Fonds-Rating: Die Managerin als Perlentaucherin
Von Susanne Kunert
Tabelle: www.ftd.de/bm/ga/FTDCLDZ6EXC.html
Aus den 5000 in Deutschland zugelassenen Fonds eine richtige Auswahl zu treffen, ist schwer. Das FTD-Fonds-Rating liefert einen Kompass durch den Fonds-Dschungel.
Alia Baig weiß, was sie will. Die ehemalige Ökonomiestudentin, die seit acht Jahren für die Verwaltung des Sun Life European Growth verantwortlich zeichnet, beschreibt sich selbst als konsequenten Stock-Picker. Auf der Suche nach den Perlen des europäischen Aktienmarktes steht für sie das Unternehmen mit seinem Management und Business-Modell, den Fundamentaldaten, aber vor allem der künftigen Gewinnentwicklung im Mittelpunkt der Betrachtung.
Liegt die Gewinnerwartung ihrer Meinung nach höher, als sie die Marktteilnehmer einschätzen, und vermutet sie bei dem entsprechenden Wert ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent, steht das Unternehmen auf ihrer Kaufliste. Andererseits verkauft sie die Aktie wieder, sobald das Potenzial auf einen Rest von fünf Prozent geschrumpft ist. Wer in den "erlauchten" Kreis des auf rund 40 Werte fokussierten Depots aufgenommen wird - etwa ein Viertel der Werte darf dort mehrere Jahre verweilen - entscheidet die Fondsmanagerin alleine.
Lob für Lufthansa
So hat Baig beispielsweise Ende September Lufthansa gekauft. "Aus der Riege der europäischen Fluggesellschaften hat Lufthansa die beste Bilanz vorzuweisen, sie hat weniger mit Problemen wie Streiks zu kämpfen - im Gegensatz beispielsweise zu Air France -, sie ist auch in anderen Bereichen aktiv und sie sollte ebenfalls von den Steueränderungen profitieren", lautet die Begründung. Des weiteren hält sie derzeit solche Werte für besonders aussichtsreich, die vom Konsum profitieren, z.B. aus den Sektoren Automobil und Medien.
Ähnlichkeiten zu Indizes
Bei der "Perlen-Suche" wird die Fondsmanagerin von 25 hausinternen Analysten unterstützt, die eine Vorauswahl von etwa 150 Kaufempfehlungen erstellen. Die meisten von ihnen sitzen wie Baig in London, eine Hand voll in Paris. Sellside-Research benutzt die Fondsmanagerin zum Vergleichen ebenfalls. Zwar orientiert sich Baig bei der Ausrichtung des Fonds nicht an einem Index, dennoch ist auffällig, dass sich ihr Fonds ähnlich entwickelt wie beispielsweise der Europa-Index (ex UK) von Financial Times/Standard&Poor’s. "Die im Fonds enthaltenen Titel sind zu rund 80 Prozent Blue Chips, die übrigen Midcaps. Es liegt also nahe, dass eine Reihe von Indexwerten auch im Fonds enthalten sind, beispielsweise die Schwergewichte Nokia, Royal Dutch oder Novartis", begründet Baig. "Natürlich messen wir das Risiko im Vergleich zur Benchmark, aber die Risikokontrolle erfolgt erst nach der Titelbetrachtung."
Zufällige Länderverteilung
Die "Investmentperlen" stammen aus der Europäischen Währungsunion und der Europäischen Freihandelszone (EFTA). Die Möglichkeit, bis zu fünf Prozent der Fondsmittel in Großbritannien anzulegen, schöpft die Fondsmanagerin derzeit nicht aus, wenngleich sie einräumt, dass es vom Währungsaspekt her sicherlich gut gewesen wäre. Überhaupt seien sowohl die Länder-, als auch die Branchenverteilung im Fonds "eher zufällig", denn im Vordergrund stehe die Einzeltitelauswahl.
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Rating europäischer Aktienfonds
Auch die "Schublade Growth" passt im herkömmlichen Sinn für den Fonds nicht, der in steigenden Marktphasen auf Sicht der vergangenen Jahre deutlich besser abgeschnitten hat als sein Vergleichsindex oder die Peergroup. "Ähnlich wie bei anderen angelsächsischen Gesellschaften steht Growth hier für das Wachstum des Kapitals im Portfolio. Es bedeutet nicht - wie in Deutschland häufig assoziiert -, dass der Fonds überwiegend in Wachstumswerte investiert", erklärt Baig.
