zu Energulf erreichen uns immer noch häufig Anfragen, ob es nicht doch sein könnte, dass die Aktie etwas taugt.
Meiner Ansicht nach nein, und das begründe ich Ihnen nun ausführlich und sende diese Analyse an alle registrierten Investment24 User.
Die nachfolgend aufgeführten Infos dürften übrigens nur dem geringsten Teil der Energulf Aktionäre bekannt sein.
Verbreitung dieses Textes in Börsenforen usw. gestatte und befürworte ich daher und nehme diesen Text somit vom Copyright-Recht aus.
Ich beginne mit der Historie von Energulf.
Dabei werde ich nicht weiter auf der unrühmlichen Vergangenheit der Aktie herumreiten (Energulf war einer der übelsten Pushs 2005, bei dem sich einige wenige die Taschen voll gemacht haben und tausende Anleger bis zu 90% des Einsatzes verloren haben), sondern beschränke mich auf die aktuellen Projekte dieser Aktie, auch wenn es zu 2005 viele Parallelen gibt und das Ende meiner Ansicht nach genauso miserabel sein wird.
Das, was Energulf angeblich wertvoll machen soll, ist ein anteiliges Explorationsrecht am sogenannten Block 1711, offshore vor der Küste Namibias. Dort wird angeblich ein grosses Ölfeld vermutet. Die unabhängige Gutachterfirma Netherland Sewells and Associates, Inc. (NSAI) beziffert die Chance eines Ölfundes auf max. 16%, aber in den Promotiontexten zu dieser Aktie ist plötzlich von angeblichen 50% oder 90% die Rede.
Damit man die ganzen Unstimmigkeiten erfassen kann, muss man sich erst einmal den chronologischen Verlauf bezüglich Block 1711 ansehen:
Im März 2005 verkündet Energulf in einer Absichtserklärung, dass die halbstaatliche Gesellschaft NAMCOR eine Option auf einen 25%igen Anteil am Block 1711 anbietet. Zu diesem Zeitpunkt liegt bereits eine Ressourceneinschätzung vor, die von Netherland Sewells and Associates, Inc. (NSAI) im Auftrag von Vanco Energy angefertigt wurde. Dieses Gutachten wird insgesamt von Energulf angezweifelt, weil es angeblich nicht klar sei, ob es den kanadischen Standards entspricht. Daher weist Energulf seine Anleger darauf hin, dass man sich auf dieses Gutachten nicht verlassen könne.
www.energulf.com/news/03_09_05.pdfDas ist schon bemerkenswert, denn an den Referenzen von NSAI erkennt man relativ schnell, dass NSAI alles andere als eine unverlässliche Quelle ist. Deshalb sind die sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Ölfundes auch als authentisch anzusehen, auch wenn in den Promotiontexten zu dieser Aktie regelmässig etwas anderes behauptet wird.
www.netherlandsewell.com/references.html8 Monate später bietet das namibische Energieministerium Energulf einen Explorationsanteil an, der aber plötzlich nur noch 17% beträgt. Die anderen Anteile werden dem Operator PetroSA (70%), NAMCOR (10%) und einer kleineren namibischen Gruppe (3%) angeboten.
www.energulf.com/news/110705.pdfIm März 2006 wird Energulf dann ein Working Interest zugesprochen, der nun nur noch 10% (!) beträgt. Damit einher geht die Verpflichtung zur Übernahme von 10% der Entwicklungs- und Explorationskosten, sowie ein Anspruch auf 9,5% der Erlöse (10% minus 0,5% Lizenzgebühren an Namibia). Operator ist nun nicht mehr PetroSA, sondern Sintezneftegaz Namibia Ltd., mit einem 70%-Anteil. PetroSA hält nun nur noch 10% Anteil, NAMCOR nur noch 7%. Die Explorationslizenz gilt für mindestens 4 Jahre, maximal 6 Jahre.
