29.05.2006 15:56
"Fluxx-Kurs nicht mehr rational"
Die Ankündigung einiger Bundesländer private Wettbüros schließen zu wollen, hat die Aktien von Glücksspielanbietern wie Fluxx heute ins Minus gedrückt. Für Jochen Reichert, Analyst bei SES Research eine irrationale Reaktion.
Jochen Reichert, SES Research
boerse.ARD.de: Die Aussicht, dass einige Bundesländer Wettbüros schließen könnten, hat die Aktien von Fluxx & Co unter Druck gesetzt. Zu Recht?
Reichert: Die Fluxx-Kursentwicklung, die Ende März noch bei 13 Euro stand und jetzt unter sieben Euro notiert, nur unter der Stichtagsaktivität zu sehen, halte ich für schwierig. Sportwetten sind nur ein kleiner Teil der Aktivitäten von Fluxx. Wir betrachten diese als zusätzliche Geschäftsmöglichkeit. Im Vordergrund bei Fluxx steht der Rollout der Lottoterminals für den stationären Bereich.
Der europäische Gerichtshof hat ja im "Gambelli"-Urteil entschieden, dass das Monopol des Staates bei Sportwetten eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit ist. Das heißt, ein Verbot von Wettbüros würde gegen diese verstoßen. Zudem haben die europäischen Richter festgesetzt, dass wenn ein Staat seine Bürger schützen will, in diesem Fall vor der Spielsucht, dann dürfen keine fiskalischen
Interessen im Vordergrund stehen.
Das Bundesverfassungsgericht hat dann gesagt, dass staatliche Anbieter nicht zugleich Werbung für Sportwetten machen und ein staatliches Monopol halten können. Für die Länder könnte das heißen: Wenn du verbieten willst, verbiete, aber dann darfst du für eigene Zwecke auch keine Werbung machen.
boerse.ARD.de: Was aber bei Sportwetten der Fall ist...
Reichert: Genau. Im Fall der Sportwetten ist es der staatliche Anbieter Oddset, der ja auch noch einer der Sponsoren der Fußball WM ist.
boerse.ARD.de: Was bedeutet das für die privaten Wettanbieter?
Reichert: Die privaten Wettanbieter könnten diesen Widerspruch für sich nutzen. Im Grunde könnte auf Basis der europäischen Rechtssprechung für sie ein Schadenersatzanspruch entstehen, wenn ihre Büros geschlossen werden.
boerse.ARD.de: Ist die Kursreaktion bei Fluxx also übertrieben?
Reichert: Meiner Meinung nach ist die heutige Kursentwicklung auf der Basis der Ankündigungen Sportwettbüros zu schließen, übertrieben. Sportwetten sind nur ein kleiner Teil des Fluxx-Geschäfts. Der Treiber der Aktie ist das stationäre Lotto-Geschäft. Also Lotto-Terminals in Supermärkten und Tankstellen. Das Wachstum dort ist ein stärkerer Indikator für die weitere Entwicklung des Aktienkurses als die rechtliche Sportwettendiskussion. Wir hatten Fluxx auf "Halten" gesetzt und bleiben dabei. Bei dem jetzigen Kursniveau noch einen Abschlag für die rechtliche Risiken draufzupacken, war übertrieben.
boerse.ARD.de: Wie wird denn der Streit um die Sportwetten Ihrer Ansicht nach ausgehen?
Reichert: Ich glaube, dass wir am Ende des Tages zu einer Liberalisierung des Marktes kommen. Um die Spielsucht fiskalisch zu steuern kann der Staat auch zu einer Wettsteuer greifen. Denn so oder so werden die Leute wetten – und wenn nicht bei einem deutschen Anbieter, dann bei einem ausländischen.
Das Gespräch führte Samira Lazarovic
"Fluxx-Kurs nicht mehr rational"
Die Ankündigung einiger Bundesländer private Wettbüros schließen zu wollen, hat die Aktien von Glücksspielanbietern wie Fluxx heute ins Minus gedrückt. Für Jochen Reichert, Analyst bei SES Research eine irrationale Reaktion.
Jochen Reichert, SES Research
boerse.ARD.de: Die Aussicht, dass einige Bundesländer Wettbüros schließen könnten, hat die Aktien von Fluxx & Co unter Druck gesetzt. Zu Recht?
Reichert: Die Fluxx-Kursentwicklung, die Ende März noch bei 13 Euro stand und jetzt unter sieben Euro notiert, nur unter der Stichtagsaktivität zu sehen, halte ich für schwierig. Sportwetten sind nur ein kleiner Teil der Aktivitäten von Fluxx. Wir betrachten diese als zusätzliche Geschäftsmöglichkeit. Im Vordergrund bei Fluxx steht der Rollout der Lottoterminals für den stationären Bereich.
Der europäische Gerichtshof hat ja im "Gambelli"-Urteil entschieden, dass das Monopol des Staates bei Sportwetten eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit ist. Das heißt, ein Verbot von Wettbüros würde gegen diese verstoßen. Zudem haben die europäischen Richter festgesetzt, dass wenn ein Staat seine Bürger schützen will, in diesem Fall vor der Spielsucht, dann dürfen keine fiskalischen
Interessen im Vordergrund stehen.
Das Bundesverfassungsgericht hat dann gesagt, dass staatliche Anbieter nicht zugleich Werbung für Sportwetten machen und ein staatliches Monopol halten können. Für die Länder könnte das heißen: Wenn du verbieten willst, verbiete, aber dann darfst du für eigene Zwecke auch keine Werbung machen.
boerse.ARD.de: Was aber bei Sportwetten der Fall ist...
Reichert: Genau. Im Fall der Sportwetten ist es der staatliche Anbieter Oddset, der ja auch noch einer der Sponsoren der Fußball WM ist.
boerse.ARD.de: Was bedeutet das für die privaten Wettanbieter?
Reichert: Die privaten Wettanbieter könnten diesen Widerspruch für sich nutzen. Im Grunde könnte auf Basis der europäischen Rechtssprechung für sie ein Schadenersatzanspruch entstehen, wenn ihre Büros geschlossen werden.
boerse.ARD.de: Ist die Kursreaktion bei Fluxx also übertrieben?
Reichert: Meiner Meinung nach ist die heutige Kursentwicklung auf der Basis der Ankündigungen Sportwettbüros zu schließen, übertrieben. Sportwetten sind nur ein kleiner Teil des Fluxx-Geschäfts. Der Treiber der Aktie ist das stationäre Lotto-Geschäft. Also Lotto-Terminals in Supermärkten und Tankstellen. Das Wachstum dort ist ein stärkerer Indikator für die weitere Entwicklung des Aktienkurses als die rechtliche Sportwettendiskussion. Wir hatten Fluxx auf "Halten" gesetzt und bleiben dabei. Bei dem jetzigen Kursniveau noch einen Abschlag für die rechtliche Risiken draufzupacken, war übertrieben.
boerse.ARD.de: Wie wird denn der Streit um die Sportwetten Ihrer Ansicht nach ausgehen?
Reichert: Ich glaube, dass wir am Ende des Tages zu einer Liberalisierung des Marktes kommen. Um die Spielsucht fiskalisch zu steuern kann der Staat auch zu einer Wettsteuer greifen. Denn so oder so werden die Leute wetten – und wenn nicht bei einem deutschen Anbieter, dann bei einem ausländischen.
Das Gespräch führte Samira Lazarovic
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