Deutschland nur auf Platz 25 von 32


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avantgarde:

Deutschland nur auf Platz 25 von 32

 
03.12.01 15:35
Laut PISA Studie landeten die Deutschen Schüler mit Ihrem Wissen nur auf dem 25. von 32 Plätzen. Das ist nicht einmal mehr hinteres Mittelfeld, daß ist einfach nur schlecht.

Und da wir ja in den vergangenen Tagen so gern über Politik gesprochen haben, so kann ich nur sagen: 30 Jahre sozialdemokratische Bildungspolitik zeigen ihre Auswirkungen!!! Wer das sagt? Ich sowieso, aber interessanterweise wohl auch einige Stimmnen der sozis. Nachzulesen auf www.spiegel.de . Dort ist ein umfassender Bericht über diese Studie vorhanden.

Jedem potentiellen SPD / Grünen Wähler auf Landesebene kann ich nur raten, sich dieses Ergebnis ruhig mal zu Gemüte zu führen.

Schön, daß meine Befürchtungen endlich mal bestätigt wurden.

Auch interessant ist: Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung hat nun seit 2 Monaten erfolglos versucht, diese Studie nicht der Öffentlichkeit zukommen zu lassen. Nachdem man die Ergebnisse kannte, war man darauf bedacht, der vollendeten PISA Studie doch nahezulegen, die Studienergebnisse nicht zu veröffentlichen.   ...Endlich ist es raus.

Avantgarde
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prom:

Mr-Blue, das ist nur ein Gag ohne Zensurenaus-

 
03.12.01 18:00
wirkung zur Auflockerung, mehr nicht..

Viele Grüße
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avantgarde:

@ Mr Blue...war klar, daß die Feststellung

 
03.12.01 18:04
jetzt kommt. Aber wie Du ja sicher weißt gibt es einer Prüfung auch immer einen allgemeinbildenden Bereich, und der ist eben frei definierbar. Außerdem sind das keine schriftlichen Fragen gewesen, sondern Fragen, die das logische Denken und den Wissensstand der Prüflinge sehr gut darstellen, da sie nicht damit rechnen. Intelligente Menschen überlegen, und können alle dieser gestellten Fragen klar und einfach beantworten. Du nicht?

Paß auf: Du fährst ein Formel 1 Rennen: Du bist in der Spitzengruppe und überholst den an Position 2 liegenden Fahrer. Wievielter bist Du nun?

Na, war die erste Antwort gleich die richtige??

So denn

Avanti

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Mr_Blue:

2'ter

 
03.12.01 18:39
Nein, ich wusste nicht, dass es auch einen allgemeinbildenden Teil gibt (wobei darüber zu streiten ist, ob solche Fragen überhaupt einem allgemeinbildenden Teil zuzurechnen wären).
Bei meinen zwei IHK-Prüfungen gab es zumindest nicht so einen Teil.

In welchen Ausbildungsberufen hast du geprüft?
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Mr_Blue:

Übrigens, mein spontaner Gedanke war 1'ter

 
03.12.01 18:44
Hat aber, glaub' ich, weniger mit verminderter Intelligenz zu tun, sondern mehr mit unseren kognitiven Denkstrukturen.
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HB_Männchen:

wer wird denn gleich in die Luft gehen?

 
03.12.01 19:01
ich lese hier am Board seit zwei Jahren die Threads und Postings, es wird doch monatlich schlimmer!
Ihr seid doch alle auf die Rechtschreibreform und die damit verbundene Unsicherheit angewiesen, sonst hätte von euch Jungen doch niemand das Abitur erreicht.
Mathematik ? Könnt Ihr doch alle nicht, wenn man euch den Taschenrechner wegnimmt, seid Ihr aufgeschmissen.
Allgemeinwissen ? Wen interessiert das schon !
Wir sind in nullkommanichts zur Spaßgesellschaft degeneriert, die international nur durch Eimersaufen im Ballermann auffällt.
Wen wunderts aber, ernsthaft? Niemanden !
Ich habe in meiner Kindheit eine Backpfeife nach der anderen bekommen, teils von wildfremden Leuten, meine Eltern sagten damals höchstens: wirst es schon verdient haben. Heute wird jeder Lehrer, dem die Nerven, mit Euch missratener Brut, durchgehen, gleich vor Gericht gezerrt, dann verliert er auch noch, egal was die Monster gemacht haben. Er wird sich nun zwar noch ein paar Mal Gedanken um einige Schüler machen, aber das wars dann.
Schuld sind Eltern, die wie ich, streng erzogen wurden, ihrem Kind aber das Gegenteil bieten wollen.
Es ist zu hoffen, dass sich das in der nächsten Generation wieder etwas legt und einige Töchter (oder Söhne) meiner Töchter etwas weniger feiern, aber mehr lernen wollen, kann aber dauern, bis bei den (Groß)eltern das Geld knapp wird,

