Hacker: Mythos und Wahrheit ! Interessant


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Hacker: Mythos und Wahrheit ! Interessant

 
27.06.01 23:09
Hacker: Mythos und Wahrheit
Dienstag, den 26.06.01 08:38  

www.onlinekosten.de

Ein Bericht von Roland Silberschmidt

Aus aktuellem Anlass widmet sich Onlinekosten.de heute der Frage: Was ist eigentlich ein Hacker? Anregung zu diesem Artikel boten die diversen "Hacks" von Webseiten wie Microsoft oder der Homepage des TV-Showmasters Harald Schmidt.

Liest man heutzutage das Wort "Hacker" in den Medien, dann verbindet es der Normalbürger mit bösartigen Computer-Freaks, die mutwillig fremde Daten zerstören, verändern oder einfach nur unerlaubt lesen. Doch diese Definition ist schlicht und ergreifend falsch. Ursprünglich bezeichnete das Wort Hacker lediglich jemanden, der besondere Fähigkeiten im Umgang mit Computern hatte und sehr gut (zum Beispiel sehr hardwarenah) programmieren konnte. Bedingt durch diese Kenntnisse kannte er auch die Sicherheitslücken von diversen Programmen oder Betriebssystemen.

Ein richtiger Hacker beherrscht zumindest eine Programmiersprache und hat tiefergehende Kenntnisse entweder in Unix oder Linux sowie in dem Übertragungsprotokoll TCP/IP. Denn gerade dieses am meisten verbreitete Protokoll, ohne welches das Internet gar nicht denkbar wäre, weist einige Lücken auf, die kein völlig sicheres System zulassen. Nur um darauf aufmerksam zu machen, versuchten also einige solcher Hacker, in die Strukturen kleinerer Netze einzudringen. Und genau mit diesem hacken von Netzen, Computern und Software, entstand das Wort "Cracker".

Heutzutage dringen etwa neunzig Prozent dieser Hacker/Cracker in kleine Netze ein und verändern zumeist unwichtige Daten, wie etwa den Webauftritt einer Firma oder Regierung. Es werden inhaltliche Veränderungen vorgenommen und eine eigene, nicht immer sinnvolle, Botschaft hinterlassen. Selten kommt es vor, dass ernstgemeinte politische Botschaften solche "gehackten" Webseiten zieren. Kann man diese Gruppe noch als eher harmlos bezeichnen, da sie, wie im Fall Microsofts letzte Woche, einfach nur auf bestehende Lücken in Internet Information Server aufmerksam machen wollte, kann man die restlichen zehn Prozent als in der Tat bösartig und kriminell bezeichnen.

Diese Gruppe, wobei man hier nicht von einer einzelnen Gruppierung sprechen darf, will ganz bewusst Daten zerstören und für Chaos sorgen, ohne dass ein erkennbarer Sinn dahintersteckt. Man will Macht und Stärke demonstrieren, vor der Welt prahlen, wie gut man doch selbst ist. Diese Cracker, auch oft einfach nur Script-Kiddy genannt, werden in den meisten Fällen sehr schnell aufgespürt und ihrer Tat überführt. Ihre Kenntnisse des Internets und von Software/Betriebssystemen sind oft nur sehr oberflächlich, was ihnen dann letztlich auch zum Verhängnis wird. Allerdings gibt es innerhalb dieser Gruppe auch echte Elite-Hacker/Cracker, deren Fähigkeiten denen der "guten" Hacker in nichts nachstehen.

System-Administratoren von Firmen stehen solchen Angriffen oft relativ hilflos gegenüber, da sie oft mangelhafte Software benutzen, oder gar nicht die Ausbildung und Kenntnisse haben, um solchen Attacken etwas wirksames entgegenzusetzen. In vielen Firmen wird auch heute noch der Job des Admins als eher nebensächlich betrachtet, entsprechend gering ist das Budget für Hard- und Software.

Die Anfänge des Hackertums gehen zurück bis in die siebziger Jahre. Damals sorgten die sogenannten Phreaker - eine Gruppe von Leuten die sich illegal und kostenlos Zugang zum Telefonnetz verschaffte - vor allem in den USA für Aufsehen. In den Achtzigern bildeten sich auf der ganzen Welt Hackerclubs wie z.B. der Chaos Computer Club in Hamburg. Der CCC wurde bekannt, als Mitglieder eine Sicherheitslücke im BTX-Dienst (T-Online) entdeckten. Dieser sogenannte Sparda Hack (Hamburger Sparkasse) sorgte für bundesweites Aufsehen und brachte das Wort Hacker erst in das Bewusstsein der Menschen. Vor allem die Bildzeitung nahm sich des Themas an und verkaufte es der Öffentlichkeit in ganzseitigen Artikeln.

Der CCC sorgte seit dem immer wieder für Schlagzeilen. So gelang es z.B. einem Mitglied, in das Intranet der NASA zu gelangen, was ebenfalls weltweit für Aufsehen sorgte und den CCC "unsterblich" machte. Nachfolgend soll einmal die sogenannte Hackerethik aufgeführt werden, welche die Ziele und Absichten der Hacker verdeutlicht:


Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
Alle Informationen müssen frei sein. Mißtraue Autoritäten - fördere Dezentralisierung.
Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
Computer können dein Leben zum Besseren verändern.
Diese zugegeben simple Darstellung der Dinge kann nicht das entschuldigen, was Hacker bisher weltweit angerichtet haben, egal aus welchen Gründen auch immer. Fakt ist jedoch, dass gerade ohne Hacker viele Dinge in der Gesellschaft überhaupt nicht bekannt geworden wären und Computernetze hätten womöglich immer noch mehr Löcher als Schweizer Käse. Dem gegenüber kann man allerdings stellen, dass die IT-Branche dann aber auch eine Menge Geld gespart hätte, doch diese Sicht der Dinge wäre etwas blauäugig.
Zum Abschluss soll noch auf ein anderes Phänomen eingegangen werden, nämlich einer Gruppe, die ebenfalls als Cracker bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich aber lediglich um Softwarepiraten, die illegal Software kopieren, den Kopierschutz von Programmen knacken und häufig auch Fälschungen in Umlauf bringen. In früheren Zeiten dienten hauptsächlich Mailboxen zur Kommunikation. Heutzutage geschieht dies einfach über das Internet und ist somit nicht mehr an regionale Faktoren gebunden. Staatsgewalt und Softwarefirmen sind häufig machtlos. Durch Cracker-Aktivitäten muss die Softwarebranche Jahr für Jahr Verluste in Milliardenhöhe einbüßen.

