Eon EOAN (ENAG99) 13,78-13,79 vor ruhiger Hauptversammlung - Keine Aufregerthemen
DÜSSELDORF/ESSEN (dpa-AFX) - Der Energiekonzern Eon steht vor einer
bemerkenswert ruhigen Hauptversammlung. Wenn die Aktionäre an diesem Freitag
(3. Mai) in der Essener Grugahalle zusammenkommen, fehlen die großen
Aufregerthemen der vergangenen Jahre. Die sind dem Konzern mit der Energiewende
und dem Atomausstieg ebenso wie die einst satten Gewinne abhanden gekommen. Da
Eon auch viel weniger auf die als besonders klimaschädlich geltende Kohlekraft
setzt als Erzrivale RWE , gibt es auch hier für kritische
Anteilseigner kaum Angriffspunkte.
Laut der Eon-Internetseite reichten bis Mitte April gerade einmal drei
Aktionäre Gegenanträge ein. Auf der Tagesordnung stehen auch keine großen
Themen. Sechs Mitglieder des Aufsichtsrates müssen für die Kapitalseite
wiedergewählt werden. Zudem müssen die Aktionäre neue Vergütungssysteme für
Vorstand und Aufsichtsrat billigen.
Die fehlende Zündstoff macht zugleich das Problem von Eon deutlich. Die
fetten Jahre, als der Konzern mit seinen Atomkraftwerken Milliarden-Gewinne
einfuhr und Umweltschützer auf die Barrikaden trieb, sind mit der Energiewende
vorbei. Der Konzern hat seine Aktionäre deswegen auch längst auf sinkende
Gewinne eingestimmt.
Im laufenden Jahr rechnet Vorstandschef Johannes Teyssen mit einem um
Bewertungseffekte bereinigten Überschuss von 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro, das
wären schlimmstenfalls zwei Milliarden weniger als 2012. Das bereinigte
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll um mindestens
eine Milliarde auf 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro sinken.
Grund dafür ist vor allem, dass der Konzern mit seinen konventionellen
Kraftwerken immer weniger Geld verdient. Das liegt auch am Boom der
erneuerbaren Energien. Diese drücken auf den Preis an der Strombörse. Da die
großen Versorger ihren Strom in aller Regel Jahre im Voraus verkaufen und die
alten Verträge nun auslaufen, bekommen sie den Preisverfall erst jetzt so
richtig zu spüren.
Davon ist Eon noch stärker betroffen als RWE. Denn zugleich sind die Preise
CO2-Verschmutzungsrechte im Keller. Davon profitieren Kohlekraftwerke, von
denen RWE besonders viele hat. Dagegen lohnt sich der Betrieb von
Gaskraftwerken, auf die wiederum Eon stark setzt, kaum noch.
Dass der Eon-Gewinn 2012 wieder zulegte, lag nur an Sondereffekten. So
verbuchte der Konzern einen einmaligen Gewinn durch die neu verhandelten
Bezugspreise für Gas des russischen Gasriesen Gazprom .
Zudem fielen 2012 Sonderbelastungen aus dem angekündigten Atomausstieg nicht
noch einmal an. Davon sollen auch die Aktionäre etwas haben. Die Dividende soll
um 10 Cent auf 1,10 Euro zulegen.
Eon reagiert auf die Veränderungen mit einem tiefgreifenden Konzernumbau.
Europa verliert dabei an Bedeutung, dort werden die Investitionen gesenkt.
Stattdessen rücken Märkte wie Indien, die Türkei und vor allem Brasilien in den
Blickpunkt.
In Brasilien musste der Konzern zuletzt allerdings neues Geld zuschießen,
weil sein dortiger Partner - der Milliardär Eike Batista - in finanzielle
Schwierigkeiten geraten war. Unter Aktionären macht sich deshalb schon die
Sorge breit, das Engagement könnte ein Schuss in den Ofen werden - so wie dies
etwa beim Einstieg in den südeuropäischen Strommarkt unter Teyssen-Vorgänger
Wulf Bernotat bereits der Fall gewesen war.
Der Umbau geht auch zu Lasten der Beschäftigten. Eon baut bis 2015 rund
11.000 Stellen ab, davon 6.000 in Deutschland. Ende 2012 hatte Eon gut 72.000
Beschäftigte, rund 7.000 weniger als im Vorjahr