HB
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avantgarde:

@ mr Blue und HB Männchen

 
03.12.01 19:19
also das mit dem kognitiven Denken ist sicher richtig, aber intelligenz ist relativ, da zähle ich das kognitive Lernverhalten also gleich mit dazu. Das ist aber sicher Ansichtssache. Die Prüfungen waren für sog. VIA's (Verwaltungs-Inspektoren-Anwärter) also alles Abiturienten!!. Die haben aber nur indirekt mit der IHK und meiner Funktion dort zu tun, sondern vielmehr mit der Prüfung z. B. bei der Bundesanstalt für Arbeit. Aber um das zu erläutern brauche ich mehr Platz (spielt hier auch keine Rolle).

Man kann im übrigen jede Frage in einer Prüfung auf die Probe stellen und auf Sinnigkeit überprüfen, Tatsache ist aber, daß die Menschen und Schüler diese Fragen nicht mehr beantworten können.

@ HB Männchen

Gebe Dir 100% recht, und mit Mathe hast Du bei mir teilweise recht. Meine Allgemeinbildung halte ich jedoch für meine Generation sehr gut, wobei auch das Wort Allgemeinbildung so relativ ist wie alles andere. Wärend meine M;utter z. B. mit Computerbegriffen nichts anfangen kann, erkennt sie an 2. Takt eines klassischen Stücks den Komponisten und den Titel. Wer weiß nun mehr??

Ansonsten wie gesagt 100% richtig.

Aber wer soll die Gegenbewegung zur derzeitigen Entwicklung schaffen???

Avantgarde
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HB_Männchen:

wer wird denn gleich in die Luft gehen?

 
03.12.01 20:55
Lesen bildet, sonst nichts.
Die traurige Tatsache ist aber, dass 65 % der Eltern auch noch nie ein Buch gelesen haben, Zladko lässt grüssen.
Die Unterhaltungsmusik der Vergangenheit ist genauso unwichtig, wie die Computerbegriffe der Gegenwart.
Was zählt, ist die Substanz.
Besser als die Schlager am Takt zu erkennen, ist die Kunst der verschiedenen Zeiten zu begreifen, als jeweilige Lebenslage anzuerkennen, wichtiger als die Compslangs sind, ist das Wissen um die Funktion der heutigen Programmsprachen und der Komponenten, um in Zukunft dabei sein zu können.
Wenn man sich aber beides merken kann, hat man bestimmt mal ein Buch gelesen.
Mit Allgemeinbildung versteht heute jeder was anderes, es könnte sein, dass das auch gut so ist, negativ fällt aber auf, seit es Privatfernsehen gibt, alle Spielfilme ständig wiederholt werden, die Leute auch blöder werden.
Stereotyp, und das ist noch kein Ausdruck!
Die Gegenbewegung wird einsetzen, davon bin ich überzeugt!
Für mich sieht es so aus, als wenn sich jetzt schon viele junge Leute ihres Wissensnotstandes bewusst werden, ich seh' heuer wieder mehr Jugend über Büchern als letztes Jahr, da war es krass, nur Kaugummi.

HB
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prom:

@HB-Männchen,

 
03.12.01 21:02
die Generationen vorher waren im Schnitt genauso blöd, vielleicht noch blöder, allerdings beherrschten sie im allg. die sog. "Kulturtechniken" wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Daneben hatten viele ein durch Pauken erworbenes Faktenwissen. Was ist nun besser? Wie immer wohl in der Mitten.
Und Spass-Generation ist in diesem kurzen Leben doch auch nicht schlecht, .. wenn man es sich leisten kann.

.. aber wielange kann man sich das noch leisten?