Hier endet unsere kleine Abhandlung über Hacker und Cracker. Wir hoffen dass wir Ihnen dieses interessante Thema ein wenig näher bringen konnten. Wenn Sie Ihre Meinung zu diesem oder einem anderen Artikel sagen wollen, dann besuchen Sie doch auch einfach einmal unser Forum.

(rsi)


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27.06.01 23:10
Die grössten Hacker aller Zeiten - Teil 1: Capt'n Crunch
Mittwoch, den 27.06.01 06:41  

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Nachdem wir Ihnen gestern einen eher allgemeinen Bericht über Hacker und Cracker präsentierten, wollen wir Ihnen heute einige der schillerndsten Figuren der Szene vorstellen.

Wie alles begann:

Es war einmal ein Mann namens John T. Draper, der gegen Ende der sechziger Jahre entdeckte, dass man mit Hilfe einer Spielzeugpfeife aus einer Packung »Cap'n Crunch«-Cerealien die Ferngesprächsleitungen der Telefongesellschaft »Ma« Bell (damals noch nicht in »Baby Bells« zerlegt) unterbrechen und den Vermittlungsstellen danach Kommandos in Form von Tonfrequenzen erteilen konnte.

Draper, der unter seinem Spitznamen Cap'n Crunch weltberühmt wurde, gilt allgemein als der erste Hacker überhaupt. Er konstruierte aus einfachsten elektronischen Teilen ein Gerät, welches später »Blue Box« genannt wurde. Damit "erforschte" er er das amerikanische Telefonnetz , teils aus Neugier über Technik aber auch um Fehler aufzudecken, die er den Technikern der Gesellschaft meldete. Innerhalb nur weniger Monate fand diese Technik unzählige Nachahmer und die ersten »Phone Phreaks oder Phreaker«, wie sie sich nannten, nutzten sie zum kostenlosen Telefonieren und abhören von Telefongesprächen.

Das unverhoffte Ende:

Ein Artikel im Esquire, der diese Technik erläuterte, und in dem Cap'n Crunchs bürgerlicher Name genannt wurde, führte dann letztlich dazu, dass die Öffentlichkeit von den Vorgängen erfuhr und die Existenz der Underground-Szene nicht mehr länger geheim war. Die Telefongesellschaften machten Cap'n Crunch für alle illegalen Vorgänge verantwortlich, was dazu führte, dass er einige Monate im Gefängnis verbrachte, obwohl er bestritt, seine Fähigkeiten je für illegale Zwecke genutzt zu haben.

Noch bis weit in die neunziger Jahre war es mit der Blue Box möglich, in den USA und selbst in Deutschland, kostenlose Telefongespräche zu führen. Interessant wurde das Thema noch einmal, als 1996 die Telefongebühren drastisch erhöht wurden und sich so viele Hacker plötzlich mit horrenden Telefonrechnungen konfrontiert sahen.

Ein Happy End:

Die Geschichte des Cap'n Crunch endet jedoch nicht tragisch. Als der Apple II Computer erschien, wurde er von Steve Wozniak zu Apple geholt. Das allererste Mac-Textverarbeitungsprogramm »Easy Writer« schrieb er noch als Freigänger. Nach der Arbeit musste jeden Abend Arbeit ins Gefängnis zurück. Heutzutage beschäftigt er sich mit Webdesign und der Programmierung von C++-Anwendungen für den Mac und verbringt ansonsten möglichst viel Zeit abseits des PC und an der frischen Luft. Mit einem zwinkern in den Augen sagte er einmal, dies lasse ihn wesentlich jünger aussehen als er sei. Ausserdem verschaffe es ihm extrem viel Lebensenergie.

(rsi)


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Linus:

im Moment macht mir Ariiva wieder richtig

 
27.06.01 23:22
Späseken !!!

;-)
Linus
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Kicky:

Surfen im fremden Netzwerk - kein Problem

 
28.06.01 01:33
Surfen im fremden Netzwerk - kein Problem

 
Funk-Netzwerke werden immer beliebter. Die Datenübertragung ohne Kabel bringt jedoch auch neue Unsicherheits-Faktoren. Viele Befürchten das Belauschen und die Entschlüsselung des Datenverkehrs, in der Praxis kommen die Spione oft auf ganz einfachem Wege. WLANs sind zum Teil falsch konfiguriert und jeder mit einem Laptop und Funkschnittstelle kann sich in Firmennetzwerke einloggen. Wir untersuchten ein Fallbeispiel in Essen. de.internet.com sprach mit dem Hacker "HV" (Name der Redaktion bekannt) über die Suche nach offenen Funknetzen. Wir veröffentlichen dieses Interview als Warnung an die Systemadministratoren in Unternehmen.

de.internet.com: Ihr habt nach offenen Netzen gesucht und auch welche gefunden. Wie lief das ab?

