Schade, dass ich schon wieder keine Bewertungen abgeben kann. Heute viele gute Beiträge, aber auch viel Unsinn gelesen.
Stellt Euch vor, wir schreiben das Jahr 2013 und trinken ein Bierchen. Wie würden wir dann den momentanen Crash bewerten und was sind dafür die Ursachen. Einfach mal zurück lehnen und die Gedanken sammeln:
Ich glaube, es ist so eine Art geplatztes Ventil. Geht doch mal zurück ins Jahr 2008. Ein Jahr zündelt schon die Subprime Krise mit deren faulen Hypothekenkrediten. Ja, die Kurse sind etwas gebrökelt, aber eigentlich alles noch im moderaten Bereich. Doch dann brach über Nacht bzw. übers Wochenende Lehman Brothers zusammen. Eigentlich war die Bank gar nicht so gewaltig, aber es platzte ein Ventil an den Märkten. Kein Institut traute mehr den Bilanzen des anderen. Die Märkte rauschten in den Kelle, die Finazkrise war gebohren. Das ursprüngliche Problem hat sich allerdings über Jahre aufgebläht und war schon fast ein Jahr bekannt.
Jetzt haben viele Angst, dass sich dies wiederholt. Die Schuldenproblematik einiger Eurostaaten und der USA sind schon lange, sehr lange bekannt. Das diese aus dem Ruder läuft, wurde uns dieses Jahr schon sehr bewußt. Griechenland war nur der Anfang vor gut einem Jahr, doch galt es als handhabar. Dann folgten dieses Jahr noch Irland und Portugal. Das Problem wurde bedeutsamer. Ist deswegen wirklich etwas passiert? Nein, die Märkte gingen weiter, sind schließlich auch bei über 7000 beim Dax immer noch fair bewertet gewesen. Es liegen schließlich viel niedrigere KGV, Buchwerte usw. als beim Milleniumcrash zu grunde.
Nun wurde Ende Juli bzw. Anfang August die ganze Uneinigkeit der EU-Staaten und deren Handlungsunfähigkeit unter beweiß gestellt. Wie sollen die auch wirklich was bewegen, es handelt sich ja nicht um eine direkt gewählte Regierung, sondern einem guten Dutzend. Krisentreffen auf Krisentreffen folgte, aber nicht vom EU Parlament sondern von den jeweiligen Regierungschefs. Jeder wollte seine Ideen durch setzen und sein Land nicht zu sehr bluten lassen. Auf jeden Beschluss folgten Querschüsse. Aber die Börsen hielten sich noch einigermaßen.
Jetzt kommt meiner Meinung nach das Zünglein an der Waage. Welches Land hat immer wieder Führungsstärke gezeigt: Die USA und deren Präsident. Doch dieses Tea Party Debakel bei einer üblichen Formalie wurde so auf die Spitze getrieben, das selbst die USA in ihrer Entschlußkraft den Europäern ähnelte. Als es vor dem Wochenende vor der Deadline immer noch zu keiner annehmbaren entscheidung gekommen war, war der Schaden schon angerichtet. Was folgte war eigentlich nur noch folgen dieses kleinen und für mich auslösenden Ereignisses:
* Der Kompromiss schadet den USA, bekämpft weder die Schuldenproblematik wegen verweigerung von Steuerehöhung im Niedrigsteuerland USA und blockiert auf der anderen Seite künftige Investitionen des Staates.
* Wenigstens Standard & Poors will nicht die letzte verbliebende Glaubwürdigkeit verlieren und entzieht längst überfällig den USA das Tripple A (AAA).
* Die Märkte bröckeln auf breiter Front.
* Die Überschuldung der überwiegenden Anzahl der westlichen Staaten wird zum Hauptproblem, da es eigentlich nicht lösbar ist. Jeder hat jedem Unmengen an Geld geborgt.
* Trader beschleunigen den Verfall.
* Investoren wollen Ihre Schäfchen ins Trockene bringe, aber wohin? Nichts scheint mehr sicher zu sein. Es wird weder dem Euro noch dem Dollar getraut, alles andere kann nicht dieses Mengen absorbieren. Gold explodiert immer weiter, Franken macht den Schweizern zu schaffen usw.
Es ist ein sehr ähnliches Bild wie nach der Finanzkrise. Nur haben sich damals die Banken untereinander nicht mehr vertraut, so trifft diesmal das verloren gegangene Vertrauen die Nationen.
Meine Rechtschreibfehler sind übrigens gratis!