Viele Grüße
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prom:

Auch eine Interpretation der Ergebnisse

 
03.12.01 23:10
Die Ganztagsschule ist nicht das Allheilmittel

Die Leistungen finnischer Schüler hängen auch mit einem geringen Ausländeranteil zusammen

Von Kathrin Spoerr
Berlin - Erst am Dienstag werden die Ergebnisse der "Pisa"-Studie offiziell verkündet, aber schon jetzt ist Deutschland auf der Suche nach den Verantwortlichen für das schlechte Abschneiden der Schüler beim internationalen Lernleistungstest "Pisa" (Programme for International Students Assessment). Betrachtet man erste Reaktionen von Politikern, Gewerkschaftern und Verbandsvertretern, so hat das Abschneiden der Deutschen einen ganz schlichten Grund: Es gibt hier zu Lande nicht genug Ganztagsschulen.

In diesem Sinne äußerten sich eine Reihe von Politikern, die sich ansonsten nicht durch allzu große Übereinstimmung ihrer Meinungen auszeichnen, wie etwa die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU), der bildungspolitische Sprecher der SPD, Jörg Taus, der Vorsitzende der NRW-CDU, Jürgen Rüttgers, und die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Eva-Maria Stange. Schon vor der offiziellen Präsentation sind einige Ergebnisse der "Pisa"-Studie bekannt geworden. Demnach belegen die deutschen Schüler bei allen drei getesteten Fächern einen unteren Platz. Beim Leseverstehen landeten sie auf dem 21., in Mathematik und Naturwissenschaften jeweils auf dem 20. Platz.

Schon vor Bekanntwerden dieser Zahlen gehörte die Ganztagsschule zu den Modethemen der Bildungspolitik. Schenkt man den Worten Glauben, die Politiker seit etwa einem Jahr wiederholen, so ist die Ganztagsschule eine Art Allheilmittel für alle Fehlentwicklungen der Bildungspolitik - so wie zuvor schon das Ziel, alle Schüler mit Computern zu versorgen.

Wie groß der Beitrag der Ganztagsschule zur Lösung der Lernprobleme deutscher Schüler wäre, ist jedoch nicht erwiesen. Bisher wurde die Nachmittagsbetreuung von Schülern vorrangig als familienpolitische Maßnahme zur Unterstützung der Berufstätigkeit von Frauen gehandelt.

Ob die Ganztagsschule auch die Lernleistungen hebt, muss eine detaillierte Analyse der "Pisa"-Studie noch zeigen. Ein Indiz liefern allerdings die skandinavischen Länder, die besser abgeschnitten haben als Deutschland. Finnland liegt sogar überraschend auf Platz eins in der erstmals geprüften Kompetenz des Leseverstehens. Hier und auch in anderen Ländern Skandinaviens sind Ganztagsschulen fest etabliert. Vor allem in Schweden hat die Rundumbetreuung der Kinder aber einen gesellschaftlichen Grund. Die Berufstätigkeit der Frau ist hier unerlässlich für das Einkommen der Familien.

Doch das allein ist es nicht. Positiv auf das exzellente Abschneiden der Finnen wird sich auch der geringe Ausländeranteil in diesem Land ausgewirkt haben. Er liegt bei unter zwei Prozent. Die "Pisa"-Studie hatte ergeben, dass ein hoher Anteil schlecht integrierter Ausländer die Länder-Ergebnisse drastisch nach unten drückt. Finnland galt in Europa immer als Einwanderungsfestung. Das Land muss die Hürden allerdings auch nicht allzu hoch auftürmen, weil die finnische Sprache stets als eine Art natürliches Einwanderungshemmnis wirkte. Positiv auf die Lesekompetenz wirkt sich auch aus, dass das Land mit die höchste Zeitungsdichte in Europa aufweist.

Am Dienstag stellt das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin die Ergebnisse von "Pisa" offiziell vor. Ein zweiter - der wichtigere - Teil der Studie wird erst Anfang 2003 veröffentlicht: Er wird die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern verdeutlichen und damit, wenn auch indirekt, einen Beitrag zur Debatte um die bessere Schulform leisten.

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Mr_Blue:

Noch ein Gedanke, der bisher nicht

 
04.12.01 16:00
berücksichtigt wurde. Es muss unbedingt nicht sein, dass wir schlechter geworden sind, es kann auch nur sein, dass die anderen besser geworden sind.

Und: Eine Studie, die PISA heisst, kann sowieso nur schief sein ;-)
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ruhrpottzocker:

Das ist wirklich ein guter Gedanke.

 
04.12.01 16:04
Studien erinnern mich häufig an die Machwerke von Analysten.