HV: Wir sind mit mehreren Wagen und Laptops mit WLAN-Schnittstelle durch die Essener City gefahren und haben einfach gewartet, ob die Karten etwas aufschnappen. Sobald sie ein Netz finden, fangen die LED'S an zu blinken. Es gibt ein paar Firmen, wie Ericsson im Norden der City, dann gibt es noch den RWE Tower, am interessantesten ist allerdings etec (Essener Technologie- und Entwicklungs-Centrum; d.R.), weil dort 93 Firmen drin sind. Damit erhöht man die "Trefferquote". WLAN gehört bei diesen Start-Ups als Standardequipment dazu. Man muss also nur sehen, wer keinen guten Admin hat.

de.internet.com: Was konntet ihr in den Netzen tun?

HV: Zunächst haben wir nur gesnifft (geschnüffelt, also belauscht und geguckt). Es kommen dann alle möglichen Datenpakete vorbei. Am interessantesten sind die OSPF-Pakete (OSPF ist ein Routingprotokoll; d.R.). Dort stehen alle möglichen Netzwerkinformationen drin, z.B. Subnetzmaske, IP-Adresse vom Router usw.. Man nimmt sich dann eine IP-Adresse (in einem Netz bekamen wir sogar eine per dhcp zugewiesen) und setzt die Default-Route. Dann konnten wir den Internetzugang der Firma mit mehreren Mbit/sec nutzen. Es ist auch möglich sich in andere Netzwerke einzuklinken, ohne eine echte Spur zu legen. Man kann aber auch weiter sniffen. In unserem Beispiel konnten wir zusehen wie ein Mitarbeiter der Firma bei GMX und Puretec seine E-Mails abrief. Man kann also durchaus Benutzernamen und Passwort von E-Mail-Konten sowie von Telnet- und FTP-Zugängen bekommen, da diese im Klartext übertragen werden.

de.internet.com: Der offene Zugang auf ein Netzwerk kann für ein Unternehmen schwerwiegende Folgen haben. Was müsste sich ändern, um solche Fälle zukünftig zu vermeiden?

HV: An sich gibt es ein paar einfache Sachen: Es gibt das "hidden network feature" (unsichtbares Netzwerk), damit muss man in dem Netzwerk sein um es zu sehen, kann es also nicht ersniffen. Dann hat jede Netzwerkkarte eine MAC-Adresse. Es ist möglich, nur bestimmten Adressen den Zugang zum Netzwerk erlauben. Die MAC-Adresse einer Netzwerkkarte kann zwar geändert werden, allerdings kann das schon nicht mehr jeder. Man lässt ja auch nicht mit der Begründung, ein Einbrecher könne sie ja doch öffnen, die Tür auf. Zuletzt sollte man auf jede unverschlüsselte Kommunikation verzichten. Also zum Beispiel SSH statt Telnet nutzen und FTP, POP sowie SMTP über SSH tunneln.

de.internet.com: Vielen Dank für das Gespräch.
(ck)  
 
[Sat, 23.06.2001] - © 2001 de.internet.com  
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29.06.01 08:22
Die grössten Hacker aller Zeiten - Teil 2: Richard Stallman und Steve Wozniak
Donnerstag, den 28.06.01 06:46  

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Gestern hatten wir Ihnen mit Capt'n Crunch den "Vater" aller Hacker vorgestellt, aus dessen Pfeiffentrick sich leider auch kriminelle Hacker entwickelten. Heute sind es daher zur Ausnahme einmal zwei Männer, die viel für die Entwicklung von (freier) Software, Computern und des Internets getan haben und die man daher als Hacker im ursprünglichen Sinn des Wortes bezeichnen kann.

Die guten Hacker

Ein Hacker der "guten" Sorte war und ist Richard Stallman. Am 27. September 1983 kündigte Stallman, der sich mit dem berühmten Emacs, bereits einen Namen gemacht hatte, in den Newsgroups net.unix-wizards und net.usoft die völlige Neuentwicklung eines Betriebssystems an. Der Name des Systems: GNU. GNU steht für »GNU's not Unix« und sollte eigentlich eine Art Unix werden. Doch nach dem Willen Stallmans sollte es anders als Unix, völlig kostenlos für alle sein, was wiederum voraussetzte, keinen Code der kommerziellen Systeme zu benutzen.

Damit ist Stallman wohl einer der wichtigsten Pioniere der »Open Source«-Bewegung, die durch die Möglichkeit, Software mit Hilfe des Internet im Team zu entwickeln, erstklassige Software kostenlos verfügbar macht. In den folgenden Jahren programmierten er und viele andere enthusiastische Freiwillige einen Compiler für die Programmiersprache C, »gcc«, kostenlose Versionen aller Unix-Kommandos und Tool-Programme, ohne jedoch tatsächlich ein Betriebssystem daraus machen zu können.

Mit Linux zum Durchbruch

Damals war nur das freie Unix "Mimix" verfügbar, welches aber im direkten Vergleich mit den kommerziellen Systemen, mehr als nur unbefriedigend war. Die Stunde der Open Source-Szene schlug erst im Jahr 1991, als der finnische Informatikstudent Linus Torvalds den Kern des alles revolutionierenden Betriebssystem Linux "erfand". Zusammen mit der Open-Source-Software trat Linux danach seinen bereits zehn Jahre anhaltenden Siegezug an.

Richard Stallman ist heute der Präsident der Free Software Foundation, die seit einigen Jahren hinter GNU steht und eine radikale Abkehr von urheberrechtlich geschützter Software fordert, praktisch ein Menschenrecht auf freie Software.

The Wizard of Woz

Eine weitere der "guten" Legenden ist Steve »The Woz« Wozniak, der seit Anfang der siebziger Jahre irgendwie überall mit dabei war, wo neue Ideen entstanden. Woz hat viele Dinge erfunden, Szenen mitgelebt, und es ist nur sehr schwer zu unterscheiden, welche der Geschichten, die von ihm oder über ihn erzählt werden, wahr sind und welche nicht.

