Was dazu aus Heibel Ticker:
STRATEGIEWECHSEL BEI BANK OF AMERICA
Ganz anders geht man bei der Bank of America vor. CEO Brian
Moynihan wurde an die Spitze des Unternehmens berufen, um als
Saubermann mit den vielfältigen Vorwürfen der durch die
Immobilienkrise geschädigten Kunden umzugehen. Entsprechend
vollmundig waren seine Ankündigungen: Er werde jede Forderung
einzeln prüfen, er werde die Immobilienkredite, wenn notwendig,
einzeln mit den institutionellen Kunden durchgehen, um etwaige
Fehler aufzudecken.
Daraus wurde nichts, die Bank of America hat inzwischen viele
Milliarden an Entschädigung an die Regierung sowie an einige
institutionelle Kunden überwiesen. Und noch immer ist kein Ende
in Sicht, immer neue Klagen werden aus dem Hut gezaubert. Es
hat den Anschein, dass der Saubermann ausgenutzt wird.
Hintergrund: Im Rahmen der Finanzkrise hat die Bank of America
zwei andere Finanzinstitute gekauft: Countrywide und Merrill
Lynch. Countrywide war der skrupelloseste Hausfinanzierer. Mit
laxen Bonitätsprüfungen erhielten selbst Arbeitslose und
Personen mit schlechtem Kreditrating ihre
Immobilienfinanzierung. Als das System zusammenbrach, fing die
gut positionierte Bank of America den strauchelnden
Immobilienfinanzierer Countrywide auf.
Merrill Lynch war, nach Lehman Brothers, der skrupelloseste
Anbieter von „innovativen Finanzmarktprodukten“, wie
beispielsweise CDOs und CDSs, also die toxisch verpackten
Immobilienkredite. Auch Merrill Lynch kam in der Krise unter
die Räder und wurde von der Bank of America aufgefangen.
Die Bank of America hat jahrelang den Verlockungen des
schnellen Geldes widerstanden und war daher in der Krise ein
Fels in der Brandung. Natürlich wurde also zum Aufräumen bei
Countrywide und Merrill Lynch ein Urgewächs aus dem Hause Bank
of America bestellt: Brian Moynihan.
Doch es scheint, als dauern die Aufräumarbeiten unendlich lange
an. Ein Ende ist nicht in Sicht. Nun bringt das Unternehmen
potentielle Nachfolger in Position. Diese Woche wurden im
Rahmen eines Personenkarussells zwei Manager nach Hause
geschickt und die Spitze des Investmentbankings mit Tom Montag,
einem ehemaligen Goldman Sachs Manager, besetzt.
Es erinnert mich ein wenig an Anshu Jain bei der Deutschen
Bank. Niemand möchte die Bank in die Hände eines
Investmentbankers legen, denn ihnen haftet der Ruf von
Revolverhelden an. Doch die Jungs erwirtschaften die größten
Gewinne für die Banken, und genau das wollen eben die
Aktionäre, die Miteigentümer sehen.
Mit Tom Montag wird nun bei der Bank of America ein Mann vom
Kaliber des Anshu Jain in Position gebracht, um CEO Moynihan
einmal zu beerben, wenn er nicht mehr zu halten ist. Während
Moynihan um Aufklärung bemüht ist und moralisch für die
Verwerfungen der übernommenen Institutionen gerade steht, würde
ein Montag keine Skrupel haben, die eigene Bank zu shorten, um
drohende Strafzahlungen durch Tradinggewinne aufzufangen.
Ich weiß, das ist verboten. Doch ich habe Ihnen letzte Woche
dargelegt, wie man um solche Verbote herum kommen kann.
Fazit: Schade für die Kunden und schade für die Moral des
Finanzsektors (falls es dort eine Moral gibt). Gut für die
Aktie von Bank of America.