Hans Bernecker: Zunehmend spannend!
Mails/Nachrichten vom 22.01.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wenn Wall Street geschlossen hat, ist bei uns in Europa auch nicht sehr viel los. Aber dies gilt nur relativ, denn ich finde es zunehmend spannend, was sich hinter den Kulissen vorbereitet oder schon abläuft, und hier wird in Deutschland die Wirkung der Steuergesetze schon spürbar. Einfach deshalb: Es wird darüber nachgedacht, wie, wo und mit wem neue Kapitalverbindungen eingegangen werden können.
Das ergibt eine vielfach andere Kultur der Denkansätze gegenüber den letzten Jahren. Statt Story im Hightech, Biotech oder gar den Medien bis zur EM.TV geht es nun um strukturierte Überlegungen. Natürlich ist es eine Überraschung, wenn die Allianz ihre Beiersdorf-Beteiligung aufstockt. Wer aber die Kräfteverhältnisse in diesem Dreieck von Beiersdorf und den zwei Großaktionären kennt, kann sich denken, wohin es geht. Solche Dinge werden Sie in den nächsten Monaten noch vielfach erleben. In der nächsten AB schneide ich zwei weitere Fälle an, aber es können sogar sechs werden. In allen geht es darum: Wer ist für wen ein Partner oder wer wird demnächst
einer, wenn auch unfreundlich?
Nokia zeigte gestern, worum es in den Technikwerten geht. Ausgangspunkt ist die Herabstufung der Nokia-Aktie durch Morgan Stanley. Es ist genau das Thema, welches ich in der AB berührt habe und welches ihre gesamte Börsendisposition in den nächsten Jahren bestimmen wird. Niemand kommt daran vorbei. Warum?
Nokia ist ein erfolgreiches Unternehmen. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Aber: 33 % Marktanteil bei einer weltweiten Marktgröße um 420 - 440 Mio Stück haben ihren Topwert bei höchstens 120 Mrd. E. für die Kapitalisierung von Nokia. Damit ist die Aktie ausgereizt. Ich hatte diese Frage bei 17 E. gestellt und den Zielkurs mit 27 E. genannt. Bei 28/29 E. war Schluß, sogar mit einer dreifachen Spitze, und anschließend muß es in den Keller gehen, ebenfalls technisch und fundamental. Wo liegt dann der neue Kaufkurs? Morgan Stanley meint: 15 E. Das wäre knapp über dem bisherigen Tiefstkurs des vergangenen Jahres bei 13,55 E. Schauen Sie den Chart in der
nächsten AB an und urteilen Sie selbst. Ab 16 E. werde ich auf die Käuferseite gehen. Der Grund: Dann errechnet sich eine Marktkapitalisierung von ca. 76 Mrd E., und das ist bei einem Umsatz von voraussichtlich 33 Mrd E. (inkl. Ausrüstung) eine vertretbare Größe, bei einem KGV von dann 24 auf der Basis der aktuellen Schätzungen. Ich erinnere daran:
So wie es Nokia geht, wird es künftig vielen hochbewerteten Technologieaktien gehen. Sie stoßen sehr schnell an die Decke und müssen verkauft werden. Anschließend fallen sie um 25 - 40 % zurück und sind ein neuer Kauf. Das mag manchen "alten" Börsianern nicht schmecken, ist aber nun mal eine Tatsache. Wie Sie mit diesem Marktverhalten zurechtkommen, beschreibe ich Ihnen als Leser der AB in einem gesonderten Brief, der Ihnen in den nächsten Tagen zugeht. Bitte lesen Sie ihn sorgfältig.
Nachrichtlich: Die Allianz Amgen/Fresenius Medical Care ist interessant, rechtfertigt aber keine neue Einschätzung für FMC oder Amgen.
Auf Wall Street verzichte ich heute. Morgen geht es weiter. Aktueller Anlaß ist die gestrige Zurückstufung der Technikaktien. Es bleibt dabei, wie schon im letzten Brief festgenagelt: Das Risiko in den vier Technikwerten des DAX liegt noch immer bei 15 - 20 %. Für Epcos liegt der Boden bei 41/42 E., für Infineon bleibe ich bei 18-20 E., und in der letzten AB habe ich Ihnen im Fall Siemens die zwei Varianten handschriftlich in den Index eingezeichnet. Ziehen Sie die Schlußfolgerung selbst. Bei SAP hatte ich Kurse über 160 E. als Verkaufskurse genannt. Ob es dann 10 E. mehr werden, ist egal. Mit dieser Aktie werden sich demnächst einige große Investmentadressen beschäftigen. Dafür habe ich ein mulmiges Gefühl nach zwei Telefongesprächen mit London. Gibt es hier eine Herabstufung, notiert SAP glatte 30 E. oder noch mehr tiefer. Ich bitte um Berücksichtigung. Morgen kommen die Quartalszahlen, also aufpassen.
Daimler geht in den Gebrauchtwagenmarkt. Daran knüpfen sich interessante Überlegungen, die ich in der nächsten AB diskutiere. Auch das paßt zum eingangs erwähnten Umfeld.
Der Terminkalender von heute: Amazon kommt heute mit den Quartalszahlen. Ferner Commerce One, die ich letzte Woche zurückgezogen hatte. Das wird ein wichtiger Termin bezüglich der Frage eines Neueinstieges bei ca. 2 $. Bitte nicht voreilig handeln. Ferner kommen Lucent und Motorola und das ist für mich Anlaß, die Positionen zu überdenken. Sehr wahrscheinlich in positivem Sinne. In den Zahlen von International Paper steckt eine gewisse Konjunkturindikation. Gleiches gilt für die von Bank of America.
