vwd Kommentar/
- von vwd Finanzkorrespondent Hans Hutter -
Frankfurt (vwd) - Der EuroTower signalisiert den Finanzmärkten in den Mitgliedstaaten und allen am Wirtschaftsprozess Beteiligten immer unmissverständlicher eine Korrektur der Geldpolitik. In den am Donnerstag veröffentlichten neuen gesamtwirtschaftlichen Projektionen wird der Wille zur Beendigung der seit September 2001 stark expansiven Geldpolitik deutlicher als bisher, obwohl sich die EZB wegen den Unsicherheiten in der Weltwirtschaft noch die Option auf ein wenig Zuwarten offen zu halten scheint. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr, um gegen die wachsenden Inflationsrisiken und -erwartungen anzugehen.
Wenn die EZB heute - auf der Basis des gültigen und seit September 2001 sehr niedrigen Leitzinses von 3,25 Prozent - die Inflation 2002/2003 im Band von 2,1-2,5/1,3-2,5 Prozent erwartet, kann sie nicht lange ruhig bleiben - ihre Stabilitätsnorm liegt bei "unter zwei Prozent". Da die EZB das Wirtschaftswachstum 2002/2003 im Band 0,7-1,7/2,0-3,0 Prozent ansteigend ansetzt, besagt dies, dass Wachstumpotenzial von bis zu 2-1/2 Prozent noch im Laufe dieses Jahres ausgeschöpft werden wird, was bei der Überliquidität im Eurosystem die Inflationsrisiken virulent macht.
Nun verfolgt die EZB weder direkt ein Inflationsziel noch betreibt sie Konjunktursteuerung. Ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen gehen ein in das Indikatorenbündel an der zweiten Strategiesäule in Verbindung mit der Geldmenge an der ersten Säule. Dort ist der Geldmantel zu weit, bei anspringendem Konjunkturmotor wird der monetäre Spielraum zu Preiserhöhungen genutzt werden. Die EZB beruhigt bei der Geldmengenexpansion von 7-1/2 Prozent im Vergleich zum stabilitätsgerechten Referenzwert 4-1/2 Prozent nicht mehr mit dem Argument der labilen Kapitalmärkte und Portfolioumschichtungen, sondern sieht hier Inflationspotenzial beim Konjunkturaufschwung. Worauf also noch warten?
Es sind die weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Unsicherheiten. Die EZB nennt hier die Ölpreise und "Ungleichgewichte in anderen Teilen der Weltwirtschaft", womit wohl die USA gemeint sind. Devisenmärkte und Börsen zittern schon seit Wochen um die gesicherte Finanzierung der hohen Defizite in der US-Leistungsbilanz durch Auslandsgelder. Die Wall Street hat ein latentes Vertrauensproblem seit "Enron" und darüber hinaus durch die zu hohen Gewinnerwartungen und die angezweifelten Gewinnausweise. Wenn der Dollar nicht noch weiter fällt, dann weil die Alternativen in Euroland und Japan bisher noch nicht überzeugen. Aber dieses Risiko droht.
Doch wie sehr kann oder soll die EZB die Aktienkursrisiken in ihrer Geldpolitik berücksichtigen? Es fällt auf, dass die nahe an den Märkten positionierten EZB-Watcher wie etwa von der DGZ-DekaBank von einer baldigen Zinserhöhung abraten: "Auf Grund der jüngsten Euro-, Ölpreis- und Aktienmarktentwicklung rechnen wir erst im September mit einer EZB-Zinserhöhung." Damit wird der EZB die Fed als Modell empfohlen, die erstens ein anderes Mandat und zweitens eine nicht marktorientierte bis marktgetriebene Strategie verfolgt.
