HV-Bericht Tria Software AG
Auch in diesem Jahr lud die Tria Software AG wieder ins Münchner Messegelände zur Hauptversammlung. Am 27. Juli 2001 pünktlich um 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Aufsichtsrates Gerald Wolff die diesjährige Veranstaltung, begrüßte die Anwesenden - darunter auch Dave Balda als Berichterstatter für GSC Research - und stellte seine Person kurz vor, da er neu in die Gesellschaft eingetreten war. Nach der Verlesung einiger Formalien leitete er zum Bericht des Vorstands über.
Bericht des Vorstands
CEO Richard Hofbauer bezeichnete sein Unternehmen als einen „One-Stop-Supplier mit IT-Kompetenz aus einer Hand“. Das Wachstum erfolgte in 2000 sowohl qualitativ als auch quantitativ. Mit aktuell 16 Standorten und über 270 Mitarbeitern ist die TRIA in Deutschland im IT-Consulting und ÖTraining flächendeckend vertreten. Man gehört zu den Top 10 der Systemintegratoren hierzulande, zu den Top 500 der wachstumsstärksten Unternehmen in Europa und arbeite seit der ersten Stunde profitabel.
Die progressive Akquisitionsstrategie wurde auch im Jahr 2000 fortgesetzt. Im Bereich Consulting verstärkte man sich mit der TRIA IT-Consulting Karlsruhe und der TRIA e-Doc, im Trainings-Segment mit der TRIA IT-Training Südwest und TRIA IT-Training RKK GCS. Das Beteiligungsportfolio der TRIA i-products AG weist aktuell 8 Unternehmen auf.
Mit einer Umsatzentwicklung von plus 71 Prozent auf 58 Mio. DM konnte man deutlich über dem Branchendurchschnitt wachsen, die Umsatzrendite betrug dabei 10 Prozent. Der Finanzmittelstand zum 31.12.2000 lag bei 6 Mio. DM. Das EBIT wurde um 35 Prozent auf 5,8 Mio. DM verbessert, die Bilanzsumme nach IAS erhöhte sich von 53,5 auf 70,5 Mio. DM.
Im ersten Quartal 2001 konnte man den Umsatz erneut um 43 Prozent auf 15,5 Mio. DM steigern, auch das EBIT legte 67 Prozent auf 1,1 Mio. DM zu. Für das Gesamtjahr 2001 prognostizierte CEO Hofmann ein Plus von 30 Prozent beim EBIT bei einer erneuten Umsatzrendite von 10 Prozent.
Ingesamt bezeichnete er das Jahr 2000 als „zufriedenstellend“, trotz des Kurssturzes. Als Ziele für 2001 wurde der Ausbau der guten Marktposition, die Fokussierung auf das Kerngeschäft, die weitere planmäßige Strukturierung der E-Business-Aktivitäten und die mittelfristige Internationalisierung von Kernkompetenzen und Kernregionen, genannt.
Den zweiten Teil der Präsentation übernahm Vorstand Bernhard Schmid. Dieser führte aus, dass man bis Ende 1999 sehr auf den süddeutschen Raum fokussiert war und jetzt sukzessive im Trainings- und Consulting-Bereich die Flächendeckung erreicht habe. Blue Chips und IT-Hersteller vertrauen auf TRIA, da man sich auf unternehmenskritische Anwendungen in Innovationsbereichen wie z.B. Internet Banking spezialisiere, mit einer typischen Projektdauer von einem halben bis drei Jahren. Dabei werde die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt („alles aus einer Hand“) und Synergien zwischen einzelnen Bereichen optimiert.
Im Trainings-Bereich besitzt TRIA eine starke Marktposition in Deutschland mit einem Wachstum von 134 Prozent in 2000 und hohe Innovationskraft dank Synergien mit den Consulting-Bereich. Der Fokus liege auf IT-Professionals und man sieht diesen Bereich auch als Lead-Generator für Projektaufträge. Die Mitarbeiter-Rekrutierung und -bindung erfolgt durch eine offene Unternehmenskultur, hauseigene Trainingszentren, exzellenten Know-how-Transfer und anspruchsvolle, innovative Projekte bei Blue Chips-Unternehmen.