www.energulf.com/news/033106.pdfIm Juni 2006 beauftragt Energulf NSAI (deren Urteil man gut ein Jahr zuvor anzweifelte) mit einem neuen Gutachten für den Block 1711, und zwar angeblich deshalb, weil dies die Prospektpflicht für weitere geplante Kapitalmaßnahmen vorsehe.
www.energulf.com/news/06_08_06.pdfDas Gutachten wird drei Monate später von Energulf veröffentlicht, es entspricht nun auch aus Sicht von Energulf den kanadischen Standards. Die Resourcenschätzung wird für drei Szenarien erstellt: konservativ, realistisch, optimistisch sowie unterteilt nach zwei möglichen Funden/Rohstoffen: Gas (gas case) und Öl (oil case). Der Block 1711 besteht aus den Gebieten "Kunene" und "Hartmann".
Für die Bewertung von Energulf ist es hier nicht entscheidend, wieviel Öl oder Gas gefunden werden könnte, sondern zunächst wie hoch die Wahrscheinlichkeit ("Probability of Success" ist, überhaupt etwas zu finden. Diese schätzt NSAI für Kunene auf 10-16%, und für Hartmann auf 7-13%, oder umgekehrt, man hat eine Mindestwahrscheinlichkeit von 84% bzw. 87%, nichts zu finden. Das ist objektiv gesehen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass nichts gefunden wird.
Zunächst soll in Kunene eine Testbohrung durchgeführt werden, da dies Rückschlüsse auf mögliche Chancen/Risiken bezüglich der Beschaffenheit in Hartmann zulassen würde. Die erforderliche Bohrtiefe beginnt wird auf 3.625 m geschätzt. Die gesamten Kosten für diese eine Testbohrung betragen laut NSAI 21,2 Mio. USD, das ergäbe für Energulf zu diesem Zeitpunkt eine Kostenanteil von 2,12 Mio. USD (10%).
www.energulf.com/news/09_08_06.pdfInteressant ist auch, was der Oil Commissioner von Sintezneftegaz, Immanuel Mulunga, zu den erwarteten Vorkommen sagt. Er wird zitiert: "We have 90 percent expectation to find oil or gas. No one can be 100 percent sure of what is under the surface of the earth," Wie Mulunga zu dieser Einschätzung kommt, die fast genau das Gegenteil des unabhängigen Reports von NSAI ist, bleibt ungeklärt. Er wird sich später damit rausreden können, dass er dies nur sein Dolmetscher gesagt hat "() he said through an interpreter."
allafrica.com/stories/200711130215.htmlIm Oktober 2006 stimmen die fünf Lizenznehmer der Vereinbarung endgültig zu.
www.energulf.com/news/10_02_06.pdfErst im November 2007 wird die erste Testbohrung (Kunene
#1) genauer definiert. Für die Bohrung soll das Bohrschiff "Deep Venture" (DV) angemietet werden. Mögliche Bohrwassertiefe der DV: 1.372 m, Bohrtiefe maximal 6.096 m. Die Verfügbarkeit der DV hängt vom Ende der Bohrungen für Exxon mobil vor Angola ab. Die Bohrtiefe wird insgesamt auf 4.400 m festgelegt, dies entspricht in etwa den Vorgaben des NSAI Gutachtens. Die Kosten hierfür werden nun auf 50 Mio. USD geschätzt, die Bohrzeit auf 50-60 Tage. Sollten tiefere Bohrungen bis in 5.500 m erforderlich sein, werden ca. 9 Mio. USD zusätzlich anfallen.
Der Kostenanteil für Energulf beträgt demnach 5 Mio. USD (10% von 50 Mio. USD), evtl. plus 0,9 Mio.USD (falls Bohrtiefe höher). Die Kosten für die erste Testbohrung haben sich gegenüber dem NSAI Report bei gleicher Bohrtiefe um über 135% (!) von 21,2 Mio. USD auf 50 Mio. USD verteuert. Die Gründe dafür sind aus meiner Sicht überhaupt nicht nachvollziehbar. Wer hier auf eine Kommentierung seitens Energulf hofft, der wird wohl ewig warten. Energulf kündigt weitere Kapitalmaßnahmen an.
