US-Arbeitsmarktdaten werden den Tag bestimmen
5. April 2002 US-Arbeitsmarktdaten werden den Tag bestimmen
Auf ein abwartendes Geschäft stellen sich Händler am Freitag am deutschen Aktienmarkt ein. Im Vorfeld der Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten dürften sich die Marktteilnehmer zunächst zurückhalten, so die Vermutung. Der Dax und der Neue Markt werden bei eher positiven Grundton wenig verändert erwartet. Stabilisierend dürfte die gegen Handelsende erholte Wall Street wirken. Insgesamt sei die Nachrichtenlage aber dünn, so dass auch dies für einen ruhigen Handelsverlauf spreche.
Rentenmarkt vor Verschnaufpause
Nach der Rally am Rentenmarkt in den vergangenen Tagen stellen sich Händler am Freitag auf eine Verschnaufpause ein. Zumindest bis zur Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten dürften sich die Kursgewinne zunächst nicht weiter fortsetzen lassen, heißt es. Danach hänge die weitere Tendenz vom Ausfall der US-Daten ab, so das Urteil. Am Donnerstag hatte der Bund-Future um 47 Basispunkte auf 105,73 Prozent zugelegt.
Euro gut behauptet
Gut behauptet tendiert der Euro am Freitag im asiatischen Handel. Gegen 7.30 Uhr MESZ kostet ein Euro 0,8786 Dollar nach 0,8766 Dollar am Donnerstagabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 132,29 Yen nach 132,35 Yen im späten New Yorker Handel am Vorabend. Wie schon zuletzt rechnen Beobachter auch zum Wochenausklang mit relativ engen Handelsspannen amDevisenmarkt. Etwas Kraft, Kursimpulse auszulösen, hätten nur die am Nachmittag erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen.
Börse Tokio im Verlauf schwächer - NTT belastet
Der Aktienmarkt in Tokio hat am Freitag im Verlauf schwächer notiert, was Händler auf die Kursverluste der Titel der Nippon Telephone and Telegraph (NTT) zurückführten. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel bis gegen 06.30 Uhr (MESZ) um 0,33 Prozent auf 11.341 Punkte. "Trotz eines starken Kursrückgangs an der Nasdaq Anfang der Woche hat der Nikkei die 11.000-Punkte-Marke gehalten. Ich denke, dieser Wert hält", sagte Aktienstratege Hirokazu Yuihama vom Daiwa Institute of Research. Die Papiere von Japans größtem Telekom-Konzern NTT gaben 3,1 Prozent auf 502.000 Yen nach, die Titel der Mobilfunktochter NTT DoCoMo fielen drei Prozent auf 361.000 Yen. NTT hatte am Vortag einen Rekordverlust für das abgelaufene Geschäftsjahr angekündigt. (Reuters)
Feiertagshinweis: Börse Hongkong geschlossen
Auf Grund des Ching-Ming-Festes (Ahnenverehrung) in Hongkong bleiben dort am Freitag, 5. April, Börsen, Banken und Behörden geschlossen.
US-Nachbörse nachgebend
Zu Kursverlusten von 0,3 Prozent auf 1.393,92 Punkten kam es am Donnerstag im nachbörslichen Handel beim Nasdaq-100-Index. Während sich die großen Titel weitgehend unverändert präsentierten, wurde dieses Mal McData Corp geschlachtet. Nach einer Gewinnwarnung fiel der Technologiekonzern um 20 Prozent auf 10,04 Dollar. Ähnlich erging es dem Anbieter von Bildungssoftware Click21learn, der 35 Prozent auf 2,75 Dollar verlor. Nach besser als erwarteten Umsätzen kamen dagegen Getty Images um zwölf Prozent auf 31,72 Dollar voran.
US-Börsen kaum verändert - Firmemprognosen verunsichern
Die jüngsten Prognosen zum Geschäftsverlauf verschiedener US-Konzerne haben die Investoren an der Wall Street am Donnerstag nach Händlerangaben verunsichert. Die Anleger seien zudem weiter wegen des Nahost-Konflikts besorgt und hätten sich deshalb zurückgehalten. Die Kurse schlossen wenig verändert. Der Dow-Jones-Index schloss 0,36 Prozent im Plus bei 10.235,17 Zählern. Die Nasdaq stieg um 0,30 Prozent auf 1.789,74 Zähler.
„Wir haben einige positive Zahlen gesehen, aber die guten Nachrichten reichen nicht aus, um die Sorgen der Anleger wegen des Konflikts im Nahen Osten zu zerstreuen", sagte Alan Ackerman, Marktstratege bei Fahnestock & Co. Die Anhebung der Merrill-Lynch-Gewinnschätzung für den Autokonzern General Motors habe die Standardwerte gestützt, sagten Händler. Die Bank hatte die Gewinnprognose für GM für das zweite Quartal und das Gesamtjahr erhöht und dies mit der stärker als erwartet gestiegenen Produktion des Autobauers begründet. Der Aktienkurs des Konzerns stieg um 1,33 Prozent auf 60,14 Dollar.
