Lion-Nachfolger legt ersten Abschluss vor Pharma-Unternehmen Sygnis testet Medikament für Schlaganfallpatienten
Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Kraft
Heidelberg. In knapp drei Wochen kommt auf das Heidelberger Pharmaunternehmen Sygnis eine Stunde der Wahrheit zu: Dann liegen wichtige Testergebnisse für den Hoffnungsträger AX200 vor. Das Medikament soll einmal Schlaganfallpatienten helfen, indem es das Absterben von Nervenzellen stoppt und deren Regeneration anregt. Die jetzt abgeschlossene Testphase galt der Sicherheit für den Patienten, danach soll die Wirksamkeit untersucht werden, erklärte der Vorstandsvorsitzende Alfred Bach das Vorgehen. "Wir sind nicht auf einem 100-Meter-Lauf sondern absolvieren einen 3000-Meter-Hindernislauf", beschrieb er den schwierigen Weg, um zu einer wichtigen Figur bei Medikamenten gegen Schädigungen des Zentralen Nervensystems zu werden. Der Pharma-Spezialist braucht einen langen Atem: Der Verlust im vergangenen Geschäftsjahr lag bei 4,1 Millionen Euro, im nächsten soll er auf 11 Millionen steigen. Dafür besitzt Sygnis eine mit 26,7 Millionen Euro gefüllte Kriegskasse und kann auf eine Finanzierungszusage des SAP-Gründers Dietmar Hopp und der BASF in Höhe von 18,3 Millionen Euro bauen. Dazu will Sygnis noch mehr liquide Mittel auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. "Sämtliche Szenarien sind denkbar", sagte Finanzvorstand Peter Willinger. Er stellte gestern den ersten konsolidierten Jahresabschluss vor. Was heute unter dem Namen Sygnis firmiert, entstand in einer komplizierten Transaktion aus der ehemaligen Lion Bioscience AG und der Axaron Bioscience AG, einer Tochter der BASF. Jetzt will sich Sygnis breiter aufstellen. "Wir sind keine Schlaganfallfirma", sagte Firmenchef Bach. Verletzungen des Rückenmarks oder die Amyotrophe Lateralsklerose, eine degenerative Erkrankung, die Lähmungen verursacht, sieht er als Kernkompetenz des Unternehmens. Um darin erfolgreich zu sein, setzt er auf drei Pferde. Weltweit fahnden seine Mitarbeiter nach geeigneten Wirkstoffkandidaten und versuchen, die Lizenz dafür zu erwerben. Ferner will er die eigenen Wirkstoffe auf weitere Einsatzbereiche abklopfen und über ein Forschungsprogramm neue Kandidaten finden. Bei Medikamenten für einen großen Patientenkreis will er schließlich nach Partnern für die Vermarktung suchen. Sygnis setzt auf eine steigende Nachfrage in einem Milliardenmarkt. Mit einer alternden Gesellschaft werde sich die Zahl der Schlaganfallpatienten in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Zunächst steht jedoch die nächste Erprobungsphase von AX200 an - mit 300 Testpersonen.
Mannheimer Morgen 29. Juni 2007