www.energulf.com/news/11_30_07.pdfGrund der notwendigen Kapitalerhöhung: Energulf verfügt zu diesem Zeitpunkt (Q3-Abschluss 2007/2008 zum 31.11.2007) über ein Umlaufvermögen von ca. 3,9 Mio. CAD, 3,75 Mio. CAD davon Cash.
www.sedar.com/...212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdfIm Dezember 2007 wird daher ein Private Placement (PP) über 8 Mio. Aktien zu 1,10 CAD (= 8,8 Mio. CAD) bekannt gegeben, platziert wird dieses am 31.1.2008. Die gleiche Menge an Warrants gibt es als Bonus zur weiteren Verwässerung on top, zum Nachteil der anderen Aktionäre. Die Einnahmen aus der Maßnahme sollen nicht ausschliesslich für Kunene
#1 verwendet werden, sondern auch für die ersten Explorationsaktivitäten am Lothsi Block sowie weitere allgemeine Ausgaben.
www.energulf.com/news/12_12_07.pdfwww.energulf.com/news/01_31_08.pdfZum Lothsi Block: Energulf hat sich die Rechte am Lothsi Block im Kongo bereits 2006 durch einen Einmalbetrag von 0,5 Mio. USD gesichert.
www.energulf.com/news/01_30_06.pdfDie Kosten für das Programm werden für den geplanten Mindestzeitraum von fünf Jahren auf 33,5 Mio. USD geschätzt, das macht für Energulf mit seinem 90%-Anteil 30,15 Mio., jährlich 6,03 Mio. USD.
www.energulf.com/news/03_17_2008.pdfIn der Meldung, dass man nun nach mehrmaligem Verschieben kurz vor dem Eintreffen des Bohrschiffes stehe, erwähnt Energulf fast beiläufig, dass Jim Askew seine Posten als President und Director niederlegt: "Also, Jeff Greenblum has assumed the additional titles of President and CEO of EnerGulf, with Jim Askew resigning as President and a Director ()".
www.energulf.com/news/03_28_2008.pdfAskew ist seit dem 02.09.2002 dabei, er ist eine wichtige Führungsperson bei Energulf, und so kurz vor der angeblich größten Chance für Energulf verlässt er das Unternehmen? Nun, als Berater bleibt er an Bord, offiziell jedenfalls. Am 30. Juli 2007 nannte er noch 1.894.520 (!) Aktien sein Eigen, wie viele heute wohl noch übrig sind, darüber kann nur spekuliert werden.
www.sedar.com/...137015/00000002/z%3A%5CE%5CENG%5C0803eng2.pdfAm 09.04.2008 wird schließlich der Bohrbeginn für Kunene
#1 verkündet. Die geschätzten Kosten für die ersten 50-60 Tage haben sich gegenüber der Meldung vom November 2007 allerdings noch einmal erhöht, mal eben so um schlappe 58% auf 79 Mio USD, gegenüber den zuverlässigen Schätzungen des NSAI Reports sogar fast ver-4-facht (!), bei gleichen Rahmenbedingungen wohlgemerkt. Tiefere Bohrungen in bis zu 5.500 m Tiefe würden weitere 10 Tage dauern, ca. 9 Mio. USD Kosten würden dann zusätzlich anfallen.
Der aktualisierte Kostenanteil für Energulf beträgt demnach 7,9 Mio. USD, evtl. plus 0,9 Mio. USD.
www.energulf.com/news/04_09_2008.pdfWieviel Geld hat Energulf nach Bezahlung dieser Kosten eigentlich noch? Dazu später mehr.