Typenmix im Depot
Ergo findet sich ein Mix von beiden Aktientypen im Depot, wobei der Schwerpunkt zur Zeit auf Value-Titeln liegt. Dass die Volatilität des Fonds im Verlauf des vergangenen Jahre deutlich gestiegen ist, begründet Baig mit der Fokussierung auf rund 40 Werte und mit der hohen Volatilität der Märkte in den vergangenen 18 oder 19 Monaten. Die Börsen seien von einer Top-down-Betrachtung und vom jeweiligen Momentum beherrscht gewesen und nicht von einer wirklichen Betrachtung einzelner Wertes. "Dennoch werden wir die Anzahl der Werte im Depot nicht erhöhen", sagt Baig.
Positive Aussichten
Die europäischen Aktienmärkten dürften nach Meinung der Fondsmanagerin kurzfristig schwankungsanfällig bleiben. Dennoch geht sie davon aus, "dass eine Reihe von schlechten Unternehmensnachrichten durch positive Meldungen zur Konjunkturentwicklung sozusagen egalisiert werden, also nicht mehr übertrieben stark auf die Märkte einwirken".
Ihr Rat für Anleger: Nicht abschrecken lassen, denn die mittelfristigen Aussichten für den europäischen Aktienmarkt seien positiv. Den langfristigen Blick sollten Anleger auch bei einem Investment in den Sun Life European Growth beherzigen. In schwachen Marktphasen weist der Fonds nämlich relativ häufig Verluste auf, die aber nicht größer ausfallen als bei anderen Fonds der Peergroup auch. Gegenüber seinem Vergleichsindex verlor er in der Gesamtheit betrachtet in Abschwungphasen sogar einen Tick weniger.
Dazu setzt Baig aktuell keine Absicherungsinstrumenten ein, sondern verlässt sich auf ihr Können als "Perlentaucherin", das sie mit einer herausragender Performance des Fonds auf Drei- und Fünf-Jahres-Sicht bewiesen hat.
Das nächste Fonds-Rating erscheint am 22. Februar.
www.ftd.de/bm/ga/FTDCLDZ6EXC.html
Von Susanne Kunert
Tabelle: www.ftd.de/bm/ga/FTDCLDZ6EXC.html
Aus den 5000 in Deutschland zugelassenen Fonds eine richtige Auswahl zu treffen, ist schwer. Das FTD-Fonds-Rating liefert einen Kompass durch den Fonds-Dschungel.
Alia Baig weiß, was sie will. Die ehemalige Ökonomiestudentin, die seit acht Jahren für die Verwaltung des Sun Life European Growth verantwortlich zeichnet, beschreibt sich selbst als konsequenten Stock-Picker. Auf der Suche nach den Perlen des europäischen Aktienmarktes steht für sie das Unternehmen mit seinem Management und Business-Modell, den Fundamentaldaten, aber vor allem der künftigen Gewinnentwicklung im Mittelpunkt der Betrachtung.
Liegt die Gewinnerwartung ihrer Meinung nach höher, als sie die Marktteilnehmer einschätzen, und vermutet sie bei dem entsprechenden Wert ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent, steht das Unternehmen auf ihrer Kaufliste. Andererseits verkauft sie die Aktie wieder, sobald das Potenzial auf einen Rest von fünf Prozent geschrumpft ist. Wer in den "erlauchten" Kreis des auf rund 40 Werte fokussierten Depots aufgenommen wird - etwa ein Viertel der Werte darf dort mehrere Jahre verweilen - entscheidet die Fondsmanagerin alleine.
Lob für Lufthansa
So hat Baig beispielsweise Ende September Lufthansa gekauft. "Aus der Riege der europäischen Fluggesellschaften hat Lufthansa die beste Bilanz vorzuweisen, sie hat weniger mit Problemen wie Streiks zu kämpfen - im Gegensatz beispielsweise zu Air France -, sie ist auch in anderen Bereichen aktiv und sie sollte ebenfalls von den Steueränderungen profitieren", lautet die Begründung. Des weiteren hält sie derzeit solche Werte für besonders aussichtsreich, die vom Konsum profitieren, z.B. aus den Sektoren Automobil und Medien.