Hier stellt sich die Frage nach den Auftraggebern (nicht den offiziellen), den Vorgaben und den Meßmethoden.
Antworten
avantgarde:

Was genetisch versaut ist, bekommt man mit

 
04.12.01 18:19
Schläge allein nicht mehr hin...

Walter Moers (Das kleine Arschloch)

Avantgarde
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Dr.UdoBroem.:

Die ganze Wahrheit

 
04.12.01 18:52
zu diesem Zitat: Moers hat das nur geklaut...

"Wenn man sieht, dass eine Sache genetisch versaut ist, das kann man mit Pruegel allein nicht korrigieren." -- Die toten Hosen

Es handelt sich um ein Zitat von der CD "Auf dem Kreuzzug ins Glueck" von den Toten Hosen, Gerhard Polt und den Biermosl Bloasn, einer bayerisch-anarchistischen Blaskapelle.

Die Zeile stammt aus einer "Rock-Oper" der Toten Hosen ueber
ein schwer erziehbares Kind "Willi", das von den Pflege-Eltern letztlich ins Heim gebracht wird und auch dort nicht richtig zu sich findet. Das o.a. Zitat ist ein Spruch des Pflegevaters zur Pflegemutter, mit dem er sie "troestet" als der Kleine endlich ins Heim kommt.

Gruß Dr. Broemme

Deutschland nur auf Platz 25 von 32 499027
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Bankerslast:

man lernt heute nicht mehr

 
04.12.01 18:59
fürs Leben, sondern für die Politiker. Das ist so gewollt. Denkt mal nach.
Außerdem muß man sich noch fragen, wer zudem das Niveau in den Klassen runterzieht.

@prom sei gegrüßt


Gruß Bankerslast  
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Timchen:

In etwa 4 Wochen

 
05.12.01 07:56
kommt ein Studie, die die einzelnen Bundesländer vergleicht.
Also ruhig bleiben und schon mal anschnallen.
So schlecht ist doch der Platz 25 gar nicht.
Das reicht doch üppig aus, wenn man beim Wirtschaftswachstum
nur den letzten Platz in der EU verteidigen will.

Ganz frei nach unserm Kanzler: Die anderen haben eben
Nachholbedarf.

Also seien wir mal sozial und schimpfen dann über die
unsozialen Südländer, weil sie eine Elite fördern wollen.
Hoch lebe die Gesamtschule.
Gleiche Bildung für alle.
Der Schwächste setzt den Maßstab.

Timchen
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index:

Warum die Schüler in Japan und Kanada besser sind

 
06.12.01 23:44
Pisa"-Test

Warum die Schüler in Japan und Kanada besser sind

Von Carsten Heckmann

Während Deutschland debattiert, warum seine Schüler bei der "Pisa"-Studie so schlecht abgeschnitten haben, freuen sich andernorts die Gewinner über ihre guten Ergebnisse. Die Musterschüler sitzen zum Beispiel in kanadischen und japanischen Klassenräumen. Was läuft dort besser? UniSPIEGEL ONLINE hat nachgefragt.

 
DPA

Nachsitzen scheint angesagt - für Deutschlands Schüler, Lehrer, Eltern und Bildungspolitiker


"Hier ist ein Grund, unsere Lehrer, Ausbilder und Schüler zu feiern". Mit diesen Worten kommentierte Diane Cunningham die Ergebnisse der neuesten "Pisa"-Studie. Die hat es gut, mögen jetzt deutsche Kollegen denken. Cunningham ist Bildungsministerin der kanadischen Provinz Ontario und hat in ihrem Land die Durchführung der Studie koordiniert.

Die Kanadier sind stolz auf ihre Ergebnisse und können es wohl auch sein. Zweiter Platz beim Lesen, sechster in Mathematik, fünfter in Naturwissenschaften. Vor einigen Jahren noch Mittelmaß, jetzt in der Leistungsspitze. Statt hämischer Kommentare gab's in der Presse große positive Schlagzeilen: "Gute Nachrichten für müde Lehrende" überschrieb zum Beispiel der "Toronto Star" seinen Bericht.

Endlich, denken viele Menschen im Ahorn-Land. Denn Kanada gibt für Bildung viel Geld aus. Bis zu sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen ins Bildungssystem. "Damit konnten wir viel bewegen in den letzten zehn Jahren", sagte der Generaldirektor des Rates der kanadischen Bildungsminister, Paul Cappon, im Gespräch mit UniSPIEGEL ONLINE.

