Ende des ´Rezessiönchens´ in Sicht


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zombi17:

Ende des ´Rezessiönchens´ in Sicht

 
27.02.02 19:21
ftd.de, Mi, 27.2.2002, 8:18, aktualisiert: Mi, 27.2.2002, 16:14  
Ende des ´Rezessiönchens´ in Sicht

Das Konjunkturtal in Deutschland ist nach Einschätzung von Volkswirten durchschritten. Mit einem Rückgang des BIP im vierten Quartal wurde der Tiefpunkt erreicht. Die Bauwirtschaft ist nach Ansicht des Ifo-Instituts jedoch immer noch eine Wachstumsbremse.

Im Gesamtjahr 2001 sei die Wirtschaft um 0,6 Prozent gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit und bestätigte die vorläufigen Daten. Im Vergleich zum dritten Quartal 2001 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent nach einem revidierten Minus von 0,2 (0,1) Prozent im Vorquartal. Zum Vorjahr verringerte sich das BIP im vierten Quartal um 0,1 (Vorquartal: revidiert plus 0,4 von 0,3) Prozent.

Dies sei das erste Minus zum Vorjahr seit dem vierten Quartal 1996, teilte das Bundesamt mit. Analysten hatten im Schnitt ein Minus von 0,2 Prozent zum Vorquartal und eine Stagnation zum vierten Quartal 2000 erwartet. Die Bundesbank war von einem viertel Prozentpunkt Rückgang zum dritten Quartal ausgegangen. In den letzten drei Monaten 2001 stand allerdings ein Arbeitstag weniger zur Verfügung als im vierten Quartal 2000. "Ohne diesen Kalendereffekt hätte sich ein Nullwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal ergeben", sagten die Statistiker.



Wirtschaftsbremse Bauindustrie


Die Wirtschaftsleistung sei vor allem wegen eines Rückgangs der Investitionen in Ausrüstungen (minus 10,6 Prozent) und Bauten (minus 4,5 Prozent) sowie einem sehr starken Abbau der Lagerhaltung gesunken. Die Bauwirtschaft bleibt nach Einschätzung des Ifo-Instituts auch in den kommenden Jahren in Europa eine Wachstumsbremse. Neben Deutschland gehe das Bauvolumen auch in Finnland, Irland, Norwegen und Österreich in diesem Jahr zurück.


Erst 2003 werde die Baubranche in Westeuropa wieder auf einen flachen Expansionspfad einschwenken, prognostizieren die Wirtschaftsforscher. Allerdings werde der Zuwachs in Westeuropa nur bei etwa 1,3 Prozent liegen und somit die gesamtwirtschaftliche Entwicklung weiter bremsen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) erwartet in diesem Jahr Umsatzeinbußen von etwa 2,3 Mrd. Euro. "Das wäre eine Minus von 2,5 Prozent", sagte ZDB-Präsident Arndt Frauenrath am Mittwoch in Berlin.



Volkswirte sehen nur milden Abschwung


Mit einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen wurde zwar das formale Kriterium einer Rezession erfüllt. Angesichts der geringen Abschwächung handele es sich aber nur um eine milde Form oder ein "Rezessiönchen", kommentierten die Volkswirte der DGZ-Deka Bank die jüngsten Daten der Statistiker.


"Wir haben das Tal durchschritten, auch wenn im 1. Quartal 2002 nur ein leichtes Wachstum zu erwarten ist", betonte Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm. Die Tendenz zu einem Wirtschaftsaufschwung sei eindeutig, auch wenn im Jahresdurchschnitt das BIP noch nicht deutlich zunehme. Das unerwartet günstig ausgefallene Stimmungsbarometer des Münchener Ifo-Instituts zeige eine breite Basis für eine Erholung.



Vorbehalt: Kein Krieg


Für den Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Prof. Norbert Walter, hängt im ersten Quartal viel vom privaten Konsum ab. Positiv könne sich auswirken, dass Ostern diesmal noch im ersten Vierteljahr liege und den privaten Verbrauch stimuliere. Der niedrige Euro, die günstigen Ölpreise und Zinsen seien darüber hinaus eine Stütze für die Konjunktur.


Äußert positiv äußerte sich der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe und der Dresdner Bank, Klaus Friedrich. Der jüngste Ifo-Test spiegele exakt ein Wendeszenario wider. Die Lage wird noch schlecht, die Erwartungen aber gut beurteilt. Sowohl Friedrich als auch Walter machen ihre Konjunkturprognosen unter einem zentralen Vorbehalt: Sollte es in den kommenden Monaten zu einem Krieg mit dem Irak kommen, seien sämtliche Prognosen nichts mehr wert. Stark steigende Ölpreise, fallende Börsenkurse, nachlassender Konsum und eine generelle Verunsicherung würden alle Industrieländer negativ treffen.



© 2002 Financial Times Deutschland
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