So rosig war sie, die Zukunft, so rosig. So ein guter Plan war das. Noch die endgültige Medicare-Erstattungsentscheidung abwarten und die Aufnahme in die Richtlinien durchbringen. Mit dieser Rückenstärkung kann Epi dann durch ein Nasdaq-Listing so richtig durchstarten. Beschaffung des nötigen Kapitals würde dann kein Problem sein, sei es über eine KE, sei es durch einen US-Investor – bei höheren Kursen käme dann genügend Kohle zur Finanzierung des operativen Betriebs und zum Zünden der Marktpenetrationsrakete herein. Geht sich alles locker aus, mit Erstattung ist kein hoher Marketing-Aufwand erforderlich und den Vertrieb macht ja Polymedco. Und dann … rosige Zukunft.
Naja, nun werfen wir all das über den Haufen … hmm, aber warum? Warum eigentlich? Weil ein besserer Plan da ist! Na klar, ein chinesischer Bieter soll den Laden übernehmen und die Finanzmittel beisteuern, damit das US-Marktpotenzial ausgeschöpft werden kann. Aber, was ist besser an diesem Plan? Mit Medicare-Erstattung und dem Vermarktungskonzept in Verbindung mit dem Vertriebspartner und den diagnostischen Laboren ist der Finanzbedarf doch überschaubar. Nein, du Dummerchen, was verstehst du in deiner Kleinaktionärswelt schon von den Chancen für zukünftiges Wachstum im weltweiten Diagnostikmarkt. Aber die Alternativen über Nasdaq-Listing, Investoren-Suche, KEs, strategische Partnerschaften etc., bei denen die Aktionäre im Boot bleiben können, existieren ja und würden nach Erledigung der bevorstehenden Weichenstellungen leichter zu bewältigen sein – also warum diese Eile? … Aha, jetzt klingelt es bei mir. Nun sehe ich klar. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Der Plan ist besser. Er IST besser! Besser für jene, die Epi übernehmen und alle, die durch begleitende Vereinbarungen profitieren. Alles klar – eigentlich alles ganz einfach zu verstehen.
Was ist aber mit den Aktionären? Hahaha …, die Aktionäre – keine Sorge, die werden den genialen Plan nicht durchkreuzen. Die werden sich nach der langen Phase der Unsicherheit mit einem börsenüblichen Zuschlag zufrieden geben, ganz nach dem Motto „besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Ein bisschen tiefstapeln beim Ausblick für 2017, sich über die Marktaufbereitung in China bedeckt halten – das gibt ihnen den Rest und der Sack kann zugemacht werden. Dass Epi für den milliardenschweren Zukunftsmarkt der medizinischen Diagnostik gut gerüstet ist und daher hervorragende Zukunftschancen besitzt – das soll nicht an die große Glocke gehängt werden. Wenn die Kleinaktionäre davon Wind bekommen, könnte das zu Störeffekten führen – wer will denn das? Nein, das wollen wir nicht. Das könnte den Plan gefährden. Also bitte nicht weitersagen! Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
Aber ist das nicht unfair? Die Altaktionäre haben doch die Firma durch unsichere Zeiten getragen und dabei viel Risiko genommen. Nein, nein, es ist nicht unfair - das Abtreten der Anteile erfolgt freiwillig.
Aso, na dann … dann wird ja alles GUT.