Bei TRIA i-products wurde das TIP-Netzwerk gegründet, mit einem hohen Cross-Selling-Potential, der Nutzung von Synergien und einem Joint Marketing. Die Beteiligungen werden in ein E-M-X-Portfolio unterteilt, im E-Commerce ist man mit X-cellent, Interway und Precise vertreten, beim M-Commerce mit Intelligram, operator und eteleon positioniert, beim X-Commerce (X für extended) sind es die mm\\bag und VLS.
Zusammenfassend nannte Vorstand Schmid als Highlights 2000 zum Ende seines Vortrages noch einmal das überdurchschnittliche Umsatzwachstum, die gute Umsatzrendite trotz der starken Expansion organisch und durch Zukäufe sowie den Ausbau der Marktposition. Dies resultiere in ein margenstarkes Projekt- und IT-Trainingsgeschäft mit eigener Kaderschmiede und hohem Cross-Selling-Potential.
Allgemeine Diskussion
Die Diskussion eröffnete Herr Deibert von der SdK. Er bemängelte, dass der letzte Einreichungstag vor der HV erst gestern war und wollte wissen, wieso dieser Termin so eng gefaßt wurde. Zur Kursentwicklung stellte er fest, dass entweder die Konsortialbanken falsch gepreist hätten oder der Kurs jetzt am Markt nicht angemessen sei. Den positiven Cash-Flows begrüßte er, kritisch sah er die schrumpfende Liquidität. Weitere Fragen betrafen den Umsatzanteil mit Linux-Produkten und eine mögliche Haftpflichtversicherung der Organe.
Herr Deibert unterstützte den Stock-Options-Plan, bezeichnete die Erfolgsziele aber als sehr kompliziert. Zudem sei eine Orientierung an den Xetra-Durchschnittskursen empfehlenswerter als an den Schlusskursen. Die Ad-Hoc-Meldungen bezeichnete er als „zu lang“ und bat darum, sich kurz zu fassen. Zu den Beteiligungen interessierten ihn die Umsätze und Ergebnisse, ebenso wie die Abschreibungspraxis „auf 20 Jahre“ und der Bestand an eigenen Aktien. Auch bei den Verkäufen von Beteiligungen an „den Organen nahestehende Personen“ forderte er Aufklärung.
Als zweiter trat der Aktionär Linder ans Rednerpult und stellte fest, dass er trotz der großen Kursverluste „sehr zufrieden“ mit der Gesellschaft sei. Er bemängelte die schlechte Lesbarkeit der Charts bei der Präsentation der Vorstände und forderte neben „working hard“ auch „visualize sharp“.
Auch der dritte und letzte Redner zeigte sich mit dem Geschäftsjahr sehr zufrieden und bezeichnete die präsentierten Zahlen als „gigantisch“. Zum Kursverlauf wollte er wissen, worauf der exorbitante Kursanstieg von 12 auf 40 Euro zustande kam.. Weiter fragte er, wie man den Konsolidierungsdruck in der Branche überleben will und wie die mehrfach angesprochenen Synergieeffekte konkret aussehen sollen. Mitbewerber würden sich aus dem Trainingsbereich zurückziehen, die TRIA baue diesen aus, trotz der Gefahr von vermehrten internen Schulungen in den Unternehmen wegen des Kostendrucks. Hierzu bat er um eine Stellungnahme des Vorstandes.
