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HeidelbergCement-Chef: "Wir wollen 2010 in den DAX"
Markus Bußler
Noch vor einem Jahr wollte die Aktien des Baustoffproduzenten HeidelbergCement niemand haben. Zu groß war die Schuldenlast, zu unsicher die Zukunftsaussichten. Doch der Konzern hat die Wende zum Besseren geschafft und gilt mittlerweile als aussichtsreicher DAX-Kandidat.
Im Interview mit dem AKTIONÄR spricht Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Scheifele über die mögliche DAX-Aufnahme, die durchgeführten Kapitalmaßnahmen und die Hoffnungen auf die Infrastrukturprogramme. Außerdem äußert er sich auch über die Aussichten für das laufende Jahr.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Scheifele, noch im Frühjahr drückte HeidelbergCement eine riesige Schuldenlast und das operative Geschäft brach immer mehr ein. Inzwischen gilt Ihr Unternehmen als aussichtreicher DAX-Kandidat. Gab es Momente, in denen sie selbst Zweifel hatten, dass Sie die gesamten Probleme lösen können?
Dr. Bernd Scheifele: Das Jahr 2009 war für mich sicherlich die schwierigste Phase in meinem Berufsleben. Die bereits angespannte Situation von HeidelbergCement wurde durch den Tod des Hauptaktionärs auf tragische Weise verschärft. Zudem ist durch Spekulationen am Finanzmarkt und in den Medien große Unsicherheit in das Unternehmen hineingetragen worden. Trotzdem ist es uns gelungen, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Schritte zu unternehmen, um diese schwierige Situation zu lösen.
Apropos DAX-Aufnahme. Wie zuversichtlich sind Sie, dass die DAX-Aufnahme tatsächlich im kommenden Jahr gelingt?
Mit der Kapitalerhöhung im Herbst 2009 haben sich sowohl die Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch das an der Börse gehandelte Aktienvolumen von HeidelbergCement deutlich erhöht. Aufgrund dieser Entwicklung sind wir zuversichtlich, 2010 den Aufstieg in den DAX zu schaffen.
Die Kapitalerhöhung haben sie erfolgreich platziert und erst kürzlich über Anleihen weitere 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Dennoch dürften auf HeidelbergCement noch immer mehr als acht Milliarden Euro Schulden lasten. Planen Sie weitere Kapitalmaßnahmen?
Wir sind gut durchfinanziert und dazu hat insbesondere die erfolgreiche Kapitalerhöhung entscheidend beigetragen. Und wir haben die langfristigen Bankschulden durch die sehr erfolgreichen Platzierungen von Anleihen im Oktober 2009 und aktuell Anfang Januar 2010 drastisch reduziert. Als Folge liegt der entsprechende Refinanzierungsbedarf Ende 2011 nun unter 1 Milliarde Euro. Aufgrund der beschleunigten Rückzahlung der Bankschulden in den letzten Monaten sehen wir uns jetzt in einer Position der Stärke, mit ausgewählten Banken neue Kreditvereinbarungen zu besseren Konditionen auszuhandeln.
Sie hatten angekündigt, nicht strategische Geschäftseinheiten verkaufen zu wollen. Sind diese Maßnahmen aufgrund der Marktsituation ausgesetzt oder planen Sie derzeit noch Verkäufe?
Wir planen weiterhin den Verkauf nicht-strategischer Geschäftseinheiten. Wir stehen dabei aber nicht unter Druck und werden uns die nötige Zeit lassen, um vernünftige Preise zu realisieren.
Das operative Geschäft leidet nach wie vor - trotz der zahlreichen Infrastrukturprogramme rund um den Globus. Bislang scheint nur der Asphaltbereich profitieren zu können. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Infrastrukturprogramme für eine Belebung des Geschäfts sorgen werden?
Die Infrastrukturprogramme leisten einen wichtigen Beitrag und kompensieren zumindest teilweise den Rückgang in den Bereichen Wirtschaftsbau und privater Wohnungsbau in den Industriestaaten. Das Infrastrukturprogramm in China hat mit zu der deutlichen Nachfragesteigerung in dieser Region beigetragen und wir spüren die Auswirkungen noch in Indonesien und zum Teil sogar in Australien.
Regional scheint besonders in Asien die Nachfrage wieder anzuziehen, während in den USA, wo HeidelbergCement sehr gut positioniert ist, das Geschäft weiter schwächelt. Rechnen Sie auch in Nordamerika schon im kommenden Jahr wieder mit besseren Geschäften oder wird eine Erholung erst 2011 einsetzen?
Wir sind gut positioniert, um in den USA von den einsetzenden Infrastrukturprogrammen zu profitieren. Diese sind etwas langsamer angelaufen als zunächst erhofft. In 2010 erwarten wir jedoch insbesondere in der zweiten Jahreshälfte eine Belebung.
Europa bleibt weiterhin ein wichtiger Markt für HeidelbergCement. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Europa zeigt derzeit kein einheitliches Bild. Insgesamt bleibt die Erholung zögerlich und die Entwicklung ist weiterhin schwer einzuschätzen.
In den Schwellenländern sind Sie stark in Indonesien und in Westafrika engagiert. Denken Sie mittelfristig in diesen Regionen weiter über Zukäufe nach?
Es gibt sicherlich noch Expansionsbedarf in Schwellenländern. Wir werden dieses Thema mit Augenmaß angehen. Der weitere Schuldenabbau und die Verbesserung unserer Krediteinschätzung haben derzeit eine höhere Priorität.
Glauben Sie, dass 2010 für HeidelbergCement ein leichteres Jahr werden wird als 2009?
Wir starten das Jahr 2010 mit einer deutlich besseren Finanzierungsstruktur. Operativ können wir aufgrund der momentan nur zögerlichen Erholung der Märkte noch keine Entwarnung geben. Wir werden unsere erfolgreichen Sparprogramme auch 2010 fortsetzen. Bei einer Markterholung in den USA und Europa sehen wir uns sehr gut positioniert.
Link: www.deraktionaer.de/xist4c/web/...DAX_id_43__dId_11444589_.htm
Gruss
C H R I S