Damit wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Tag und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wenn Wall Street geschlossen hat, ist bei uns in Europa auch nicht sehr viel los. Aber dies gilt nur relativ, denn ich finde es zunehmend spannend, was sich hinter den Kulissen vorbereitet oder schon abläuft, und hier wird in Deutschland die Wirkung der Steuergesetze schon spürbar. Einfach deshalb: Es wird darüber nachgedacht, wie, wo und mit wem neue Kapitalverbindungen eingegangen werden können.
Das ergibt eine vielfach andere Kultur der Denkansätze gegenüber den letzten Jahren. Statt Story im Hightech, Biotech oder gar den Medien bis zur EM.TV geht es nun um strukturierte Überlegungen. Natürlich ist es eine Überraschung, wenn die Allianz ihre Beiersdorf-Beteiligung aufstockt. Wer aber die Kräfteverhältnisse in diesem Dreieck von Beiersdorf und den zwei Großaktionären kennt, kann sich denken, wohin es geht. Solche Dinge werden Sie in den nächsten Monaten noch vielfach erleben. In der nächsten AB schneide ich zwei weitere Fälle an, aber es können sogar sechs werden. In allen geht es darum: Wer ist für wen ein Partner oder wer wird demnächst
einer, wenn auch unfreundlich?
Nokia zeigte gestern, worum es in den Technikwerten geht. Ausgangspunkt ist die Herabstufung der Nokia-Aktie durch Morgan Stanley. Es ist genau das Thema, welches ich in der AB berührt habe und welches ihre gesamte Börsendisposition in den nächsten Jahren bestimmen wird. Niemand kommt daran vorbei. Warum?
Nokia ist ein erfolgreiches Unternehmen. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Aber: 33 % Marktanteil bei einer weltweiten Marktgröße um 420 - 440 Mio Stück haben ihren Topwert bei höchstens 120 Mrd. E. für die Kapitalisierung von Nokia. Damit ist die Aktie ausgereizt. Ich hatte diese Frage bei 17 E. gestellt und den Zielkurs mit 27 E. genannt. Bei 28/29 E. war Schluß, sogar mit einer dreifachen Spitze, und anschließend muß es in den Keller gehen, ebenfalls technisch und fundamental. Wo liegt dann der neue Kaufkurs? Morgan Stanley meint: 15 E. Das wäre knapp über dem bisherigen Tiefstkurs des vergangenen Jahres bei 13,55 E. Schauen Sie den Chart in der
nächsten AB an und urteilen Sie selbst. Ab 16 E. werde ich auf die Käuferseite gehen. Der Grund: Dann errechnet sich eine Marktkapitalisierung von ca. 76 Mrd E., und das ist bei einem Umsatz von voraussichtlich 33 Mrd E. (inkl. Ausrüstung) eine vertretbare Größe, bei einem KGV von dann 24 auf der Basis der aktuellen Schätzungen. Ich erinnere daran:
So wie es Nokia geht, wird es künftig vielen hochbewerteten Technologieaktien gehen. Sie stoßen sehr schnell an die Decke und müssen verkauft werden. Anschließend fallen sie um 25 - 40 % zurück und sind ein neuer Kauf. Das mag manchen "alten" Börsianern nicht schmecken, ist aber nun mal eine Tatsache. Wie Sie mit diesem Marktverhalten zurechtkommen, beschreibe ich Ihnen als Leser der AB in einem gesonderten Brief, der Ihnen in den nächsten Tagen zugeht. Bitte lesen Sie ihn sorgfältig.
Nachrichtlich: Die Allianz Amgen/Fresenius Medical Care ist interessant, rechtfertigt aber keine neue Einschätzung für FMC oder Amgen.
Auf Wall Street verzichte ich heute. Morgen geht es weiter. Aktueller Anlaß ist die gestrige Zurückstufung der Technikaktien. Es bleibt dabei, wie schon im letzten Brief festgenagelt: Das Risiko in den vier Technikwerten des DAX liegt noch immer bei 15 - 20 %. Für Epcos liegt der Boden bei 41/42 E., für Infineon bleibe ich bei 18-20 E., und in der letzten AB habe ich Ihnen im Fall Siemens die zwei Varianten handschriftlich in den Index eingezeichnet. Ziehen Sie die Schlußfolgerung selbst. Bei SAP hatte ich Kurse über 160 E. als Verkaufskurse genannt. Ob es dann 10 E. mehr werden, ist egal. Mit dieser Aktie werden sich demnächst einige große Investmentadressen beschäftigen. Dafür habe ich ein mulmiges Gefühl nach zwei Telefongesprächen mit London. Gibt es hier eine Herabstufung, notiert SAP glatte 30 E. oder noch mehr tiefer. Ich bitte um Berücksichtigung. Morgen kommen die Quartalszahlen, also aufpassen.
Daimler geht in den Gebrauchtwagenmarkt. Daran knüpfen sich interessante Überlegungen, die ich in der nächsten AB diskutiere. Auch das paßt zum eingangs erwähnten Umfeld.
Der Terminkalender von heute: Amazon kommt heute mit den Quartalszahlen. Ferner Commerce One, die ich letzte Woche zurückgezogen hatte. Das wird ein wichtiger Termin bezüglich der Frage eines Neueinstieges bei ca. 2 $. Bitte nicht voreilig handeln. Ferner kommen Lucent und Motorola und das ist für mich Anlaß, die Positionen zu überdenken. Sehr wahrscheinlich in positivem Sinne. In den Zahlen von International Paper steckt eine gewisse Konjunkturindikation. Gleiches gilt für die von Bank of America.
Damit wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Tag und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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