Ich habe mich am WE auch noch einmal mit den HENSOLDT-Zahlen befasst und ich glaube, dass oft übersehen wird, dass der formulierte Ausblick von ~ zwei Milliarden Euro Umsatz in 2024 ohne die ESG-Umsätze plant (Seite 18 in der Präsentation).
Aber auch ansonsten wirkt das angegebene Umsatzziel gegenüber den in diesem Jahr erzielten Umsatz von etwa 1.85 Milliarden auf den ersten Blick wenig ambitioniert - das wären ja weniger als 10 Prozent Umsatzwachstum in einer Zeit mit einem heißen Krieg in Europa. Das Kernauftragsvolumen solle jedoch deutlich schneller wachsen, zu Lasten des Pass-Through-Revenue - also den weitergereichten Aufträgen. Davon sollte die EBITDA-Marge profitieren und so mehr Geld kleben bleiben - das, was wir uns als Aktionäre ja auch wünschen.
Ansonsten ist mir auch das Consolidated Income Statement S. 30 negativ aufgefallen. Nach diesem hätte man ja nach Abzug aller Kosten ein schlechteres Ergebnis erwirtschaftet als in 2022. Erklärt wird uns das mit Kosten die mit der ESG-Übernahme und SAP-Now-Umstellung zusammenhängen. Na gut, abgehakt.
Und schlussendlich gefällt mir nicht, dass auf S. 16 zu lesen ist "PEGASUS on track" und in der Presse schon bekannt ist, dass mit einer 20-monatigen Verspätung zu rechnen ist: www.flugrevue.de/flugzeugbau/...pegasus-20-monate-verzoegert/ Auch bei der Belastung durch die anstehenden Pensionen (S. 41) wüsste ich ehrlich gesagt gern, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt,
Ich rechne für das nächste Jahr mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro (HENSOLDT + ESG) und etwa 400 Millionen Euro adjustiertes EBITDA. Das reicht mir, aber ich leider erwarte auch, dass der Abstand zwischen HENSOLDT und Rheinmetall in den nächsten Jahren noch zunimmt, vor allem wegen attraktiver Margen im Munitiongeschäft (nach dem erfolgreichen Hochfahren der Produktion - am Anfang wird die Marge vielleicht noch schwächeln) das HENSOLDT nunmal nicht bedient.
Auf lange Sicht rechne ich mit weiteren Chancen für lohnende M&A-Aktivitäten HENSOLDTs. Aktuell ist es nicht vorstellbar, aber wer weiß, ob Rheinmetall irgendwann sein margenschwächeres Elektroniksegment loswerden möchte. Auch im Bereich ISR-Drohnen und KI-gesteuerten Drohnen wittere ich Marktchancen. Da darf HENSOLDT es sich auf keinen Fall leisten den Anschluss zu verlieren. Zum Beispiel wären HENSOLDT und Quantum-Systems wahrscheinlich ein starkes Team. Man darf nämlich nicht vergessen, dass die Konkurrenz nicht schläft - zuletzt haben Helsing und Saab ja mit der EloKa-Befähigung des Eurofighter HENSOLDT einen sicher geglaubten Auftrag weggeschnappt. Ich hoffe man lernt daraus! Helsing war in der letzten Finanzierungsrunde bereits 1,7 Milliarden Euro wert - ich hatte mir eigentlich erhofft, dass HENSOLDT in diesem Segment erfolgreicher agiert.
Auf Recherche- und Logikfehler gern hinweisen - ich lerne gern dazu. Auch Ergänzungen und andere Meinungen sind sehr willkommen.