Der bisherige Projektverlauf Block 1711 lässt sich wie folgt zusammenfassen:
- Der Anteil von Energulf an Block 1711 schrumpft nacheinander von 25% auf 17% auf 10%
- Die Kosten nur für Kunene
#1 steigen von 21,2 auf 50,0 auf 79,0 Mio. USD
- Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt nichts zu finden, liegt bei mindestens 84%-87%
- Eine wichtige Führungsperson scheidet 10 Tage vor Bohrbeginn aus
Nun zur Analyse des Firmenvermögens, bzw. was davon noch übrig bleibt:
Unmittelbar nach dem PP verfügt Energulf Ende Januar 2008 über ein geschätztes Umlaufvermögen von 12 Mio CAD, wobei die laufenden Kosten anhand der vergangenen Werte vorsichtig geschätzt wurden. Aktuellere Zahlen gibt es leider nicht, auch wenn das Geschäftsjahr eigentlich seit dem 28.02.2008 beendet ist und der Jahresabschluss längst vorliegen müsste. Mehr hat Energulf nicht, eher weniger.
Firmenvermögen 30.11.2007: 3.865.067 CAD
minus laufende Kosten (geschätzt): 386.507 CAD
plus Private Placement: 8.800.000 CAD
minus Finders Fees aus dem PP: 110.140 CAD
= CASH (geschätzt) 31.1.2008: 12.168.420 CAD
www.sedar.com/...212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdfwww.energulf.com/news/01_31_08.pdfSeit Ende Januar sind allerdings schon wieder fast 3 Monate vergangen, so dass man eher von einem deutlich geringeren Umlaufvermögen bzw. deutlich weniger Cash ausgehen kann. Aber ich berücksichtige bei dieser Einschätzung lediglich Informationen, die mit Quellen belegt werden können, was wirklich ausreicht, um die Brisanz der Finanzlage von Energulf zu zeigen. Die tatsächlichen Zahlen dürften also noch negativer sein.
Am 29.05.2008 werden die 60 Tage nach Bohrbeginn mit Ausgaben von mind. 7,9 Mio. USD vorbei sein, dann hat Energulf noch ca. 4 Mio. CAD Cash. Jeff Greenblum kommentiert das PP vom Januar 2008 bezogen auf die zu finanzierenden Projekte Block 1711 und Lothsi Block wie folgt: "Our capital structure allows us the flexibility to drill the Kunene
#1, as we initiate our exploration program for the Lotshi Block in the Democratic Republic of Congo". Zu deutsch: wir können gleichzeitig die Bohrkosten für Kunene
#1 zahlen und die Explorationskosten für den Lothsi Block finanzieren.
Das ist meiner Ansicht nach gelogen.
Die Kosten für die Exploration des Lotshi Block betragen ca. 6 Mio. USD jährlich (siehe oben) über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren. Energulf hat nach Abschluss der aktuellen Block 1711 Bohrung nur noch ca. 4 Mio. CAD Cash, wenn tiefer gebohrt wird (0,9 Mio. USD Mehrkosten für Energulf), dann sogar nur knapp 3 Mio. CAD Cash. Wie sollen 6 Mio. USD jährliche Kosten (noch dazu über 5 Jahre) mit einer derart dünnen Kapitaldecke finanziert werden bitteschön? Kapitalerhöhungen sind hier absolut unausweichlich.
Sollten die Bohrungen in Block 1711 nicht erfolgreich sein (und die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt mind. 84%), dann hat Energulf kaum noch Cash und ob eine Firma mit jahrelangem cash-burning und keinerlei abgeschlossenen Erfolgen dann nochmal Kapital per Private Placement aufnehmen kann, bleibt sehr fraglich, bzw. wenn, dann vielleicht zu 0,10 CAD.
Zwischenfazit: Wenn die Bohrung in Block 1711 schief geht (Chance dafür mind. 84%), dann ist die Energulf Aktie mehr oder weniger wertlos.
Weitere Kapitalerhöhungen sind übrigens sowieso unumgänglich:
Die ersten Einnahmen aus einem "operativen" Geschäft (ausser der Ausgabe neuer Aktien, Optionen und Warrants), also einer Ölförderung, falls man was findet, würden laut NSAI Report erst 2014 generiert (!).
