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„Satraplatin kommt auf Spitzenumsätze von mehr als 500 Millionen Dollar“
GPC-Chef Seizinger im Inteview. GPC-Biotech-Chef Bernd Seizinger zu den Aussichten im Krebsmedikamentenmarkt und zu Aktienoptionen

GPC-Biotech-Chef Bernd Seizinger
WirtschaftsWoche:Herr Seizinger, Ihr wichtigstes Produkt, das Prostata-Krebsmedikament Satraplatin, hat in der letzten klinischen Testphase positive Ergebnisse gebracht. Schafft GPC jetzt endlich den Durchbruch?
Seizinger: Ja, das ist ein Durchbruch. Die Ergebnisse markieren das wichtigste Ergebnis in unserer neunjährigen Firmengeschichte. Ende des Jahres wollen wir in den USA die Zulassung beantragen und möchten im zweiten Halbjahr 2007 mit der Vermarktung beginnen. Für Europa hoffen wir 2008 auf die Zulassung durch unseren Partner Pharmion.
Sie haben bei einem Umsatz von elf Millionen Euro im ersten Halbjahr 28 Millionen Euro Verlust geschrieben. Reicht Ihr Geld überhaupt noch aus, um so weit zu kommen?Wir hatten Ende des zweiten Quartals noch 128 Millionen Euro auf der Bank. 2005 haben wir etwa 47 Millionen verbraucht und 2006 wird durch die Zahlung von Pharmion wahrscheinlich etwas darunter liegen. Das reicht, um bis zur Vermarktung von Satraplatin zu kommen, welche uns schließlich Geld in die Kasse spülen soll. Auch davor sollten bereits weitere Erfolgszahlungen fließen. Liquiditätsprobleme sehe ich nicht.
In Europa arbeiten Sie aber mit Pharmion als Partner zusammen, die ein dickes Stück vom Satraplatin-Kuchen abbekommen werden.Für die Europa-Rechte werden wir Umsatzbeteiligungen von 26,5 bis 34 Prozent – das ist etwa zehn Prozent höher als üblich – sowie bis zu 210 Millionen Dollar an sogenannten Meilensteinzahlungen erhalten. Wir schätzen, dass Satraplatin auf weltweite Spitzenumsätze von mehr als 500 Millionen Dollar kommt. Mögliche weitere Indikationen wie Lungenkrebs sind hier noch nicht eingerechnet. In den USA, wo der Löwenanteil der Umsätze zu erwarten ist – wahrscheinlich mehr als 50 Prozent –, haben wir selbst weiterhin die exklusiven Rechte. Unser Partner Spectrum Pharmaceuticals erhält von uns Zahlungen im unteren zweistelligen Bereich. Dies sind sehr attraktive Konditionen für uns.
Und im Rest der Welt?Wir fokussieren uns zunächst einmal auf den mit Abstand lukrativsten Markt, die USA. Dort wollen wir den Vertrieb und das Marketing selbst aufbauen. Dies ist möglich, da man in der Onkologie nur eine überschaubare Außendienstmannschaft von etwa 60 bis 80 Mitarbeitern benötigt. Für den asiatischen Markt, insbesondere Japan, suchen wir einen Partner und sind in Gesprächen.
Wann sehen Ihre Aktionäre denn endlich mal schwarze Zahlen?Das Überschreiten der Gewinnschwelle hängt von den Investitionen ab. Das Ziel ist es, einen nachhaltigen Gewinn zu schaffen, nicht den schnellstmöglichen. Auf jeden Fall wollen wir zunächst unsere Umsatzbasis verbreitern. Für Satraplatin wollen wir ja die Verwendung auf weitere Krebserkrankungen ausweiten. Zudem forschen wir an weiteren Krebsmedikamenten und wollen Kombinationen mit anderen Therapien entwickeln. Insgesamt laufen derzeit rund zehn weitere klinische Studien.
Wenn Sie so attraktiv sind, wird ein Aufkäufer kommen. Schließlich hat GPC mit Altana gerade seinen Großaktionär verloren und ihr Börsenwert liegt bei nur 520 Millionen Euro.Ausschließen kann man das nie. Wir hätten ja die Verpflichtung, ein etwaiges Übernahmeangebot im Interesse der Aktionäre zu prüfen. Aber auch wir könnten zukaufen.
Dafür fehlt Ihnen das Geld.GPC Biotech hat bereits zweimal mit den Zukäufen von Mitotix und Axxima akquiriert. Allerdings sind wir zurzeit mit Satraplatin gut beschäftigt.
Obwohl Sie in diesem Jahr schon rund zwei Millionen Euro über den Verkauf von Aktienoptionen eingefahren haben, liegen noch 2,2 Millionen Optionsrechte in Händen des Managements. Und das bei nur 33 Millionen Stück Aktienkapital. Künftige Gewinne werden also wegen der Optionen massiv verwässert.Wenn Sie internationale Spitzenkräfte anwerben wollen, brauchen Sie diese Instrumente. In den USA ist dies ganz entscheidend, um im Wettkampf zu bestehen. Wir planen beispielsweise in den USA unsere klinische Entwicklung mit noch 20 bis 30 Kräften zu stärken, dazu sollen 60 bis 80 Pharmareferenten kommen.
Das heißt, Ihre Aktionäre müssen auf Gewinne verzichten, weil Sie sonst keine erfahrenen Leute bekommen würden?Dem ist so, ja.[14.10.2006]
christof.schuermann@wiwo.de Aus der WirtschaftsWoche 42/2006.
Zahlungen an SPPi im unteren zweistelligen Prozentbereich
Das Minus 2007 wird fast so hoch sein wie 2006, bei Gewinn 2008 weicht er aus und sagt, das hohe Kosten anfallen werden und weiter dicke Optionen gezahlt werden müssen.Und das Aktionäre eben verzichten müssen......