Samstag 15. Dezember 2001, 10:07 Uhr
Euro erstmals seit einem Monat wieder über 0,90 Dollar
Bild vergrößern
New York (Reuters) - Anhaltende Spekulationen über ein mögliches Ende der Zinssenkungsphase in den USA haben die jüngsten US-Konjunkturdaten am Freitag in den Hintergrund gedrängt und dem Euro zu einem Gewinn von mehr als einem US-Cent verholfen. Die Gemeinschaftswährung kletterte erstmals seit einem Monat wieder über 90 Cent und markierte ein Tageshoch bei Kursen um 0,9054 Dollar, bevor er in New York mit 0,9037/42 Dollar schloss. Zugleich trieb die Einschätzung, wonach die japanische Regierung zur Förderung der Exporte einen schwächeren Yen bevorzugen würde, den Euro gegenüber dem Yen auf ein Zweijahreshoch. Zum Dollar fiel die japanische Währung zeitweise auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren.
Der Euro hatte den New Yorker Handel mit 0,9023/28 Dollar eröffnet. Im Referenzverfahren EuroFX stieg der Euro auf 0,9026 (Vortag: 0,8976) Dollar. Die US-Währung verbilligte sich zur D-Mark auf 2,1669 ( 2,1790) DM. Zum Yen kletterte der Euro auf 115,02 (113,52) Yen. Die Europäische ANZEIGE
Zentralbank legte den Referenzkurs des Euro auf 0,9016 Dollar fest. Die US-Valuta kostete 127,39/40 (127,52/60) Yen.
Händler begründeten den Kursrückgang des Dollar zum Euro mit dem am Vortag veröffentlichten Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank (Fed) vom 6. November, das Spekulationen über ein möglicherweise bevorstehendes Ende des Zinssenkungszyklus in den USA ausgelöst habe. Aus dem Protokoll geht hervor, dass drei FOMC-Mitglieder seinerzeit für eine Zinssenkung von 25 Basispunkten votiert hatten. Tatsächlich hatte die Fed die Zinsen damals um 50 Basispunkte gesenkt. "Der Markt geht nun davon aus, dass die Zinssenkungsstrategie sich verlangsamt oder ihrem Ende zugeht. Dies lastet auf den Aktienkursen und das wiederum drückt den Dollar", sagte Ian Stannard von BNP Paribas. Analysten zufolge betrachten die Marktteilnehmer mögliche weitere Aktionen der Fed nun mit wachsender Vorsicht. In einem Umfeld niedriger Zinsen könnten andere Währungen nach ihrer Einschätzung gegenüber dem Dollar profitieren. "Für die Anleger besteht ein großer Unterschied zwischen fallenden und niedrigen Zinsen", sagte Jim McCormick, Devisenstratege beim Investmenthaus Lehman Brothers. "Der Dollar bekommt nicht viel Hilfe von der Fed, und die US-Wirtschaft ist weiterhin schwach", fügte er hinzu. Zudem dürfte nun auch die Zeit der Gewinne aus dem Aufschwung der US-Staatsanleihen vorüber sein. "Das ist ein zunehmend problematisches Umfeld für den Dollar", sagte McCormick.
Der Yen blieb Händlern zufolge vor allem angesichts der schwachen Wirtschaftsverfassung Japans unter Druck. Es gebe Spekulationen, wonach die Bank von Japan weitere Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik einleiten könnte. Japan liege möglicherweise an einer Schwächung des Yen, um damit den Export in Schwung zu bringen, vermuteten einige Händler. Aussagen japanischer Währungspolitiker hätten diese Spekulationen im Wochenverlauf ausgelöst. Die Talfahrt des Yen sei dann jedoch durch die Warnung des japanischen Finanzministers Masajuro Shiokawa vor einem zu schnellen Einbruch des Yen-Kurses vorerst abgebremst worden.