Soviel also zu den Aussagen des Energulf Firmenchefs Jeff Greenblum zur finanziellen Stärke von Energulf. Mutig war er ja schon immer, als er zum Beispiel 2005 vollmundig von einem realistischen Kursziel von 100 USD sprach. Den letzten Funken Glaubwürdigkeit hat er seitdem verloren. Richtigerweise hätte er darauf hinweisen müssen, dass man bereits in Kürze frisches Kapital benötigt, weil die Kassen bald leer sind. Hat er das getan? Nein, natürlich nicht. Wer der Firmenchef von Energulf also für seriös hält, hat zumindest eine sehr optimistische Wahrnehmung.
Nur zur Aktienanzahl / aktuellen Bewertung:
Bestand Aktien 30.11.2007: 31.781.410
+ Private Placements: 8.000.000
= Anzahl ausgegebener Aktien: 39.781.410
Aktueller Energulf Kurs in Kanada: 2,61 CAD.
Marktkapitalisierung mindestens: 39.781.410 x 2,61 CAD = 103 Mio. CAD
Die tatsächliche Aktienzahl liegt wohl deutlich höher, und zwar infolge bereits stattgefundener bzw. noch stattfindender Ausübungen von Optionen und Warrants. Dass diese nicht ausgeübt werden, ist äusserst unwahrscheinlich, denn es gibt haufenweise Optionen und Warrants im Centbereich, was für die Optionsinhaber Gewinne von teilweise 500% und mehr bedeutet, warum sollten diejenigen also darauf verzichten? Ich schätze hier wird bereits fleissig abverkauft, und während Energulf daraus nur kleine Betrag zufliessen (aufgrund teilsweise sehr niedriger Optionspreise), erhöht sich die Aktienzahl immer weiter und der Firmenwert verwässert sich.
Zu den nachvollziehbar bereits ausgegebenen Aktien kommen also noch folgende potentiellen zusätzlichen Aktien hinzu:
+ Optionen: 5,022,686
+ Warrants: 7.576.144
+ Warrants aus dem PP: 8.000.000
+ Finders Fees Units: 186.900
+ Finders Fees Warrants: 186.900
= Verwässerte Anzahl Aktien: 60.754.040
Marktkapitalisierung verwässert: 60.754.040 x 2,61 CAD = 158 Mio. CAD
www.sedar.com/...212851/00000001/z%3A%5CE%5CENG%5C0201eng1.pdfwww.energulf.com/news/01_31_08.pdfDass die Börsenbewertung von Energulf bereits sehr amibitioniert ist, liegt auf der Hand. Noch deutlicher wird das allerdings, wenn man sich ansieht, wie andere Firmen den Wert von Block 1711 sehen, und zwar exklatant niedriger:
Universal Power Corp. hat durch die Übernahme der Kunene Energy für einen 2,7%-Anteil Carried Interest am Block 1711 lediglich knapp 1,5 Mio. EUR gezahlt (!), siehe Auswertung der entsprechenden News von Universal Power in der Investment24 Börsenbrief-Ausgabe 2008/065.
Energulf ist trotz des aktuellen Rückgangs (minus 35% seit dem Hoch 2008) immer noch grotesk überbewertet. Das ist keine Kursphantasie, sondern schlichtweg eine absolute Übertreibung jenseits sämtlicher Fundamentaldaten. Rechnet man das Firmenvermögen (ca. 4 Mio. CAD), die Phantasie der aktuellen Bohrung, die ersten zu erwartenden Erlöse im Erfolgsfalle (erst 2014) und weitere notwendige Kapitalerhöhungen (weitere Verwässerung durch Erhöhungen der Aktienzahl) mit ein, dann kommt man meiner Ansicht nach auf eine faire Bewertung von maximal 25-30 Mio. CAD für Energulf, was Kursen zwischen 0,63 und 0,75 CAD (0,39 bis 0,46 € entspricht. Der verwässerte Kurs würde sogar nur zwischen 0,41 und 0,49 CAD (0,25 bis 0,30 € liegen.
Diese Bewertung ergibt sich auf der Grundlage der bisher vorliegenden Informationen. Aufgrund mehrerer Fragwürdigkeiten stelle ich die Phantasie bei dieser Aktie sowieso in Frage.