Der umsatzstärkste Wert an der Nasdaq war die Aktie des Software-Konzerns Check Point Software Technologies, die 19,6 Prozent auf 22,07 Dollar einbüßte. Der Hersteller von Sicherheitssoftware teilte mit, der Quartalsgewinn werde unterhalb der Analystenerwartungen ausfallen, da die Technologie-Investitionen der Unternehmen weiter schwach seien. Auch der Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb habe die Anleger mit den jüngsten Prognosen enttäuscht, hieß es auf dem Parkett. Das Unternehmen hatte am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitgeteilt, es erwarte im ersten Quartal 2002 einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang. Der Aktienkurs gab rund 14,7 Prozent auf 32,15 Dollar nach und war der am meisten gehandelte Wert an der New York Stock Exchange.
Positiv hätten die Anleger hingegen auf einen freundlichen Ausblick des weltgrößten Computerherstellers Dell reagiert. Dell-Titel stiegen zum Schluss um 2,14 Prozent auf 26,75 Dollar, nachdem der Konzern am Vortag nach US-Börsenschluss seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsquartal leicht angehoben und seine Gewinnerwartungen bekräftigt hatte.
Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten werfe weiter einen Schatten über den Markt, sagten Händler. Viele Marktteilnehmer befürchteten, dass durch eine mögliche Ausdehnung des Konflikts auf den gesamten arabischen Raum die Öllieferungen behindert und der Ölpreis in die Höhe getrieben würden. Dies könne die beginnende Erholung der US-Konjunktur verzögern. US-Präsident George W. Bush hatte Israel am Donnerstag zum Abzug aus den Palästinenser-Städten aufgefordert und die Entsendung seines Außenministers Colin Powell in die Region angekündigt. Die Rede habe den Markt jedoch nur kurzfristig belebt, sagten Börsianer. „Es war etwas Positives für den Markt, aber das ist alles", sagte Ahmet Okumus, Präsident von Okumus Capital LLC.
US-Anleihen schließen leichter
Mit leichterer Tendenz haben sich die US-Staatsanleihen am Donnerstag im späten Handel in New York gezeigt. Erst kurz vor Handelsschluss drehten die Notierungen in negatives Terrain. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent ermäßigten sich um 1/32 auf 96-29/32 und stieg minimal von 5,272 Prozent auf 5,276 Prozent. Der Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent sank um 4/32 auf 95-1/32, die Rendite betrug 5,726 Prozent, nach 5,721 Prozent. Lange hatten die Treasurys im Verlauf ihr Plus verteidigt, auch wenn sich die Aufschläge im Zuge der Rede von US-Präsident Bush zur Lage im Nahen Osten bereits deutlich reduziert hatten.
Die überraschend schlechten US-Arbeitslosenanträge der Woche hatten zuvor den US-Anleihen zu einer stärkeren Nachfrage verholfen. Doch seien die Zahlen “irreführend“, erklärte ein Experte, da sie eine Reihe von Anträgen enthielten, die von Arbeitslosen gestellt worden seien, die bereits seit längerer Zeit nichts erwerbstätig seien. Diese hätten nun neue Anträge gestellt, um nicht den Anspruch auf die Leistungen zu verlieren. Gleichzeitig wiesen Marktbeobachter auch darauf hin, dass in den vergangenen Sitzungen die Titel deutlich gesucht gewesen seien, da sie von einer “Flucht in Qualitätsanlagen“ infolge der Nahostkrise profitiert haben. Im Zuge der kritischen Einschätzung der Daten und im Vorfeld der bevorstehenden Konjunkturdaten habe daher der Markt ins Minus gedreht, resümierten Marktteilnehmer.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
5. April 2002
Unternehmensnachrichten
Allianz zahlt Dresdner-Aktionären 51,50 Euro je Aktie
Die Allianz-Gruppe will die restlichen Aktien der Tochter Dresdner Bank im Rahmen eines so genannten Squeeze Out erwerben und bietet den Minderheitsaktionären dafür eine Abfindung von 51,50 Euro je Aktie. (Ad-hoc)
Chip-Broker ACG kündigt Führungswechsel an
Der Wiesbadener Chip-Broker ACG hat einen Führungswechsel angekündigt. Der 34 Jahre alte Firmengründer Cornelius Boersch werde nach einem Beschluss des Aufsichtsrats mit sofortiger Wirkung den Chefsessel übernehmen, teilte das im Nemax 50 gelistete Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Boersch löse Markus Solibieda an der Spitze des Unternehmens ab, der drei Jahre lang dem Vorstand angehört habe. (Reuters)
