FairSpirit
schrieb am 20.07.12 12:49:10
Beitrag Nr.69328
(43.407.097)
Antwort
Zitat
@steinwollsocke,
die ganze Diskussion um eine potentielle Kapital-Erhöhung betrifft ja eigentlich nur die Kriterien von BASEL III und dem Vergleich mit anderen ausländischen Banken, nebst deren vergleichsweise bessere Kapital-Ausstattung. Könntest Du aufgrund Deiner großen Erfahrung mal Deine Einschätzung hier in das Forum stellen; ich bin mir sicher, dass so mancher Teilnehmer Dir dankbar dafür wäre!
Freundliche Grüße aus Laboe!
Steinwollsocke
schrieb am 20.07.12 13:58:06
Beitrag Nr.69329
(43.407.407)
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Antwort
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Antwort auf Beitrag Nr.: 43.407.097 von FairSpirit am 20.07.12 12:49:10Es ist schon richtig, dass die Anforderungen an das EK durch Basel 3 verschärft werden.
Allerdings sollen hier die Übergangsfristen bis 2018 betragen. Im Zusammenhang mit der DB, und leider nur mit der DB, thematisieren Analysten, speziell von US Banken, immer wieder eine KE. Und dies, obwohl die US Banken noch nicht einmal Basel 2 eingeführt haben.
Die USA machen also Druck auf die EU Basel 3 einzuführen und haben selbst noch nicht einmal Basel 2 eingeführt. Neulich ließ mal ein Abgesandter der FED einen Spruch los wonach die USA planten Basel 3 1zu1 umzusetzen. Die US Bankenchefs liefen Sturm und im Stillen rechnet keine Seele ernsthaft damit, dass in den USA Basel 3 zur Geltung kommen soll.
Unabhängig davon hat die DB nach den aktuell gültigen Regelungen nach Basel 2 bzw. Basel 2,5 eine Core Tier 1 Ration von 10 Prozent. Würden die Regeln von Basel 3 auf 2013 vorgezogen, wovon überhaupt nicht die Rede sein kann, würde die EK Quote der DB tatsächlich auf etwas um 7 Prozent sinken. Dies vor allem deshalb, weil aktuell noch zum EK zählende Hybride Nachrangkapitalinstrumente dann nicht mehr zum EK zählen würden. Die DB muss also bis 2018 diese "weichen" EK Instrumente in harte tauschen.
Dies kann mittels einer KE oder dem Einbehalt von Gewinnen bzw. dem Abbau von Risikopositionen geschehen.
Und jetzt an dieser Stelle bitte alle mal den Verstand einschalten:
Weshalb sollte die DB jetzt mittels einer KE Geld aufnehmen, wenn doch die riskantesten Geschäfte im Investmentbanking getätigt werden und gerade das IB global von allen Banken zurückgeschraubt wird. Die DB wird hier kurzfristig 1000 Investmentbanker entlassen und dies mit Sicherheit nicht deshalb, weil sie hier einen Ausbau des Geschäftes plant.
Bis zur voraussichtlichen Einführung von Basel 3 haben wir noch 23 Quartale. Mal angenommen die DB baut keine Risikoassets ab und senkt somit den Kapitalbedarf nicht, dann bräuchte die DB bis Anfang 2013 tatsächlich 13 mrd Euro Kapital. Das wären dann ca 560 mio Euro einbehaltener Quartalsgewinn pro Quartal.
Gehen wir also davon aus, dass die DB ihr CIB nicht ausbaut sondern leicht zurückfährt, dann könnte der Kapitalbedarf bei einer Auflösung von RGA im Volumen von 80 mrd Euro um 7,2 mrd Euro reduziert werden. Plötzlich beträgt die Kapitallücke bis 2018 nur noch 4,8 mrd Euro und es bleiben 23 Quartale Zeit. Macht entweder 1 bis 1,5 Jahresgewinne oder aber ca 200 mio Euro pro Quartal.
Man sieht also, dass eine KE unnötig ist. Es könnte dennoch sein, dass die DB eine KE durchführt, man sollte niemals nie sagen. Dann aber wärden die Interessen der Aktionäre mit Füßen getreten. Dazu besteht jedoch keine Notwendigkeit.
Die DB braucht derzeit kein zusätzliches Kapital weil der kapitalträchtigste Bereich, das Investmentbanking, von allen Großbanken derzeit stark gestutzt wird.
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Ein sehr fundierter Beitrag, dem nichts hinzuzufügen ist!