Ungeklärte Fragen:
- Warum hat es fast eineinhalb Jahre bis zur Bohrung gedauert, obwohl das NSAI Gutachten zum Zeitpunkt der Vereinbarung im Oktober 2006 allen fünf Lizenznehmern bereits vorgelegen hat?
- Wie kommt Herr Mulunga (Sintezneftegaz) auf 90%, hat sein Dolmetscher etwas falsch wiedergegeben, oder hat er statt 90% Chance 90% Risiko auf Misserfolg gemeint?
- Was passiert, wenn man nichts findet? Ach ja, man hat ja noch den Kongo (den man aber nicht mehr finanzieren kann ohne weitere Kapitalerhöhungen)
- Was passiert, wenn man wider allen Wahrscheinlichkeiten doch etwas findet? Eine einzige Bohrung reicht bei weitem nicht. Mit einer einzigen Testbohrung wird man wohl kaum zuverlässig nachweisen können, wie viel Öl oder Gas vorhanden ist, und ob es wirtschaftlich gefördert werden kann. Also sind weitere Bohrungen erforderlich, die aktuelle kostet ja alleine schon fast 80 Mio. CAD (!)
- Wie viele weitere Löcher sind notwendig, um die Resource verlässlich zu klassifizieren?
- Wann bekommt man für mögliche Folgebohrungen das nächste Mal ein Bohrschiff, wieder in eineinhalb Jahren?
- Wenn eine Testbohrung 60 Tage dauert, dauern dann 10 Folgebohrungen 600 Tage? In den 60 Tagen war die Anreise des Schiffs ja ausgeklammert, sondern das scheint die reine Bohrzeit zu sein, die sich bei Folgebohrungen dann ebenfalls ergeben würde.
- Eineinhalb Jahre Wartezeit auf ein Schiff, fast 2 Jahre Bohrzeit, bis die Ressource verlässlich klassifiziert wäre? Also nochmal dreieinhalb Jahres Wartezeit (Ende 2011), bis der eventuelle Wert von Energulf feststeht? Das sind ja tolle Aussichten.
- Wie viele dieser Bohrungen kann Energulf überhaupt finanzieren, mit maximal 4 Mio. Cash nach Abschluss der aktuellen Testbohrung?
- Wenn Energulf Block 1711 nicht mehr finanzieren kann, wer übernimmt die 10% und zu welchem Preis? Wie gesagt, Universal Power Corp. hat durch die Übernahme der Kunene Energy für einen 2,7%-Anteil Carried Interest am Block 1711 lediglich ca. 1,5 Mio. EUR gezahlt
- Wie will sich Energulf bis zum geplanten Produktionsbeginn 2014 ohne Kapitalmaßnahmen am Leben halten, da bis dahin keine Erlöse generiert werden können?
Das eine (!) Bohrloch, das aktuell gebohrt wird, kostet Energulf 7,9 Mio. USD (evtl. plus 0,9 Mio. USD).
Das ist ja wie Schiffe versenken, oder Aktionäre versenken .
Als ob man mit einem Bohrloch eine Ressource bestimmen könnte. Selbst wenn da Öl ODER Gas dort vorhanden sein sollte (Wahrscheinlichkeit gemäss Gutachter max. 16%), bliebe die Frage, wieviel Öl oder Gas da ist, und ob es wirtschaftlich abbaubar wäre.
Um das zu bestimmen, braucht man meiner Ansicht nach 10 Bohrlöcher oder mehr. Dies auch deshalb, weil man sichergehen müsste, dass man nicht ein Mini-Ölfeld angebohrt hat (dafür würde sich eine Tiefseeförderung nicht lohnen), sondern ein Giant Oil Field, wie Energulf es behauptet.
10 Bohrlöcher, wieviel das wohl kosten wird? 10x 7,9 Mio. USD? Energulf hat noch nicht mal Geld für ein zweites Bohrloch.
