Aus der FTD vom 16.12.2003 www.ftd.de/mobilfunk
Mobilfunker stoppen Subventionsabbau
Von Titus Kroder und Kristina Spiller, Hamburg
Die deutschen Mobilfunkbetreiber weichen in der laufenden Weihnachtssaison von ihrem Plan ab, die Subvention von Handys zügig abzubauen. Die Kosten für die Kundenakquisition, die über die letzten Monate rückläufig waren, stabilisieren sich, statt weiter zu fallen, wie Analysten bestätigen.
Kunden sollen wieder mit hohen Subventionen vor allem Handys schmackhaft gemacht werden, mit welchen die neuen Datendienste empfangen werden können. T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 planen den Start dieser Dienste auf Basis der neuen Mobilfunktechnik UMTS im Herbst 2004.
"Die Anbieter subventionieren wieder stärker, um kritische Masse an Kunden zusammenzubekommen, damit das Geschäft mit Datendiensten wie dem Fotoversand anspringt", sagt Stefan Borscheid, Mobilfunkanalyst der HypoVereinsbank. Im Gegensatz zum ersten Handyboom um das Jahr 2000 seien die Anbieter heute jedoch wesentlich vorsichtiger. "Damals ging es um die Gewinnung von Marktanteilen, jetzt geht es darum, den Kunden zu halten", sagt Borscheid. Man konzentriere sich bei der Subvention vor allem auf Kamerahandys und Topkunden, die hohe Umsätze versprächen. Erfahrungsgemäß nutzen Käufer der moderneren Multimediahandys die umsatzträchtigen Dienste stärker als Nutzer einfacherer Modelle.
Je schicker das Handy, desto höher die Subventionen
Während einfachere Handys ohne Kamerafunktion derzeit bei Vertragsabschluss mit rund 100 Euro bezuschusst werden, spendieren die Konzerne Käufern eines hochmodernen Multimediahandys zwischen 200 und 300 Euro. Vor zwei Jahren hatten die meisten Anbieter noch mit üppigen Zuschüssen vor allem um vorauszahlende Kunden geworben und so in Kauf genommen, dass ihre Margen unter Druck gerieten. Die Branche schwor sich daraufhin, die Subventionen möglichst weit zurückzufahren.
"Die Zuschüsse sind jetzt auf ein deutlich vernünftigeres Niveau gesunken", sagte ein Sprecher von T-Mobile. Gleichzeitig subventioniere man jetzt bei der Telekomtochter - wie in der gesamten Branche - lukrative Vertragskunden stärker als Kunden, die mit vorausbezahlten Guthabenkarten (Prepaid) telefonieren. Während früher ein Prepaid-Paket zwischen 40 und 80 DM gekostet habe, gehe der Preis jetzt bei 70 Euro los. "Die Subventionen haben wir bei Vertragskunden nicht so stark gesenkt."
Ein weiterer Grund treibt laut Branchenexperten die aktuelle Subventionsrunde. Derzeit häuft sich das Auslaufen der in der Regel auf zwei Jahre abgeschlossenen Handyverträge aus dem ersten Boom. Etwa 17 Millionen Mobilfunkverträge werden in nächster Zeit auslaufen, schätzt man. Etwa zweieinhalb Millionen Neukunden werden im nächsten Jahr dazukommen.
Die Kunden will man gleich mit einem neuen Handy beglücken, das alles kann - vom Videotelefonat bis zum mobilen Surfen im Internet. Dadurch wollen die Mobilfunkkonzerne ihre Kunden an die Nutzung der neuen Datendienste auf Basis des Breitbandmobilfunks UMTS gewöhnen. Von ihnen erhoffen sich die Konzerne einen neuen Umsatzschub. Der Aufbau der neuen Technik hat Milliarden verschlungen und soll sich möglichst bald amortisieren.
Dennoch wird der Drang in die neue Datenwelt aus der Sicht von Analysten nicht dazu führen, dass die Mobilfunkanbieter wieder in den alten Subventionswahn zurückfallen. "Ich sehe keinen Trendbruch dahingehend, dass die Kundenakquisitionskosten wieder in die Höhe schnellen", sagt Marcus Sander, Analyst von Sal. Oppenheim. Ein T-Mobile-Sprecher bestätigt diese Sicht: "Im Weihnachtsgeschäft zeigt sich jetzt schon eine starke Nachfrage nach Handys, die mehr als nur telefonieren können, etwa Fotohandys, ohne dass T-Mobile exorbitant hohe Subventionen fahren muss."
Die Subventionierung von Handys ist weltweit verbreitet. Nur in wenigen europäischen Märkten kommen die Netzbetreiber ohne die umstrittene Praxis aus. In Belgien ist die Subvention gesetzlich verboten; in Italien sind die Kunden seit jeher gewöhnt, den vollen Preis für das Mobiltelefon zu bezahlen