Hans Bernecker: Der Weg in die Hausse

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Hans Bernecker: Der Weg in die Hausse jack303

Hans Bernecker: Der Weg in die Hausse

 
#1
Mails/Nachrichten vom 27.02.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Weg in die Hausse ist leider ein bißchen weiter, als manche denken. Dazu gehören richtige Haussetage, aber auch enttäuschende Baissetage. Bleiben Sie also ganz ruhig, aber hoffen Sie nicht auf Wunder. Die sind vorerst nicht drin. Ich muß das regelrecht festnageln:

1. Die amerikanische Konjunktur wird nicht explodieren, sondern sich erholen. Die gestrigen Zahlen für das Konsumentenvertrauen sind ebenso ein Baustein wie die Daten für die Bauanträge einen Tag zuvor. Der sehr positive IFO-Test zeigt die gleiche Richtung an: Trends, die abgestürzt sind, neigen in der ersten Erholung zu dramatischen Fakten, die anschließend wieder relativiert werden. Sie werden dies noch dutzendfach erleben.

2. Die sicherste Spekulation in einer Konjunkturtendenz sind stets die berühmten Blue Chips aller Branchen. Die neuen Topkurse dieser Titel belegen es. Ich bin gestern darauf eingegangen.

3. Es gibt typische Branchenspekulationen, die damit einhergehen. Das betrifft das Öl, weshalb ich damit schon sehr früh begonnen habe. Schlumberger erreichte zwischenzeitlich sogar 60 $.

4. Die Technologie hat es viel schwerer. Seien Sie sich darüber komplett im klaren. Am Beispiel von Sun M. hatte ich das erklärt, was mit dem doppelten Boden nun auch bestätigt scheint. Gestern bis 9,30 $ und damit in drei Tagen fast 30 %. Wunderschön, aber: Spätestens bei 15 $ ist diese Aktie am Ende, wenn nicht eine dramatische Verbesserung von Umsatz und Gewinn eintritt. Ein zweites Beispiel: EMC hat den Boden bei 10-11 $. Gestern im Tief 11,90 $. Bei 10 $ ergibt dies einen Börsenwert von 22,15 Mrd $ oder das Dreifache des Zielumsatzes dieses Jahres. 3 $ mehr, also 13 $, ergeben 28 Mrd $ Wert und vierfacher Umsatz, womit das Potential schon erschöpft ist.

5. Konjunkturinvestments sind deshalb richtig, Technologieinvestments weiterhin ein sehr volatiles Spiel. Wer damit nicht umzugehen weiß, sollte die Finger davon lassen.

6. Der deutsche Markt gibt leider wenig her für eine echte Konjunkturspekulation. Das gilt auch für die anderen Euroländer, was die ganze Situation etwas erschwert. Wir haben nun mal keine Philip Morris, Procter & Gamble, Disney, Coca Cola oder Eastman Kodak, die als Weltmarktführer auch 'Welttendenz' repräsentieren. Dies vorausgeschickt:

Die Wall Street gefällt mir auf der Dow Jones-Seite sehr gut, auf der Nasdaq-Seite weniger gut. Das zeigen die Relationen von gestern erneut. Für den Dow bleibt es bei der Einschätzung wie bisher: Es reicht bis 10.300 Punkte und werden diese übersprungen, ergeben sich 10.700. Träger sind die oben genannten Aktien. Wie scharf die Börse rechnet, erkennen Sie daran: Home Depot meldet gestern + 43 % Gewinn, aber Reaktion der Börse gleich Null. Warum? Gewinntaxe 1,59 $ je Aktie bedeutet KGV 32 für den größten Baumarkt Amerikas. Das ist etwas zu viel. Im Dow ist übrigens kein einziger Technologietitel, der ihn jetzt stützt. Weder IBM noch Microsoft noch GE.

