..... Börsenjahr
Teil 1: Gertrud R. Traud und Hendrik Garz
Gertrud R. Traud, Leiterin Aktienmarktstrategie bei der Bankgesellschaft Berlin:
Nach einer starken Kursrallye seit Ende September befinden wir uns kurzfristig in der Phase der Gewinnmitnahmen. Defensive Titel werden temporär favorisiert. Bereits im ersten Quartal 2002 erwarten wir jedoch wieder eine bessere Performance von Wachstumswerten. Je mehr sich die besseren Konjunkturdaten verdichten werden, desto eher eröffnet sich für das kommende Jahr die Chance auf eine positive Performance der Aktienmärkte. Damit würde der Dax dem historischen Muster folgen, dem entsprechend seit den sechziger Jahren nie mehr als zwei negative Börsenjahre in Folge zu verkraften waren.
Besonders positiv sehen wir die Aussichten für Telekommunikationswerte. Die grundlegenden Sorgen, die den Telekommunikationssektor lange belastet haben, betrafen vornehmlich die hohe Verschuldung, Verzögerungen im Schuldenabbau sowie Spekulationen, dass die Einführung des UMTS-Mobilfunknetzes sich stark verzögern könnte. Nunmehr sind die hohen Bewertungen abgebaut, und der Rückgang der kurzfristigen Zinssätze wird zu einem Vorteil für die hoch verschuldeten Telekommunikationsunternehmen. Die Deutsche Telekom zählt deshalb zu unseren Favoriten für das Jahr 2002. Unser zweiter Liebling ist die Deutsche Bank. In einem insgesamt günstigeren Konjunktur- und Aktienmarktumfeld dürften sich Bankaktien überdurchschnittlich entwickeln. Davon profitiert die Deutsche Bank auf Grund ihrer ausgezeichneten Marktstellung am stärksten. Als dritten Wert favorisieren wir Eon. Die konsequente Umsetzung der Fokussierung auf Kernkompetenzen eröffnet Eon die Chance, zu einem der bedeutendsten Energiekonzerne der Welt zu werden. Dies dürfte den Kurs im kommenden Jahr weiter beflügeln.
* * *
Hendrik Garz, Aktienmarktstratege bei WestLB Panmure:
2002 wird kein überragendes Aktienjahr werden. Hoffnungen statt Fakten haben in den vergangenen Wochen die Kurse auf ein recht ambitioniertes Niveau zurückgeführt. Die Bewertungsspielräume sind daher vergleichsweise gering, auch wenn in Europa zweifellos mehr Potenzial vorhanden ist als in den USA. Gleichzeitig sind die politischen und wirtschaftlichen Risiken immer noch hoch. So besteht unserer Meinung nach die Gefahr, dass die außergewöhnlich expansive Geld- und Fiskalpolitik in den USA lediglich ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen könnte. Bereits in 2003 dürfte sich die Dynamik dann wieder deutlich abflachen. Für eine nachhaltige Expansion der Unternehmensgewinne sehen wir daher kaum Spielraum.
In Europa wird sich die Konjunktur später und mit weniger Schwung erholen als in den USA. Trotz ihrer deutlich günstigeren Bewertung werden sich die europäischen Aktienmärkte daher voraussichtlich nicht im positiven Sinne von den USA abkoppeln können. Zudem stehen in Deutschland und in Frankreich Wahlen an.
All dies lässt auf Jahressicht nur ein mäßiges Kurspotenzial erwarten. Die Notierungen werden wegen der hohen Unsicherheiten jedoch stark schwanken, so dass sich viele Trading-Chancen ergeben werden. Eine Jahresanfangsrallye, die durch eine Mischung aus frischer Liquidität und "spontanem Optimismus" getrieben sein würde, ist nicht unwahrscheinlich.
Grundsätzlich gehen wir für 2002 davon aus, dass - anders als in den beiden vergangenen Jahren - Selektivität wichtiger sein wird als Markt-Timing. Unsere Favoriten unter den deutschen Aktien sind Münchener Rück, RWE, Schering und Hypo-Vereinsbank. Am Neuen Markt setzen wir vor allem auf Qiagen, DAB Bank und Grenkeleasing.
