Sowohl Saudi-Arabien als auch Russland werden die US-Fraking-Industrie nicht zerstören können. Die Gründe sind vielfältig.
Schon 2016 haben die Saudis versucht, die US-Fraking-Industrie den Garaus zu machen. "Ausgeschieden" sind in der Folge die schwachen Unternehmen, die dann von den Großen "preisgünstig" übernommen wurden. Technische Innovationen haben dann in der Folge dazu geführt, dass die Kosten für die Förderung per Fraking deutlich gesunken sind. Das gleiche Szenario deutet sich zum jetzigen Zeitpunkt an - wenn die US-Regierung dem Markt freien Lauf lassen würde. Nur wird sie das diesmal nicht tun. Die Gründe:
1. Trump will wiedergewählt werden. Wenn die Frakingindustrie in die Knie geht, dann wird Texas am stärkten betroffen sein. Dort arbeiten viele Menschen in der Ölindustrie, die dann den Job verlieren werden. Wenn Texas an den demokratischen Bewerber fällt, dann hat Trump keine Chance die Wahl zu gewinnen - zu viele Wahlmänner werden in Texas vergeben.
2. Die US-Handelsbilanz hat sich durch die Fraking-Industrie deutlich positiv verändert. Früher musste der Ölverbrauch vor allem durch Importe gedeckt werden. Bei geschätzt 10 Mio Barrel/Tag und 40 US$, die durch das Fraking nicht mehr importiert werden mussten macht das eine Verringerung des Handelsbilanz- Ungeleichgewichtes rund 150 Mrd US€ jährlich aus. Schon alleine das macht die US-Fraking-Industrie so wichtig für die US-Wirtschaft aber auch den US-Bürger, der reichlich Produkte konsumiert, die nicht Made in USA sind.
3. Die OPEC und Russland werden sich auf deutliche Förderkürungen einigen müssen, da die USA sonst aller Voraussicht nach hohe Importzölle für Öl verlangen wird (was sie ja bereits angekündigt haben) - das dürften dann eher 30 als 20 US$ Zollaufschlag sein. Folge wird sein, dass die Importe (sollen noch ca. 1 Mio Barrel am Tag sein) dass alle Förderländer sogar noch Geld mitbringen müssten. Zum einen wird das zu sehr deutlich steigenden Ölpreisen in den USA führen - und gleichzeit alle anderen Länder erhebliche Probleme wegen der viel zu hohen weltweiten Produktion haben. Lagerplätze sind schon jetzt kaum mehr zu bekommen - und mittlerweile auch recht teuer.
de.statista.com/statistik/daten/studie/...-ethanolproduktion/
4. Sollte sich der Ölkrieg in der Folge dann weiter außerhalb der USA fortsetzen, dann wird das erhebliche Auswirkungen innerhalb der OPEC haben - aber auch mit allen anderen ölfördernden Länder. Das dürfte dann mit Sicherheit zu erheblichen Spannungen zwischen diesen Ländern und Saudi-Arabien sowie Russland führen. Des gesamte internationale Ölmarkt könnte dann zersplittern und die Opec auseinanderbrechen.
Es spricht deshalb vieles dafür, dass der WTI-Preis in der nächsten Zeit noch deutlich steigen wird - ob mit oder ohne Förderkürzungen der Opec & Russland.
Im übrigen ist es auch in unserem Sinne, dass die US-Frakingindustrie überlebt, denn mit der steigenden Ölproduktion in den USA hat die Opec das wichtigeste Instrument für die "Preismanipulation" verloren - Förderkürzungen, um das Marktangebot knapp zu halten.