Systematisch die Schwachpunkte lokalisieren

 

Reform geschafft: Paul Cappon, Generaldirektor des Rates der kanadischen Bildungsminister


"Wir haben zum Beispiel ein System entwickelt, mit dem wir diagnostizieren können, was schief läuft - und zwar landesweit", so Cappon. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Kanada, ähnlich wie Deutschland, föderal strukturiert ist. Es gibt zehn Provinzen und drei Territorien, und wie hierzulande auch haben diese "Länder" die Hoheit über die Bildung.

In Regelmäßigkeit gibt es aber in ganz Kanada stichprobenartig nationale Tests für Schüler, parallel zu den eigentlichen Leistungskontrollen. "Die Ergebnisse dieser standardisierten Tests helfen uns, die Schwachpunkte zu lokalisieren", erklärt Paul Cappon. Solche Punkte gebe es durchaus, vor allem seien die Leistungen in den Provinzen zum Teil sehr unterschiedlich - und das sagt er wohl nicht aus der bekannten kanadischen Bescheidenheit heraus.

Cappon muss sich auch nicht bescheiden, kann er doch Highlights aufzählen. Die Provinzen Alberta, British Columbia und Quebec hätten bei "Pisa" so gut abgeschnitten, dass sie als eigenständige Länder "die meisten anderen hinter sich gelassen hätten". Fast die Hälfte aller kanadischen Schüler gehe später auf eine Universität - "ein sehr hoher Wert".

"Große soziale Gleichheit"

Ein Grund dafür liege auch in der "großen sozialen Gleichheit". Bildung sei in Kanada kein soziales Privileg für wenige. Ein Satz, den vor "Pisa" wohl nahezu jeder deutsche Politiker auch für sein eigenes Land glattweg unterschrieben hätte.

Nur hat die Studie bekanntlich ergeben, dass der Bildungserfolg in Deutschland hohem Maße abhängig ist von der sozialen Herkunft. So hat ein Jugendlicher aus einer Akademikerfamilie hierzulande eine vier Mal größere Chance, das Abitur zu erlangen, als ein Facharbeiterkind.


Seine Bildungsreform habe Kanada zudem schon hinter sich, betont Generaldirektor Cappon. Die Kurrikula seien modern wie nie zuvor. "Wir haben Standards erarbeitet und Prioritäten gesetzt: Statt nur darauf Wert zu legen, was man wissen sollte, ist jetzt umso wichtiger, wie man das Wissen benutzen kann. Wir achten auf die Fähigkeit der Schüler, Probleme zu lösen."

Schon im Kindergarten würden dafür die Grundlagen gelegt, so Cappon. "Dass das geht, darüber wird in Kanada nicht mehr diskutiert, das Wissen um diese Tatsache ist Allgemeingut." Ein Hinweis mehr auf die Erkenntnis: Bildung genießt einen äußerst hohen Stellenwert in der kanadischen Gesellschaft.



 
AP

Lernen in Deutschland: Was läuft schlechter als anderswo?


In Japan hat die Bildung einen ebenso hohen, wenn nicht noch höheren Stellenwert. Anders sind dort aber die Lehrmethoden. Pauken, plagen, prüfen sind Schlagworte, die dem japanischen Bildungssystem seit langem anhängen. Ganztagsschulen sind Usus, Zulassungsprüfungen für Oberschulen und Universitäten so hart, dass viele Schüler von einer "Prüfungshölle" sprechen.

Elementares muss gelernt werden, und dass es gelernt wird, zeigen die meisten Tests. So auch "Pisa": Im Lesen belegten die japanischen Schüler zwar "nur" den achten Platz, doch in Mathe stellten sie alle anderen Teilnehmer in den Schatten, und in den Naturwissenschaften wurden sie nur von den Koreanern geschlagen.

"In Japan ist die Schule eben Lebensraum, schon die Vorschulerziehung ist wichtig", weiß Volker Schubert zu berichten. Der Erziehungswissenschaftler hat fünf Jahre lang als Lektor in Japan gearbeitet und einige Fachbücher über Bildung und Erziehung im Reich der aufgehenden Sonne verfasst.

Gruppendruck und Konformismus

Der Schulstress für Japaner sei vielleicht nicht einmal größer als in Deutschland, "aber er ist konzentrierter." Bei den wichtigen Prüfungen würden die schlechten Schüler gnadenlos "rausgeprüft", das schaffe Druck. Der werde zusätzlich erhöht durch die Eltern, die auch für Hausaufgabenbetreuung oder Zusatzunterricht sorgen.