Teil 1: Gertrud R. Traud und Hendrik Garz
Gertrud R. Traud, Leiterin Aktienmarktstrategie bei der Bankgesellschaft Berlin:
Nach einer starken Kursrallye seit Ende September befinden wir uns kurzfristig in der Phase der Gewinnmitnahmen. Defensive Titel werden temporär favorisiert. Bereits im ersten Quartal 2002 erwarten wir jedoch wieder eine bessere Performance von Wachstumswerten. Je mehr sich die besseren Konjunkturdaten verdichten werden, desto eher eröffnet sich für das kommende Jahr die Chance auf eine positive Performance der Aktienmärkte. Damit würde der Dax dem historischen Muster folgen, dem entsprechend seit den sechziger Jahren nie mehr als zwei negative Börsenjahre in Folge zu verkraften waren.
Besonders positiv sehen wir die Aussichten für Telekommunikationswerte. Die grundlegenden Sorgen, die den Telekommunikationssektor lange belastet haben, betrafen vornehmlich die hohe Verschuldung, Verzögerungen im Schuldenabbau sowie Spekulationen, dass die Einführung des UMTS-Mobilfunknetzes sich stark verzögern könnte. Nunmehr sind die hohen Bewertungen abgebaut, und der Rückgang der kurzfristigen Zinssätze wird zu einem Vorteil für die hoch verschuldeten Telekommunikationsunternehmen. Die Deutsche Telekom zählt deshalb zu unseren Favoriten für das Jahr 2002. Unser zweiter Liebling ist die Deutsche Bank. In einem insgesamt günstigeren Konjunktur- und Aktienmarktumfeld dürften sich Bankaktien überdurchschnittlich entwickeln. Davon profitiert die Deutsche Bank auf Grund ihrer ausgezeichneten Marktstellung am stärksten. Als dritten Wert favorisieren wir Eon. Die konsequente Umsetzung der Fokussierung auf Kernkompetenzen eröffnet Eon die Chance, zu einem der bedeutendsten Energiekonzerne der Welt zu werden. Dies dürfte den Kurs im kommenden Jahr weiter beflügeln.
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Hendrik Garz, Aktienmarktstratege bei WestLB Panmure:
2002 wird kein überragendes Aktienjahr werden. Hoffnungen statt Fakten haben in den vergangenen Wochen die Kurse auf ein recht ambitioniertes Niveau zurückgeführt. Die Bewertungsspielräume sind daher vergleichsweise gering, auch wenn in Europa zweifellos mehr Potenzial vorhanden ist als in den USA. Gleichzeitig sind die politischen und wirtschaftlichen Risiken immer noch hoch. So besteht unserer Meinung nach die Gefahr, dass die außergewöhnlich expansive Geld- und Fiskalpolitik in den USA lediglich ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen könnte. Bereits in 2003 dürfte sich die Dynamik dann wieder deutlich abflachen. Für eine nachhaltige Expansion der Unternehmensgewinne sehen wir daher kaum Spielraum.
In Europa wird sich die Konjunktur später und mit weniger Schwung erholen als in den USA. Trotz ihrer deutlich günstigeren Bewertung werden sich die europäischen Aktienmärkte daher voraussichtlich nicht im positiven Sinne von den USA abkoppeln können. Zudem stehen in Deutschland und in Frankreich Wahlen an.
All dies lässt auf Jahressicht nur ein mäßiges Kurspotenzial erwarten. Die Notierungen werden wegen der hohen Unsicherheiten jedoch stark schwanken, so dass sich viele Trading-Chancen ergeben werden. Eine Jahresanfangsrallye, die durch eine Mischung aus frischer Liquidität und "spontanem Optimismus" getrieben sein würde, ist nicht unwahrscheinlich.
Grundsätzlich gehen wir für 2002 davon aus, dass - anders als in den beiden vergangenen Jahren - Selektivität wichtiger sein wird als Markt-Timing. Unsere Favoriten unter den deutschen Aktien sind Münchener Rück, RWE, Schering und Hypo-Vereinsbank. Am Neuen Markt setzen wir vor allem auf Qiagen, DAB Bank und Grenkeleasing.