder wurde auf 5.000 Euro festgelegt. Zudem wurde ein Optionsprogramm für Mitarbeiter und Führungskräfte sowie die Auflage von Wandelschuldverschreibungen für Aufsichtsräte beschlossen.


Bemerkungen

Die erste Hauptversammlung der Gesellschaft hinterließ einen positiven Eindruck insbesondere auch deshalb, weil Geschäftsbericht und Präsentation beispielhaft diverse Fragen bereits im Vorfeld der Diskussion klärten.

Es wurde deutlich, dass mit einer anhaltenden Verwässerung des Kapitals zu rechnen ist, erste Erfolge auf dem Weg zur Dividendenzahlung hingegen werden einige Jahre auf sich warten lassen. Die Bedenken des Aktionärs Moezer, der auf einige Unternehmen in den USA verwies, die eingenommene Gelder permanent reinvestieren und nicht ausschütten, sind durchaus berechtigt. Ein volatiler Kursverlauf dürfte auch mittelfristig Schicksal der Aktie sein.


Kontaktadresse

GPC Biotech AG
Fraunhoferstr. 20
82152 Martinsried/München

Tel.: 089 / 08565 - 2600
Fax: 089 / 08565 - 2610

Email: info@gpc-biotech.com
Internet: www.gpc-biotech.com


Investor Relations
Eva Grabner

Tel.: 089 / 08565 - 2693
Fax: 089 / 08565 - 2610
Email: eva.grabner@gpc-biotech.com

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