Anlegerblätter sinken wie die Aktien
Von Lutz Meier, Berlin
Wirtschaftszeitschriften sind die größten Verlierer auf dem Pressemarkt seit Anfang des Jahres. Nur Unterhaltungsblätter legten zu.
Fast alle einschlägigen Magazine, besonders aber jene, die mit Anlegertipps im letzten Jahr am Börsenboom partizipiert haben, müssen nach den am Mittwoch veröffentlichten Auflagenzahlen für das erste Quartal 2001 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres Verluste in zweistelliger Höhe hinnehmen. So verlor das Anlegerheft "Börse Online" vom Verlag Gruner + Jahr (G+J) 37,5 Prozent seiner Auflage, allgemeine Wirtschaftstitel wie die "Wirtschaftswoche" (Holtzbrinck-Verlag) mit minus fünf Prozent und "Capital" (G+J) mit minus 21,7 Prozent verloren ebenfalls.
Die Auflage des "Aktionärs" sank um 35,9 Prozent auf 91.000 Hefte. "Finanzen" meldete ein Minus von 14,4 Prozent und landete bei durchschnittlich 120.000 verkauften Exemplaren. Selbst "Euro am Sonntag", lange Zeit trotz des Börseneinbruchs vergleichsweise stabil, verlor 10,5 Prozent seiner Käufer. Genauso erging es "Geldidee".
Auch in den meisten anderen wichtigen Zeitschriftensegmenten überwogen die Verlierer. Bei den aktuellen Magazinen traf der Rückgang "Focus" (Burda-Verlag) am härtesten, nämlich mit 4,7 Prozent. Das entspricht gut 38.000 weniger verkauften Exemplaren. Dagegen konnten sich die Konkurrenten "Stern" (G+J) und "Spiegel" ungefähr halten. Bei den Zeitungen verlieren mit fünf Prozent die "Welt am Sonntag" (Springer-Verlag) und mit 6,8 Prozent das "Handelsblatt" (Holtzbrinck) besonders stark. Letzteres hatte noch vergangenes Jahr starke Auflagengewinne verzeichnet. Gegen den Trend konnte die Financial Times Deutschland wie berichtet ihre Auflage um mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern.
Unterhaltung gewinnt
Nur ein Segment gewann deutlich - die Unterhaltungsblätter. Sowohl "Bunte" (Burda) als auch "Gala" (G+J) konnten Zuwächse von über zehn Prozent verzeichnen. Offenbar frustriert kehrten die Leser den Reichtumsversprechen der Börsenmagazine den Rücken, um sich mit dem Samenraub an Boris Becker und mit Dieter Bohlens neuer Freundin zu beschäftigen. Das merkte "Bild", die erstmals seit langem ihren Sinkflug bei der Auflage nicht fortsetzte.
Das Auflagenminus trifft die Verlage in einer ohnehin schwierigen Lage. Denn schlimmer noch als die Auflagenverluste sind die Einbußen im Anzeigengeschäft, die die Verlage fast durchgehend zu Jahresbeginn überraschten und viel stärker trafen als etwa die Fernsehsender. Diese Verluste könnten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei einigen Blättern noch verstärken, die ohnehin schon unter Druck stehen.
Denn ein Auflagenminus wirkt sich nicht nur auf die Vertriebserlöse aus, sondern in den meisten Fällen auch direkt auf Anzeigenpreise und Anzeigenbuchungen, weil die Leistungsdaten schlechter werden.
Da die Zahlen so direkte Auswirkungen auf das Verlagsgeschäft haben, werden sie in der Branche jedes Quartal aufs Neue mit Spannung erwartet. Erhoben werden die Daten durch die von den Verlagen betriebene Messinstanz IVW (Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern).
Unter den Verlagen ist keiner besonders glimpflich weggekommen, allerdings ragt auch keiner als besonders großer Verlierer heraus. Der Marktführer G+J, zu 50 Prozent auch Gesellschafter der FTD, atmet auf, weil sein Flaggschiff "Stern" stabilisiert werden konnte und als einziges der aktuellen Magazine sogar ein kleines Plus verzeichnet. Ebenso freut sich Bauer, dass "Bravo" nach den Verlusten der letzten Jahre nicht mehr weiter fällt. Gleichzeitig verlieren die Schwestertitel "Bravo Girl" und "Bravo Screenfun" in großem Stil. Auch bei den meisten Fernsehzeitschriften sank die Auflage weiter.
Manager in allen Verlagen hoffen nun auf ein Belebung der Märkte in der zweiten Jahreshälfte und bessere Zeiten an der Börse.
