Hoffen auf ein Wunsch-Szenario


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Hoffen auf ein Wunsch-Szenario

 
27.11.02 11:41
Wie wird sich die Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren entwickeln? Verschiedene Szenarien sind denkbar. Allerdings besteht wenig Grund zur Annahme, dass das Wunsch-Szenario eintritt.

Mit der Veröffentlichung zunehmend schlechter Wirtschaftsdaten zum Ende des Jahres hat sich auch der Ausblick auf das kommende Jahr eingetrübt. Die meisten Konjunkturbeobachter haben ihre Prognosen nach unten revidiert und warten auf eine Zinssenkung der Federal Reserve Bank (Fed) in Amerika und der Europäischen Zentralbank (EZB) im Euroraum.

Darüber hinaus herrscht unter anderem durch die Lage im Nahen Osten große Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung auf der ganzen Welt. Auch wir haben unsere Prognosen für 2003 gesenkt und dazu verschiedene Szenarien aufgestellt, wie die Wirtschaft sich unter verschiedenen Bedingungen in den kommenden zwei Jahren entwickeln könnte.

Gehen wir davon aus, dass die EZB ein Inflationsziel von 1 bis 2,5 Prozent anstrebt, also etwas höher als offiziell vertreten, und lang- und kurzfristige Zinsen auch etwas höher liegen, als es momentan der Fall ist. Gehen wir weiter davon aus, dass die Haushaltspläne der Regierungen revidiert werden und diese in der Lage sind, das Budgetdefizit von 3 Prozent einzuhalten, wobei der Budgetausgleich in den großen Ländern erst nach 2006 zustande kommen wird.

Arbeitslosigkeit wird auf etwa 6,5 Prozent ansteigen

Unter diesen Annahmen gehen wir davon aus, dass der derzeit schwache Industriesektor und die durch die niedrige Inflationsrate ermutigte Konsumnachfrage dazu führen werden, dass die Wachstumsrate in den USA bis etwa Mitte nächsten Jahres unter dem Trend bleibt und sich in der zweiten Jahreshälfte wieder erholt.

Die Arbeitslosigkeit wird auf etwa 6,5 Prozent ansteigen. Außerdem erwarten wir diesem Fall eine weitere Leitzinssenkung der Fed um 25 Basispunkte, um das Vertrauen der Marktteilnehmer zu untermauern. Auch im Euroraum erwarten wir, dass die Erholung erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres an Fahrt gewinnt.

Die Inflationsrate im Euroraum wird bis zum Ende diesen Jahres voraussichtlich stabil bei knapp über 2 Prozent verharren und dann im Laufe des kommenden Jahres, teilweise bedingt durch die Aufwertung des Euro, auf etwa 1,5 Prozent fallen. Bis zum Frühling wird die EZB ihre Leitzinsen wahrscheinlich um 50 Basispunkte gesenkt haben, vielleicht dieser Schritt sogar schon im Dezember.

Die Gefahr des Double-Dip bleibt bestehen

Allerdings könnte es ebenso passieren, dass unter sonst gleichen Annahmen wie im ersten Szenario die USA durch die Kaufzurückhaltung der Haushalte und die Sparsamkeit der Unternehmen in eine weitere Rezession fallen, einen sogenannten Double-Dip.

Die US-amerikanische Geldpolitik der niedrigen Leitzinsen wäre dann als ineffektiv gebrandmarkt und die Angst vor einer Deflationsfalle nach dem Vorbild Japans würde wachsen. Dies würde zu einer signifikanten Abwertung des amerikanischen Dollar gegenüber dem Euro führen und damit die Wettbewerbsfähigkeit Europas belasten.

Die Folgen eines möglichen Irak-Kriegs

Im Euroraum verhindert gleichzeitig der Stabilitätspakt durch die erforderlichen Sparmaßnahmen der Regierungen, dass die heimische Nachfrage wieder in Gang kommt. Sowohl Inflation als auch Wachstum blieben dann in den nächsten zwei Jahren auf niedrigem Niveau. Unserer Meinung nach könnte dieses Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 Prozent eintreten.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die USA den Irak angreifen und sich kein schnelles Ende des Krieges abzeichnet. Bei einem längeren Krieg im Irak würde der Ölpreis stark ansteigen und damit ein anderes pessimistisches Szenario heraufbeschwören. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts würde sich wie im ersten Szenario langsam entwickeln, wobei Öl-Importeure, Produzenten und Konsumenten durch die Spannungen im Nahen Osten stark verunsichert werden würden.

Hoffen auf ein Wunsch-Szenario

Im Gegensatz zum ersten Szenario würde die Inflationsrate in den nächsten zwei Jahren aufgrund der höheren Ölpreise hartnäckig über 2,5 Prozent bleiben, was der EZB eine Zinssenkung unmöglich machen würde. In diesem Szenario wären zukünftige Lohnverhandlungen der Schlüssel, der die Inflation noch höher treiben und dem wirtschaftlichen Aufschwung damit den Garaus machen könnte. Für die Regierungen des Euroraums würde eine Einhaltung des Stabilitätspaktes zunehmend schwerer.

Mit etwas Glück könnte jedoch auch ein optimistisches Szenario eintreten: Beispielsweise könnte ein kurzer Krieg in Irak die Unsicherheit über die Situation im Nahen Osten beenden, woraufhin die Ölpreise wahrscheinlich signifikant fallen würden. Stärkere Aktienpreise und die verzögerte Wirkung früherer Zinssenkungen würden ihren Teil zur Stärkung des Vertrauens beitragen und dadurch die fremde und heimische Nachfrage anheizen.

Wenn in diesem Zusammenhang die Regierungen im Euroraum die positive Stimmung nutzen würden, strukturelle Reformen auf dem Arbeitsmarkt, im Rentenhaushalt, den Gesundheitssystemen und bei Steuern und Privatisierungen anzugehen, würde die Angebotsseite der Wirtschaft aufblühen und das Wirtschaftswachstum im Euroraum wieder in Schwung bringen. Allerdings sind wir wenig optimistisch, dass dieses Wunsch-Szenario eintritt.

www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,224470,00.html
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BRAD PIT:

Guter Beitrag. Manchmal aber missverständlich,

 
27.11.02 11:44
weil teilweise nicht klar wird ob USA oder Deutschland oder beide gemeint sind.
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