Lügen, Legenden und Spinnereien
Die Terror-Attacken auf das New Yorker World Trade Center bieten genügend Stoff für Gerüchte und Verschwörungstheorien aller Art.
Grausam und pietätlos sind manche Fotomontagen und Falschmeldungen, die derzeit im Netz kursieren. Zwar ließ sich das Internet schon immer als ausgezeichnetes Medium für falsche News missbrauchen - doch nach der Katastrophe in New York scheint die Gerüchteküche überzukochen.
Die Weisheiten des Nostradamus
Kurz nach der Katastrophe am 11. September wurde bei Google besonders häufig nach einem Wort gesucht: Nostradamus. Viele Menschen interessierten sich neben ständig aktualisierten News auch für die Weissagungen des französischen Propheten. Der Philosoph und Astrologe soll das schreckliche Ereignis laut mehrerer Websites längst vorausgesehen haben. Folgender Vers gilt als Beweis: "In der Gottesstadt wird es einen großen Donner geben, zwei Brüder im Chaos auseinandergerissen, während die Festung standhält; der große Führer wird sich unterwerfen und der dritte große Krieg ausbrechen, wenn die große Stadt brennen wird." Fakt ist jedoch: Diese Weissagungen des Michel de Notredame (Nostradamus) gibt es nicht. Für seine 1558 veröffentlichte Schrift "Centuries" dachte Nostradamus sich eine eigene Sprache aus. Teile des Buches sind auch in Latein verfasst. Bis heute gibt es nur Interpretationen, aber keine Beweise dafür, dass Nostradamus die Zukunft voraussagen konnte.
Bill Gates und Microsoft
Nach den Attentaten in New York wurden Tausende User per Mail aufgefordert, ein Word-Dokument zu öffnen, die Flugnummer eines Terrorflugzeugs "Q33NY" einzugeben und in der Schriftart in "Wingdings" auf dem Bildschirm darzustellen. Was daraufhin erschien, wirkte schockierend: ein Flugzeug, zwei Hochhäuser, ein Totenkopf und ein Davidstern. Sollte jemand das Unglück vorausgeahnt haben? Nein - vergessen Sie dieses Gerücht. Die angegebene Flugnummer existiert nicht. Eine zweite Variante kursiert mit den Buchstaben NYC (New York City). Auch diese Kombination soll eine versteckte Botschaft offenbaren, wenn Sie die Schrift in Wingdings ändern. Zu sehen ist dann ein Totenkopf, ein Davidstern und ein Okay-Daumen. Auch diese Variante ist kompletter Unsinn. "Windings"-Erfinder Microsoft reagierte dennoch und brachte kurzerhand die Schrift "Webdings" auf den Markt. Stellt man NYC in Webdings dar erscheint die Aussage "I love New York". Bill Gates und Microsoft, zuerst als Terroristen vermutet, haben nichts mit den Terror-Anschlägen zu tun.
Fotomontagen
Zahlreiche Fotografien um die Katastrophe in den USA sind derzeit im Internet zu finden. Eines der Bilder zeigt das World Trade Center beim Einsturz. Graue Staubwolken quellen wie Watte um das Gebäude. Bei genauem Hinsehen soll das Gesicht Satans zu erkennen sein. Dieses Foto existiert in zahlreichen Varianten mit unterschiedlichen Teufelsfratzen. Auf einem zweiten Bild ist ein Tourist zu sehen, der sich zum Zeitpunkt des einstürzenden Flugzeugs angeblich auf der Aussichtsplattform befand. Hinter ihm sieht man eines der Terror-Flugzeuge, das direkt auf das World Trade Center zusteuert. Bilder dieser Art zeigen keine wahren Situationen. Dank Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich aus normalen Fotos schockierende Montagen basteln.
Feiernde Palästinenser
Wer sich noch an die schrecklichen Bilder des zertrümmerten World Trade Centers erinnert, hat sicherlich auch noch folgendes Bild vor Auge: Eine Gruppe Palästinenser tanzt und lacht auf den Straßen, um den Terroranschlag zu feiern. Vor wenigen Wochen erreichte uns eine Mail in der Redaktion. Inhalt: CNN solle Filmmaterial aus dem Jahr 1991 gesendet haben. Die Palästinenser wären damals nach der Invasion der Amerikaner in Kuwait gefilmt worden. Zum Beweis soll ein Lehrer aus Brasilien die gleichen Videoaufnahmen haben. Die Nachricht entpuppte sich als Finte. Auf dem Foto hatte ein Beobachter einen Ford aus einer Produktion von 1995 erkannt.
Gruß
Happy End