Finanzexperten sehen keine Alternative zum NM


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Finanzexperten sehen keine Alternative zum NM

 
03.09.01 19:33
Auch nach Monaten der Talfahrt stellt der Neue Markt nach Ansicht von Experten ein wichtiges Instrument zur Finanzierung junger Wachstumsunternehmen dar.

Reuters FRANKFURT. "Ein richtig funktionierender Risikokapitalmarkt ist von entscheidender Bedeutung. Nur dann kann der Vorsprung auf den Weltmärkten verteidigt werden", sagte Parlamentarische Wirtschafts-Staatssekretärin Margareta Wolf (Grüne) am Montag auf einem Forum über die Perspektiven des Neuen Marktes in Frankfurt. Einig zeigten sich die Teilnehmer, dass das Vertrauen in das Wachstumssegment zurückgewonnen werden müsse. "Alternativen zum Neuen Markt gibt es nicht", sagte Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer.

Der Neue Markt befindet sich nach den Worten von Breuer in einer schweren Vertrauenskrise. "Die Lage des Neuen Marktes ist in der Tat ernst, aber nicht hoffnungslos", sagte Breuer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse AG ist. "Ich bin überzeugt, die Krise des Neuen Marktes ist temporär", ergänzte er. "Die Dauer der Krise ist Sache der Beteiligten." Es gebe keinen Anlass, den Neuen Markt als Institution in Frage zu stellen.

Mehr Transparenz

Aufgabe müsse es nun sein, dem deutschen Wachstumssegment eine reformierte Struktur zu geben, um es damit auf eine gesündere und tragfähigere Basis zu stellen, sagte Breuer weiter. Dabei müssten alle Beteiligten, wie Banken, Deutsche Börse und Unternehmen, einbezogen werden, um so dem Wachstumsmarkt wieder zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen. "Alternativen zum Neuen Markt gibt es nicht. Er hat eine zweite Chance nicht nur verdient, wir müssen sie ihm auch geben."

Breuer zufolge muss der Neue Markt Vorreiter für mehr Transparenz sein. Um dies zu gewährleisten, müssten Möglichkeiten geschaffen werden, die vorhandenen Gesetze besser durchsetzen zu können. Dies gebe Anlass darüber nachzudenken, ob nicht das derzeit öffentlich-rechtlich wie privatrechtlich organisierte Marktsegment auf eine rein öffentlich-rechtliche Basis gestellt werden solle. Damit könne die Durchschlagskraft der Beteiligten wie die Wertpapieraufsichtsbehörde erhöht werden. Die Banken müssten ihrerseits bei der Auswahl potenzieller Börsenkandidaten eine größere Sorgfalt walten lassen.

"Der Neuen Markt ist keine Handelsplattform für Start-Ups", sagte Breuer. Firmen, die dort gelistet sein wollen, sollten einen gewissen Reifegrad sowie ein plausibles Geschäftsmodell haben und in absehbarer Zukunft Gewinne vorweisen können. Der Börsensachverständige Wolfgang Gerke sieht den Neuen Markt als Verlängerung des Venture-Capital-Marktes. "Er bedeutet eine Chance, für junge Unternehmen Geld zu generieren", sagte Gerke.

Phase der selektiven Stabilisierung

Ein Anziehen der Kurse am Neuen Markt sollte nach Ansicht der Finanzexperten mit einer allgemeinen konjunkturellen Erholung einhergehen. "Es gibt Signale einer Besserung", sagte Breuer. Mit steigenden Kursen und einer Verschärfung des Regelwerks, sollte das Vertrauen der Anleger wieder zurückgewonnen werden können, sagte Staatssekretärin Wolf. Auch Gerke geht davon aus, das sich der Neue Markt mit Anziehen der Weltkonjunktur wieder erholen werde. Eine spekulative Blase werde nicht noch einmal entstehen, "sondern wir befinden uns in einer Phase der selektiven Stabilisierung", sagte Gerke.

Volker Potthoff, Vorstandsmitglieder der Deutschen Börse, warnte vor einer zu starken Reglementierung des Neuen Markts. Die Kapitalmärkte seien Märkte, die sich selbst regulierten, sagte Potthoff. "Der Markt bestimmt selbst, ob Aktien steigen, oder fallen." Allerdings sollten Regelwerksverstöße stärker geahndet werden. "Wo es schwarze Schafe gibt, muss zugegriffen werden", sagte Potthoff.

Der Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes fiel am Montag unter die Marke von 1 000 Punkte und markierte bei 987 Zählern ein Rekordtief. Auch der Nemax-All-Share-Index zeigte sich am Nachmittag deutlich schwächer und fiel zeitweise auf ein Jahrestief von 1 035 Zählern.
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ds99:

also keine Alternative , ja !

 
03.09.01 19:51
Na dann lasst uns alle wieder einsteigen :-)
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rosch:

Krise am Neuen Markt: Sturz ins Bodenlose

 
03.09.01 20:09
Krise am Neuen Markt: Sturz ins Bodenlose

Frankfurt. Nach monatelanger Talfahrt ist der krisengeschüttelte Neue Markt am Montag auf neue Tiefwerte abgestürzt.

Der Auswahlindex Nemax 50 sackte zeitweise auf ein Allzeittief. Der Leitindex Dax rutschte im Tagesverlauf auf ein Zweijahrestief.