Ähnlichkeiten zu Indizes
Bei der "Perlen-Suche" wird die Fondsmanagerin von 25 hausinternen Analysten unterstützt, die eine Vorauswahl von etwa 150 Kaufempfehlungen erstellen. Die meisten von ihnen sitzen wie Baig in London, eine Hand voll in Paris. Sellside-Research benutzt die Fondsmanagerin zum Vergleichen ebenfalls. Zwar orientiert sich Baig bei der Ausrichtung des Fonds nicht an einem Index, dennoch ist auffällig, dass sich ihr Fonds ähnlich entwickelt wie beispielsweise der Europa-Index (ex UK) von Financial Times/Standard&Poor’s. "Die im Fonds enthaltenen Titel sind zu rund 80 Prozent Blue Chips, die übrigen Midcaps. Es liegt also nahe, dass eine Reihe von Indexwerten auch im Fonds enthalten sind, beispielsweise die Schwergewichte Nokia, Royal Dutch oder Novartis", begründet Baig. "Natürlich messen wir das Risiko im Vergleich zur Benchmark, aber die Risikokontrolle erfolgt erst nach der Titelbetrachtung."
Zufällige Länderverteilung
Die "Investmentperlen" stammen aus der Europäischen Währungsunion und der Europäischen Freihandelszone (EFTA). Die Möglichkeit, bis zu fünf Prozent der Fondsmittel in Großbritannien anzulegen, schöpft die Fondsmanagerin derzeit nicht aus, wenngleich sie einräumt, dass es vom Währungsaspekt her sicherlich gut gewesen wäre. Überhaupt seien sowohl die Länder-, als auch die Branchenverteilung im Fonds "eher zufällig", denn im Vordergrund stehe die Einzeltitelauswahl.
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Rating europäischer Aktienfonds
Auch die "Schublade Growth" passt im herkömmlichen Sinn für den Fonds nicht, der in steigenden Marktphasen auf Sicht der vergangenen Jahre deutlich besser abgeschnitten hat als sein Vergleichsindex oder die Peergroup. "Ähnlich wie bei anderen angelsächsischen Gesellschaften steht Growth hier für das Wachstum des Kapitals im Portfolio. Es bedeutet nicht - wie in Deutschland häufig assoziiert -, dass der Fonds überwiegend in Wachstumswerte investiert", erklärt Baig.
Typenmix im Depot
Ergo findet sich ein Mix von beiden Aktientypen im Depot, wobei der Schwerpunkt zur Zeit auf Value-Titeln liegt. Dass die Volatilität des Fonds im Verlauf des vergangenen Jahre deutlich gestiegen ist, begründet Baig mit der Fokussierung auf rund 40 Werte und mit der hohen Volatilität der Märkte in den vergangenen 18 oder 19 Monaten. Die Börsen seien von einer Top-down-Betrachtung und vom jeweiligen Momentum beherrscht gewesen und nicht von einer wirklichen Betrachtung einzelner Wertes. "Dennoch werden wir die Anzahl der Werte im Depot nicht erhöhen", sagt Baig.
Positive Aussichten
Die europäischen Aktienmärkten dürften nach Meinung der Fondsmanagerin kurzfristig schwankungsanfällig bleiben. Dennoch geht sie davon aus, "dass eine Reihe von schlechten Unternehmensnachrichten durch positive Meldungen zur Konjunkturentwicklung sozusagen egalisiert werden, also nicht mehr übertrieben stark auf die Märkte einwirken".
Ihr Rat für Anleger: Nicht abschrecken lassen, denn die mittelfristigen Aussichten für den europäischen Aktienmarkt seien positiv. Den langfristigen Blick sollten Anleger auch bei einem Investment in den Sun Life European Growth beherzigen. In schwachen Marktphasen weist der Fonds nämlich relativ häufig Verluste auf, die aber nicht größer ausfallen als bei anderen Fonds der Peergroup auch. Gegenüber seinem Vergleichsindex verlor er in der Gesamtheit betrachtet in Abschwungphasen sogar einen Tick weniger.
Dazu setzt Baig aktuell keine Absicherungsinstrumenten ein, sondern verlässt sich auf ihr Können als "Perlentaucherin", das sie mit einer herausragender Performance des Fonds auf Drei- und Fünf-Jahres-Sicht bewiesen hat.
Das nächste Fonds-Rating erscheint am 22. Februar.
www.ftd.de/bm/ga/FTDCLDZ6EXC.html