Zu viele Optimisten verhindern Aufschwung
Unter Anlegern, Fondsmanagern und Händlern nimmt der Pessimismus zu. In der Vergangenheit war dies immer ein verlässliches Signal für einen bevor stehenden Börsenaufschwung. Doch der viel beachtete Investors- Intelligence-Indikator ermittelt immer noch zu viel Optimismus.
FELIX PIEPLOW
HANDELSBLATT, 6.4.2001
DARMSTADT. Das Verhältnis von Bullen und Bären (Optimisten und Pessimisten) ist an der Börse ein wesentlicher Faktor für die Nachfrage nach Aktien. Ist die Mehrheit der Marktteilnehmer negativ eingestellt, kann der Markt steigen. Der Grund: Pessimisten gehen davon aus, dass die Aktien weiter fallen und verkaufen. Sind schließlich nur noch Pessimisten am Markt, gibt es keinen Kursdruck mehr, weil alle Anleger bereits verkauft haben. In einer solchen Situation kann nur noch gekauft werden, weshalb der Markt nach oben dreht.
Aktuell zeigen Marktumfragen, dass der Anteil der Bullen stark ab- und der der Bären stark zugenommen hat. Bei einer regelmäßig bei US-Kleinanlegern durchgeführten Befragung ergab sich vor zwei Wochen erstmals eine Umkehr der Verhältnisse. Die Bären hatten mit einem Anteil von 48 % die Nase vorn. Gleichzeitig waren Fondsabflüsse festzustellen. In den vergangenen zehn Jahren waren solche Momente regelmäßig gute Kaufgelegenheiten. Auch das Verhältnis der gehandelten Put-Optionen zu den gehandelten Call-Optionen zeigt eine negative Stimmung der Marktteilnehmer in einem solchen Ausmaß, wie es in der Vergangenheit am Ende von Abwärtsbewegungen erreicht wurde. Auch von dieser Seite gibt es demnach Kaufsignale.
Doch es gibt eine weitere Auswertung, die mit einer Hartnäckigkeit seit Wochen den Anteil der Bullen zwischen 48 % und 62 % ausweist. Es handelt sich um die besonders in den USA sehr einflussreichen Studien von Investors Intelligence. Sie messen den Anteil der optimistischen und pessimistischen Börsenbriefe in den USA. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Zuverlässigkeit: So war im letzten Quartal 1994 der Anteil der Bären mehr als doppelt so hoch wie der der Bullen. Dies war ein langfristiges Kaufsignal für amerikanische Aktien – der S&P 500 Index hat sich seitdem bis zur Spitze 2000 mehr als verdreifacht.
Aktuell würde man – in Übereinstimmung mit anderen, ähnlich strukturierten Umfragen – ein ähnlich negatives Stimmungsbild erwarten. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Noch im Februar zeigte der Investors-Intelligence-Indikator Spitzenwerte für bullische Börsenbriefe. Demnach drohen an der Wall Street weitere Kursrückgänge.
Aufgrund der Divergenz dieses Indikators zu anderen Indikatoren sollte man bestenfalls von einer kurz- bis mittelfristigen Erholung bei den Aktienkursen ausgehen. Bis ein wirklicher Boden erreicht wird, dürften hiernach die Kurse noch weiter nachgeben.
Der S & P 500 Index hat kürzlich – ähnlich wie der Dax – seinen Abwärtstrendkanal nach unten verlassen und befindet sich bei 1 100 Punkten auf dem Niveau, auf das er Anfang 1998 stieg. Aufgrund der aktuell mehrheitlich negativen Stimmung ist eine kurzfristige Erholung bis an den Widerstand bei 1 200 Punkten oder sogar zurück in den Trendkanal möglich. Von einer Bodenbildung, die nach charttechnischen Kategorien ein langfristiges Kaufsignal darstellt, ist der Markt aber noch weit entfernt.
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Felix Pieplow ist Mitarbeiter des Chartexperten Dr. Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.