Mit der Beantwortung der Fragen begann CEO Hofmann und bestätigte eine Versicherung der Organe bei der Gerling Versicherung in Höhe von 2,5 Mio. Euro. Der Kritik an der sehr kurzen Hinterlegungsfrist stimmte er zu und versicherte, dies bei der nächsten HV zu berücksichtigen. Beim Beteiligungsverkauf an „den Organen nahestehende Personen“ ging es um einen Betrag 5 Mio. Euro, der Investor habe diese Beteiligung mittlerweile selbst wieder zu 5 Mio. Euro weiterverkauft; somit habe niemand hier verdient, außer TRIA selbst. Die Abschreibungspraxis auf 20 Jahre sei nach IAS-Vorschriften zulässig und aus Sicht des Managements berechtigt.
Nun fuhr Vorstandkollege Bernhard Schmid fort, der zum Ausgabepreis auf die stattgefundene Due Dilligence verwies; der Kurs habe sich dann parallel zum Nemax 50 entwickelt. Im Linux-Bereich betrage der Umsatz „einige hunderttausend“ DM und sei vor allem im Trainingsbereich steigend. Bei den Stock Options habe man das Formale gut kommuniziert, das sei von den Mitarbeiter auch gut angenommen worden. Der Xetra-Schlusskurs diene auch der Transparenz und Einfachheit.
Die Länge der Ad-Hoc-Mitteilungen habe bereits abgenommen, aber man arbeite weiter daran. Der Bestand eigener Aktien liege derzeit bei 70.000 Stück, der Abschreibungsbedarf von „wenigen zehntausend“ DM werde in der Bilanz verrechnet. Die von Herrn Linder bemängelte Lesbarkeit werde optimiert werden. Den starken Anstieg der Aktie führte er darauf zurück, dass das Marktumfeld seinerzeit begeistert auf E-Business reagierte.
Bezüglich des Konsolidierungsprozesses wurde mitgeteilt, das TRIA Projekte gegen wesentlich größere Mitbewerber gewinne, weil man innerhalb der Klientel sehr gut positioniert sei. Nicht die Großen würden überleben, sondern eher die Schnellen. Man habe viele herausgehobene Akkreditierungen bzw. Zertifizierungen und besetze viele Innovationsthemen in einem sehr stark fragmentierten Markt.
Zum Thema Synergien wurde als Beispiel ein Projekt mit einer großen deutschen Direktbank angeführt. Hier konnte man gemeinsam mit Töchtern und Beteiligungen alles von Security Transaction über Projektierung der Internetseite bis zu Mobile Commerce anbieten. Der Trainingsbereich sei gerade deshalb interessant, weil sich einige Mitarbeiter verabschieden würden. Die Konsolidierung hier sei unter anderem auch durch das starke Auftreten von TRIA ausgelöst worden. Weiteres Synergiepotential ergibt sich durch den Einsatz von Trainern im Projektgeschäft, speziell bei E-Learning Projekten. Hier betreibe man ein Pilotprojekt für die Deutsche Telekom gemeinsam mit der mm\\bag.
Nun trat noch einmal Herr Deibert von der SdK ans Rednerpult und stellte erneut seine Fragen bezüglich der Corporate Venture-Aktivitäten. Welches Gewicht der VC-Bereich konkret haben soll und wie die Beteiligungsergebnisse im Detail aussehen, waren seine konkreten Fragen. Herr Schmid antwortete, dass die Beteiligungen nicht im Konsolidierungskreis und einige Unternehmen bereits profitabel seien, aber insgesamt noch Anlaufverluste anfallen würden, bei einem Gesamtumsatz von ca. 30 Mio. DM. Die Kostenoptimierung habe Vorrang gegenüber der Umsatzsteigerung.
