Technologieaktien vor Problemen
3. April 2002 Technologieaktien vor Problemen
Speziell für den Technologiesektor sind die Vorgaben aus den USA am Mittwoch nicht gerade berauschend. Gewinnwarnungen von Seiten einiger Branchenvertreter sorgen hier für Verunsicherung. Vor diesem Hintergrund stellen sich Händler auf einen schwierigen Handelstag für diese Titel ein. Ansonsten spreche die dünne Nachrichtenlage für einen eher langweiligen Handelstag, heißt es. Der Dax wird bei negativem Grundton dabei etwas stabiler als der Neue Markt erwartet.
Rentenmarkt profitiert vom Status als sicherer Hafen
Die Rentenmärkte konnten sich am Dienstag stabilisieren. Auslöser dafür waren in erster Linie die Verluste an den Aktienmärkten. Dadurch sei es zu einer Rückbesinnung der Anleger auf die Rentenmärkte als sichere Häfen gekommen. Nach der freundlichen Tendenz am US-Aktienmarkt hoffen Händler auch beim Bund-Future zur Wochenmitte auf eine freundliche Stimmung.
Euro in Asien etwas leichter
Etwas leichter tendiert der Euro am Mittwoch im asiatischen Handel. Gegen 7.25 Uhr MESZ kostet ein Euro 0,8782 Dollar nach 0,8792 Dollar am Dienstagabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 132,82 Yen nach 133,35 Yen im späten New Yorker Handel am Vorabend. Allgemein berichten Händler davon, dass sich trotz des stabilen Niveaus im Verhältnis zum Euro der Nahostkonflikt eher als Belastung für den Dollar erweise. Mit großen Kursausschlägen sei aber am Berichstag auch aus Mangel an wichtigen Konjunkturdaten nicht zu rechnen, so das Urteil.
Aktien in Japan fest
Fest tendiert der Tokioter Aktienmarkt am Mittwoch. Bis um 6.35 Uhr MESZ gewinnt der Nikkei-255-Index 1,5 Prozent auf 11.370 Yen. Der Topix-Index verbessert sich um 1,2 Prozent oder 13,24 Stellen auf 1.081,93 Punkte. Händler beobachten ein starkes Kaufinteresse von Fonds. Rund 70 Prozent des gesamten Handelsvolumens sei bislang von Fondsgesellschaften umgesetzt worden, erklärt ein Beobachter. Wie ein weiterer Händler sagt, haben die Käufe durch Fonds für das anstehende Fiskaljahr früher als üblich begonnen.
Aktien Hongkong am Mittag etwas leichter
Etwas leichter zeigen sich die Aktienkurse am Mittwochmittag (Ortszeit) in Hongkong. Der Hang-Seng-Index (HSI) verliert 0,4 Prozent oder 43,53 Punkte auf 10.834,51 Zähler. Händler sprechen von einem relativ ruhigen Handel. Allerdings gebe es Sorgen wegen der steigenden Rohölpreise, die den Handel beeinflussten. Zu den Verlierern im ersten Teil der Sitzung zählten die Titel von Fluggesellschaften, heißt es. Nach Ansicht von Beobachtern könnte eine Erholung der Konjunktur Auslöser für eine Rally werden. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in Hongkong dürfte jedoch von Strukturproblemen wieder aufgewogen werden, ergänzt ein Teilnehmer.
US-Nachbörse wenig verändert
Zu wenig veränderten Notierungen kam es am Montag im nachbörslichen Geschäft in den USA. Der Nasdaq-100-Index verlor 0,03 Prozent auf 1.409,98 Zähler. Unter den großen Einzelwerten verbuchten Motorola, Peoplesoft und Microsoft Abschläge. Software-Aktien standen allgemein etwas unter Druck, nachdem Commerce One, Intervowen und Vitria Technology vor enttäuschenden Quartalszahlen gewarnt hatten. Centra Software verloren sogar 31 Prozent auf 3,25 Dollar.