Der EZB-Rat kann mit seiner Strategie und seinem Stabilitätsauftrag nicht mehr lange warten. Inzwischen erwarten schon die ersten EZB-Watcher wie etwa Joachim Fels (Morgan Stanley) und Klaus Baader (Lehman Brothers) den nächsten geldpolitischen der EZB anlässlich der Sitzung des Rats am 4. Juli.
vwd/13.6.2002/hu/jej
Gruß Pichel
- von vwd Finanzkorrespondent Hans Hutter -
Frankfurt (vwd) - Der EuroTower signalisiert den Finanzmärkten in den Mitgliedstaaten und allen am Wirtschaftsprozess Beteiligten immer unmissverständlicher eine Korrektur der Geldpolitik. In den am Donnerstag veröffentlichten neuen gesamtwirtschaftlichen Projektionen wird der Wille zur Beendigung der seit September 2001 stark expansiven Geldpolitik deutlicher als bisher, obwohl sich die EZB wegen den Unsicherheiten in der Weltwirtschaft noch die Option auf ein wenig Zuwarten offen zu halten scheint. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr, um gegen die wachsenden Inflationsrisiken und -erwartungen anzugehen.
Wenn die EZB heute - auf der Basis des gültigen und seit September 2001 sehr niedrigen Leitzinses von 3,25 Prozent - die Inflation 2002/2003 im Band von 2,1-2,5/1,3-2,5 Prozent erwartet, kann sie nicht lange ruhig bleiben - ihre Stabilitätsnorm liegt bei "unter zwei Prozent". Da die EZB das Wirtschaftswachstum 2002/2003 im Band 0,7-1,7/2,0-3,0 Prozent ansteigend ansetzt, besagt dies, dass Wachstumpotenzial von bis zu 2-1/2 Prozent noch im Laufe dieses Jahres ausgeschöpft werden wird, was bei der Überliquidität im Eurosystem die Inflationsrisiken virulent macht.
Nun verfolgt die EZB weder direkt ein Inflationsziel noch betreibt sie Konjunktursteuerung. Ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen gehen ein in das Indikatorenbündel an der zweiten Strategiesäule in Verbindung mit der Geldmenge an der ersten Säule. Dort ist der Geldmantel zu weit, bei anspringendem Konjunkturmotor wird der monetäre Spielraum zu Preiserhöhungen genutzt werden. Die EZB beruhigt bei der Geldmengenexpansion von 7-1/2 Prozent im Vergleich zum stabilitätsgerechten Referenzwert 4-1/2 Prozent nicht mehr mit dem Argument der labilen Kapitalmärkte und Portfolioumschichtungen, sondern sieht hier Inflationspotenzial beim Konjunkturaufschwung. Worauf also noch warten?
Es sind die weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Unsicherheiten. Die EZB nennt hier die Ölpreise und "Ungleichgewichte in anderen Teilen der Weltwirtschaft", womit wohl die USA gemeint sind. Devisenmärkte und Börsen zittern schon seit Wochen um die gesicherte Finanzierung der hohen Defizite in der US-Leistungsbilanz durch Auslandsgelder. Die Wall Street hat ein latentes Vertrauensproblem seit "Enron" und darüber hinaus durch die zu hohen Gewinnerwartungen und die angezweifelten Gewinnausweise. Wenn der Dollar nicht noch weiter fällt, dann weil die Alternativen in Euroland und Japan bisher noch nicht überzeugen. Aber dieses Risiko droht.
Doch wie sehr kann oder soll die EZB die Aktienkursrisiken in ihrer Geldpolitik berücksichtigen? Es fällt auf, dass die nahe an den Märkten positionierten EZB-Watcher wie etwa von der DGZ-DekaBank von einer baldigen Zinserhöhung abraten: "Auf Grund der jüngsten Euro-, Ölpreis- und Aktienmarktentwicklung rechnen wir erst im September mit einer EZB-Zinserhöhung." Damit wird der EZB die Fed als Modell empfohlen, die erstens ein anderes Mandat und zweitens eine nicht marktorientierte bis marktgetriebene Strategie verfolgt.
Der EZB-Rat kann mit seiner Strategie und seinem Stabilitätsauftrag nicht mehr lange warten. Inzwischen erwarten schon die ersten EZB-Watcher wie etwa Joachim Fels (Morgan Stanley) und Klaus Baader (Lehman Brothers) den nächsten geldpolitischen der EZB anlässlich der Sitzung des Rats am 4. Juli.
vwd/13.6.2002/hu/jej
Gruß Pichel