Er verwies weiter auf Synergiepotentiale, ohne die Beteiligung an Precise hätte man keinen Auftrag von Aventis bekommen. Man verstehe sich auch als Corporate Venture- und nicht als VC-Unternehmen. Die Beteilungsquote an TRIA i-products wurde durch den Verkauf von 32 Prozent an eine vermögensverwaltende Kapitalgesellschaft auf unter 50 Prozent abgesenkt, die Rückflüsse der Dividenden an TRIA wurde jedoch vertraglich abgesichert. Detailliert sahen die Umsätze/Ergebnisse wie folgt aus:
Interway: 1 Mio. DM / minus 3 Mio. DM
Intelligram: rund 1 Mio. DM / minus 1,7 Mio. DM
VLS: 4 Mio. DM / minus 8 Mio. DM
eteleon: rund 1 Mio. DM / minus ca. 500 TDM
operator: 20 Mio. DM / minus 7 Mio. DM
mm\\bag: 0,1 Mio. DM / minus 1,5 Mio. DM
X-cellent: 4 Mio. DM / plus 1,9 Mio. DM
e-doc: rund 2,5 Mio. DM / ausgeglichenes Ergebnis
Abstimmungen
Der Versammlungsleiter Gerald Wolff stellte zu Beginn der Abstimmungen die Präsenz mit 8.243.061 Stimmen fest, was 65 Prozent des Grundkapitals, welches sich auf 12.680.000 Aktien verteilt, entspricht.
Den meisten Tagesordnungspunkten wurde mit einstimmiger oder fast einstimmiger Mehrheit zugestimmt. Bei der Abstimmung zum Vorschlag über die Schaffung von neuem genehmigten Kapitals in Höhe von 6.340.000 jungen Aktien verzeichnete man 3.539 Gegenstimmen und 3.418 Enthaltungen. Bei Tagesordnungspunkt 8, der Änderung der Satzung in § 15, gab es 18.420 Gegenstimmen und 5.644 Enthaltungen. Herr Deibert gab für die von ihm vertretenen Stimmen hierzu Widerspruch zu Protokoll.
Fazit
Auch die diesjährige HV der TRIA Software bzw. zukünftig TRIA IT-solutions AG war ein voller Erfolg. Trotz des Kursrutsches von 20 auf aktuell 3,50 Euro seit dem letzten Aktionärstreffen überwog der Optimismus bei allen Wortmeldungen. Die beiden Vorstände bemühten sich vorbildlich, wirklich alle Fragen ausführlich zu beantworten; selbst bei Anfragen, bei denen eine Auskunftsverweigerung rechtlich zulässig gewesen wäre, wurde bereitwillig und umfassend Auskunft gegeben. Dies erlebt man in dieser HV-Saison gerade bei Neuer Markt-Firmen leider viel zu selten.
Auch mit den bei der letzten HV kritisierten Anglizismen wurde dieses Jahr wesentlich sparsamer umgegangen, was ebenso lobenswert ist wie der knappere Stil bei den Ad-Hoc-Nachrichten. Sollte es dem Management gelingen, die eigenen Prognosen von einem Umsatzplus von 30 Prozent in 2001 bei einer Umsatzrendite von 10 Prozent einzuhalten, dann wäre eine kräftige Kurserholung fast zwingend. Der Anleger sollte hier genau auf die Halbjahreszahlen achten, die für den 31.08.2001 angekündigt sind.
Der Rahmen dieser HV war, wie wir es von TRIA vom Vorjahr her schon kannten, von Professionalität und ausgezeichneter Aktionärskommunikation geprägt. Diese gelungene Investor Relations Arbeit war sicherlich auch ein Grund für das gute Klima, bei dem man glauben hätte können, man sei hier auf einer Veranstaltung eines 100-Prozent-Performers. Vor Beginn der Veranstaltung präsentierte die mm\\bag beim „Aktionärsfrühstück“ ihre Produkte sehr anschaulich und die Infrastruktur der Münchner Messe ließ wie gewohnt keine Wünsche übrig. Das galt auch für das abschließende italienische Buffet, das dem asiatischen Schlemmerbuffet vom Vorjahr in nichts nachstand.
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Email: ag@tria.de
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03.07.2001 18:39 Redakteur: dd01de
Quelle:www.gsc-research.de/hvberichte/neuermarkt/...3/1976/index.html