Rund vier Fünftel der Grund- und Mittelschüler besuchen mehrmals pro Woche noch eine Nachmittags- oder Abendschule. Intensives Lernen ist angesagt. Dazu brauchen die Schüler Disziplin und Ausdauer.


Hinzu kommt der Gruppendruck. "Die Gruppenarbeit spielt eine große Rolle", sagt Volker Schubert. Sie erfülle mehrere Funktionen. "Die Schüler sollen sich gegenseitig unterstützen, aber auch aneinander orientieren, sich disziplinieren und Anerkennung vermitteln." Damit würden die Gruppen Aufgaben wahrnehmen, die "bei uns auf die Lehrer monopolisiert sind".

Das Problem dabei: "Der Konformismus wird gefördert." Nischen für Individualismus gebe es kaum, so der Erziehungswissenschaftler, da "japanische Lehrer ihn als Problem auffassen". Die japanische Regierung hingegen hat mit Reformen begonnen, damit individuelle Fähigkeiten zukünftig besser gefördert werden.

Schließlich vermissen in- und ausländische Experten bei den vielfach gerühmten japanischen Musterschülern etwas Entscheidendes. Die Mangelware in den Klassenzimmern: Kreativität.






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© SPIEGEL ONLINE 2001
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Herrero:

Ich weiß gar nicht ,wie die Schüler überhaupt noch

 
07.12.01 08:44
vernünftig lernen sollen.
Wenn ich in einen "modernen" Klassenraum schaue ,sehe ich das reinste Chaos.
Tische und Bänke stehen wahllos verstreut im Raum herum ,die Lehrer beschäftigen sich mit "Projekttagen ,Umweltschule und Europaschule" anstatt mit Lesen und Rechnen und die außerschulischen Aktivitäten werden den Schülern als wichtiger vermittelt ,als sie es je sein dürften.

Die armen Eltern denken ab der ersten Klasse ständig darüber nach ,ob ihr Kind es auf das Gym schafft ,anstatt ihm eine Kindheit zu geben.

Es wird auf die Kinder zuviel Druck ausgeübt ,ohne ihnen die entsprechenden Möglichkeiten in optimaler Form zur Verfügung zu stellen.

Wir leben in einer "Leistungsgesellschaft" die selber froh ist nichts leisten zu müssen.

ein jungväterlicher

Herrero
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avantgarde:

1a Herrero, vor allem der letzte Satz stimmt 100%

 
07.12.01 08:56
Der Sprung in die Dienstleistungsgesellschaft hat es uns beschehrt, daß wir uns hinter dem Wort Dienstleistung regelrecht verstecken können. Wir beraten und diskutieren uns zu tode, und wenn es um echte Arbeit geht, dann wird vorher lieber nochmal darüber gesprochen. Ich möchte gerne mal wissen, was schon an Geld flöten gegangen ist durch die mangelnde Entscheidungsfreudigkeit hierzulande.

Alle wollen mehr Geld für weniger Arbeit, die dann auch noch schlechter wird. Ich werde gleich mal einen Bericht über die Arbeitslust der Deutschen posten, der liegt hier noch irgendwo herum.

Allerdings ist diese Arbeits- und Denkweise wohl verständlich, bei diesem schlechter werdenden Unternehmertum.

Gruß

Avantgarde
Antworten
josua1123:

Da kranks woanders

 
07.12.01 09:01
Österreichs Schüler wurden beim Lesen 10
und im rechnen 11
und die Schulsysteme sind doch fast identisch

kopfschüttel

jo.
Antworten
josua1123:

Da krankt es woanders

 
07.12.01 09:07
Österreichs Schüler belegten im lesen den 10 Platz
und im rechnen den 11
Die Schulsysteme sind doch fast identisch
und trotzdem sind österreichs Schüler um Welten besser

kopfschüttel

jo.
Antworten
mehlmann:

Über die Studie ist bei uns auch gesprochen

 
07.12.01 09:40
worden.
Eine Meinung war, dass die entsprechenden Fragen nicht nur an die Schüler verteilt werden sollten.
Eine Auswertung bei den Lehrern wäre sicher auch von Intersse.
Ich bin nicht feindlich dem Berufszweig gegenüber eingestellt, kenne aber Lehrerstudenten. Da geht schon fast der Spruch um: Wer keine ausgeprägte Neigung für eine Wissensrichtung hat, der kann es ja mal dort versuchen. Sicher gibt es in diesem Fall auch ein paar die ihre Berufung finden, ob das aber die Mehrheit ist?

