ROUNDUP 2: Heidelberger Druck begegnet Krise mit Kündigungen - Düstere Zukunft
(Neu: Aussagen aus Telefonkonferenz)
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HEIDELBERG (dpa-AFX) - Die Absatzkrise beim Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck verschlimmert sich zusehends. Das Unternehmen will nun fünf Mal so viele Arbeitsplätze abbauen wie bislang geplant. Selbst Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen. "Die Branchenindikatoren verschlechtern sich beinahe täglich", begründete Vorstandschef Bernhard Schreier am Donnerstag in einer Telefonkonferenz die einschneidenden Maßnahmen. Auch im kommenden Geschäftsjahr, das im März beginnt, sieht er keine Besserung der Lage. Die Aktien von Heidelberger Druck haben in Reaktion auf die Mitteilung ihre Gewinne zunächst deutlich reduziert. Bis zum späten Nachmittag hat sich das Papier aber mit plus 8,57 Prozent in einem sehr freundlichen Umfeld auf 7,35 Euro wieder klar
Insgesamt will Schreier nun 2.500 der 19.800 Stellen streichen. Die Hauptlast soll dabei die im Inland angesiedelte Produktion tragen. Diese hatte beim zuerst verkündeten Sparprogramm noch außen vor gestanden. Damals sollten nur Mitarbeiter in Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung gehen über Vorruhestandsregelungen oder das Auslaufenlassen von Leiharbeiter-Verträgen. Schreier nannte betriebsbedingte Kündigungen jetzt "wahrscheinlich". Dies gebe der im vergangenen Jahr geschlossene Zukunftssicherungs-Tarifvertrag "im Falle deutlich veränderter Marktbedingungen" her. Bislang hatte es geheißen, Kündigungen seien ausgeschlossen. Schon im November sollen die deutschen Mitarbeiter kurzarbeiten.
VERDOPPLUNG DER EINSPARUNGEN
Bis zum übernächsten Geschäftsjahr will Schreier durch das neue Maßnahmenpaket die jährlichen Einsparungen auf 200 Millionen Euro verdoppeln. Auch soll die Umsetzung schneller erfolgen als bislang geplant. Bereits im kommenden Geschäftsjahr sollen 150 bis 180 Millionen Euro eingespart werden. Der Umbau des Unternehmens führt aber erst einmal zu Kosten von 130 bis 150 Millionen Euro, die großteils noch im laufenden Geschäftsjahr verbucht werden sollen. Schreier rechnet deshalb hier mit einem "deutlichen Jahresfehlbetrag". Eine genaue Prognose, wie bislang versprochen, lehnte Schreier jetzt ab. Angesichts der unsicheren Lage könne er dies "nicht verantworten".
Heidelberger Druck hatte am Monatsanfang eine schlechter als erwartet ausgefallene vorläufige Zwischenbilanz vorgelegt und eine Verschärfung des Sparprogramms angekündigt. Betroffen von dem Stellenabbau sind nun vor allem die beiden Hauptwerke Heidelberg und Wiesloch-Walldorf, wo zusammen 1.400 Arbeitsplätze wegfallen sollen. In Amstetten sind es 350, in Brandenburg 150, in Kiel 30 bis 40 sowie in Leipzig und Ludwigsburg zusammen 80. Der Standort Mönchengladbach hatte bereits in der ersten Sparrunde harte Einschnitte verkraften müssen mit einer Verlagerung der Produktion ins Ausland.
WEITERER AUSBAU DES SERVICEGESCHÄFTS
Die Mitarbeiter jenseits der Grenze kommen auch jetzt vergleichsweise glimpflich davon. Hier werden 350 bis 400 Stellen vor allem in Vertrieb und Service gestrichen. Allerdings soll die Produktion im Ausland nun langsamer ausgebaut werden. Unter anderem in China produziert Heidelberger Druck vergleichsweise simple Standardmaschinen. Das weltweite Service- und Verbrauchsmaterialien-Geschäft will Schreier unvermindert aufstocken, gilt es doch als weniger zyklisch.
Ihren Ausgangspunkt hatte die jüngste Absatzkrise von Heidelberger Druck in den USA genommen. Mittlerweile sei aber das Geschäft auf der ganzen Welt betroffen, sagte Schreier. Hintergrund ist die eingetrübte wirtschaftliche Stimmung infolge der Finanzkrise. Die Firmen weltweit fahren ihre Werbung zurück und die Drucker verlieren massenhaft Aufträge. Hinzu kommt laut Schreier, dass viele Drucker keine Kredite mehr zur Finanzierung neuer Geräte bekommen.
KAUM ENTLASTUNG DURCH WÄHRUNG
Auch die jüngste Erholung von Dollar und Yen brachte keine Besserung für Heidelberger Druck. Große Konkurrenten sitzen in Japan und konnten ihre Ware günstiger verkaufen als die Deutschen mit ihrem teuren Euro. "Wenn nix gekauft wird, nützt die Währung auch nix", sagte Schreier. Sein Konzern ist weltweiter Marktführer. In Deutschland sind König und Bauer sowie manroland bedeutende Wettbewerber. Auch sie leiden unter der Kaufzurückhaltung ihrer Kunden./das/sk
Gruß DB