Ich begleite Evotec jetzt bereits seit über 20 Jahren, mal an der Seitenlinie, mal investiert.
Technisch betrachtet ist die Aktie überverkauft, das spielt aber keine Rolle in der derzeitigen Situation.
Statt der erhofften schwarzen Zahlen rechnet das Unternehmen für 2026 nun mit einem bereinigten Verlust durch verschobene Meilensteinzahlungen und ein zögerliches Neugeschäft im Bereich Forschungsdienstleistungen.
Anleger haben das Vertrauen in die Prognosefähigkeit des Managements wohl komplett verloren.
Wojczewski setzt alle Hoffnung auf "Horizon". Man streicht bis zu 800 Arbeitsplätze und reduziert sein weltweites Standortnetz auf nur noch zehn Zentren, eine sehr radikale Maßnahme.
Solche Sanierungen kosten aber Zeit und Geld. Der Verkauf des Standorts Toulouse an Sandoz und der Verkauf der Tubulis-Beteiligung brachten im ersten Halbjahr zwar dringend benötigte Liquidität in dreistelliger Millionenhöhe, der operative Cash-Burn bleibt aber sehr hoch, insbesondere bei einer Marktkapitalisierung von derzeit 615 Millionen Euro.
Diese niedrige Bewertung macht Evotec zu einem attraktiven Übernahmeziel, Triton hält unverändert 9,97 Prozent und wartet im Hintergrund. Verglichen mit Schwergewichten wie Bristol Myers Squibb wirkt Evotec wie ein Schnäppchen.
Andererseits werden Novo Holdings und Mubadala kaum bereit sein, auf dem aktuellen Kursniveau zu verkaufen, meiner Meinung nach.
Damit bleibt Evotec hochspekulativ, für einen echten Turnaround muss das Unternehmen im kommenden Halbjahresbericht beweisen, dass die verschobenen Meilensteine nur aufgeschoben sind – nicht aufgehoben.
Wer derzeit einsteigt, wettet auf diesen Beweis und hofft, dass die Unterstützung im 3,20er-Bereich als Untergrenze hält und Triton oder ein anderer Bieter den Druck erhöht, denn ohne operative Erfolgsmeldungen wird es keinen Turnaround geben.
Ich bin am überlegen, eine erste Position ins Depot zu holen, wäre aber eine sehr spekulative Position.