Nach dem Massaker von Erfurt kaufen Konsumenten mehr denn je Produkte wie "Counterstrike" oder "Medal of Honor". Die neusten Zahlen von Media Control zeigen: Allein bei der Version, die Amokläufer Robert Steinhäuser zu Hause spielte, ist der Verkauf von Counterstrike in Deutschland nach der Bluttat von 1387 auf 2180 Stück pro Woche gestiegen.
"Viele sind durch Erfurt auf das Spiel aufmerksam geworden und haben jetzt Angst, dass es indiziert wird und sie es nicht mehr bekommen", sagt Markus Wiedemann (35), Generalmanager Deutschland des englischen Spieleherstellers Codemasters. Nichts Neues für den Münchner. "Indizierungspläne wirken traditionell verkaufsfördernd." Wann Spiele nicht mehr frei in den Regalen erhältlich sind, legt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) fest. Rund 7000 stehen derzeit auf dem Index, weitere fünf Prozent sind nicht für Jugendliche unter 18 Jahren frei. Allerdings nur in der Theorie, meint Wiedemann. "Wir haben in Deutschland wesentlich strengere Regelungen als in unseren Nachbarstaaten. In Österreich oder Holland beispielsweise kann man alles das kaufen, was bei uns nicht erlaubt ist." Dieses Problem könne nur mit einem europaweit einheitlichen Jugendschutz und klaren Richtlinien gelöst werden. Natürlich schütze auch der beste Jugendschutz der Welt nicht vor Missbrauch. "Ein 18-Jähriger kauft sich ein Spiel, das für ihn freigegeben ist, kopiert es und gibt es an jüngere Mitschüler oder Geschwister weiter." Durch Raubkopien gelangen Spiele in die Hände von Kindern, die sie gar nicht haben dürften. Wiedemann: "Ich kenne kein Spiel, das gefährlich ist, wenn es von der richtigen Altersgruppe gespielt wird. Wenn sich aber ein 12-Jähriger Counterstrike besorgt, ist das natürlich problematisch." Da helfe es auch wenig, dass alle Hersteller ihre Produkte, bevor sie auf den Markt kommen, freiwillig von der Unabhängigen Selbstkontrolle (USK) prüfen lassen. Die USK stuft ein, welches Spiel für welches Alter geeignet ist. Diese Altersfreigabe steht auf jeder Verpackung. Die Händler müssen sich allerdings nicht an die USK-Einschätzungen halten. Die meisten tun dies aber. Media Markt bietet Spiele, die ab 18 Jahren frei sind, nicht im Regal an, sie müssen eigens an der Verkaufstheke vom Personal ausgegeben werden. Trotz aller Empfehlungen und Regelungen könne ein Hersteller die Nachfrage nicht komplett ignorieren. "Das kann sich kein Unternehmen leisten", so der Codemasters-Geschäftsführer. Sein Kassenschlager, das bekannteste Rennspiel auf dem Markt Colin McRae 2.0, hat er bislang rund 60000 Mal abgesetzt. "Ein guter Ego-Shooter verkauft sich im Vergleich dazu rund 200000 Mal."
merkur-online.de
"Viele sind durch Erfurt auf das Spiel aufmerksam geworden und haben jetzt Angst, dass es indiziert wird und sie es nicht mehr bekommen", sagt Markus Wiedemann (35), Generalmanager Deutschland des englischen Spieleherstellers Codemasters. Nichts Neues für den Münchner. "Indizierungspläne wirken traditionell verkaufsfördernd." Wann Spiele nicht mehr frei in den Regalen erhältlich sind, legt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) fest. Rund 7000 stehen derzeit auf dem Index, weitere fünf Prozent sind nicht für Jugendliche unter 18 Jahren frei. Allerdings nur in der Theorie, meint Wiedemann. "Wir haben in Deutschland wesentlich strengere Regelungen als in unseren Nachbarstaaten. In Österreich oder Holland beispielsweise kann man alles das kaufen, was bei uns nicht erlaubt ist." Dieses Problem könne nur mit einem europaweit einheitlichen Jugendschutz und klaren Richtlinien gelöst werden. Natürlich schütze auch der beste Jugendschutz der Welt nicht vor Missbrauch. "Ein 18-Jähriger kauft sich ein Spiel, das für ihn freigegeben ist, kopiert es und gibt es an jüngere Mitschüler oder Geschwister weiter." Durch Raubkopien gelangen Spiele in die Hände von Kindern, die sie gar nicht haben dürften. Wiedemann: "Ich kenne kein Spiel, das gefährlich ist, wenn es von der richtigen Altersgruppe gespielt wird. Wenn sich aber ein 12-Jähriger Counterstrike besorgt, ist das natürlich problematisch." Da helfe es auch wenig, dass alle Hersteller ihre Produkte, bevor sie auf den Markt kommen, freiwillig von der Unabhängigen Selbstkontrolle (USK) prüfen lassen. Die USK stuft ein, welches Spiel für welches Alter geeignet ist. Diese Altersfreigabe steht auf jeder Verpackung. Die Händler müssen sich allerdings nicht an die USK-Einschätzungen halten. Die meisten tun dies aber. Media Markt bietet Spiele, die ab 18 Jahren frei sind, nicht im Regal an, sie müssen eigens an der Verkaufstheke vom Personal ausgegeben werden. Trotz aller Empfehlungen und Regelungen könne ein Hersteller die Nachfrage nicht komplett ignorieren. "Das kann sich kein Unternehmen leisten", so der Codemasters-Geschäftsführer. Sein Kassenschlager, das bekannteste Rennspiel auf dem Markt Colin McRae 2.0, hat er bislang rund 60000 Mal abgesetzt. "Ein guter Ego-Shooter verkauft sich im Vergleich dazu rund 200000 Mal."
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