Verbrieft ist allerdings, dass er in der sechsten Klasse seine Amateurradio-Lizenz erwarb und mit Steve Jobs zusammen Apple gegründet und - anfangs in einer Garage - die Computer Apple I und Apple II selbst gebaut hat. Doch schon 1985 stieg er, wohl enttäuscht vom Computer-Business und noch nicht vollständig erholt von einem Flugzeugabsturz einige Jahre vorher, bei Apple aus. Heute hat er sich offenbar voll und ganz der Erziehung und Bildung mit Computerhilfe verschrieben und beschäftigt sich laut eigener Angaben jeden Tag damit, in seinem Wohnbezirk in Los Gatos, Kalifornien Schulen mit Computern und Netzwerkhardware, Onlinezugängen und Fachwissen zu versorgen.

(rsi)


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29.06.01 08:24
Die grössten Hacker aller Zeiten - Teil 3: Kevin Mitnick
Freitag, den 29.06.01 07:06  

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Nach dem eher allgemeinen Bericht über Hacker, der Vorstellung von Capt'n Crunch und der beiden lebenden Legenden, Richard Stallman und Steve Woznik, wollen wir Ihnen heute, mit Kevin Mitnick, den "König" der Hacker vorstellen.

Eine Legende entsteht

Kevin Mitnick gilt weltweit als die Figur des Hackers überhaupt. Auf ihn trifft exakt die Vorstellung zu, die sich die breite Öffentlichkeit von einem kriminellen Hacker macht: Er konnte das Bankgeheimnis durchlöchern, Telefone anzapfen und weit entfernte Computer völlig unter seine Kontrolle bringen. Aber wer ist eigentlich Kevin Mitnick? Ist er wirklich der gefährliche Kriminelle als den ihn die Medien dargestellt haben?

Er selbst sowie auch Experten sehen das anders. Nach Ansicht der Telegraph-Journalistin Wendy Grossman ist Mitnick nicht das technische Genie, für den alle ihn halten. Seine Fähigkeiten lägen eher im "social engineering". Mitnick hatte zum ersten Mal vor 16 Jahren Schlagzeilen gemacht, als er in die Computer des amerikanischen Verteidigungsministeriums eingedrungen war. In den 80er Jahren wurde er viermal festgenommen und 1989 verurteilt. Während einer Bewährungsstrafe begann er 1992 wieder die Sicherheitscodes der bereits genannten Firmen zu hacken.

Der Stoff aus dem die Helden sind

Mitnicks Ruf als berüchtigster Computerhacker der USA verdankt er einem Reporter der "New York Times", John Markoff. Dieser berichtete über Mitnick erstmals in dem 1991 erschienenen Buch "Cyberpunk" und schrieb drei Jahre später eine Titelstory über den Superhacker, der, wenn er nicht von der Polizei geschnappt werden würde, nicht nur schwerste Schäden im Cyberspace, sondern auch Leben vernichten könne. Wenige Monate später behauptete Tsutomu Shimomura, ein Freund Markoffs, Mitnick sei bei ihm zu Hause in seinen Computer eingedrungen. Er verfolgte ihn zurück nach North Carolina, wo Mitnick vom FBI verhaftet wurde. Einige Titelstories und ein Buch namens "Takedown" folgten. Markoff und Shimomura teilten sich brüderlich den großzügigen Buchvorschuß von 750.000 Dollar.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Kevin Mitnick aus dem Besitz fremder Software persönlichen Profit schlagen wollte, aber es gibt Vermutungen, dass Tsutomu Shimomura als Fahnder vom FBI angeworben worden war, um Mitnick zu einem Fehltritt zu verführen; er bestreitet dies und gibt an, er habe nur den Hacker verfolgt, der ihn und andere Programmierer bestohlen habe.

Ende gut, alles gut?

Mitnick, der nach seiner Freilassung am 21. Januar 2000, fast 5 Jahre nach seiner Verhaftung, nach Auflagen des Gerichts 3 Jahre lang nicht mehr mit einem PC arbeiten durfte, ist unterdessen nach erfolgreichem Einspruch gegen diese Anweisung, wieder im Computerbereich tätig. Nachdem er im April 2000 mit einer Vorlesungsreihe zu Themen der IT-Sicherheit begonnen hatte, diese aber abbrechen musste, als ihm das zuständige Gericht eine weitere Gefängnisstrafe androhte, legte dagegen Einspruch ein.

Das Gericht gab diesem letztlich unter der Voraussetzung statt, dass alle Stellenangebote an Mitnick im Einzelfalls geprüft werden müssten. Zu den mittlerweile für geeignet befundenen Stellen gehören Tätigkeiten als Berater und Dozent für Sicherheitsfragen sowie als Online-Journalist.

(rsi)


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Teil 5: Kim Schmitz alias Kimble

 
02.07.01 11:36
Hacker sind heutzutage in aller Munde, mit unserer kleinen Reihe versuchen wir daher, Ihnen diese Legenden ein wenig näher zu bringen. Und egal ob Capt'n Crunch, die Legenden Richard Stallman und Steve Wozniak, oder der König der Hacker Kevin Mitnick, sie alle umgibt der Nimbus des geheimnisvollen ebenso, wie den auf tragische Weise ums Leben gekommenen Karl Koch. Mit Kim Schmitz alias Kimble, wollen wir Ihnen heute einen Mann vorstellen, der sich selbst als den "König" der Hackerszene in Deutschland sah, der aber wohl ein noch besserer Selbstdarsteller und Hochstapler war, was ihm erst seine großen Erfolge bescherte.

