NORD-STREAM 2 bekommen?
Hälst Du die Europäer für so blöd?
Bundeskanzler Friedrich Merz hat seit seinem Amtsantritt im Mai 2025 die deutsche Position zum russischen Einmarsch in die Ukraine verhärtet. Die Zeit der Kompromisse ist vorbei. Vorrang haben jetzt die Sicherheitspolitik und die „europäischen Werte“. In Brüssel hat sich Merz demonstrativ den „Falken“ angeschlossen. Die Industrie in Deutschland – insbesondere die großen, stark auf Erdgas angewiesenen Chemiekonzerne – leidet still vor sich hin und muss zusehen, wie sie gegenüber Ungarn und Polen an Boden verliert.
Der französische Energiekonzern Engie und die deutsche Industrie haben sich unseren Quellen zufolge mit dem Ende der russisch-europäischen Energiepartnerschaft abgefunden. Auch ein Szenario, wonach russisches Gas über Pipelines in US-Besitz nach Europa fließen könnte, halten die meisten unserer Gesprächspartner für grotesk.
Doch im Sommer 2025 sorgten die potenziellen US-Investoren mit ihrem Treiben hinter den Kulissen dann doch für einige Unruhe im Berliner Kanzleramt. Deutschland ging, unterstützt von Frankreich, zum Gegenangriff über: In der Diskussion über das 18. Sanktionspaket gegen Russland, das im Juli beschlossen wurde, drängten Berlin und Paris darauf, jedes Unternehmen zu sanktionieren, das Gas über die Nord-Stream-Pipelines beziehen will oder sich an ihrer Reparatur, Instandhaltung oder Nutzung beteiligt.
Damit kann eine künftige Inbetriebnahme der Pipelines auch durch die EU blockiert werden und nicht mehr nur durch die USA und ihr Office of Foreign Assets Control (Ofac). Zudem konnten Frankreich und Deutschland ihr Image beim Block der deutlich gegen Russland eingestellten EU-Länder aufpolieren.
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