Ergebnisüberblick
Die Offshore-Windenergie in Deutschland steht am Anfang ihres Wachstumspfads.
Knapp 400 MW sind heute in Nord- und Ostsee in Betrieb. Allein in der Nordsee befinden
sich derzeit 7 Windparks mit knapp 2.000 MW Leistung im Bau. Windparks mit einer Kapazität von mehr als 4.000 MW sind zusätzlich bereits genehmigt. In der Ostsee sind weitere 1.200 MW genehmigt. Die installierte Leistung der Offshore-Windenergie wird in
Deutschland bis zum Jahr 2020 voraussichtlich zwischen 6.000 und 10.000 MW betragen.
Die Stromgestehungskosten der Offshore-Windenergie, also die mittleren Kosten der
Stromerzeugung über 20 Jahre Betriebszeit, liegen bei heute realisierten Windparks bei
real 12,8 bis 14,2 Cent2012/kWh. Diese Kosten können im Szenario 1 in zehn Jahren je
nach Standort schrittweise um bis zu 32 % und bei optimalen Marktbedingungen im Szenario 2 um bis zu 39 % reduziert werden. Zentraler Treiber für die Reduktion der Kosten
ist die kontinuierliche technische Weiterentwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Offshore-Windindustrie. Sie kann zu deutlichen Einsparungen in den Bereichen Investition, Betrieb und Finanzierung führen.
14 %-Punkte der Kostenreduktion im Szenario 1 und 21 %-Punkte im Szenario 2 resultieren aus den Investitionskosten. Kurzfristig senkt vor allem die verbesserte Logistikinfrastruktur bei der Installation die Kosten. Langfristig bestimmt der Trend hin zu größeren
Turbinen und effizienten Fertigungsverfahren bei der Tragstruktur die Entwicklung. Intensivierter Wettbewerb und Skaleneffekte durch größere Turbinen und Stückzahlen führen
zur stärkeren Kostensenkung in Szenario 2.
5 bzw. 8 %-Punkte der Kostenreduktion sind in den Szenarien 1 bzw. 2 bei den Betriebsund Wartungskosten realisierbar. Auslöser sind auch hier die verbesserte Logistikinfrastruktur und schnellere Schiffe. Langfristig sorgen insbesondere in Szenario 2 betreiber-
übergreifende Wartungskonzepte für eine weitere Senkung der Kosten.
Weitere 12 %-Punkte des Kostensenkungspotenzials entfallen in Szenario 1 auf die Reduktion der Finanzierungkosten und die Senkung der Reserve für Projektrisiken. Diesem Bereich kommt in Szenario 1 aufgrund der langsamer sinkenden Investitionskosten
eine höhere Bedeutung zu als in Szenario 2, in dem 9 %-Punkte erreicht werden. Weil die
wachsende Erfahrung mit der Technik zum Abbau der Risikoprämien in den Finanzierungskonzepten führt, ist dieses Kostensenkungspotenzial nur indirekt technischer Natur.
Die Senkung der Stilllegungskosten beträgt in beiden Szenarien rund 1 %-Punkt.
Diese Kostensenkungspotenziale können nur gehoben werden, wenn Industrie, Politik
und Verwaltung gemeinsam dafür die Voraussetzungen schaffen. Wichtig sind in diesem
Zusammenhang stabile gesetzliche und politische Rahmenbedingungen.
Die Steigerung der Effizienz in der Industrie bietet bereits relativ kurzfristig erhebliches
Potenzial zur Kostenreduktion. Technische Standards für Anlagenkomponenten und
Netzanschlüsse sind wichtige Voraussetzungen für die Serienfertigung. Die Genehmigungs- und Zertifizierungskriterien sind zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Gemeinsame Installations- und Wartungskonzepte für benachbarte Windparkstandorte erhöhen
die Effizienz bei Installation und Betrieb.
Die technische Innovation ist ein langfristiges Handlungsfeld. Leistungsfähigere Turbinen, optimierte Tragstrukturen und Installationslogistik bieten ein großes Verbesserungspotenzial. Dabei ist die Balance zwischen Innovation und Risikominimierung zu wahren.
www.offshore-stiftung.com/60005/Uploaded/...re-Windenergie.pdf