Egal, was die BZ schreibt: solange Währungsstabilität das Ziel ist und Länder wie Italien im euro drinhängen, werden die es nicht machen dürfen:
Um das Ob kann es eigentlich nicht mehr gehen, nur noch um das Wieviel, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag über die vierte Leitzinssenkung in diesem Jahr berät. Seit der Dritten um 50 Basispunkte auf 3,75 % im September nach den Terroranschlägen haben fast alle Daten zwei Tendenzen bestätigt: Der Konjunkturabschwung hält an, und die Inflationrisiken schwinden rapide.
Fast schon gewiss geworden ist: (1) Die USA stecken in einer - hoffentlich nur kurzen - Rezession.
(2) Eurolands Konjunkturtal ist tiefer, hält länger an als erwartet und könnte in eine Rezession münden.
(3) Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben moderat; auf breiter Front lässt der Inflationsdruck nach - konjunktur- und ölpreisbedingt und wegen des Auslaufens von früheren Preisschockeffekten. Die Teuerungsrate wird Anfang 2002 unter die EZB-Obergrenze von 2 % sinken und dürfte im Sommer das Niveau von 1 % erreichen.
Das alles eröffnet der EZB Zinssenkungsspielraum. Sollte sie ihn erneut nicht nutzen, wäre das kaum zu verstehen - zumal die Politiker zuletzt, anders als vor 14 Tagen, die Notenbank nicht mehr zum Handeln drängten und wiederholt fiskalpolitische Disziplin versprachen. Natürlich gibt es Restrisiken für die Preisstabilität: ein neuer Ölpreisschock, überhöhte Lohnabschlüsse, eine Blitz-Erholung der Konjunktur Anfang 2002. Aber diese Risiken sind zu marginal, als dass sie zinspolitisches Stillhalten begründen könnten. Da geldpolitische Maßnahmen erst nach zwölf Monaten und mehr voll wirken, müssen sie vorausschauend beschlossen werden. Das gilt auch für die Gefahr eines zu starken Teuerungsrückgangs. Zu langes Warten ist kontraproduktiv.
Bleibt die Frage nach dem Ausmaß der Senkung: 25 oder 50 Basispunkte? Der Rat möchte erklärtermaßen sein Pulver möglichst lange trocken halten und betont die enorme Konjunkturunsicherheit. Dies spricht mehr für einen Trippelschritt. Die elf Zinsänderungen in der kurzen EZB-Geschichte lassen übrigens eine Präferenz zugunsten des 25er-Schritts erkennen. Es steht für ihn 7 : 4. Drei der großen Zinsschritte erfolgten unter nicht gerade gewöhnlichen Umständen.
Sollte die EZB im Einklang mit den Märkten nur noch maximal 1,5 % Euroland-Wachstum für 2002 und so noch weniger Preisdruck erwarten als bisher, wären 50 Basispunkte passend. Hatte Chefvolkswirt Otmar Issing nicht gerade erklärt, die EZB werde rasch und kräftig handeln, wenn die Zeit reif sei? Reif ist sie wohl. Aber könnte der große Schritt nicht Konjunkturpanik auslösen, oder würde er Ruhe und Vertrauen stiften? Vielleicht ist das die eigentlich wichtige Frage für den Ratschlag der EZB-Räte.
Börsen-Zeitung, 6.11.2001
Um das Ob kann es eigentlich nicht mehr gehen, nur noch um das Wieviel, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag über die vierte Leitzinssenkung in diesem Jahr berät. Seit der Dritten um 50 Basispunkte auf 3,75 % im September nach den Terroranschlägen haben fast alle Daten zwei Tendenzen bestätigt: Der Konjunkturabschwung hält an, und die Inflationrisiken schwinden rapide.
Fast schon gewiss geworden ist: (1) Die USA stecken in einer - hoffentlich nur kurzen - Rezession.
(2) Eurolands Konjunkturtal ist tiefer, hält länger an als erwartet und könnte in eine Rezession münden.
(3) Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben moderat; auf breiter Front lässt der Inflationsdruck nach - konjunktur- und ölpreisbedingt und wegen des Auslaufens von früheren Preisschockeffekten. Die Teuerungsrate wird Anfang 2002 unter die EZB-Obergrenze von 2 % sinken und dürfte im Sommer das Niveau von 1 % erreichen.
Das alles eröffnet der EZB Zinssenkungsspielraum. Sollte sie ihn erneut nicht nutzen, wäre das kaum zu verstehen - zumal die Politiker zuletzt, anders als vor 14 Tagen, die Notenbank nicht mehr zum Handeln drängten und wiederholt fiskalpolitische Disziplin versprachen. Natürlich gibt es Restrisiken für die Preisstabilität: ein neuer Ölpreisschock, überhöhte Lohnabschlüsse, eine Blitz-Erholung der Konjunktur Anfang 2002. Aber diese Risiken sind zu marginal, als dass sie zinspolitisches Stillhalten begründen könnten. Da geldpolitische Maßnahmen erst nach zwölf Monaten und mehr voll wirken, müssen sie vorausschauend beschlossen werden. Das gilt auch für die Gefahr eines zu starken Teuerungsrückgangs. Zu langes Warten ist kontraproduktiv.
Bleibt die Frage nach dem Ausmaß der Senkung: 25 oder 50 Basispunkte? Der Rat möchte erklärtermaßen sein Pulver möglichst lange trocken halten und betont die enorme Konjunkturunsicherheit. Dies spricht mehr für einen Trippelschritt. Die elf Zinsänderungen in der kurzen EZB-Geschichte lassen übrigens eine Präferenz zugunsten des 25er-Schritts erkennen. Es steht für ihn 7 : 4. Drei der großen Zinsschritte erfolgten unter nicht gerade gewöhnlichen Umständen.
Sollte die EZB im Einklang mit den Märkten nur noch maximal 1,5 % Euroland-Wachstum für 2002 und so noch weniger Preisdruck erwarten als bisher, wären 50 Basispunkte passend. Hatte Chefvolkswirt Otmar Issing nicht gerade erklärt, die EZB werde rasch und kräftig handeln, wenn die Zeit reif sei? Reif ist sie wohl. Aber könnte der große Schritt nicht Konjunkturpanik auslösen, oder würde er Ruhe und Vertrauen stiften? Vielleicht ist das die eigentlich wichtige Frage für den Ratschlag der EZB-Räte.
Börsen-Zeitung, 6.11.2001