Unter Anlegern, Fondsmanagern und Händlern nimmt der Pessimismus zu. In der Vergangenheit war dies immer ein verlässliches Signal für einen bevor stehenden Börsenaufschwung. Doch der viel beachtete Investors- Intelligence-Indikator ermittelt immer noch zu viel Optimismus.
FELIX PIEPLOW
HANDELSBLATT, 6.4.2001
DARMSTADT. Das Verhältnis von Bullen und Bären (Optimisten und Pessimisten) ist an der Börse ein wesentlicher Faktor für die Nachfrage nach Aktien. Ist die Mehrheit der Marktteilnehmer negativ eingestellt, kann der Markt steigen. Der Grund: Pessimisten gehen davon aus, dass die Aktien weiter fallen und verkaufen. Sind schließlich nur noch Pessimisten am Markt, gibt es keinen Kursdruck mehr, weil alle Anleger bereits verkauft haben. In einer solchen Situation kann nur noch gekauft werden, weshalb der Markt nach oben dreht.
Aktuell zeigen Marktumfragen, dass der Anteil der Bullen stark ab- und der der Bären stark zugenommen hat. Bei einer regelmäßig bei US-Kleinanlegern durchgeführten Befragung ergab sich vor zwei Wochen erstmals eine Umkehr der Verhältnisse. Die Bären hatten mit einem Anteil von 48 % die Nase vorn. Gleichzeitig waren Fondsabflüsse festzustellen. In den vergangenen zehn Jahren waren solche Momente regelmäßig gute Kaufgelegenheiten. Auch das Verhältnis der gehandelten Put-Optionen zu den gehandelten Call-Optionen zeigt eine negative Stimmung der Marktteilnehmer in einem solchen Ausmaß, wie es in der Vergangenheit am Ende von Abwärtsbewegungen erreicht wurde. Auch von dieser Seite gibt es demnach Kaufsignale.
Doch es gibt eine weitere Auswertung, die mit einer Hartnäckigkeit seit Wochen den Anteil der Bullen zwischen 48 % und 62 % ausweist. Es handelt sich um die besonders in den USA sehr einflussreichen Studien von Investors Intelligence. Sie messen den Anteil der optimistischen und pessimistischen Börsenbriefe in den USA. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Zuverlässigkeit: So war im letzten Quartal 1994 der Anteil der Bären mehr als doppelt so hoch wie der der Bullen. Dies war ein langfristiges Kaufsignal für amerikanische Aktien – der S&P 500 Index hat sich seitdem bis zur Spitze 2000 mehr als verdreifacht.
Aktuell würde man – in Übereinstimmung mit anderen, ähnlich strukturierten Umfragen – ein ähnlich negatives Stimmungsbild erwarten. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Noch im Februar zeigte der Investors-Intelligence-Indikator Spitzenwerte für bullische Börsenbriefe. Demnach drohen an der Wall Street weitere Kursrückgänge.
Aufgrund der Divergenz dieses Indikators zu anderen Indikatoren sollte man bestenfalls von einer kurz- bis mittelfristigen Erholung bei den Aktienkursen ausgehen. Bis ein wirklicher Boden erreicht wird, dürften hiernach die Kurse noch weiter nachgeben.
Der S & P 500 Index hat kürzlich – ähnlich wie der Dax – seinen Abwärtstrendkanal nach unten verlassen und befindet sich bei 1 100 Punkten auf dem Niveau, auf das er Anfang 1998 stieg. Aufgrund der aktuell mehrheitlich negativen Stimmung ist eine kurzfristige Erholung bis an den Widerstand bei 1 200 Punkten oder sogar zurück in den Trendkanal möglich. Von einer Bodenbildung, die nach charttechnischen Kategorien ein langfristiges Kaufsignal darstellt, ist der Markt aber noch weit entfernt.
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Felix Pieplow ist Mitarbeiter des Chartexperten Dr. Hans-Dieter Schulz, Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.