Ein Leben für den Hack

Er galt als König der Hacker - zumindest bei den Medien - in Deutschland, Kim Schmitz alias Kimble. Er knackte Großrechner und fälschte Kreditkarten, spähte Daten aus, manipulierte Computer und machte sich des mehrfachen Betrugs schuldig. Zu seinen Meisterstücken gehörte das Eindringen in den Rechner des Deutschen Beamtenbundes, wo er geheime Dokumente wie die Korrespondenz mit dem Bundeskanzler ausspähte.

Aber das war noch lange nicht alles, was er zu seinen Glanzzeiten trieb. Wann auch immer der international operierende "Kimble" den Computer einschaltete, machte er eine Verwandlung durch: Aus dem unbekannten Jugendlichen Kim Schmitz wurde der "König" der Computer-Szene. Sein Pseudonym ist längst Legende in der Hacker-Welt, die ihm jedoch auch kritisch gegenübersteht. Zusammen mit einem Freund kopierte Schmitz unter anderem Daten von 2.170 Kunden des Datex-P-Netzes der Telekom. Sein Motiv sah er darin, die Firmen auf Sicherheitslücken aufmerksam zu machen und ihnen anschließend ein Schutzsystem zu verkaufen.

Die Liste seiner Taten füllt ganze Aktenordner: Schmitz knackte die Geheimnummern sogenannter Calling-Cards amerikanischer Bürger und konnte so auf deren Kosten weltweit telefonieren. Mit diesen Nummern rief er später per Dauerwahlautomatik bei von ihm extra dafür gegründeten Telefon-Talk-Lines in Hongkong und auf den Niederländischen Antillen an. So flossen die Telefongelder, mehrere Hunderttausend Dollar, wieder in seine eigene Tasche.

Die Geburt von Kimble

1994 wurde Schmitz erstmalig verhaftet und nach einem Monat Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Geldnot habe ihn zurück in die Szene getrieben, gab er später an. "Es war wie eine Sucht: Ich habe mich morgens an den Rechner gesetzt und bin nach 16 Stunden wieder ins Bett gefallen." Namhafte Hacker wie er seien gezwungen, in den Chat-Foren des Internets ständig präsent zu sein. "Ich habe als Kimble eine zweite Identität aufgebaut und mein normales Leben völlig vernachlässigt, mich für nichts anderes mehr interessiert", sagte Schmitz später. Dabei habe er ständig an Gewicht zugenommen "Mein einziges Ziel war es, in der Hacker-Szene der Beste und Bekannteste zu sein." Einen Namen hat er sich damit in der Tat gemacht, ob es ein guter ist, soll einmal dahingestellt sein.

"Ich habe in fremden Datennetzen Wissen erlangt, welches nicht für meine Augen bestimmt war und dabei das Gefühl des Spions genossen", so Schmitz Jahre später. In einem Spiel "David gegen Goliath" habe ich die Genugtuung gesucht, "den Großen da oben zu zeigen, daß ich mit meiner 500-Mark-Anlage in ihr System eindringen kann". Letztlich fiel Schmitz jedoch seiner eigenen Geltungssucht zum Opfer. In zahlreichen Fernseh-Interviews ließ "Kimble", der schon mit 17 Jahren das Abitur machte, sich mit Gesichtsmaske als Hacker-König feiern. Insider behaupten, Kimble sei einfach nur ein Betrüger, er könne weder selbst hacken, noch habe er je eine der Taten die ihn berühmt machten, allein begangen.

Hochmut kommt vor dem Fall

Zum letzten Mal "negativ" auf sich aufmerksam machte "Kimble", als er es schaffte, allein durch selbstsicheres Auftreten ohne Sicherheitskontrolle in den Tower des Münchner Flughafens einzudringen und sich im Cockpit eines Jets fotografieren zu lassen. Doch auch für Schmitz gab es eine Art Happy End. Zusammen mit seinem Freund, der unter dem Pseudonym "Magic Drummer" bekannt wurde, wurde er zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Vorsitzende Richter Wolf-Stefan Wiegand hielt den beiden Angeklagten in seiner Urteilsbegründung zugute, "aus jugendlichem Leichtsinn" in die Verbrechen hineingeschlittert zu sein. "Kimble", mußte lediglich eine Geldbuße von 20.000 Mark zahlen, sein Mitangeklagter sogar nur 6.000 Mark.

Inzwischen betätigt sich der geläuterte Kim Schmitz als Geschäftsführer einer Datensicherheits-Firma mit mehr als 30 Mitarbeitern und weltweiten Patenten. Im Februar diesen Jahres sorgte er letztmalig für Aufsehen, als er ankündigte, die kurz vor der Insolvenz stehende Firma letsbuyit.com sanieren zu wollen, was letztlich - typisch für ihn - nur große Worte waren.

Im morgigen und letzten Teil unserer kleinen Reihe über Hacker, wollen wir Ihnen daß vielleicht größte Talent der Hackerszene Deutschlands vorstellen, nämlich Boris F. alias Tron.
(rsi)
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Teil 4: Die deutsche Legende Karl Koch

 
02.07.01 11:37
Bisher waren es nur die amerikanischen Hackergrößen die wir Ihnen vorgestellt haben, Capt'n Crunch, die beiden Legenden, Richard Stallman und Steve Woziak und last but not least Kevin Mitnick. Doch heute startet mit Karl Koch ein Rückblick auf die auch in Deutschland vorhandene Szene.

Eine Legende entsteht

Karl Koch, alias Hagbard, war für die Öffentlichkeit der skrupellose jugendliche KGB-Spion und drogensüchtige Computer-Hacker aus Hannover. Doch wie in vielen Fällen, war auch hier die Wahrheit eine andere. Die Mutter stirbt früh an Krebs, der Vater einige Jahre später an der gleichen Krankheit. Seine ältere Schwester versucht mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Alles in allem keine rosigen Zeiten für den jungen Mann.

