Viele Arbeitslose suchen keinen Job
Riester und Jagoda stellen Studie zur amtlichen Statistik vor
Jeder vierte Arbeitslose sucht keine Stelle. Er hat entweder eine neue Arbeit in Aussicht, wartet auf die Rente oder hat aus familiären Gründen kein Interesse an einem Arbeitsplatz. Jeder fünfte Arbeitslose sucht nur mit mittelmäßigem Einsatz. Das geht aus einer Studie der Bundesanstalt für Arbeit hervor, die Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) und Anstaltspräsident Bernhard Jagoda in Mannheim vorstellten. Danach sucht die Hälfte der Arbeitslosen mit großem Engagement eine Stelle. Für die Erhebung hatte Infas im Frühjahr 2000 rund 20000 Telefon- Interviews geführt, bei denen 60 Prozent der Befragten antworteten.Die Zahlen sollen Riester zufolge eine „möglichst schnelle, zielgenaue“ Vermittlung ermöglichen oder beim Sparen von Ressourcen helfen. Zudem solle die Arbeitslosenstatistik aus Gründen der Transparenz in der kommenden Legislaturperiode auch die Personen ausweisen, die keine Stelle suchten, forderte er. Bei jenem Viertel der Befragten, die sich nicht um eine Stelle bemühten, stellten angehende Rentner mit 15 Prozent die größte Gruppe. Weitere fünf Prozent hatten bei der Befragung bereits einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Aussicht. Sieben Prozent suchten zum Teil aus familiären Gründen nicht nach einer Stelle. Sie übernehmen die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen.
Riester und Jagoda wollen damit nachweisen, dass die amtliche Arbeitslosenstatistik die Beschäftigungsmisere nur unzureichend abbildet. Es sind also keineswegs alle bald 4,3 Millionen als arbeitslos Gemeldeten vermittelbar. Allerdings halten unabhängige Experten umgekehrt die Zahl der Arbeitssuchenden in Wirklichkeit für noch viel höher. Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn auch alle jene Bürger mitgezählt werden, die dem Arbeitsmarkt – etwa durch Vorruhestandsregelungen – nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Rede ist von 1,73 Millionen verdeckt Arbeitslosen, die durch Änderungen der Statistik in der Ära des CDU-Arbeitsministers Norbert Blüm nicht mehr mitgezählt werden.
Quelle: Süddeutsche Zeitung