Bertelsmann erwartet 2002 weiteren Gewinnanstieg
Der Medienkonzern Bertelsmann rechnet in diesem Jahr mit einem Gewinnanstieg und will zudem in Europa weiter expandieren. "Wir gehen davon aus, dass wir das Ergebnis aus dem vergangenen Rekordjahr 2001 von 4,16 Milliarden Euro nach IAS 2002 wieder übertreffen werden", kündigte Vorstandschef Thomas Middelhoff in einem Interview mit der „Welt“ (Freitagausgabe) an. In der Internet-Sparte solle 2003 die Gewinnschwelle erreicht werden. Der Konzern strebe zudem die vollständige Übernahme der Online-Musiktauschbörse Napster an. (Reuters)
3M erwartet Gewinn mindestens am oberen Ende früherer Prognose
Der US-Mischkonzern Minnesota Mining & Manufacturing (3M) erwartet im ersten Quartal einen Gewinn mindestens am oberen Ende der früheren Prognose. Das Unternehmen teilte am Donnerstag nach US-Börsenschluss in St. Paul (Minnesota) mit, der Gewinn je Aktie dürfte bei 1,20 Dollar oder etwas darüber liegen. 3M hatte zuvor den Gewinn je Aktie für das erste Quartal zwischen 1,05 Dollar und 1,20 Dollar je Aktie prognostiziert. Von Thomson Financial/First Call befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn je Aktie von 1,11 Dollar gerechnet. (Reuters)
SEC leitet offizielles Verfahren gegen Qwest ein
Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat am Freitag ein offizielles Verfahren gegen den Telekommunikationsanbieter Qwest Communications Inc, Denver, eingeleitet. Mitte März hatte die Behörde vorab eine inoffizielle Anfrage an das Unternehmen gerichtet, deren Gegenstand Bilanzierungspraktiken in den Jahresabschlüssen 2000 und 2001 waren. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Verbuchung von Umsätzen aus der Veräußerung von Glasfasernetzen an andere Telekommunikationsanbieter. Von diesen Gesellschaften hatte Qwest im Gegenzug selbst Kapazitäten gekauft. (vwd)
Wirtschaftsnachrichten
Leichter Anstieg der US-Arbeitslosenquote erwartet
Der US-Arbeitsmarkt dürfte nach Einschätzung der meisten Experten im März keine nennenswerte Verbesserung oder Verschlechterung verzeichnet haben. Wenngleich zwar mit einer Zunahme der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft gerechnet wird, deuten die Prognosen zugleich auf einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote hin. Dieser scheinbare Widerspruch wird von den meisten Beobachtern damit erklärt, dass das Beschäftigungswachstum im vergangenen Monat nicht ausgereicht hat, um den Anstieg des Erwerbspersonenpotenzials in Höhe von etwa ein Prozent p.a. zu kompensieren.
So erwarten die von vwd befragten Volkswirte im Durchschnitt zwar eine Zunahme der Beschäftigung ex Agrar um 46.000 (Februar: plus 66.000) Personen, gleichzeitig wird jedoch mit einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent gerechnet, nachdem diese im Februar bei 5,5 Prozent gelegen hatte. Die entsprechenden Daten werden am kommenden Freitag um 15.30 MESZ vom US-Arbeitsministerium veröffentlicht. Für die dann ebenfalls anstehenden durchschnittlichen März-Stundenlöhne wird ein Anstieg um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat erwartet. (vwd)
Japan/Index der Frühindikatoren Februar bei 66,7
Der japanische Index der Frühindikatoren hat sich im Februar auf 66,7 (Vormonat: 60,0) verbessert, berichtet das Kabinettsbüro der Regierung am Freitag. Analysten hatten diesen Wert im Durchschnitt erwartet. Der Index liegt damit den zweiten Monat in Folge über der kritischen Marke von 50 Punkten. Der Index der gleichlaufenden Indikatoren wurde mit 33,3 (10,0) ausgewiesen, für den Index der nachlaufenden Indikatoren wurde ein Stand von 16,7 (16,7) gemeldet. (vwd)
IG-Metall-Vize setzt Arbeitgebern Ultimatum für Tarifrunde
Der IG-Metall-Vizechef Jürgen Peters hat den Arbeitgebern ein Ultimatum gestellt, bis zu dem Klarheit über die Tarifrunde bestehen soll. "Nach der dritten April-Woche muss definitiv klar sein, ob diese Tarifrunde friedlich über die Bühne geht oder ob wir die Arbeitgeber zu einem vernünftigen Kompromiss zwingen müssen", sagte Peters dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe). (Reuters)
das Zentrum der Macht