Karls Leben wurde mitgeprägt durch die Lektüre eines Buches, dem dreibändigen Werk "Illuminatus", welches ihm sein Vater mit 14 schenkte. "Du fühlst Paranoia aufkommen? Ausgezeichnet. Illumination steht auf der anderen Seite des absoluten Schreckens. Du mußt voll und ganz realisieren, daß du ein Fremder bist und ängstlich in einer Welt, die du nicht gemacht hast", fordern die Diskordier. Vielleicht auch die Illuminaten. Weltverschwörer in jedem Fall, gute oder böse. Diese Geheimbünde beherrschen die Welt und versuchen, das Denken der Menschen zu kontrollieren.

Realitätsverlust

Natürlich ist das alles nur verrückte Fiktion, zusammengesponnen von Robert Anton Wilson und Robert Shea in ihrem dreibändigen Werk "Illuminatus!" Andererseits: Sie füttern ihre phantastischen Geschichten um Computer, Verschwörer und Drogenexzesse so geschickt mit historischen Tatsachen – auch die Illuminaten sind als geheime Gesellschaft des 18. Jahrhunderts "echt" –, daß Realität und Fiktion manchmal nicht zu trennen sind. Die Illuminaten-Geschichten zu lesen ist ein anarchisches Erlebnis für den jungen Mann, die letzte Seite zu erreichen eine intellektuelle Glanzleistung: Hier löst sich ein Ich im Drogenrausch auf, dort ändert eins sein Geschlecht. Es geht um alles. Alles ist möglich. Und was ist schon Zeit?

Irgendwann packt ihn die Computerleidenschaft und 1984 besorgt er sich seinen ersten Computer. Er wolle Informationen austauschen und die Wahrheit über bestimmte Zusammenhänge herausfinden, wie Hagbard Celine, der Held des Buches "Illuminatus", so seine Aussage. Bereits damals litt Karl Koch unter Depressionen. Wieder und wieder liest er Illuminatus. Er nimmt den Roman wörtlich, glaubt an eine weltweite politische Verschwörung. In nächtelangen Hacksessions diskutiert er mit Computerfreaks. Er raucht Haschisch und nimmt LSD. Autodidaktisch lernt er, Großrechner via Telefonleitung anzuzapfen. Unter dem Pseudonym Hagbard Celine hackt er sich schliesslich ins Fermilab in Chicago ein und macht sich damit in der Szene einen Namen.

Der Weg in den Abgrund

Im Jahr 1986 beschließen er und vier Bekannte, ihr Können zu Geld zu machen. Im Sinne der Informationsfreiheit - so Karls Rechtfertigung - dringen sie in die Rechenzentren großer Institutionen und Militäreinrichtungen der USA ein, stehlen dort Daten und verkaufen sie an den sojetischen Geheimdienst KGB. Karl der in der nachfolgenden Zeit immer mehr an Verfolgungswahn leidet, läßt sich mehrfach in Landeskrankenhäuser einweisen. Illegale Drogen werden von starken Psychopharmaka abgelöst. Im Juli 1988 offenbart er sich schliesslich dem Verfassungsschutz und wird in den folgenden Monaten tagelang verhört. Dabei gesteht er auch, nur insgesamt 20.000 Mark vom KGB für die gelieferten Informationen erhalten zu haben.

Eine Strasse ohne Wiederkehr

Am 23. Mai 1989, gerade einmal 23 Jahre alt, verläßt er seinen Arbeitsplatz als Fahrer bei der Landesgeschäftsstelle der CDU in Hannover und kommt nicht mehr zurück. Die "23" gilt in den Illuminatengeschichten als magische Zahl und Todesdatum "aller großen Anarchisten". Seine verbrannte Leiche wird in einem Birkenwäldchen bei Gifhorn gefunden. Die Todesumstände sind bis heute ungeklärt. Seine Schwester und Freunde klagen hilflos und wütend den Verfassungsschutz und den BND an und treffen nur auf eine Mauer aus Schweigen. Kurz vor seinem Tod hatte er verkündet, kein Geheimdienst könne sich noch erlauben, ihn umzubringen, denn er sei inzwischen so bekannt, daß ein gewaltsamer Tod ihn zum Märtyrer für Abrüstung und Informationsfreiheit machen würde. Da am Tatort keine Schuhe gefunden wurden und der Wald bei der damals vorherrschenden großen Trockenheit hätte teilweise abbrennen müssen, bestehen berechtigte Zweifel am Selbstmord Karl Kochs.

Endgültig unsterblich wurde Hagbard, als Hans-Christian Schmidt und Michael Gutmann 1999 den Film "23" drehten, dessen Hauptfigur, Karl Koch nachempfunden ist.

Lesen Sie morgen im fünften Teil unserer Serie, die Geschichte einer weiteren deutschen Legende, nämlich Kim Schmitz alias Kimble.
(rsi)
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Danke Kopi :-))) Gruss Mio. o.T.

 
02.07.01 11:38
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Teil 6: Boris F. alias Tron

 
02.07.01 11:40
Im letzten Teil unserer Hacker-Serie wollen wir Ihnen einen jungen Mann vorstellen, dessen Genie bis heute unerreicht ist. Die Rede ist von Boris F. alias Tron, dessen tragischer Tod die ganze Szene erschüttert hat. Ähnlich wie Capt'n Crunch oder Kevin Mitnick, ging es Tron niemals darum sich selbst zu bereichern, auch wenn seine Taten außerhalb der Legalität standen. Tron ist nicht zu vergleichen mit den Legenden Richard Stallman und Steve Wozniak, oder gar dem selbstgefälligen Kimble. Sein Schicksal ähnelt jedoch dem eines anderen jungen Mannes, die Rede ist von Karl Koch.