Daher:
Worst Case (mind. 84% Wahrscheinlichkeit):
Bohrung verläuft negativ = Energulf wertlos
Best Case (max. 16% Wahrscheinlichkeit):
Bohrung verläuft erfolgreich = Energulf muss Folgekosten in Höhe von mind. 50 Mio. USD stemmen.
Wieviele Kapitalerhöhungen wären wohl nötig, und zu welchem Kurs würden diese durchgeführt werden? Die Optimisten behaupten ja immer, wenn das Bohrloch erfolgreich ist, würde Energulf problemlos Geld bekommen.
Falsch!
Das würde lediglich bedeuten, dass da Öl ist, genau an dieser Stelle, mehr auch nicht. Über die Grösse des Ölfeldes sagt das nichts aus! Vor diesem Hintergrund sehe ich Kapitalerhöhungen überhaupt nicht als so leicht an, wie das dargestellt wird.
Das heisst:
Der Worst Case ist beschissen für Energulf-Aktionäre, der Best Case ist aber auch nicht wirklich gut, da er Folgebohrungen und womöglich jahrelange Wartezeit sowie mehrere Kapitalerhöhungen bedeutet, bis man die Ressource klassifizieren könnte. All das wird in den Meldungen von Energulf komplett verschwiegen!
Der Best Case ist also nicht so gut, wie er dargestellt wird, ein einziges Bohrloch ist bei weitem nicht genug, und für eventuelle Folgebohrungen muss Energulf entweder viele Kapitalerhöhungen machen, oder sich aus dem Projekt dann mangels Kapital verabschieden (!), an diese Variante denkt natürlich bisher keiner.
Übrigens: Wenn man statt Öl Gas findet, ist es auch Essig mit dem Best Case. Eine Förderung aus 4.500-5.000 m Tiefe auf die Beine zu stellen, dürfte äusserst kostspielig sein. Ob sich das für Gas lohnt, wage ich zu bezweifeln. Das NSAI Gutachten spricht von max. 16% Wahrscheinlichkeit für Öl ODER Gas. Meiner Ansicht nach spricht das für eine max. 8% Wahrscheinlichkeit (50-50), dass man Öl findet. Da kann ich auch gleich ins Casino gehen.
Falls jemand jetzt argumentiert, dass gleichzeitig doch aber auch überaus grosse Chancen bestehen:
Ach ja, ist das so? Anders als Sintez hat Energulf eine sehr niedrige Kapitaldecke, Kapitalerhöhungen sind daher unausweichlich. Die eventuellen Kurssteigerungen bei einem Ölfund werden durch die notwendigen Kapitalerhöhungen aufgrund der Verwässerung zu einem Teil entsprechend aufgefressen. Wenn sich die Aktienzahl z.B. verdoppelt (um per Kapitalerhöhungen Geld einzunehmen, das man für die Bohrungen braucht), verdoppelt sich die Marktkapitalisierung ebenfalls bereits. Wo da dann noch Platz für die angedachten Kurssteigerungen bleiben soll, ist mir schleierhaft.
Falls es zu einer Kursvervielfachung kommen sollte (mit der die Promoter dieser Aktie den Lemmingen den Mund wässrig machen), dann doch bitteschön erst dann, wenn feststeht,
1. dass es dort überhaupt etwas gibt
2. dass es Öl ist statt Gas
3. dass das Ölfeld eine entsprechende Grösse hat und somit überhaupt wirtschaftlich abbaubar ist.
Das sind 3 Wenns, und schon die Anfangshürde liegt bei einer lediglich ca. 8%igen Chance.
Bis Punkt 3 geklärt, werden schätzungsweise 3 Jahre vergehen, vorausgesetzt die Anfangshürde wird trotz niedriger Chance überhaupt übersprungen.
Was keiner, der Energulf schönredet, überhaupt erwähnt: Selbst wenn die Erstbohrung erfolgreich ist, sagt das wie dargelegt nichts über Grösse usw. aus. Wie soll sich dann also der Kurs vermehrfachen?