Wir haben hier mal den Test mit den 31 Pf gemacht, wirklich bedenklich. Viele scheinen das Problem gar nicht zu "raffen".
Vielleicht ist es aber ganz einfach die "Verpackung" - Frage, und nun soll ich eine Antwort geben. Ich denke doch, wenn ein 15-jähriger an einer Kasse 31 Pf zu bezahlen hätte, würde er und auch der größte Teil seiner Altersgruppe das schon noch aus seinem Beutel klauben können, in jeder der möglichen Varianten.

gruß mehlmann
Antworten
loge:

Leistungsgesellschaft ? Haha.

 
07.12.01 09:42
Die deutsche Schule krankt im Gegenteil daran, daß der Leistungsgedanke schon fast verloren gegangen ist. Keine Zensuren mehr in den Anfangsjahren, jeder Depp kann Abitur machen, man kann Fächer studieren, die man vorher abgewählt hatte. Alles wegen der netten Chancengleichheit und damit nicht soviel Druck auf die Kleinen ausgeübt wird. So ein Unsinn. Über Jahrzehnte vorher hat kein Mensch unter dem Druck gelitten.
Was wir brauchen, ist sind einheitliche Zensurennormen und einheitlich definierte Anforderungen. Das ist einfach zu machen. Wer eine bestimmte Norm nicht schafft, gehört ohne Wenn und Aber sitzengeblieben und Dauer-Sitzebleibefälle an eine Sonderschule oder ganz aus der Schule raus, als Hilfsarbeiter fürs Leben. Ob er Ausländer ist, oder nicht, spielt dabei gar keine Rolle. Für Ausländer kann man die Anforderungen im Fach Deutsch herunterschrauben, alle anderen Fächer haben mit Sprachschwierigkeiten nichts zu tun.
Alles andere ist Blabla von Leuten, die sich selbst vor der Leistungsgesellschaft fürchten.  
Antworten
Thomastrada.:

Ein Hoch auf...

 
07.12.01 09:53
...den konsumorientierten Bildungskommunismus:
"Warum soll ich mich anstrengen? Gleichmacherei des Bildungsstands auf niedrigstem Niveau ist bequem und setzt sich durch; anstrengen brauch' ich mich ohnehin nicht, denn ich bekomm' das Abi und/oder Sozialhilfe sowieso und Mami und Papi kaufen mir auch alles, damit sie ihr Gewissen beruhigen, trotz wenig Zeit etwas "Erziehung" zu leisten!"

Weiter so, Deutschland. Länder, die nichts an Wohlstand zu verlieren haben, werden's uns im internationalen Wettbewerb danken!
Ein nachdenklicher T.
Antworten
maxperforma.:

@Dr. Udo Broemme

 
07.12.01 10:41
Ich glaube diesbezüglich verkennst Du die Fakten.

Beispiele: während meiner durchschnittlichen Gymnasialzeit in Bayern
wurden mir von meinen Eltern immer die exorbitanten Leistungen meines gleichaltrigen außerhalb Bayerns lebenden Cousins vorgehalten. Bei einem
Zusammentreffen lösten wir gegenseitig unsere aktuellen Mathe Klausuren
mit dem Ergebnis, dass ich weitaus besser war.

Zu Beginn meines BWL Studiums in Regensburg tummelten sich viele von der ZVS
in die bayerische Provinz verschlagene Nordlichter. Diese waren sehr selbstbewußt und zielstrebig, planten schon im ersten Semester den Sprung an
e nordamerikanische Eliteuniversitäten für die Zeit nach dem Vordiplom.
Leider mussten viele (nicht alle) ihr Vorhaben in Deutschland Diplom-Kaufmann
zu werden aufgeben, da sie die Grundlagenscheine in Mathe nicht schafften und wechselten an die Uni Innsbruck oder eine norddeutsche FH.

Das Süd - Nord Gefälle beim Bildungsniveau ist eben Faktenwissen reine Dumpfpaukerei außerhalb Bayern eben nicht gefragt oder Udo  
Antworten
avantgarde:

@ Max ...da muß ich Dir als Nordlicht leider recht

 
07.12.01 12:50
geben, so traurig auch die Fakten sind.
So long

Avantgarde
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