Eurotunnel: Migranten und Moneten
Die einen suchen ein besseres Leben, den anderen bringt das Verluste von inzwischen 25 Millionen Euro
Der Frachtverkehr durch den Eurotunnel ist teilweise zum Erliegen gekommen. Grund sind die Störungen im Bahnverkehr, verursacht von Flüchtlingen, die von Frankreich nach Großbritannien wollen und sich dazu immer wieder auf Güterzügen verstecken. Am heutigen Dienstag soll nach dem Willen der Regierungen in London und Paris der Gütertransport wiederaufgenommen werden, wie vor Beginn der Krise im vergangenen November - so zumindest wurde es am 25. März vereinbart.
Flüchtlingsströme
Mitte März war wegen der Flüchtlingsströme für zehn Tage überhaupt kein Güterzug mehr durch den Eurotunnel gerollt. Frankreich hatte zudem auch an seinen Grenzen zu Deutschland und Italien weiträumig den Zulaufverkehr abgeblockt. Schon im Februar waren beim Tunnel insgesamt 83 Stunden an Verspätungen verursacht worden.
Für Spediteure, die sich auf einen sicheren Transport nach Großbritannien verlassen müssen, ein unhaltbarer Zustand.
Einige Großkunden der französischen Staatsbahn SNCF verlagerten deswegen ihre Güter wieder auf die Straße und die Fähren. So der Autohersteller Ford, der vor der Krise fünf Züge pro Woche mit je 200 Pkw aus Deutschland und Spanien durch den Tunnel geschickt hatte.
Dem Besucher auf dem Gelände des SNCF-Frachtenbahnhofs Fréthun bei Calais wird bald klar, warum: Löcher im Maschendrahtzaun, junge Männer am Bahndamm, Gestalten, die sich zwischen Güterwaggons ducken. Rund 44.000 Menschen, so die Schätzungen, haben sich seit 1999 auf und in Zügen auf die Insel geflüchtet. "Angesichts der menschlichen Verzweiflung sind technische Barrieren vergeblich", sagt SNCF-Manager Claude Solar.
Über zwei Millionen Euro habe die Bahngesellschaft im März in Zäune, Leuchten und Kameras investiert, um das Gelände zu sichern. "Doch wichtiger sind die Patrouillen", so Solar.
Rechtliche Schritte
Bis 18. März waren im Tunnelgebiet nur 20 französische Gendarmen im Einsatz. Kein Wunder, dass da die Briten dem südlichen Kanalnachbarn mangelndes Engagement vorwarfen und auch die EU-Kommission Paris mit rechtlichen Schritten drohte - wegen Behinderung des freien Warenverkehrs durch passive Hinnahme von Störungen.
Nun sind 550 französische Polizisten ins Tunnelgebiet abgestellt. Hinzu kommen die 300 privaten Wachmänner der Eurotunnel-Betreibergesellschaft, die die mit 30 Kilometern Natodraht bewehrten Umschlagterminals sichern, die im Vergleich zum SNCF-Bahnhof Fréthun fast hermetisch abgeriegelt wirken.
Die Kostenbelastung für die finanziell ohnehin arg gebeutelte Eurotunnel S.A./plc. ist enorm.
Unabhängig davon kündigte das Unternehmen in der vergangenen Woche einen Umschuldungsplan im Volumen von 740 Mio. Pfund (1,206 Mrd. Euro) an, der an der Börse immerhin für einen kleinen Schub sorgte.
Die Bahnfrachtunternehmen aus Großbritannien, Frankreich und Belgien tröstet das wenig. (Jörg Wojahn aus Calais, Der Standard, Printausgabe, 02.04.2002)
Die einen suchen ein besseres Leben, den anderen bringt das Verluste von inzwischen 25 Millionen Euro
Der Frachtverkehr durch den Eurotunnel ist teilweise zum Erliegen gekommen. Grund sind die Störungen im Bahnverkehr, verursacht von Flüchtlingen, die von Frankreich nach Großbritannien wollen und sich dazu immer wieder auf Güterzügen verstecken. Am heutigen Dienstag soll nach dem Willen der Regierungen in London und Paris der Gütertransport wiederaufgenommen werden, wie vor Beginn der Krise im vergangenen November - so zumindest wurde es am 25. März vereinbart.
Flüchtlingsströme
Mitte März war wegen der Flüchtlingsströme für zehn Tage überhaupt kein Güterzug mehr durch den Eurotunnel gerollt. Frankreich hatte zudem auch an seinen Grenzen zu Deutschland und Italien weiträumig den Zulaufverkehr abgeblockt. Schon im Februar waren beim Tunnel insgesamt 83 Stunden an Verspätungen verursacht worden.
Für Spediteure, die sich auf einen sicheren Transport nach Großbritannien verlassen müssen, ein unhaltbarer Zustand.
Einige Großkunden der französischen Staatsbahn SNCF verlagerten deswegen ihre Güter wieder auf die Straße und die Fähren. So der Autohersteller Ford, der vor der Krise fünf Züge pro Woche mit je 200 Pkw aus Deutschland und Spanien durch den Tunnel geschickt hatte.
Dem Besucher auf dem Gelände des SNCF-Frachtenbahnhofs Fréthun bei Calais wird bald klar, warum: Löcher im Maschendrahtzaun, junge Männer am Bahndamm, Gestalten, die sich zwischen Güterwaggons ducken. Rund 44.000 Menschen, so die Schätzungen, haben sich seit 1999 auf und in Zügen auf die Insel geflüchtet. "Angesichts der menschlichen Verzweiflung sind technische Barrieren vergeblich", sagt SNCF-Manager Claude Solar.
Über zwei Millionen Euro habe die Bahngesellschaft im März in Zäune, Leuchten und Kameras investiert, um das Gelände zu sichern. "Doch wichtiger sind die Patrouillen", so Solar.
Rechtliche Schritte
Bis 18. März waren im Tunnelgebiet nur 20 französische Gendarmen im Einsatz. Kein Wunder, dass da die Briten dem südlichen Kanalnachbarn mangelndes Engagement vorwarfen und auch die EU-Kommission Paris mit rechtlichen Schritten drohte - wegen Behinderung des freien Warenverkehrs durch passive Hinnahme von Störungen.
Nun sind 550 französische Polizisten ins Tunnelgebiet abgestellt. Hinzu kommen die 300 privaten Wachmänner der Eurotunnel-Betreibergesellschaft, die die mit 30 Kilometern Natodraht bewehrten Umschlagterminals sichern, die im Vergleich zum SNCF-Bahnhof Fréthun fast hermetisch abgeriegelt wirken.
Die Kostenbelastung für die finanziell ohnehin arg gebeutelte Eurotunnel S.A./plc. ist enorm.
Unabhängig davon kündigte das Unternehmen in der vergangenen Woche einen Umschuldungsplan im Volumen von 740 Mio. Pfund (1,206 Mrd. Euro) an, der an der Börse immerhin für einen kleinen Schub sorgte.
Die Bahnfrachtunternehmen aus Großbritannien, Frankreich und Belgien tröstet das wenig. (Jörg Wojahn aus Calais, Der Standard, Printausgabe, 02.04.2002)