Donnerstag 3. Oktober 2002, 13:25 Uhr
Bush betont deutsch-amerikanische Freundschaft
Berlin (Reuters) - Nach wochenlangem Schweigen hat US-Präsident George W. Bush wieder offiziell persönlichen Kontakt zu deutschen Spitzenvertretern aufgenommen. In einem Glückwunschschreiben an Bundespräsident Johannes Rau zum Tag der deutschen Einheit betonte er die Bedeutung der deutsch-amerikanischen
Freundschaft.
In dem Brief zum 12. Jahrestag der Wiedervereinigung heißt es nach Angaben von Raus Sprecher Klaus Schrotthofer: "Amerika feiert mit Deutschland diesen bedeutenden Tag." In zwei Absätzen gehe Bush auf die langen guten Beziehungen zwischen den USA und Deutschland ein. In diplomatischen Kreisen in Deutschland wurde der verbindliche Ton und der für ein Glückwunschschreiben ausführliche Umfang des Briefes hervorgehoben. Mit dem Schreiben nahm Bush erstmals nach der Bundestagswahl wieder direkten Kontakt mit Deutschland auf. Die US-Regierung hatte verärgert auf die strikte Ablehnung eines Militärschlags gegen den Irak durch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagiert. Schröder bekräftigte diese Position am Mittwochabend nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac.
In seinem Brief, der am Mittwoch im Präsidialamt eingegangen war, schreibt Bush nach Angaben Schrotthofers: "Die Völker Deutschlands und Amerikas haben Beziehungen, die bis zur Gründung unserer Nation zurückgehen." Diese Verbindungen seien in den vergangenen 50 Jahren durch die gemeinsame Verpflichtung auf demokratische Werte vertieft worden. Die USA hätten fest an der Seite Deutschlands gestanden mit dem Ziel, einem geeinten Deutschland Freiheit zu bringen. "Das Ende des Kommunismus und der Fall der Berliner Mauer waren ein großer Erfolg für unsere beiden Nationen." Bush schreibt weiter: "In den letzten fünf Jahrzehnten haben Millionen Amerikaner Deutschland besucht oder dort gelebt, als Soldaten, Studenten oder Geschäftsleute. Ihre Freundschaften mit Deutschen und ihre guten Erinnerungen an ihre Erlebnisse bilden eine feste Grundlage, um die neuen Herausforderungen zu bestehen."
In diplomatischen Kreisen wurde hervorgehoben, Bush habe den Brief in einem sehr verbindlichen Ton geschrieben. Auf einen Glückwunsch an Schröder nach dem Sieg der SPD bei der Bundestagswahl vor knapp zwei Wochen hatte Bush verzichtet. Mitglieder der US-Regierung hatten die Beziehungen zu Deutschland wiederholt als belastet bezeichnet.
VOIGT: USA SEHEN IN DEUTSCHLAND ENGEN VERBÜNDETEN
Der Koordinator für deutsch-amerikanische Beziehungen im Auswärtigen Amt, Karsten Voigt (SPD), sagte dem FAZ-Business-Radio, der Brief zeige, dass die Amerikaner Deutschland weiterhin für einen engen Verbündeten hielten. Die deutsch-amerikanischen Meinungsverschiedenheiten dürften nicht überbewertet werden.
Schröder hatte seit August vor einem Angriff auf den Irak gewarnt und eine Beteiligung Deutschlands vehement abgelehnt. Nach seinem Treffen mit Chirac bekräftigte Schröder diese Haltung: "Wir haben vor den Wahlen in Deutschland unsere Position definiert, nach den Wahlen in Deutschland gilt nichts anderes", sagte Schröder.
Es war das erste Treffen zwischen Schröder und Chirac nach der Bundestagswahl. Entgegen bisherigen Gepflogenheiten hatte Schröder seine erste Auslandsreise nicht nach Paris, sondern zum britischen Premierminister Tony Blair nach London gemacht. Ziel dieses Besuchs war nach Angaben der Bundesregierung auch eine Verbesserung der wegen der Irak-Politik belasteten Beziehung zu den USA. Die britische Regierung ist in der Irak-Frage der engste Verbündete der USA.
Die Wogen scheinen sich zu glätten, der AMI darf jetzt wieder DCX, BMW, VW und Porsche fahren.
Grüße f-h