Deutsche Börse trennt sich von Xetra und Eurex
Die Deutsche Börse löst ihre weltweit eingeführten Handelssysteme Xetra und Eurex ab. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Michael Kuhn, der verantwortlich für den Bereich IT ist, soll eine neu entwickelte einheitliche Handelsinfrastruktur bereits Ende nächsten Jahres bei der in den USA ansässigen Tochter ISE eingesetzt werden.
Die Deutsche Börse ordnet ihre Handelssysteme neu. Quelle: ap
FRANKFURT. Anschließend solle das neue System in möglichst kurzer Zeit auch Xetra und Eurex ersetzen. Rund 100 Mitarbeiter hat die Börse auf das Projekt angesetzt, ein zweistelliger Millionenbetrag ist für die Umsetzung eingeplant. „Wir entwickeln ein komplett neues Fundament für unsere Systeme“, sagte Kuhn dem Handelsblatt.
Hintergrund für den Modernisierungsschub, den sich die Börse durch das neue System selbst verordnet, ist das Bedürfnis der Kunden nach immer schnelleren Handelsmöglichkeiten. Im sogenannten Algotrading, also dem vom Computer gesteuerten Handel, geht es längst nicht mehr nur um Sekunden, sondern um Millisekunden. Die Schnelligkeit, mit der eine Börse in der Lage ist, eine Order auszuführen, entscheidet zunehmend darüber, ob sie oder möglicherweise schnellere Konkurrenten die Orderaufträge erhalten.
Je weniger Zeit zwischen Auftrag und Ausführung einer Order verstreicht, desto geringer ist das Risiko, dass sich in dieser noch so kleinen Zeitspanne die Konditionen verschlechtern. Entsprechend verlangen die Kunden im computergesteuerten Handel immer kürzere Verarbeitungszeiten. Ihnen geht es mittlerweile um Mikrosekunden, also den tausendsten Bruchteil einer Sekunde, innerhalb der ein Auftrag ausgeführt sein soll.
Für Xetra und Eurex wird es immer aufwendiger, bei dieser Entwicklung Schritt zu halten. Xetra stammt in seiner Ursprungsversion aus dem Jahr 1997. „Damals war der Mensch das Maß der Dinge“, sagte IT-Vorstand Kuhn. Inzwischen sei absehbar, dass sich der Mensch aus dem Handel an der Börse ganz verabschiede. Der Computerhandel, der ihn ablöst, verlange höchstmögliche Geschwindigkeiten und die blitzschnelle Verarbeitung gewaltiger Datenmengen.
Historischer Systemwechsel
Wenn der aufwendigste Systemwechsel in der Geschichte der Börse wie geplant voraussichtlich im übernächsten Jahr in Europa über die Bühne geht, werden die Kunden davon wenig sehen. Denn die eingeführten Markennamen Xetra und Eurex sollen erhalten bleiben.
Für die Deutsche Börse ist das Projekt Teil ihrer Wachstumsstrategie. Das Dax-Unternehmen kämpft derzeit mit sinkenden Umsätzen und schrumpfenden Gewinnen. Nach dem Scheitern mehrerer Fusionsbemühungen mit ausländischen Konkurrenten setzt Konzernchef Reto Franchioni inzwischen ganz auf eigene Stärken und kleinere Zukäufe. Für die Börse in Warschau haben die Deutschen ein Gebot abgegeben. In der vergangenen Woche wurden die Frankfurter Mehrheitseigentümer des Indexanbieters Stoxx.
Grüne Sterne beruhen auf Gegenseitigkeit!