Der Bastler

Am 22. Oktober 1998 erfüllte sich das Schicksal eines jungen Mannes, der in der Hackerszene Deutschlands als Genie galt. Boris F. alias Tron, war wohl einer der begabtesten Hacker seiner Zeit. Anders als etwa der drogensüchtige Karl Koch, oder der selbstgefällige Kim Schmitz, war Tron einfach nur ein in seine Ideen "verliebter" junger Mann. Jemand dem es nie um Geld ging, der an keine Weltverschwörung glaubte, sondern der der Welt beweisen wollte, daß es so etwas wie Sicherheit bei Computern nicht gibt.

Denn gerade die Sicherheit war sein Bereich. Er war der Meinung, daß wirklich jeder der über einigermaßen gute Fachkenntnisse verfügte, sich Zugang zu allen Rechnern dieser Welt verschaffen könne, seien es nun die Anlagen von Versicherungen, Banken, Atomkraftwerken, von Rüstungsfirmen oder gar dem Verfassungsschutz. Tron war allerdings niemand der nur große Reden hielt, nein er war angetreten es der Welt zu beweisen.

Doch wer war Tron eigentlich? Sein Vater sagte über ihn, "schon als kleiner Junge baute Boris alles auseinander, was er in die Finger bekam. Egal ob Radiogeräte, Fernseher, Uhren, Rasenmäher, nichts war vor ihm sicher". Boris war nach dem Besuch der zehnten Klasse von der Schule abgegangen, obwohl alle ihm rieten, Abitur zu machen. Doch die Schule langweilte ihn nur, er fühlte sich unterfordert und unverstanden, und er wollte "fummeln", so seine damalige Aussage. Daher machte er eine Lehre als Kommunikationstechniker.

Das Genie

Doch nach der Lehre besann er sich, holte das Abitur nach und stürzte sich mit einem Eifer und einer Energie auf ein Studium der Informatik, daß Professoren und Mitschülern der Atem stockte. Einer seiner Professoren über ihn: "Er arbeitete unkonventionell, intuitiv und mit einer Geschwindigkeit, die seine Mitstudenten in den Seminaren nicht halten konnten"! Seine Diplomarbeit preist der Professor als "absolut genial": ein kleiner Apparat, mit dem man einfach und billig ISDN-Telefongespräche ver- und entschlüsseln und damit abhörsicher machen kann.

Die Behörden wurden erstmalig im Jahr 1995 auf ihn aufmerksam. Damals wollte er mit einem Freund per Vorschlaghammer eine Telefonzelle "bearbeiten". Herbeieilenden Polizisten erklärte er, daß daß er den Chip brauche, weil die Telekom die Software geändert habe. Damit wurde bekannt was bisher nur von der Telekom geahnt worden war, Tron war es gelungen, eine Telefonkarte zu entwickeln, die sich von selbst wieder auflud und mit der man unbegrenzt kostenlos telefonieren konnte. Dafür kassierte er dann eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Über die Presse wurde die deutsche Hacker-Elite, vom Chaos Computer Club (CCC), auf Tron aufmerksam und bot ihm einen Platz in ihren Reihen an, den er auch annahm. Auf das Konto des Genies ging auch der Nachweis von Sicherheitslücken im sogenannten GSM-Standard, der für Mobilfunknetze in 120 Ländern gilt. Für Boris F. wurde der 'Chaos Computer Club' während seines Studiums zur zweiten Heimat. Der Zeichentrickfilm-Fan gab sich den Hackernamen Tron - ein Hacker-Held aus einem Walt-Disney-Film. Im Film gelangt Tron in einen Computer und kämpft in dieser virtuellen Welt um Leben und Tod gegen das Böse.

Doch das Bild vom einsamen Computerfreak, der in der virtuellen Welt verlorengeht und an der Einsamkeit zerbricht, trifft auf den Informatiker nicht zu. Seine Freitagabende mit den Freunden aus der Lehrzeit waren ihm heilig. Gemeinsam hatten sie einen Keller zum Kino umgebaut wo sich die Clique traf, redete, spielte, Filme ansah und bastelte. Ein Freund über Tron: "Er war zwar technisch brillant, aber manchmal etwas naiv und gutgläubig. Geld interessierte ihn absolut nicht. Wenn andere mit dem, was er entwickelt hatte, Taler scheffelten, war ihm das egal. Hauptsache, er hatte mal wieder bewiesen, was er drauf hatte."

Falsche "Freunde"

Boris erzählte seinen Eltern einige mal von Anwerbeversuchen dubioser Unternehmensberatungen, häufig äußerte er die Vermutung, seine Kontaktpersonen seien ausländische Geheimdienstler. Sonderlich überrascht oder gar verängstigt schien er nie darüber zu sein. Vielleicht war es seine letzte Arbeit, die Tron schließlich das Leben kostete, denn sie war mehr als nur brisant. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine sogenannte Smart Card zu entwickeln, die alle Pay-TV-Sender Europas freischaltet. Eine solche Karte hätte vermutlich den milliardenschweren europäischen Pay-TV-Markt in Turbulenzen gebracht. Die Herstellung einer solchen Smart Card gilt bisher als unmöglich, da in ihr eine angeblich undecodierbare Verschlüsselung enthalten sein soll. Mit einer ähnlichen Verschlüsselung hatte sich Tron jedoch schon in seiner Diplomarbeit beschäftigt.

