Geldquelle Internet?


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Pichel:

Geldquelle Internet?

 
02.07.02 15:53
Sportingbet, Admiral, baw, Interwetten: Geldquelle Internet?

Zählen die Internet-Bookies zu den ersten Gewinnern im Web? Sportingbet-Gründer Mark Blandford: "... one of the most profitable Internet businesses in the world. We look to the future with confidence"



Von Christian Drastil und Tom Kaden*

Die positiven Meldungen rund um Internet-Buchmacher häufen sich: "We believe that we are now one of the most profitable Internet businesses in the world. We look to the future with confidence", sagte Sportingbet-Gründer Mark Blandford (Bild) in der Vorwoche anlässlich der Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 (per 31. März). Diese Zahlen lagen über den Erwartungen des Analysehauses Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Firma hatte aus dem operativen Geschäft 17,2 Millionen Pfund generiert.

www.wirtschaftsblatt.at/wetten

Der internationale Anbieter Interwetten spricht ebenfalls von schwarzen Zahlen, auch bei der börsenotierten Admiral Sportwetten (setzt auch auf Outlets) liegt man sehr gut. Nur zwei Tage nach dem Finale der Fussball-Weltmeisterschaft zog Admiral Sportwetten AG eine erste Bilanz über das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2002. Nach vorläufigen Zahlen konnte der Rohertrag im Vergleich zur Vorjahresperiode um 80,4 % auf EUR 5,474 Mio. gesteigert werden. Die Rohertragsmarge wurde von 18,77 % auf 21,58 % verbessert. Aufgrund der Filialexpansion und der dadurch verbesserten Kostenstruktur konnten die Kennzahlen auch im Vergleich zum ersten Quartal 2002 deutlich gesteigert werden.

Beim ebenfalls börsenotierten Bookie betandwin.com muss man noch auf die Zahlen warten. Co-CEO Manfred Teufelberger sprach von einem Prozentplus, das deutlich über jenem
der Lotterien liege und das bei stabilen Margen. Doch betandwin hatte auch für das WM-Marketing einiges ausgegeben. Die Zahlen, die Ende des Monats präsentiert werden, werden Aufschluss geben.

Dass Sportwetten im Trend liegen, hat auch das vom WirtschaftsBlatt und T-Mobile veranstaltete WM-Wettspiel bewiesen: Mit 36.155 Wetten im Rahmen der 64 WM-Spiele hatte niemand gerechnet!

www.wirtschaftsblatt.at/fussballwm

Jetzt eine Analyse, ob die Bookies bei der WM verdient haben:
In der Vorrunde war man noch mit einer durchaus plausiblen und vernünftigen Favoriten-Strategie finanziell beinahe verblutet: Auf Basis der Durchschnittsquoten des best-bets-Livequoten-Vergleichs (der Angebote von 100 weltweit operierenden Buchmachern konsolidiert) hätte man in den 48 Spielen 33 Prozent seines Kapitals bei den Buchmachern liegen gelassen. Ein treuer Wettkunde, der nur bei seinem Hausbuchmacher gespielt hätte, hätte wahrscheinlich noch mehr verloren und könnte sich bereits auf schöne Weihnachts- oder Neujahrsgeschenke freuen (denn Buchmacher wissen, was sie an ihren Kunden haben). Dieses Ergebnis ist weitgehend quoten-unabhängig, auch bei Wetten auf die insgesamt 19 extremen Favoriten mit Quoten unter 1,50 hätte man gute 30 Prozent verloren, genauso wie bei den moderaten Favoriten mit Quoten bis 2,0: 14 Spiele und 30 Prozent Miese. Besonders schlimm war es aber bei Begegnungen, wo das eine Team nur leicht favorisiert wurde, also bei Quoten bis 2,55, hier legte man in 15 Spielen satte 40 Prozent ab.

Da in der Regel die Mehrzahl der Einsätze auf den Favoriten liegt, hätte man nach der Vorrunde Bookie-Aktien kaufen müssen, was das Zeug hielt, Kursgewinne hat es aber (Grund?) nicht gegeben. Doch mit den Spielen des Achtel-, Viertel- und des Semifinales kehrte wieder Normalität in die Welt der Wetten, Favoriten waren wieder das, was sie schon immer waren, und auch die Hauptstrategien von best-bets.cc - bias und bestOFbets (siehe www.wirtschaftsblatt.at/wetten) - konnten in den vergangenen Tagen wieder zulegen. Die alten Verluste konnten zwar noch nicht aufgeholt werden, aber erfahrene Wetter wissen, manchmal ist es schon gut, wenn man die Verluste beschränkt halten kann.

www.best-bets.cc

Jedenfalls reduzierten sich die Verlustprozente der Favoritenstrategie in toto und in den einzelnen QuotenKlassen erheblich, ebenfalls in der Grafik abzulesen. Extreme Favoriten bedeuteten sogar 43 Prozent Gewinnrendite (wenn auch nur 2 Spiele), moderate Favoriten verloren zwar immer noch 26 Prozent (sieben Spiele) aber die Tendenz stimmt und auch bei den leichten Favoriten zeigte sich eine Verbesserung mit "minus 15 Prozent" (fünf Spiele).

Eine weitere Aufbereitung der Weltmeisterschaft ist die Analyse der durch Favoriten und ihre Gegner geschossenen Tore je Spiel und wie oft ein Spiel mit mehr als Toren (Over) endete. Auch hier zeigt sich, dass die Vorrunde und die Finalspiele zwei vollkommen andere Welten sind. Warum dies so war, kann jeder für sich beantworten.

Für die Buchmacher sollte dies jedenfalls ein glücklicher Umstand gewesen sein, denn die EM 2000 war von Favoritensiegen geprägt und viele Buchmacher fanden nur Trost in der Behauptung, sie hätten langfristige Kunden gewonnen. Dieses Mal dürfte es umgekehrt sein, die Verluste der Vorrunde hat wahrscheinlich einige Zocker bereits früh aus dem Rennen geworfen, was die Erwartung für die Umsätze etwas sinken lässt aber bei den Gewinnmargen trotz der eingetretenen Normalisierung hoffen lässt.

www.wirtschaftsblatt.at/wetten

Auf der Seite der Wetter können sich eigentlich nur die Arbitrageure freuen. In der Vorrunde gab bei 48 Spielen insgesamt neun Situationen mit mehr als drei Prozent Rendite, die höchste lag sogar bei 14 Prozent. Aber auch in den 14 Finalspielen gab es noch drei DutchBooks (Arbitragen/SureBets, risikolose Gewinne, wenn man bei mehreren Buchmachern wettet) um die drei Prozent. Angenommen, man hätte eine SureBet nach der anderen realisiert, wäre man jetzt um (brutto) 58 Prozent reicher. Für vier Wochen Kapitalbindung eine beachtliche Rendite. Zumal das nur die WM-Rendite ist, es gab aber noch viele andere Situationen.

* Tom Kaden ist Geschäftsführer des WirtschaftsBlatt-Partners best-bets.cc


Gruß Pichel
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