Die Technikszene wird dem Vorbild von Sun oder EMC im Wesentlichen folgen. Wer also investiert ist, schaut darauf, daß dieser zweite Boden realisiert wird, und dann wird auch zugekauft/verbilligt. Das anschließende Potential ist sehr interessant, aber begrenzt. Ich werde darauf in jedem einzelnen Fall noch eingehen.

In Frankfurt hat sich die Markttechnik nicht verschlechtert, aber auch im Tagesverlauf nicht verbessert. Dennoch steigt meine Zuversicht etwas, die sich in Zahlen so fassen läßt: 8 bis 10 Titel im DAX zeigen eine gute Rally-Chance. 10 - 11 das Gegenteil, nämlich entweder eine Topformation mit Rückschlagrisiko oder gestern nur eine technische Stärke im immer noch bestehenden Abwärtstrend. Ich sehe für den DAX nur in 2 - 3 Aktien eine wirklich neue und sogar mittelfristige Erholungschance, die den DAX sogar schlagen kann. Wann würde eine Frühjahrsrally beginnen? In dem Moment, ab dem der DAX 5250 überschreitet.

Daran erkennen Sie: Mehr oder weniger sind alle Zahlen für 2001 bekannt und für 2002 von den Vorständen angepeilt. Etwas Neues gibt es nicht. Hinter den Kulissen allerdings schon. Thyssen legte gestern trotz der miesen Zahlen um 3 % zu. Haben Sie beobachtet, wie die Börsenumsätze sich fast verdoppelt haben? Die Hintergründe hatte ich alle erläutert. Bitte die AB noch mal nachlesen. Auch bei MAN sind die gleichen Käufer im Markt, die allerdings kein Paket suchen, sondern nur eine Vorabspekulation probieren. Damit ist die kürzliche Herabstufung von MAN schon schneller überwunden als ich befürchtet hatte. Bei Software ist das Jo-Jo noch nicht ganz beendet. Gestern in der Spitze 29,20 E., im Tief 27,50 E. Meine Basis bleibt wie bisher formuliert: 26/28 E. Zurück zum DAX:

Das 'Handelsblatt' macht heute damit auf: 'Schlechtes Risikomanagement macht Banken verwundbar'. Das ist der Hintergrund für die unverändert schlechte Marktlage aller Bankaktien, wovon sich auch die Versicherer nicht abkoppeln können, weil sie nun einmal halbe Banken geworden sind. Solange dieses Thema nicht vom Tisch ist, hat auch der DAX eine Achillesferse. Es nützt nichts, wenn an freundlichen Tagen, wie gestern, 1 % oder 2 % zugelegt werden. Kein Kurs dieser Adressen zeigt eine einigermaßen zuverlässige Bodenbildung. Ich kann mich nicht erinnern, daß es so etwas schon einmal gab. Andererseits:

Daimler erreichte gestern 46,20 E. Das ist etwas zu schnell in so kurzer Zeit. Ein Limit mit 43 E., gültig per Ultimo März, hat noch eine Chance. Aber ich betrachte eine andere Konstellation für überlegenswert. Das lesen Sie in der nächsten AB und fallen bitte nicht vom Stuhl. Schließlich: Dt. Telekom wird das Kabel-TV-Geschäft anderweitig verkaufen. Verlassen Sie sich darauf. Kirch und Malone haben durch ihre eigenen Besonderheiten dem ganzen deutschen TV-Markt eine völlig neue Situation beschert. Und das, was Sie heute in der Presse zu Pro 7 lesen, ist kalter Kaffee. Wie die Akteure hinter den Kulissen rechnen, liest sich anders. Originalton aus München in der nächsten AB.

Meine These für heute: Ruhig Blut und noch geschlossene Portemonnaies. Der Dreh ist noch nicht 100 %ig da, kann sich aber in den nächsten Tagen deutlich verbessern. Sie merkten aber gestern, wie empfindlich Märkte reagieren, als am Nachmittag in New York das Gerücht die Runde machte, daß amerikanische Spezialeinheiten im Irak gelandet seien. Damit war der Tagesgewinn futsch.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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