...aber ich habe kürzlich etwas ähnliches geschrieben (in unserem Info-Letter, Auszug hier):
Man benötigte diesmal keinerlei hellseherischen Fähigkeiten, um die
Korrektur rechtzeitig vorauszusehen. Es war ein Crash mit mehrfacher
Ankündigung, und er ist noch nicht vorbei!
Wenn führende Finanzhäuser in USA und Deutschland plötzlich unisono zum
Umstieg in konservative Werte ("old economy") blasen, muss jedem klar
sein, dass die Liquiditätszuflüsse zu den Technologiewerten offenbar
ins Stocken geraten waren. Nicht mehr und nicht weniger. Wir hatten
mehrfach zur Umschichtung in DAX-Werte bzw. OS geraten.
Wie geht es nun weiter?
Hauptproblem sind die massiven Verwerfungen, die im Moment rund um den
Globus entstehen: wieder, - wie vor einem Jahr, - sind es die
Hedge-Fonds und die Kreditkäufe der amerikanischen Privatanleger, die
Auslöser für einen weiteren Zusammenbruch der Kurse sein können.
Die Gefahr wird derzeit in der Öffentlichkeit systematisch
heruntergespielt, aber die Volkswirte der Regierungen und Nationalen
Banken haben das Problem seit Wochen auf der Agenda der wöchentlich
stattfindenden Sitzungen!
Es ist die Frage, ob Greenspan in der jetzigen Situation sich getraut,
dem Markt wieder Liquidität zuzuführen, um den Crash zu vermeiden!
Immerhin ist die Inflation auf Monatsbasis massiv gestiegen.
Andererseits wird er mit Sicherheit keinen oder nur einen kleinen
Zinsschritt (25 Basispunkte) vornehmen, um nicht noch mehr Druck auf
die Märkte zu legen. Der Handlungsspielraum ist also derzeit extrem
schmal. Hinter den Kulissen werden derzeit mit den Banken
Spitzengespräche zur Schieflage von Hedge-Fonds geführt und massiv
Kredite gewährt - für den Fall der Fälle. Ein Inflationsfaktor mit
verzögerter Wirkung!
Ich hoffe sehr, dass es den Zentralbanken gemeinsam mit den Regierungen
gelingen wird, die Angst aus dem Geschehen zu nehmen, aber den meisten
Fondsmanagern steht derzeit die nackte Panik im Gesicht geschrieben und
es wird sehr darauf ankommen, wie man sich hier in der nächsten Woche
positioniert.
Hartgesottene Daytrader haben jetzt natürlich jeden Tag Feiertag, aber
jedem anderen kann ich nur empfehlen, sich jetzt tot zu stellen und
WEDER ZU KAUFEN NOCH BEREITS NACHZUKAUFEN!
Ich bin ziemlich sicher, dass der nächste Aufschwung schon im späten
Frühjahr kommen wird und diesmal den Sommer über andauern wird.
Euphorie wird so schnell keine mehr aufkommen und fundamentale Analyse
wird wieder eine Renaissance erleben. Ich gehe von stetem Wachstum aus
sowohl für NM als auch die Werte der "alten Ökonomie", da die
wirtschaftlichen Rahmendaten in Europa derzeit ausgezeichnet sind bzw.
sich langsam aber stetig verbessern. In den USA sollte zunehmend deren
exorbitantes Handelsbilanzdefizit in den Blickpunkt treten, womit der
Dollar ab 4. Quartal zunehmend unter Druck kommen könnte und der Euro
wieder über die Parität läuft.
Alles in allem befinden wir uns also in einer aktuell zwar
hochgefährlichen Phase, die die Finanztechnologen aber in den Griff
bekommen sollten. Infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa
sehe ich hier den Zeitpunkt für künftige Investments ab Mitte/Ende Mai
gekommen, möglicherweise schon früher. Es wird dafür eindeutige
frühzeitige Indikatoren geben, genau wie bei dem aktuellen Crash.