Erst mal: ich sage ja nicht, dass ich die Akquisition als komplett daneben empfinde, die heutige Kursreaktion erscheint mir recht heftig und ich erwarte eigentlich auch eine Gegenreaktion. Zudem habe ich ja selber einige PRO-Punkte aufgezählt.
Aber, Wes, ein wenig Objektivität würde m.E. schon gut tun. Der Kurs schmiert teilweise über 25% ab und schließt mit -19% was ich noch nie nach einer Übernahmeankündigung erlebt habe, die Analysten sehen die Übernahme unisono als teuer an (die meisten aber auch als gut), selbst viele Board-Optimisten sind skeptisch, etc. - ob es da angebracht das als "scheuhe Rehe, Lemminge, Kleingeister, Immobilienkäufer, jammern, etc." zu diffamieren....hm, ich weiß nicht. Viele professionelle Anleger sehen das anders, zumindest heute (wobei die auch oft genug daneben liegen).
Wie Du auf <1% als Zinskosten gekommen bist, ist mir wiederum schleierhaft - gerade bei einer Übernahme im Chip-Bereich bei dem die Nettoverschuldung mehr als dem dreifachen des EBITDA entspricht. Die Logik, dass ein Teil von Dialog bezahlt wird und ein Teil von den Aktionären ist auch...sagen wir mal abenteuerlich. Der Gesamtpreis wird den Aktionären bezahlt (momentane Liquidität steht nicht mehr für eine Ausschüttung zur Verfügung, zukünftiger Cash Flow auch nicht, da zur Schuldentilgung eingesetzt und Dividenden/Rückkäufe sind die nächsten zig Jahre ausgeschlossen; dafür aber auch ein neuer Ergebnisbeitrag).
Meiner Meinung nach ist Dialog auch schon jetzt bekannt genug, zB bei jedem Teardown erwähnt. Und das folgende Fundstück zeigt auch in die Richtung:
https://www.youtube.com/watch?v=Kc2QjKbR9UQ
Jack, danke für Dein Feedback. Ja, wenn Du der Meinung bist, dass die Senkung des Apple-Anteils auf unter 40% das vorrangige Ziel war, dann musste es eine Übernahme in dieser Umsatz-Größenordnung sein. Aber davon bin ich nicht überzeugt, denn meiner Meinung nach hat sich doch die letzten beiden Jahre keiner mehr großartig darum gekümmert, ob nun 80, 70 oder 60% Apple-Anteil herrscht. Die Aktie hat sich versechsfacht innerhalb von zwei Jahren und hatte für das laufende Jahr ein KGV von deutlich jenseits der 20 erreicht - das ist nicht mehr vergleichbar mit der 2012/13er Panik-Situation.
Die Sichtweise, dass die MK jetzt bei 6,5 Mrd Euro liegt und dann durch die Synergien automatisch weiter ansteigt, teile ich nicht. Die 150 Mio Synergien hat Dialog ja recht fest "avisiert" und werden mehr oder weniger in die Modelle gelangen - da muss erst mal geliefert werden, bevor man sagt, dass das zu weiteren Aktienkurssteigerungen führt (immerhin knapp 40% der momentanen OPEX von Atmel, wenn ich das richtig gesehen habe)!
Ob man das als Mut vom CEO sieht, der im Sinne der Gesellschaft oder im Sinne der Aktionäre gehandelt hat oder ob das ein Versuch ist, sich selber gegen Übernahmen und eigenem Jobverlust zu schützen, will und kann ich nicht einschätzen.
Letzter Punkt: bin ganz bei Dir, dass man nicht auf einzelne Tage schauen sollte und in zwei Jahren kann die Akquisition ganz anders gesehen und interpretiert werden als heute. Die Frage, die ich mir nun stellen würde ist, ob man dann jetzt schon Positionen aufbauen bzw. halten möchte. Oder ob ich mir das in einem Jahr noch mal anschaue, wenn die ganzen Einmalaufwendungen vorbei sind, der Merger durch ist, gemeinsame Ergebniss berichtet werden und man mehr Visibilität über die tatsächlichen Synergien hat.
sonicted, zu Deinem Punkt: das Yahoo Finance Atmel Message Board diesbezüglich liest sich ganz interessant.