Prognose für Microsoft und Ölpreis drücken US-Börsen
Gestiegene Ölpreise und die von Goldman Sachs gesenkte Gewinnprognose für den US-Softwarekonzern Microsoft haben die US-Börsen am Dienstag stark belastet. Die US-Technologiebörse Nasdaq gab deutlich um 3,10 Prozent auf 1.804,96 Zähler nach. Dies war der niedrigste Schlusskurs seit dem 1. März. Der Blue-Chip-Index Dow-Jones schloss 0,46 Prozent niedriger bei 10.314,75 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index büßte 0,85 Prozent auf 1136,85 Punkte ein.
Die Investmentbank Goldman Sachs reduzierte ihre Gewinnprognose je Aktie für Microsoft für das kommende Fiskaljahr. Der Technologiebereich hinke der gesamtwirtschaftlichen Erholung hinterher, teilte Goldman Sachs zur Erklärung mit. Mit Blick auf die zögerlichen Investitionen der Unternehmen in Informationstechnologien hatte die Investmentbank außerdem die Umsatzprognosen für einige Computer-Hersteller, darunter IBM und Sun Microsystems, nach unten revidiert. Microsoft-Aktien fielen 4,85 Prozent auf 57,45 Dollar. IBM-Titel gaben um 1,71 Prozent auf 101,09 Dollar nach, und der Aktienkurs von Sun Microsystems brach rund sechs Prozent auf 8,94 Dollar ein. "Microsoft ist prozentual ein großes Gewicht am Markt und wird als einer der führenden Werte gesehen. Es ist symbolisch für das, was anderen Spielern in der Branche passieren könnte", sagte Dan Peirce, Stratege bei State Street Global Advisors.
Auch der gestiegene Ölpreis habe die Stimmung der Investoren gedrückt, sagten Börsianer. Der Ölpreis schnellte am Dienstag angesichts der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Am Markt werde befürchtet, eine Eskalation der Gewalt könne sich auf die Öl-Lieferungen aus der Region niederschlagen, sagten Händler. "Der (Nahost)-Konflikt ist eine anhaltende Sorge wegen des drohenden Stopps der Öllieferungen", sagte Peirce. „Alle Indikatoren deuten auf eine deutliche Konjunkturerholung hin, da sind steigende Ölpreise natürlich ein Dämpfer für die Stärke dieser Erholung.“ Ölaktien zogen indessen deutlich an und gehörten zu den stärksten Branchenwerten des S&P-500-Index. Der S&P Öl- und Gasindex legte rund ein Prozent zu. Die Titel des Ölkonzerns Exxon Mobil kletterten 1,25 Prozent auf 44,38 Dollar. Der Aktienkurs des Software-Herstellers PeopleSoft brach um rund 32,6 Prozent auf 25,16 Dollar ein. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der Gewinn im ersten Quartal dürfte niedriger als erwartet ausfallen und dies mit den nachlassenden Technologieausgaben der Firmen begründet.
US-Anleihen schließen fest - Flucht in sichere Häfen
Fest haben sich die US-Staatsanleihen am Dienstag im späten Handel in New York präsentiert. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent erhöhten sich um 17/32 auf 96-12/32 und rentierten mit 5,348 Prozent nach 5,428 Prozent. Der 30jährige Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent stieg um 24/32 auf 94-16/32, die Rendite betrug 5,766 Prozent nach 5,827 Prozent. Im späten Verlauf bauten die Notierungen ihre Aufschläge aus, da die US-Aktienmärkte weiterhin volatil und mit Abschlägen tendierten, erklärten Marktteilnehmer. Zudem habe die zugespitzte Lage im Nahen Osten zu einer “Flucht in sichere Häfen“ geführt.