In die Negavtiv-Meldungen platzte das teilweise Schuldeingeständnis des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf Breuer. Er räumte eine Mitschuld der Banken am Kursdesaster ein. Die Institute müssten sich stärker ihrer "Pflicht einer sorgfältigen Kontrolle" bei der Auswahl von Börsen-Kandidaten bewusst werden, forderte Breuer.

Der Chef der größten deutschen Bank betonte allerdings, dass alle Börsen-Akteure am Absturz des Neuen Marktes beteiligt gewesen seien. So habe die Deutsche Börse AG als Hausherr in den Anfangsjahren des 1997 ins Leben gerufenen Marktsegments mit einem unzureichenden Regelwerk operiert. Analysten hätten mit zu optimistischen Urteilen die "Stimmung" hochgeschraubt, Anleger in ihrer "Zeichnungseuphorie" nicht richtig hingeschaut. "Unseriöse Marktteilnehmer" hätten das Image zusätzlich beschädigt.

Breuer zeigte sich dennoch optimistisch, dass die Krise bald überwunden sein könnte. Der Finanzplatz Deutschland brauche einen funktionierenden Markt für Risikokapital.

Die Bundesregierung versprach unterdessen gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Anlegerschutzes in Deutschland. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium, Margareta Wolf (Grüne), kündigte an, schon im Oktober könne das 4. Finanzmarktförderungsgesetz verabschiedet werden und 2002 in Kraft treten. Dieses schaffe eine Voraussetzung, das Vertrauen der Anleger in die Börsenlandschaft zu stärken.

Der Erlanger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gehrke warnte angesichts der aktuellen Talfahrt vor zu großem Pessimismus. "Der Neue Markt ist wichtig. Es muss alles getan werden, um ihn zu retten", sagte er. Er warnte aber zugleich davor, Anleger auf Grund vermeintlich sehr niedriger Kurse gleich wieder "hineinzulocken". Vielmehr müsse auf die Risiken der Börse generell aufmerksam gemacht werden. Dies zeige auch das Desaster der Telekom-Aktie, die als scheinbar sichere Volksaktie verkauft worden war.

Gehrke erwartet, dass künftig pro Jahr gut fünf Prozent der zur Zeit 340 Unternehmen wegen Pleite oder aus anderen Gründen vom Neuen Markt verschwinden. (dpa)


 
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Fondsmanager: Wir haben jetzt Kaufkurse

 
03.09.01 20:32
Das Ende der traurigen Börsenzeiten ist nah - davon geht der renommierte Fondsmanager und Vermögensverwalter Gottfried Heller aus.

FTD: Herr Heller, Leitzinssenkungen waren in der Vergangenheit fast immer Garanten für steigende Aktienkurse. Warum diesmal nicht?

Heller: Es ist zu früh, um zu sagen, dass die Börsen nicht auf die Zinssenkungen reagieren. Die Reaktionszeit geldpolitischer Maßnahmen für die Konjunktur ist nicht immer gleich - und folglich auch nicht für Aktien.

FTD: Warum ist sie diesmal extrem lang?

Heller: Aus drei Gründen: Erstens braucht Amerikas Wirtschaft nach fast zehn Jahren Aufschwung eine ausgeprägte Erholungspause, zweitens müssen die Übertreibungen im Technologiebereich abgebaut werden, und drittens waren die Kursnarreteien, vor allem bei Hightechwerten, so verrückt wie nie zuvor.

FTD: Der Pessimismus ist also unbegründet?

Heller: Ja, weil zu sehr verallgemeinert wird. In der Old Economy wirken die Zinssenkungen ganz normal, weil hier im Aufschwung kaum Überkapazitäten geschaffen worden sind. Nur in der New Economy dauert es viel länger als sonst, bis überschüssige Lager und in der Euphorie ausgedehnte Investitionen an die tatsächliche Entwicklung angepasst sind.

FTD: Wann wird die Technologieschwäche zu Ende gehen?

Heller: Die Hightech-Industrie hat einen Trumpf in der Hand, den wir oft übersehen, den technischen Fortschritt. Sie kann ihre Kunden zum Kauf zwingen, wenn es ihr gelingt, etwas Neues zu erfinden oder zu entwickeln, das eine Reihe von Branchen mit nach oben reißt. Wir erleben jetzt eine Pause nach einem Innovationsboom.

FTD: Wann werden die Zinssenkungen die Wende in der US-Konjunktur bewirken?

Heller: Ich glaube, sie ist schon da. Die Leading Indicators, ein gutes Barometer, steigen schon seit vier Monaten. Hinzu kommen die Steuerschecks, die jeder Amerikaner bekommt. Die werden in den Konsum fließen und der Konjunktur helfen. Die Börsen reagieren bisher nur deshalb nicht, weil die Unternehmensgewinne viel stärker eingebrochen sind als sich das alle haben vorstellen können. Ich denke aber, dass wir das Gröbste hinter uns haben.

FTD: Also haben wir Kaufkurse?

Heller: Absolut, zumal wir von der Liquidität her eine zusätzliche Unterstützung erhalten. Die Angst vor Aktienverlusten hat Anleger in Geldmarktfonds getrieben. Nach sieben Zinssenkungen werfen die aber nur noch gut drei Prozent ab. Sobald deutlich wird, dass Konjunktur und Gewinne nach oben drehen, fließen die Gelder wieder in Aktien - ob im September oder Oktober ist dabei nicht entscheidend.

© 2001 Financial Times Deutschland  
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