Natürlich ist es erlaubt, vorläufige Zahlen zu melden... Evo hatte den Halbjahresbericht ja auch vorgezogen, um tabula rasa zu machen und Spekulationen einzudämmen.
Das Hauptproblem einer früheren Zahlenpublikation liegt in der Buchhaltung. Viele Mittelstandsunternehmen sind schon mit den regulären Berichtsterminen voll ausgelastet.
Was ich in der Tat als Unding empfinde, ist die NULLREAKTION der IR Abteilung auf Spekulationen über ein schwaches Q3 und eine mögliche Verfehlung der Jahresprognose, wie vom Analysten der Dt. Bank geäußert. Von einer ordentlichen IR Abteilung würde ich mir eine lautstarke Reaktion auf derart unsubstantiierte Spekulationen erwarten.
Angesichts der planmäßigen Neueröffnung des J.POD in Toulouse und der neuen Partnerschaft mit Novo Nordisk halte ich die zum Halbjahr kommunizierte Umsatzguidance (790-820 Mio €) für plausibel.
Die im Vergleich zur mit den Q1-Zahlen kommunizierten EBITDA-Guidance (ca. 100 Mio EUR) total ambitionslos anmutende EBITDA-Guidance von 15-35 Mio € (wohlgemerkt auf BEREINIGTER BASIS!!!) MUSS Evotec jetzt schlicht erfüllen, will man auch nur ein Fünkchen Hoffnung für eine deutlich höhere Profitabilität in 2025ff. verbreiten.
Offen gesagt steht es weitgehend im Ermessen des Unternehmens, welche Kosten (außerordentlich, einmalig, periodenfremd, aufgegebene Geschäftsbereiche...) bereinigt werden und welche nicht. Insofern erachte ich die Hürde eines bereinigten EBITDA zwischen 15 und 35 Mio € als kaum relevant.
Mit der zum 30.06. gebildeten Rückstellung für Restrukturierungskosten sollte sich Evotec genügend Puffer geschaffen haben, um in Q3 und Q4 zumindest auf bereinigter EBITDA-Basis profitabel zu sein.
EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen...
Frei nach Charlie Munger... EBITDA = Bullshit-Kennziffer!!!
Besser gleich Gewinn vor Kosten... nennt sich Umsatz... spätestens dann wäre selbst Evotec ZUVERLÄSSIG profitabel... ;-)
Was die Investition in J.POD2 allerdings mit einer potenziellen Gefährdung der EBITDA-Guidance zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Investitionen in Anlagevermögen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) bekanntlich über ABSCHREIBUNGEN erfasst. Und diese sind im EBITDA per Definition ebenso wenig enthalten wie Zinsen für die Finanzierung des Neubaus.
Foristen ohne BWL-Kenntnisse sollten vielleicht besser beim TRADEN und SHORTEN bleiben und Äußerungen über betriebswirtschaftliche Themen unterlassen. Es genügt schon, sich mit häufig weitgehend substanzlosen Analystenaussagen herumschlagen zu müssen...
Mein Fazit: Stand heute gehe ich davon aus, dass die zum Halbjahr korrigierte Umsatz- und EBITDA-Guidance für 2024 erfüllt wird, zumal diese in der jüngst publizierten Unternehmenspräsentation (Stand OKTOBER 2024!) nochmals bekräftigt wurde. Ich bin nicht sicher, ob der DB Analyst diesen Umstand berücksichtigt hat oder einfach nur mal einen Negativkommentar absetzen wollte, weil es gerade so schön zur depressiven deutschen Wirtschafts- und Politikstimmung passt.
www.evotec.com/de/investor-relations/ir-esg-presentations