Vielleicht war es sein nachgewiesener Kontakt zu einem italienischen Mafiosi, der mit ihm zwecks Umprogrammierung italienischer Pay-TV-Decoder Kontakt aufgenommen hatte, der ihn letztlich das Leben kostete. Boris hatte damals nur abgewunken und kein Interesse gezeigt. Vielleicht wußte der junge Mann aber einfach nur zuviel, oder wollte im entscheidenen Moment keinen Rückzieher machen, denn Freunde behaupten nach wie vor, daß er in der Woche vor seinem Tod mit der Arbeit an der Smart Card fertig geworden sei. "Da bekannt war, daß Tron seine Informationen nicht zu Geld machen, sondern die Bauanleitung für jedermann nutzbar ins Internet stellen wollte, hätte er einer Reihe von Leuten das ganz große Geschäft vermasselt", sagte ein Freund.

Das Ende eines jungen Lebens

Boris F. verließ sein Elternhaus am 17. Oktober 1998 mit den Worten: "Tschüs, ich geh' dann jetzt". Danach fehlte jede Spur von ihm. Seine besorgten Eltern informierten am nächsten Tag bereits die Polizei, doch erst ein Spaziergänger fand 5 Tage später die Leiche eines jungen Mannes in einem Park nahe der U-Bahn-Station Britz-Süd im Berliner Stadtteil Neukölln. Erhängt an seinem eigenen Gürtel, verlängert mit einem Stück Gartendraht, seine Füße berührten den Boden. Er hatte Ausweispapiere und Geld bei sich, sein Schlüsselbund und ein Handy, und er trug eine schwarze Jeans und eine Windjacke. Es war Boris F. alias Tron.

Boris' Vater glaubt daß der Forschungsdrang seinen Sohn das Leben gekostet hat, weil er im entscheidenden Moment nicht aufgeben wollte. Der CCC glaubt nicht an einen Selbstmord, für den es schließlich kein Motiv gab. Vor allem als bei der Obduktion der Leiche bekannt wurde, daß die Leiche erst weniger als einen Tag am Baum hin. Tron hat also die 4 Tage davor noch gelebt. Was in dieser Zeit genau passiert ist, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Doch letztlich hat es den jungen Mann das Leben gekostet. Bei seine Beerdigung legten ihm Freunde eine Telefonkarte als letzten Gruß mit ins Grab, eine letzte Geste der Verbundenheit mit einem der ihren. Doch dort wo Tron jetzt ist, wird er sie aber nicht mehr brauchen.

Hier endet unsere kleine Serie, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Wir wollten Ihnen die großen Namen vergangener Tage noch einmal vorstellen, ihre Taten aufzeigen, die im Guten oder Bösen begangen, doch immer für eine Veränderung gesorgt haben. Künftige Generationen von Hackern werden sich an diesen Männern messen lassen müssen und ob sie jemals deren - wenn auch teilweise zweifelhafte - Klasse erreichen, ist mehr als fraglich.
(rsi)
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Nochmal was zum thema!

 
30.07.01 21:32
Die größten Hacker aller Zeiten: Ein Nachruf zum Tod von Wau Holland
Montag, den 30.07.01 21:06  

www.onlinekosten.de

   


Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit --- Keine Zensur!

War ein berühmter Satz von Wau Holland. Der Freidenker und Mitbegründer des Chaos Computer Club (CCC) war etwas besonderes in der deutschen Hacker-Szene. Er trat für ein freies Internet ein, in dem keine wie auch immer geartete Zensur existierte. Doch die mahnende Stimme von Wau Holland ist für immer verstummt, er starb im Alter von nur 49 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, den er schon im Mai erlitten hatte.

Erst einige Wochen ist es her, daß wir Ihnen in einer kleinen Serie auf Onlinekosten.de, die größten Hacker aller Zeiten vorstellten. Doch über Wau Holland und den CCC haben wir damals nicht berichtet. Wir waren der irrigen Annahme, daß schon soviel über den CCC geschrieben worden war, daß es sich einfach nicht lohne mehr als nur allgemein auf ihn einzugehen. Im Nachhinein bedauern wir diese Entscheidung, denn die Nachricht vom Tode Wau Hollands hat uns betroffen gemacht.

"Ich bin nur ein genetisches Experiment."

Pflegte der charismatische Mann augenzwinkernd zu sagen, der mit bürgerlichem Namen Herwart Holland-Moritz hieß. Aber er war ein gelungenes Experiment und zwar von solcher Güte, daß er ganze Heerscharen von Computer-Freaks in Deutschland prägte und die Mächtigen dieses Landes ihn mit Respekt behandelten. Er hat sich viele Feinde aber noch mehr Freunde gemacht in seinem Leben und er galt als der unbestrittene Guru der Szene, obwohl er sich in den letzten Jahren ein wenig rar machte.

Holland war ein Verfechter der Meinungsfreiheit, ein erbitterter Gegner jeglicher Zensur und ein profilierter Medien- und Gesellschaftskritiker. Unsterblich wurde er, als er zusammen mit Freunden im Jahr 1984 den sogenannten Haspa-Hack durchführte und die Sparkasse damit um 135.000 Mark erleichterte und dies rein zu Demonstrationszwecken und ohne den Hintergedanken sich zu bereichern.

Ein letzter Gruß

Wir haben uns lange überlegt was wir über Wau Holland schreiben sollen und sind letztlich übereingekommen daß es zu weit führen würde, hier sein Wirken und sein facettenreiches Leben in allen Einzelheiten zu beleuchten. Das haben andere die ihn persönlich kannten bereits besser getan als wir es jemals könnten. Daher will die Redaktion von Onlinekosten.de nur einen letzten Gruß an einen Mann schicken, der schon zu Lebzeiten zur Legende wurde. Mach's gut Wau.

Eine virtuelle Kondulenzliste zum Tod von Wau Holland ist hier zu finden.

Quelle: Chaos Computer Club




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