Zu Beginn der Sitzung hatten die Anleihen noch tiefer notiert, doch die jüngsten US-Konjunkturdaten hätten zu einem Stimmungsumschwung beigetragen, erklärte ein Händler. So ist der Auftragseingang der US-Industrie im Februar gegenüber dem Vormonat unerwartet um 0,1 Prozent auf 323,77 Milliarden Dollar gesunken. Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet. Die Anleihen hätten “erwartungsgemäß“ darauf reagiert, kommentierte ein Analyst von Lehman Brothers. Doch seien die Käufe vor allem der Kurzläufer hauptsächlich auf Glattstellungen zurückzuführen, und allgemein gesehen bleibe die Stimmung gegenüber den Treasurys negativ, hieß es weiter.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
3. April 2002
Unternehmensnachrichten
Kirch-Gespräche dem Scheitern näher als einer Einigung
Die Verhandlungen über eine Rettung der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe sind nach Einschätzung aus Bankenkreisen dem Scheitern näher als einer Einigung. Damit wäre eine Insolvenz der Filmproduktions- und Rechtegesellschaft KirchMedia unabwendbar. (Reuters)
Commerce One verfehlt Analystenerwartungen
Der Software-Hersteller Commerce One hat am Mittwoch die Anleger auf ein Verfehlen der Analystenprognosen im ersten Quartal vorbereitet. Wegen zurückhaltender Kunden werde der Umsatz nur zwischen 29 und 32 Millionen Dollar betragen. Analysten hatten bisher mit 40,3 Millionen Dollar gerechnet. Der Aktienkurs des Unternehmens, an dem die deutsche SAO beteiligt ist, gab daraufhin nachbörslich bis auf 1,35 Dollar nach. Schon im regulären Handel war der Titel um zehn Cents auf 1,48 Dollar gefallen. (Bloomberg)
Mercedes-Benz USA verbucht im März einen Rekordabsatz
Mercedes-Benz USA hat den Absatz im März 2002 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent auf 20.230 (19.166) Fahrzeuge gesteigert und damit das beste März-Ergebnis sowie das zweitbeste Monatsergebnis überhaupt erzielt. (vwd)
Umsatzrückgang bei Chrysler - rückläufige Fuhrpark-Orders
Der Fahrzeugabsatz der Chrysler Group ist im März um vier Prozent auf 217.158 Einheiten gefallen nach 234.495 im Vorjahr, wie die US-Tochter der DaimlerChrysler AG am Dienstagabend mitteilte. Obwohl die Händler-Umsätze mit denen des Vorjahres vergleichbar gewesen seien, habe der Gesamtumsatz wegen rückläufiger Orders von Fuhrpark-Unternehmen, vor allem Vermietungsgesellschaften, abgenommen. Im Vormonatsvergleich stieg der Gesamtumsatz, gemessen am Tagesdurchschnitt, um acht Prozent. (vwd)
Porsche mit Absatzrückgang im März in Nordamerika
Der Sportwagenhersteller Porsche hat im März 2002 in Nordamerika weniger 911- und Boxster-Modelle abgesetzt als im gleichen Vorjahresmonat. Im Berichtsmonat seien 1.860 (Vorjahr: 2.272) 911- und Boxster-Modelle an Kunden in Nordamerika ausgeliefert worden, was einem Absatzrückgang von 18 Prozent entspreche, teilte Porsche am Dienstag in Stuttgart mit. Während vom Boxster 842 Einheiten und damit 32 Prozent weniger als im Vorjahresmonat verkauft worden seien, hätten die 911-Modelle mit einem Absatzminus von 1,5 Prozent auf 1018 Einheiten ihr hohes Vorjahresniveau nahezu gehalten, hieß es.