© 2001 Financial Times Deutschland
Von Lutz Meier, Berlin
Wirtschaftszeitschriften sind die größten Verlierer auf dem Pressemarkt seit Anfang des Jahres. Nur Unterhaltungsblätter legten zu.
Fast alle einschlägigen Magazine, besonders aber jene, die mit Anlegertipps im letzten Jahr am Börsenboom partizipiert haben, müssen nach den am Mittwoch veröffentlichten Auflagenzahlen für das erste Quartal 2001 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres Verluste in zweistelliger Höhe hinnehmen. So verlor das Anlegerheft "Börse Online" vom Verlag Gruner + Jahr (G+J) 37,5 Prozent seiner Auflage, allgemeine Wirtschaftstitel wie die "Wirtschaftswoche" (Holtzbrinck-Verlag) mit minus fünf Prozent und "Capital" (G+J) mit minus 21,7 Prozent verloren ebenfalls.
Die Auflage des "Aktionärs" sank um 35,9 Prozent auf 91.000 Hefte. "Finanzen" meldete ein Minus von 14,4 Prozent und landete bei durchschnittlich 120.000 verkauften Exemplaren. Selbst "Euro am Sonntag", lange Zeit trotz des Börseneinbruchs vergleichsweise stabil, verlor 10,5 Prozent seiner Käufer. Genauso erging es "Geldidee".
Auch in den meisten anderen wichtigen Zeitschriftensegmenten überwogen die Verlierer. Bei den aktuellen Magazinen traf der Rückgang "Focus" (Burda-Verlag) am härtesten, nämlich mit 4,7 Prozent. Das entspricht gut 38.000 weniger verkauften Exemplaren. Dagegen konnten sich die Konkurrenten "Stern" (G+J) und "Spiegel" ungefähr halten. Bei den Zeitungen verlieren mit fünf Prozent die "Welt am Sonntag" (Springer-Verlag) und mit 6,8 Prozent das "Handelsblatt" (Holtzbrinck) besonders stark. Letzteres hatte noch vergangenes Jahr starke Auflagengewinne verzeichnet. Gegen den Trend konnte die Financial Times Deutschland wie berichtet ihre Auflage um mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern.
Unterhaltung gewinnt
Nur ein Segment gewann deutlich - die Unterhaltungsblätter. Sowohl "Bunte" (Burda) als auch "Gala" (G+J) konnten Zuwächse von über zehn Prozent verzeichnen. Offenbar frustriert kehrten die Leser den Reichtumsversprechen der Börsenmagazine den Rücken, um sich mit dem Samenraub an Boris Becker und mit Dieter Bohlens neuer Freundin zu beschäftigen. Das merkte "Bild", die erstmals seit langem ihren Sinkflug bei der Auflage nicht fortsetzte.
Das Auflagenminus trifft die Verlage in einer ohnehin schwierigen Lage. Denn schlimmer noch als die Auflagenverluste sind die Einbußen im Anzeigengeschäft, die die Verlage fast durchgehend zu Jahresbeginn überraschten und viel stärker trafen als etwa die Fernsehsender. Diese Verluste könnten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei einigen Blättern noch verstärken, die ohnehin schon unter Druck stehen.
Denn ein Auflagenminus wirkt sich nicht nur auf die Vertriebserlöse aus, sondern in den meisten Fällen auch direkt auf Anzeigenpreise und Anzeigenbuchungen, weil die Leistungsdaten schlechter werden.
Da die Zahlen so direkte Auswirkungen auf das Verlagsgeschäft haben, werden sie in der Branche jedes Quartal aufs Neue mit Spannung erwartet. Erhoben werden die Daten durch die von den Verlagen betriebene Messinstanz IVW (Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern).
Unter den Verlagen ist keiner besonders glimpflich weggekommen, allerdings ragt auch keiner als besonders großer Verlierer heraus. Der Marktführer G+J, zu 50 Prozent auch Gesellschafter der FTD, atmet auf, weil sein Flaggschiff "Stern" stabilisiert werden konnte und als einziges der aktuellen Magazine sogar ein kleines Plus verzeichnet. Ebenso freut sich Bauer, dass "Bravo" nach den Verlusten der letzten Jahre nicht mehr weiter fällt. Gleichzeitig verlieren die Schwestertitel "Bravo Girl" und "Bravo Screenfun" in großem Stil. Auch bei den meisten Fernsehzeitschriften sank die Auflage weiter.
Manager in allen Verlagen hoffen nun auf ein Belebung der Märkte in der zweiten Jahreshälfte und bessere Zeiten an der Börse.
© 2001 Financial Times Deutschland