Bei einer erfolgreichen Erstbohrung findet vielleicht ein Anstieg um 50% statt, der durch die notwendigen Kapitalerhöhungen dann wahrscheinlich schon wieder aufgefressen wird. Wenn es eine Kursvervielfachung gibt, dann wenn alle 3 Punkte zutreffen (Wahrscheinlichkeit sehr niedrig) und vor allem nach 3 Jahren Wartezeit (!), bis das überhaupt feststeht. Infolge der bis dahin notwendigen Kapitalerhöhungen wird sich die Aktienzahl aber derart stark erhöht haben, dass für eine Kursvermehrfachung überhaupt kein Platz mehr ist, da sich die Marktkapitalisierung bereits durch die gestiegene Aktienzahl stark erhöht hat.
Diejenigen, die diese Aktie schönreden, unterlassen es natürlich, diese ganz Dinge zu erwähnen, was verständlich ist, denn kein klar denkender Mensch würde angesichts dieser Fakten noch in die Aktie investieren, zumal die Realität wie hier erläutert ein ganz anderes Bild von Chance und Risiko ergibt, wie das von den Energulf Pushern dargestellt wird. Die hier dargelegten Dinge sind aber Fakt und mit Quellenangaben belegbar.
Falls Sie investiert sind, Energulf also als Long-Position im Depot haben:
Totalverlust bei nicht erfolgreicher Bohrung (mind. 84% Wahrscheinlichkeit) und vermutliche 50% Kursanstieg bei erfolgreicher Bohrung, falls es Öl ist statt Gas (ca. 8% Wahrscheinlichkeit).
Ist solch ein Investment clever?
Wurden Sie von denjenigen, die Ihnen die Aktie aufgeschwatzt haben (Bullvestor bzw. die Pusher in den Börsenforen) denn über die ganzen hier erläuterten Aspekte auch nur ansatzweise informiert, oder hat man Ihnen das Märchen vom fast sicheren Energulf Ölfund erzählt, der dann sofort zu einer Kursvermehrfachung führen würde?
Fazit:
Der Best Case für Energulf ist erst nach ca. 3 Jahren und mehreren weiteren Hürden überhaupt ein Best Case.
Der wesentlich wahrscheinlichere Worst Case führt zu einer Wertlosigkeit der Aktie.
Die positiven Aussagen von Energulf Managers Jeff Goldblum zur finanziellen Lage Energulfs sind offenbar gelogen. Der bisherige Misserfolg aller von Energulf angegangenen Projekte schafft auch kein Vertrauen. Sieht so eine seriöse Firma aus, der man bei solch grottenschlechtem Chance-Risiko-Verhältnis sein Geld anvertrauen sollte?
Einzig und allein die Projektbeteiligung von Sintez / Sintezneftegaz ist positiv, und darauf wird seitens der Energulf Pusher natürlich ständig herumgeritten. Was allerdings nicht erwähnt wird: Bei einer erfolgreichen Bohrung könnte Sintez die Kosten für die Folgebohrungen aufbringen, Energulf jedoch nicht.
Falls also die Erstbohrung erfolgreich sein sollte, wird Energulf bis zu dem Stadium, bis die Ressource durch mehrere Folgebohrungen klassifiziert worden ist, durch mehrere Kapitalerhöhungen bereits so stark verwässert sein, dass selbst bei gleichbleibendem Kurs durch die stark erhöhte Aktienzahl die Marktkapitalisierung bereits total aufgebläht wäre, was weitere Kurssteigerungen schwierig macht.
Falls dem Best Case bei der Erstbohrung (diese verläuft erfolgreich) also ein Best Case bei den Folgebohrungen folgt (grosses Ölfeld und wirtschaftlich abbaubar), dann ist die MK von Energulf bereits so stark gestiegen durch die Kapitalerhöhungen, dass die von den Energulf-Pushern vorgerechnete Vervielfachung gar nicht stattfinden kann, weil Energulfs Anteil an dem Ölfeld ja nur 10% beträgt, Erträge sogar nur 9,5%.