General Motors erhöht Produktionsziel für das 2. Quartal
Der Kfz-Konzern General Motors, Detroit, hat sein Produktionsziel für das zweite Quartal um vier Prozent auf 1,48 (1,525) Millionen Fahrzeuge angehoben. Das Unternehmen begründete seinen gewachsenen Optimismus am Dienstag mit der unerwartet hohen Käufernachfrage sowie der moderaten Erholung beim Fahrzeugverkauf an Verleiher. Paul Ballew, Executiv Director für Markt- und Branchenanalyse bei GM, sagte, das Unternehmen rechne für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 bis 2,5 Prozent. (vwd)
Wenig Interesse an Holzmann-Übernahme
Der Kreis der deutschen Baukonzerne, die den insolventen Konkurrenten Philipp Holzmann kaufen könnten, wird nach einem Bericht der “Financial Times Deutschland“ (FTD) kleiner. Mit Walter Bau, Züblin und Wayss und Freytag sowie ihrer niederländischen Muttergesellschaft Hollandsche Beton Groep (HBG) erklärten gestern gleich vier Unternehmen auf Anfrage der “FTD“, sie hätten kein Interesse an Holzmann oder Teilen des Unternehmens. (vwd)
Wyser-Pratte will HDW-Abspaltung von Babcock verhindern
Der US-Investor Guy Wyser-Pratte ist nach einem Bericht der “Financial Times Deutschland“ (Mittwochausgabe) entschlossen, die Abspaltung der Werftengruppe HDW von dem Oberhausener Konzern Babcock Borsig AG in der geplanten Form zu verhindern. Anfang nächster Woche wolle er einen Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung stellen, sagte Wyser-Pratte am Dienstag der Zeitung. Babcock-Vorstandsvorsitzender Klaus Lederer habe die Babcock-Aktionäre bei der Transaktion übervorteilt. Wyser-Pratte hält dem Bericht zufolge inzwischen sechs Prozent an Babcock Borsig und will weiter zukaufen. (vwd)
Bürowarenkonzern Herlitz beantragt Insolvenzverfahren
Der Papier- und Bürowarenhersteller Herlitz ist Pleite. Nach dem Scheitern der Gespräche über eine Länderbürgschaft beantragt Herlitz ein Insolvenzverfahren, teilte der Vorstand am Dienstagabend mit. Bei dem Berliner Traditionsunternehmen stehen bis zu 3000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. (dpa)
Metabox will Neuen Markt verlassen
Der Hildesheimer Multimedia-Spezialist Metabox AG will den Wechsel vom Neuen in den Geregelten Markt beantragen. In einer am Dienstagabend nach Börsenschluss veröffentlichten Pflichtmitteilung nannte das Unternehmen unter anderem die jüngste Entwicklung an den Kapitalmärkten und die „enormen Kostenersparnisse“ als Gründe für die Entscheidung. (Reuters)
Wirtschaftsnachrichten
IG Metall verstärkt Druck - 9500 zu Warnstreiks in Bayern aufgerufen
Die IG Metall verstärkt am Mittwoch mit der Ausweitung ihrer Warnstreiks den Druck im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie. Allein in Bayern sind 9.500 Menschen zu Warnstreiks aufgerufen. In Mainz werden rund 2.500 Metaller aus Hessen und Rheinland-Pfalz zu einer Protestaktion erwartet. Bei einer Kundgebung in Offenburg in Baden-Württemberg wird mit mehr als 3.000 Teilnehmern bei einer Kundgebung gerechnet. Am Dienstag hatten sich mehr als 2.000 Menschen an Warnstreiks beteiligt. Die IG Metall fordert bundesweit 6,5 Prozent höhere Einkommen, die Arbeitgeber beharren auf ihrem Angebot von jeweils zwei Prozent 2002 und 2003. In der nächsten Woche will die Gewerkschaft zu flächendeckenden Warnstreiks aufrufen. (dpa)
Zinsänderung in Großbritannien sehr unwahrscheinlich
Die Bank of England (BoE) dürfte nach Einschätzung von Experten bei der bis Donnerstag dauernden Sitzung ihren Leitzins auch im April unverändert lassen. Im Vorfeld des geldpolitischen Beschlusses gaben in einer Umfrage von Dow Jones Newswires alle 22 befragten Analysten an, dass der Geldpolitische Ausschuss (MPC) der Notenbank wie bereits in den vergangenen vier Monaten den Reposatz bei 4,00 Prozent belassen wird. Zudem herrscht die Überzeugung vor, dass die BoE - ähnlich wie zuletzt die US-Notenbank - das Signal für künftige Zinsanhebungen geben könnte. Die expansive geldpolitische Ausrichtung dürfte damit vorerst beendet sein, heißt es. (vwd)
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