Wenn man die bis Donnerstag erfolgte Andienung betrachtet, scheint es überraschend zu sein, dass die Bieterin das Angebot nicht abgeändert hat, um die Übernahme erfolgreich abschließen zu können. Wir wissen freilich nicht, welche Andienungsschub-Reserven die Bieterin für das Finish konstatiert haben mag (das kann ich nicht einschätzen). Dass sich die Bieterin bereits am Donnerstag in absoluter Sicherheit für das Erreichen der Schwelle wiegen konnte, bezweifle ich allerdings. Und der Zeitpunkt der Umsatzwarnungs-Ad-Hoc (Do, ca. 23:14) war selbstverständlich reiner Zufall - ein "accident" eben.
Welche Motivationslage der Bieterin könnte für ihre Entscheidung, weder das Angebot zu erhöhen noch die Annahmeschwelle zu senken, verantwortlich sein? Es geht mir nicht um eine Wette/Prognose/Wahrsagerei (das übernehmen andere hier ;-) ), sondern um den Versuch einer Analyse der Interpretationsmöglichkeiten und einer Einschätzung der kausalen Zusammenhänge für die einzelnen Ansätze:
Ich sehe prinzipiell 3 mögliche Erklärungsansätze für das Handeln der Bieterin.
Die Bieterin hat das Angebot nicht abgeändert weil sie …
1.) wegen aller ihr vorliegenden Daten und Informationen (und ggf. uns unbekannten Trümpfen in ihrer Hand?) mit der Erreichung der 75% rechnet – oder zumindest den Erfolg für so wahrscheinlich hält, dass sie die Restwahrscheinlichkeit in Kauf nimmt, um die Chance zu wahren billig und in vollem Umfang zum Zug zu kommen.
Interessant an diesem Erklärungsansatz finde ich die Schlussfolgerung, dass für die Bieterin die Vermeidung „unnötiger“ Kosten offenbar Priorität hat gegenüber dem Anliegen möglichst klar bzw. hoch über die 75%-Marke (wäre dienlich für Pläne zu einem raschen Squeeze Out) zu kommen - wobei dahingestellt sei, ob es hier nur um den Spargedanken an sich geht, oder auch andere Motive, wie z.B. Vermeidung des Gesichtsverlustes (jemand hat hier bereits ein wenig über evtl. relevante Besonderheiten der chinesischen Kultur geschrieben) geht.
2.) sich für einen Versuch „Hopp oder Tropp“ entschieden hat in der Überzeugung, bei Scheitern der Übernahme auf anderem Weg (z.B. weiteres Angebot nach Rücksprache mit Epi und BaFin) zu ihrem Ziel kommen zu können – und dies unter erleichterten Bedingungen, da sie ja nun die Forderungen und Schmerzgrenzen der Aktionäre ziemlich gut kennt! Die Chancen für die Möglichkeit in Bälde ein weiteres Angebot stellen zu können ist wegen der Willfährigkeit und Bilderbuch-Loyalität der Epi-Führung als besonders hoch einzuschätzen.
3.) schlicht und einfach nicht bereit ist zurzeit mehr für Epi zu bezahlen. Hier sind mehrere Hintergründe denkbar – nicht nur die Epi-Unternehmensbewertung durch der Bieterin – z.B. auch die Überlegung, dass es auf absehbare Zeit kein Konkurrenzangebot geben werde, oder die eigene finanzielle Situation inkl. aller anderen Investitions- und Übernahmepläne (halte ich als Motiv für unwahrscheinlich).
Nicht übersehen sollte man, dass die Bieterin auch durch eine Kombination der 3 genannten Ansätze mit verschiedenen Gewichtungsmöglichkeiten zu dieser Entscheidung gekommen sein kann.
Freue mich auf Kritik (konstruktiv) zu diesen Überlegungen, auf Ergänzungen, andere Ansätze etc. …